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Intelligenz-Olatt
für die
Provinz Oberßbeſſen
im Allgemeinen,
die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
Mittwoch, den 3. April
Alle Inſerate, welche von dem Donnerſtag Morgen bis den Sonntag Abend bei mir eingehen, finden in dem Mitt— wochs erſcheinenden Blatte eine Aufnahme; alle Inſerate, welche ich von dem Montag Morgen an bis den Mittwoch Abend erhalte, werden in das Samſtags erſcheinende Blatt aufgenommen.— Die Einrückungsgebühren betragen für die geſpaltene erſte Zeile 4 kr., für die zweite 3 kr., für die dritte und jede folgende 2 kr.— Ein Beleg wird mit 2 kr. berechnet. f
Aaugleich erlaube ich mir zu bemerken, daß man auf dieſes Blatt für die folgenden Jahre, vom 1. April an, mit 1 fl.(durch die Poſt bezogen 1 fl. 12 kr.) abonniren kann.
Friedberg.
Carl Bindernagel.
Ueber Maͤßigkeitsvereine.
Der Aufſatz im Intelligenzblatte Nro. 7.„die Men⸗ chenfreunde in Amerika“ und inſonderheit die am Schluſſe deſſelben angefügten Fragen veranlaſſen mich zu olgenden Bemerkungen.
Die beiden erſten Fragen, nemlich: ob nicht auch bei uns viel Elend und Herzeleid als die Folge des übermäßi—
zen Branntweingenuſſes zu finden und ob dem Uebel auf
deine Weiſe abzuhelfen ſei? muͤſſen entſchieden bejaht werden.
„Man darf nur einen Blick werfen in das zerrüttete Haus—
weſen mancher Väter, ja auch Mütter, die dem unmäßigen
Branntweingenuſſe ergeben ſind und von denen die meiſten
Orte unſerer Gegend wohl traurige Beiſpiele aufzeigen kön— nen, man darf nur ſehen, wie Friede und Eintracht unter len Gatten geſtört, wie das Vermögen zerrüttet wird, wie die Lindererziehung darniederliegt, wie am Ende aller Reſpect er Kinder gegen ihren trunkſüchtigen Vater oder Mutter zerloren geht, wie ſogar Kinder nicht ſelten an ihren Eltern ſch vergreifen und— es iſt ſchrecklich— eine Art von entſchuldigung haben, wenn ſie ſagen: ſie hätten es ohne borperliche Züchtigungen mit den Trunkenbolden nicht län— er mehr aushalten können, wie frühes Siechthum, lang— vierige Krankheit, Wahnſinn, Tod die fürchterlichen Be— leiter des Schnapsſaufens nur gar zu haufig ſind— und nan wird nicht mehr fragen, wo hat der Schnaps Unglück ungerichtet, wo Elend und Herzeleid hervorgerufen? Warum aber dem Uebel nicht ſolle abgeholfen werden tennen, das läßt ſich nicht einſehen, da es ja ein von den Nenſchen ihnen ſelber zugefügtes Uebel iſt— ſie dürfen nur
tem unmäßigen Branntweingenuſſe entſagen und die oben
geſchilderten Mißverhältniſſe des häuslichen Lebens ver— ſchwinden, wenigſtens in ſo weit, als ſie Folgen ſind jenes das Maas überſchreitenden Genuſſes.
Aber da der Branntweingenuß vielen Menſchen zur andern Natur geworden iſt, ſo iſt das Aufgeben deſſelben allerdings mitunter keine leichte Sache und es fragt ſich darum— und dieß war die dritte Frage oben bezeichneten Aufſatzes— auf welche Weiſe, durch welche Mittel dem fraglichen Uebel am ſicherſten könne entgegengearbeitet wer— den? und ob Jemand ein beſſeres Mittel als die Mäßig— keitsvereine wiſſe?
Claus Harms, der berühmte holſteiniſche Kirchen— propſt, will von Mäßigkeitsvereinen nichts wiſſen, da ſie die Geburt großer Glaubensloſigkeit ſeien; das Evangelium ſei das Mittel, das dem Chriſten allein anzuwenden gezieme, um ſittlichen Mißſtänden, alſo auch der Voͤllerei, ein Ende zu machen. Meines Bedünkens hat Cl. Harms mit dieſem Worte Recht und Unrecht; Recht, wenn er bei den Mäßig— keitsvereinen an(was ſie oft geworden ſind) Enthaltungs— vereine— die den Genuß aller geiſtigen Getränke verbie— ten— denkt, Unrecht, wenn er die Mäßigkeitsvereine als ſolche verwirft; Recht, inſofern er in dem Evangelium ein Mittel erblickt, den Menſchen zu heiligen immerdar, Unrecht, wenn er meint, man dürfe die Wirkſamkeit des Evangeliums nicht noch auf mancherlei Weiſe unterſtützen. Es heißt ja: das Evangelium iſt eine Kraft Gottes, die da ſelig machet Alle, die daran glauben; der Glaube an das Evange— lium, die Empfänglichkeit fur das Evangelium muß alſo bei einem Menſchen vorhanden ſein, ſonſt kann es nicht wirken. Wie aber? wenn der Brannutweingeiſt den guten


