der neu⸗ und
el. Erben.
hauer, ner
Intelligenzblatt
für die
Provinz Oberbeſſen im Allgemeinen,
Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen
und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M13.
Sonnabend,
den 4. Maͤrz 1843.
Der Branntwein und ſeine Wirkung.
Denkſprüche. (Fortſetzung und Schluß.)
Willſt du deine Sinne abſtumpfen, ſo ſei ein Trunkenbold; denn du wirſt dann in kurzer Zeit einen Eſel an Dummheit übertreffen.
Willſt du dich eines vernünftigen Verkehrs mit deinen Mitmenſchen unfähig machen, ſo ſei ein Trunkenbold; denn auf dieſe Weiſe biſt du gänz⸗ lich davon ausgeſchloſſen.
Haſt du dir vorgenommen, dein Leben zu ver⸗ kürzen, ſo ſei ein Trunkenbolbz und du wirſt deinen ſchrecklichen Vorſatz gewiß erreichen.
Willſt du deine Thorheiten und Heimlichkeiten bloßſtellen, ſo ſei ein Trunkenbold; und ſie kommen eben ſo ſchnell heraus, als der Brantwein hinein geht..
Wünſcheſt du dein Geld los zu werden, ohne zu wiſſen wie, ſo ſei ein Trunkenbold; und es wird unbemerkt verſchwinden. Wiſſe, daß der Kreuzer, welcher einmal hin iſt, nie wieder kommt!
Wünſcheſt du, wenn du nicht mehr arbeiten kannſt, keine andere Zuflucht, als das Armenhaus, ſo ſei ein Trunkenbolbdz und du wirſt keine andere er⸗ langen können. Merke dir aber: es iſt noch eine Frage, ob man dort dich aufnimmt.
Biſt du entſchloſſen, dein häusliches Glück zu zerſtöreu, ſo ſei ein Trunkenboldz und du wirſt ſolches bald kräftig in Ausführung bringen.
Willſt du ein Gefährte der verworfenſten Men⸗ ſchen werden, ſo ſei ein Trunkenboldz; und d ieſe werden dich bald Bruder nennen.
Willſt du unerträglich ſein, ſo ſei eiu Trun⸗ kenbold; denn Jedermann wird vor einem ſolchen zurückweichen.
Willſt du dich deiner Familie und deinen Freun⸗ den verhaßt machen, ſo ſei ein Truukenbold; und du wirſt ihnen bald mehr als unangenehm ſein.
Willſt du deine Fehler nicht verbeſſert ſehen, ſo bleibe ein Trunkenboldz und du brauchſt dich nicht um guten Rath zu bekümmern.
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Wunſcheſt du alle deine Ausſichten im Leben ver⸗ dunkelt zu ſehen, ſo ſei ein Trunkenbold; und ſie werden in kurzer Zeit dunkler wie die ſchwärzeſte Nacht ſein.
Wünſcheſt du deine Vernunft zu zerſtören, und deine Tage in den Gemächern eines Tollhauſes zu— zubringen, ſo ſei ein Trunkenbold.
Willſt du deine Talente, geiſtigen Fähigkeiten und Kenntniſſe verwüſten, ſo ſei ein Trunkenbold; und die endliche Vernichtung deiner geiſtigen Kräfte iſt gewiß.
Endlich, biſt du entſchloſſen, Leib und Seele zu verderben, und im Leben, im Tode, in der grenzen— loſen Ewigkeit, keine wahre Freude, keine Hoffnung, keinen Troſt, keinen Erlöſer, keinen Gott zu haben, nun ſo bleibe ein Trunkenbold, und Armuth, Krankheit, Schande, Verachtung, Gewiſſensbiſſe, Ver— zweiflung, und ewige Verdammniß werden dir auf dem Fuße nachfolgen.
Nun, der du den Brantwein mit ſo luͤſternen Augen anſiehſt, weil er ſo roth und ſchön im Glaſe ſteht,(Sprüche Salomo 23, 29— 32) was ſagſt du zu allen dieſen vernünftigen Gründen?— Sagſt du vielleicht:„es iſt nicht alſo!“ Ei, dann frage die Erfahrung, die Weisheit auf der Gaſſe, die wird dich's lehren. Oder biſt du vielleicht ſo tollkühu und willſt alles oben Geſagte erſt an dir erfahren?— Ach, dann iſt es zu ſpaͤt!— Darum laß dich be— lehren und werde aus Anderer Erfahrung klug.
Einladung.
Die Mitglieder und Freunde des proteſtantiſchen Vereins werden auf Mittwoch den 8. März, Vor⸗ mittags um 11 Uhr, zu einer berathenden Verſamm⸗ lung in das große Lokal des hieſigen Stadthauſes hiermit ergebenſt und mit der Bitte, ſich gefälligſt recht zahlreich einfinden zu wollen, eingeladen.
L. Matthias, Pfarrer, Secretär.


