Ausgabe 
16.8.1843
 
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Menzikoff kroch hinten drein. Als er draußen ſtand, ergriff der Kaiſer ſein ſpaniſches Rohr, das ihm zum Spazierſtocke diente, und bearbeitete damit nachdrück⸗ lich des Fürſten Rücken. Welch ein erſtaunenswürdi⸗ ges, ſeltenes Beiſpiel für den Zuſchauer! Hier ſteht, mit Ordensſternen bedeckt, ein großer Mann, geduckt und mäuschenſtill, welcher geduldig von einem Manne in ſchlichtem Kleide ſich prügeln läßt. Nachdem Peters ſtrafender Arm ſich müde gearbeitet und ſein Zorn ſich gelegt hat, ſpricht er ganz freundlich zum Durchge⸗ bläuten:Nun, lieber Menzikoff, wollen wir weiter fahren! Folgſam ſteigt dieſer wieder ein, und der Kaiſer ſpricht ſo leutſelig mit ihm, als ſei gar nichts vorgefallen. Menzikoff darf ſich nicht einmal den ſchmerzenden Rücken ſtreichen, nicht eine Miene des Schmerzes ziehen; ſogar mitlachen muß er, wenn der Kaiſer lacht!

Ein ander Mal war dem Kaiſer ein neuer Be trug Menzikoff's hinterbracht worden. Sofort erhielt dieſer durch ſeine Spione Nachricht davon. Bereits ging er mit ſich zu Rathe, auf welche Weiſe er wohl die Anklage entkräftigen könne. Da empfing er eine Einladung vom Kaiſer, bei ihm zum Mittageſſen zu erſcheinen. Eine Leichenbläſſe überzog Menzikoff's Antlitz. Mit Muͤhe konnte er ein ſtarkes Zittern des ganzen Körpers bemeiſtern, als ihm der Kammer diener das Staatskleid anlegte, in welchem er nach Hofe fahren ſollte. Leiſe ſeufzend blickt er auf die blitzenden Sterne an ſeiner Bruſt herab, die er jetzt gern gegen ein gutes Gewiſſen vertauſcht hätte. Schweren Herzens ging er durch die dichten Reihen der tief ſich verneigenden Höflinge, Offiziere, Staats räthe, Miniſter und Geſandten, die den mächtigen Günſtling tief im Herzen haßten oder beneideten. Seine bevorſtehende Demuüͤthigung ahnend, ſetzte er ſich, nach unterwürfiger Begrüßung des Kaiſers und ſeiner Gemahlin, an die lange, geſchmückte Mittagstafel, ſeinem Monarchen gegenüber. Letzterer ſah ernſt, doch keineswegs zornig aus. Trompeten und Pau⸗ ken ertönten. Das Mahl begann. Doch Menzikoff ſchmeckte kein Biſſen. Von Zeit zu Zeit richtete er einen ſtechenden Blick auf den Monarchen oder deſſen Gemahlin. Peters Antlitz blieb unverändert. Auf einmal ſchwieg die Muſik. Alle Gäſte ſchauten auf den Kaiſer hin, der ſich jetzt an den hinter ihm ſtehenden Kammerherrn wandte.Hole einmal, gebot er ihm,aus meinem Kabinette das zuſammen⸗ gelegte Papier, das du auf dem Marmortiſchchen unter dem Spiegel finden wirſt. 0

Eiligſt entfernte ſich der Kammerherr. Menzikoff's bemächtigte ſich Furcht und Schrecken; der Hals war ihm ausgedörrt; der Stuhl unter ihm brannte, wie glühende Kohlen; ſeine Beine zitterten heftig. Bald kehrte der Kammerherr mit dem Papier zurück.

Lies vor, was darauf ſteht, laut und vernehm⸗ lich! befahl der Kaiſer.

Von Menzikoff's Antlitz wich alle Farbe. Peter warf ihm einen ſtrengen Blick zu und erhob den Zeigefinger. Stumm richtete ſich Menzikoff von ſei⸗ nem Seſſel auf, das jammervolle Bild eines armen

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Sünders. Der Kammerherr warf einen Blick, der Menzikoff wie um Verzeihung zu bitten ſchien, her⸗ über, machte ihm dabei eine ſtumme Verbeugung, räuſperte ſich verlegen und las dann mit etwas un⸗ ſicherer Stimme: ö

Alexander Menzikoff, der Sohn eines gemeinen Bauern, wurde durch die Gnade ſeines Monarchen aus dem Staube eines Paſtetenbecker-Jungen bis zu den höchſten Wurden des Reichs erhoben. Rühm⸗ liche Eigenſchaften, die er an demſelben bemerkte, nicht gewöhnliche Kenntniſſe, eine unermüdliche Thaͤ tigkeit, hatten ihm die Gunſt ſeines Herrn erworben, der ihn mit Reichthümern überhäufte. Doch nicht immer entſprach er den gerechten Erwartungen des Kaiſers. Oft mißbrauchte er vielmehr die Guͤte ſeines Herrn auf die undankbarſte Weiſe. Ganze Bogen könnte man mit Aufzählung der ungerechten, ſtrafbaren Handlungen anfüllen, die er ſich ſchon hat zu Schulden kommen laſſen. Er pocht auf die Lang⸗ muth ſeines Monarchen, der mehrmals ſchon den kühnen Frevler gezüchtigt, gewarnt, durch Veröffent⸗ lichung ſeiner Vergehungen geſtraft hat; doch vermehrt er erſt jetzt wieder die Menge derſelben dadurch, daß er den Sold eines ganzen Regiments, das er

nur auf dem Papiere errichtete, zwei Jahre lang in

ſeine unerſättliche Taſche geſteckt hat. Der Kam merherr ſchwieg, legte das Papier zuſammen und harrte des weiteren Befehls ſeines Kaiſers.

Während des Vorleſens hatte der zerknirſchte Menzikoff verſtohlen auf ſeine Tiſchnachbaren umher geblickt, ob er dieſelben über einem ſchadenfrohen Lächeln, einer zufriedenen Miene ertappe; doch dieſe hüteten ſich wohlweislich, die unverſöhnliche Rach⸗ ſucht des gedemüthigten Guͤnſtlings ſich zuzuziehen. Sie ſchauten, eben ſo, wie das kaiſerliche Paar, mit geſenkten Augenliedern auf ihre Teller, obſchon ſie das Vorleſen nicht durch das Geräuſch der Meſſer und Gabeln zu ſtören wagten, ſondern mit Eſſen ein gehalten hatten.

Jetzt aber ſah Peter, ernſten Auges, den Fuͤrſten an.Menzikoff, ſprach er mit Nachdruck,du ſelbſt haſt dir dieſe Demüthigung zugezogen. Längſt iſt dir die Art und Weiſe deiner Strafe bekannt, die du durch jede ſchlechte Handlung dir zuziehſt. Mein gegebenes Verſprechen, dich nicht am Leben zu ſtra⸗ fen, werde ich halten; allein nimm dich in Acht, daß nicht durch neue Schändlichkeiten der heutige Auf⸗ tritt ſich wiederhole, oder mein ſpaniſches Rohr in un⸗ angenehme Berührung mit deinem Rücken trete.

Damit war die Sache abgethan. Das Mahl ward beendigt; Spieltiſche traten an die Stelle der Speiſen; Menzikoff ſpielte mit der Kaiſerin und noch zwei der vornehmſten Damen Karte, als ſei nichts vorgefallen. Wie mag es aber in ſeinem Innern ausgeſehen haben?

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