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finden aller meiner Hausthiere en ſo weit zu ſorgen, daß ich dem Geſinde einſchärfte, das Vieh gehörig zu warten, und ſich keine Mißhandlung deſſelben zu erlauben, und daß ich keinen Dienſtboten in meinen Dienſten duldete, der dieſe Verordnung übertrat.
Die Leitung meiner Haushaltung und die Regie⸗ rung meiner Ortsunterthanen betrachtete ich als eine Schule, in welcher Gott mich mehr auszubilden und zu veredeln ſuche. Dieſe Vorſtellung benahm allen meinen Arbeiten das Unangenehme; und die Ver⸗ drüßlichkeiten, die mir von Zeit zu Zeit aufſtießen, konnten mich nie zum heftigen Unwillen bringen: weil ich ſie als nöthig zu meiner Erziehung betrachtete.
Ich ſuchte nun eine Gattin, und fand in der Tochter eines Adeligen, deſſen Gut einige Meilen von dem meinigen lag, die Perſon, von welcher ich glaubte, daß ſie für mich beſtimmt ſei. Ich fühlte bald eine ſo heftige Liebe zu ihr, daß meine Ge⸗ müthsruhe litt, wenn ich ſie nicht wenigſtens einmal wöchentlich ſah. Recht oft war ich in der lieben Familie; man nahm mich ſtets mit offenen Armen auf, und bat mich, bald wieder zu kommen. Der Beſuch wurde auch bisweilen erwiedert, und bei der Gelegenheit meine Gegend, meine Haushaltung, mein Wohnſitz bewundert und gelobt. Da ich nun ganz gewiß verſichert zu ſein glaubte, daß ich keine Fehl⸗ bitte thun würde, wenn ich mir meine Geliebte zur Gattin erbäte: ſo wurde der Tag beſtimmt, an dem ich meinen Antrag thun wollte. Schon war mein Wagen vorgeruͤckt, die Pferde waren angeſhrert, meine Kleidungsſtücke in Ordnung gebracht, als ich einen Wagen über meinen Hof rollen hörte. Ich ſprang an's Fenſter, und ſah den beſten Freund meines Vaters ausſteigen. Unwillig ſtampfte ich mit dem Fuße auf die Erde;— aber der Gedanke, der mir, als ich über den Saal ging, um ihn zu em⸗ pfangen, durch die Seele fuhr: es iſt Gottes Wille nicht, daß du heute reiſen ſollſt! gab meiner Seele bald eine andre Stimmung.
An ſolche Vorſtellungen gewöhnt, begriff ich ſo⸗ gleich, daß Gott meine Abreiſe durch dieſen uner- warteten Beſuch unterſage, indem er mich auffordere, die Pflicht zu erfüllen, die ich dem beſten Freunde meines Vaters ſchuldig wäre, und die ich verletzen müßte, wenn ich zur Befriedigung meiner Leiden⸗ ſchaft eine Reiſe antreten wollte, die auch bis mor⸗ gen verſchoben werden könnte.
Dieſe Vorſtellung ſetzte mich in den Stand, mei⸗ nen Gaſt mit der Heiterkeit und Offenheit zu em⸗ pfangen, die der Freund meines Vaters zu erwarten berechtigt war, und im Stillen meinen Bedienten den Befehl zu ertheilen, daß ſie die Pferde abſchirren und den Wagen in die Remiſe bringen möchten. Dieſe Vorſtellung ſetzte mich auch in den Stand, den Freund meines Hauſes ganz zu genießen, und das Vergnügen lebhaft zu fühlen, das mir die durch ſeine Geſpräche in der Seele geweckte Erinnerung an ſo viele früher erlebte Familienſcenen verſchaffte.
Bei Tiſche kamen wir auch auf das Haus zu reden, das ich ſo gerne beſuchte.
Ich weiß nicht, ſagte mein Gaſt, was dort vor⸗
gehen muß. Die Hochzeit wird von einer Woche
zur andern verſchoben. Erſt ſollte ſie Oſtern ſeyn, nun haben wir ſchon bald Johannistag, und ich höre noch nicht, daß Anſtalten dazu gemacht werden.
Was denn für eine Hochzeit? fragte ich.
Die Hochzeit des Herrn von S. mit dem älteſten Fräulein. Haben Sie denn nichts davon gehört?
Kein Wort; antwortete ich. Sollte das Fräulein ſich aber wirklich mit dem Herrn von S. verlobt haben? fragte ich weiter.
Dieß iſt ſo gewiß, als ich hier vor Ihnen ſitze, war die Antwort; ich bin ſelbſt bei dem Verlöbniſſe zugegen geweſen. Hierauf erzählte er mir das Nähere von dem, was bei dieſer Gelegenheit vorgefallen war, mit den kleinſten Umſtänden, und verſicherte, daß er ſich den Aufſchub der Hochzeit nicht anders als damit zu erklären wiſſe, daß vielleicht ſich eine beſſere Parthie fuͤr das Fräulein gefunden habe, und daß man deßwegen einen Vorwand ſuche, um mit dem Herrn von S. brechen zu können. Denn dieſer ſei freilich nicht ſehr beguͤtert, und in dem Hauſe ſeiner Verlobten ſei es gewöhnlich, den Werth des Menſchen nach der Größe ſeiner Einkünfte zu ſchatzen.
Während dieſer Erzählung ſank ich nicht in Ohn⸗ macht. Ob ich gleich etwas ſchwer zu athmen an⸗ fing, ſo hielt mich doch die Ueberzeugung aufrecht, daß ich jetzt einen Wink von Gott bekäme. Dieſe Ueberzeugung gab meiner Seele ſo viel Stärke, daß ich dem Freunde meines Hauſes die Angelegenheit meines Herzens verſchwieg.
Als ich auf mein Lager kam, meldeten ſich die fieberhaften Zufälle, die gewöhnlich bei Perſonen ſich einfinden, die leidenſchaftlich aber unglücklich lieben; doch ich beſiegte ſie durch den Glauben, daß mein Schickſal von Gott gelenkt werde, und— ſchlief ruhig ein.
Des Morgens verließ mich mein Gaſt wieder. Sobald ich ihm in den Wagen geholfen hatte, und er zum Thore hinausgefahren war, eilte ich auf mein Zimmer, ſagte meinem Bedienten, daß ich allein ſein müſſe, verſchloß die Thür und überlegte, was ich zu thun hätte. 0
Ich ging von dem Gedanken aus: dieſen Beſuch hat dir Gott zugeſchickt— er muß Abſichten haben, weil durch ihn eine für dich ſo äußerſt wichtige Reiſe vereitelt wurde. Als ich dieß ſo, hin und her über⸗ legt hatte, wurde ich überzeugt, daß mir Gott einen Wink gegeben habe, die Geliebte meines Herzens nicht zu ehelichen. Denn, dachte ich, nun weißt du ja, daß du dieſe Perſon zur Untreue verleiten mußt, wenn du zu ihrem Beſitze gelangen willſt. Erlaubt dieß die Pflicht? Und— wenn du pflichtvergeſſen genug ſein könnteſt, ſie zur Wortbrüchigkeit zu ver⸗ leiten, was würde für dich von der Verbindung mit einer Perſon zu erwarten ſein, deren erſtes Verſpre⸗ chen gegen dich mit dem Brechen eines früher ge⸗ gebenen feierlichen Verſprechens verbunden wäre?— Ich bekam dadurch Kraft genug, den Entſchluß zu faſſen, daß ich auf die Ehelichung einer Perſon Ver⸗
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