174 5) Da wo die Anſchaffung eines neuen Hypothekenbuchs nach den desfalls ohnlängſt gepflogenen Ver⸗ handlungen erforderlich iſt, werden; Sie nicht verſäumen, die Mittel hierzu unter Ord. Nr. 108 mit

etwa 8 12 fl. vorzuſehen.

6) Sollen wegen des mangelhaften Zuſtandes der alphabetiſchen Regiſter der Hypothekenbücher überall Generalregiſter nach einem gedruckten Formular eingerichtet werden. Fur die Koſten derſelben werden Sie unter Ord. Nr. 108 etwa 57 fl. und für die entſtehenden Commiſſions gebühren je nach der Menge der vorhandenen Hypothekeinträge unter Ord. Nr. 106 etwa 15 bis 50 fl.

vorſehen.

7) Muß ich Sie dringend auffordern darauf zu achten, daß für die Unterhaltung der Gemeinde⸗ Gebäude und Anſtalten die nöthigen Mittel in den Voranſchlag aufgenommen werden, denn nichts kann vor dem Publikum einer Verwaltung mehr zur Unehre gereichen, als das mißſtändige Aus⸗ ſehen oder gar die Baufälligkeit ihrer öffentlichen Gebäude. Ich beziehe mich im Uebrigen auf mein vor Kurzem über das Gemeindebauweſen an Sie erlaſſene beſondere Ausſchreiben.

8) In Betreff der Bedürfniſſe der Kirchen und Schulen wollen Sie mein Ausſchreiben in Nr. 23 des Intelligenzblattes von dieſem Jahre gleichfalls zu beachten nicht verſaumen.

9) Was unter Satz 7 von den offentlichen Gebäuden geſagt wurde gilt ebenſo von den öffentlichen

reſp. Vicinalwegen.

Ueber die zu deren Unterhaltung nothwendigen Mittel haben Sie von den

Bezirkswegwärtern Ueberſchläge in duplo einzuholen, und dieſelben unter gleichzeitiger Eintragung des Bedürfniſſes in den Voranſchlag, dem letzteren als Beilagen anzulegen. Wo, wie ich häuſig wahrgenommen habe, die Wegweiſer an Vicinalwegen fehlen, oder in üblem Zuſtande ſind, da müſſen zugleich die Mittel für die Anſchaffung neuer nebſt deren Anſtrich mit der Landesfarbe (roth und weißer Oelfarbe) vorgeſehen werden, wobei ich bemerke, daß ich mir die Mittheilung eines gleichfoörmigen Muſters für dergleichen Wegweiſer vorbehalte. Endlich

10) Empfehle ich Ihnen angelegentlichſt für die Fortſetzung des Vicinalwegneubaues ſoweit es nur die Kräfte Ihrer Gemeinde erlauben entſprechende Mittel in Ausſicht zu nehmen.

Friedberg den 10. Juni 1839.

Küchler.

Hoffnung und Berufstreue.

Mancher Jüngling, der ſich dem wichtigen Amte eines Jugendbildners widmet, lebt ſo ganz harmlos, vergnügt in ſeiner täglich munteren Geſellſchaft, nur ſeine Studienarbeiten beſorgend, auf der ihm ſo nuͤtzlichen Vorbereitungsanſtalt. Nur ſeine in der Einbildung ſtattfindenden Beſchränkungen ruͤgend, ahnt er nicht die vielen dunkeln Wolken, die noch über ihn herziehen werden. Mancher verläßt dieſe Anſtalt ganz mit dem Geiſte für ſeinen Beruf, der ihn durchdringen ſoll, und mit den Kenntniſſen ver⸗ ſehen, die ihm unentbehrlich ſind; die Hoffnung be⸗ gleitet ihn dabei und ſeine Erwartung läßt ihn ſchon in der Ferne goldne Hügel erblicken. Doch die Erfahrungen Anderer, die vor ihm mit eben die⸗ ſen Hoffnungen in die Welt traten, ſtimmen damit höchſt ſelten überein. Aus ſeiner Jünglingsgeſell ſchaft tritt er heraus, ein einſames Dörfchen des Landes nimmt ihn auf und nun ſoll der practiſche Theil ſeines Lebens beginnen. Seiner friſchen Kraft, ſeinem erſten Berufseifer ſtellen ſich nun mannig⸗ fache Gegenſtände dar, die ſeine Thätigkeit in Anſpruch nehmen: da trifft er eine verwahrtoſte Schule an, findet ſchlechten Kirchengeſang, wird ſchlechte Einrichtungen und Mängel in ökonomiſcher Hinſicht gewahr u. ſ. w. Bei ſeinen guten Vor⸗ ſätzen, ſeiner ernſten Thätigkeit und dem Ergreifen guter Mittel um ſolche Mißſtände zu beſeitigen, ſtößt er aber auf hundert Klippen, die ihm hindernd in den Weg treten und an denen leicht ſein guter

Muth ſcheidern könnte. Sinnloſe Menſchen, un⸗ empfänglich fürs Beſſere, Mangel an Fonds, um den Gebrechen an Schule und Kirche abzuhelfen, und die damit in Verbindung ſtehende geringe Be ſoldung, die kaum zur Befriedigung der nothwen digſten Bedürfniſſe hinreicht, das ſind die Klagen, die alsdann erhoben werden. Doch er iſt ein treuer Lehrer geworden; über alle Unannehmlichkeiten ſich erhebend, unermuͤdet alle Hinderniſſe beſiegend, nicht der Gegenwart und ſeines zeitlichen Vortheils ge⸗ denkend, bleibt er ſeinen guten Entſchließungen ge treu, denn er hat ſeinen Beruf mit Innigkeit und Liebe erfaßt. Ihm ruft ſein Schutzgeiſt zu: Laſſe es ſeyn, wenn dich Menſchen deines guten Willens wegen anfeinden, wenn ſie dir Hinder niſſe auf dei⸗ nem Wirkungswege aufthürmen; du wirſt von ei⸗ nem höheren Geiſte geſchützt, der dir Kraft und Muth verleiht über dieſe Beſchwerlichkeiten Herr zu werden. Laſſe es ſeyn, wenn Armuth und Dürftig⸗ keit in deiner ganzen Nähe ſichtbar ſind; das ſind nur zeitliche und irdiſche Angelegenheiten, die im Reiche der Hoffnung andere Geſtalten annehmen. Laſſe es ſeyn, wenn du in verborgener Stille, ſelbſt von Höheren weniger beachtet, doch ſegensreich wirkeſt; der Schickſals Lenker wird dich aus deiner einſa⸗ men Verborgenheit mit deinem ganzen Verdienſte an einen offeneren Wirkungskreis ſtellen, wo du für verloren geſchienene Muͤhe hinglänglich Entſchädi⸗ gung erhalten wirſt. Daure nur aus, wenn auch des Schickſals Wellen dich ſchwer belaſten und dir

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