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Intelligenzblatt
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Vberhessen
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
V 29.
Gemeinſchaftliche Orte.
Gar manche Orte in Deutſchland hatten ſonſt ſas Schickſal, nicht Einem Herrn anzugehören, ſon⸗ ſern mehreren, und zuweilen gerade ſolchen, die mit ſinander nicht in dem beßten Vernehmen ſtanden. Da gab's denn nicht ſelten eine Menge Proteſtatio⸗ zen, Arreſtationen ꝛc. überhaupt genug zu thun für die Herrn Rechtsgelehrten. Wer z. B. ſehen wollte, wie ſie ihre Kräfte gegen einander verſuchten, der hurfte vor vierzig und mehr Jahren nur nach Um⸗ tadt gehen, welches zwiſchen Kurpfalz(ein Wort, das bei ſchwerer Ahndung ſo zu ſchreiben verboten war; man mußte Churpfalz ſchreiben) und Heſſen⸗ Darmſtadt getheilt war, und wo jede Herrſchaft hre beſonderen Beamten hatte. Andere Orte hat⸗ en das Schickſal, daß die Gränze mitten durchzog; in Umſtand, der zu allerlei Auftritten Veranlaſſung zab, wenn es auch nicht wahr iſt, was ein berühm⸗ er deutſcher Schriftſteller von dem Helden ſeines Buches erzählt, er ſey in einer Stube geboren, in welcher die Landesgrenze mitten durchgegangen und nit Kreide bezeichnet geweſen ſey, wie man in gro⸗ zen Städten Zimmer findet, in welcher oft 3 bis 4 Familien zuſammen wohnen, und worin jeder ihre Gränze mit Kreide gezogen iſt. Durch die Staats Verträge von 1803, 1806, 1809, 1816 u. ſ. w. hat ſich zwar hierin Vieles geändert; es finden ſich aber noch immer ſolche gemeinſchaftliche Orte. Wir wol⸗ len deren hier die bedeutendſten, welche das Groß— herzogthum Heſſen betreffen, unſern Leſern anführen. 2) Orte, welche zum Theil dem Großher—
zogthum Heſſen, zum Theil einem an— dern Staate angehören.
1) Bösgeſäß zwiſchen Wenings und Birſtein. Dieſer Ort gehört zwar ganz zur Standesherr— ſchaft des Fürſten von Iſenburg-Birſtein; was aber diſſeits der Bracht liegt, wird zum Großherzogthum Heſſen, was jenſeits, zu Kur⸗ heſſen gerechnet.
Sonnabend, den
20. Juli
29 Kürnbach. Dieſer Ort liegt zwiſchen dem Würtembergiſchen und Badiſchen, iſt aber ſo getheilt, daß zwei Drittheile zum Großherzogthum Heſſen gehören, ein Drittheil badiſch iſt.
3) Nieder-Urſel iſt etwa zwei Stunden von Frankfurt entfernt. Die eine Hälfte gehört zur Standesherrſchaft Solms-Rödelheim, die andere aber zum Gebiete der freien Stadt Frankfurt.
4) Ohrenbach im Odenwalde. Davon gehören 4 Häuſer zum Großherzogthum Heſſen und zwar zur Herrſchaft Breuberg, welche dem Fürſten von Löwenſtein⸗Werthheim und dem Grafen von Erbach⸗Erbach gemeinſam iſt. Der übrige Theil des Ortes gehört zum Königreich Baiern.
5) Radmühl. Die eine Hälfte auf der linken Seite des Salzbaches liegt im Großherzogthum Heſſen und gehört zum Landrathsbezirk Lauter— bach; die andere Hälfte liegt in Kurheſſen und gehört dem Fürſten von Iſenburg-Birſtein.
b) Orte, welche zwar ganz im Großherzog— thum Heſſen liegen, aber verſchiedene Herrſchaften haben.
1) Stadt Aſſenheim. Hiervon ſind 2 Zwölf— theile domanial, 5 Zwölftheile aber gehören Iſenburg⸗Wächtersbach und eben ſo viele dem Grafen von Solms-Rödelheim.
2) Burggräfenrod. Bis zum Jahr 1823 war 1 Drittheil domanial, 1 Drittheil ſolms-rödel— heimiſch und 1 Drittheil gräflich elziſch. Durch Vertrag vom 5. Juni 1823 wurde das Doma⸗ nial-Drittheil jedoch ohne die Domanialgüter gegen den Antheil von Petterweil an Solms— Rödelheim abgegeben.
3) Effolderbach im Kreis Nidda. 2 Sechs⸗ theile ſind Domanial-Beſitzung, 1 Sechstheil ge—⸗ hört dem Grafen von Iſenburg-Büdingen und 3 Sechstheile dem Grafen von Stollberg-Wer⸗ nigerode-Gedern.
4) Geis⸗Nidda. Davon gehören 19 Zwanzig⸗


