Ausgabe 
24.1.1835
 
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das mit, tand piſſet⸗ eſern on

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Oktbr. l. J. dankt, erlaubt ſich derſelbe Folgendes erläuternd dieſem Aufſatze anzufügen:Als der Fliegenwedelhandel im Jahre 1824 und 1825 von

Espa in das großh. heſſiſche Gebiet übergieng, wurde

derſelbe vorzüglich ſtark aus den Orten Münſter, Maibach, Bodenrod, Fauerbach I., Hoch und Niederweiſel ꝛc. betrieben, und manche Orte, namentlich Münſter und Maibach waren von ledigen Frauensperſonen ſo entleert, daß ſelten noch ein junges Mädchen zu ſehen war. Dieſes erregte unter den Geiſtlichen der genannten Orte Aufſehen, und der Veteran derſelben, der Herr Pfarrer Dreſcher zu Münſter, ein vorzüglicher Kanzelredner, trat zuerſt gegen den Fliegenwedelhandel auf. Da jeden Herbſt gefallene Mädchen in ihre Heimath zurück

kehrten und ſich mit jedem Jahr die Zahl vergrö⸗

ßerte, auch nunmehr Schulkinder auf die Reiſen nach Rußland, Dännemark, England u. ſ. w. mit⸗ geſchleppt wurden, ſo ſuchte dieſer dem Unweſen auf das Kraftigſte zu ſteuern, und dieſem Prediger gebührt das Verdienſt, daß das Verbot erlaſſen wurde, keine Schulkinder mehr mitnehmen zu dür fen; auch wurde das Verbot durch die Ortsbürger meiſter öffentlich bekannt gemacht und das Mitneh men von ledigen Frauensperſonen eingeſchränkt. Da indeſſen alljährlich die Fliegenwedler Päſſe in's Ausland zu erſchleichen wußten, auch die in England erbettelten Gold- und Silberſtüͤcke reizten, ſo zogen jedes Jahr mehr Leute aus den gedachten Orten auf den Fliegenwedelhandel in's Ausland, um unter dieſer Firma zu betteln. Die unmittel- bare Folge davon war, daß der Ackerbau vernach laßigt wurde; halbe Gemarkungen blieben wüſte liegen und die Fliegenwedler konnten ſich bei ihrer Rückkehr in's Vaterland nicht dazu bequemen, ihre alten Bauernarbeiten zu verrichten, ſondern zogen es vor, das im Ausland durch Betteln, Singen, Poſſenreißen und Muſik erhaltene Geld im Wirths haus zu verpraſſen. Daß durch dieſes Gewerbe die Moralität, der Fleiß zur Arbeit und der häusliche Friede zu Grunde gegangen iſt, bedarf keiner wei teren Ausführung, ja die profeſſionirten Fliegen wedler giengen ſogar ſo weit, ſich jeder ökonomiſchen Arbeit zu ſchämen und ließen dieſelbe durch Andere verrichten, da ſie ſich ſolcher ganz entzogen. Die eben genannten Orte können ſich glücklich preiſen,

8 des Aufſatzes in der Didaskalia Nro. 296 vom 27.

daß Herr Kreisrath Küchler mit Energie dieſem Uebel entgegengetreten iſt, und die Zeit wird lehren, ob dieſer würdige Beamte im Stande iſt, dieſem ſeit zehn Jahren eingeſchlichenen Uebel Schranken zu ſetzen und es mit Stumpf und Stiel auszurotten, wozu der Herr ſeinen Segen verleihen möge!

A fen.

Die Bewohner im ſ. g. Grunde Breiden bach ſollen ihre beſonderen Gewohnheitsrechte haben, die von den übrigen im Großherzogthum Heſſen geltenden Rechten ganz verſchieden ſind. Iſt Nie mand in der Wetterau, der hierüber etwas Näheres mitzutheilen wüßte?

* 5*

Bei Bönſtadt ſteht ein alter Wartthurm. Weiß Jemand nähere Nachrichten hierüber mitzu theilen?

* 4*

Im Jahr 1793 ſollen bei Friedberg mehrere römiſche Urnen ausgegraben und von damaligen ſtadtiſchen Behörden aufbewahrt worden ſeyn. Weiß ſeiemand, wo ſie hingekommen ſind?

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

NN

Hofraithe-Verſteigerung. (7) In Auftrag großherzoglichen Landgerichts da hier ſoll Freitag den 13. Februar l. J., Vormittags um 10 Uhr, in hieſigem Rathhauſe die Hofraithe des Wilhelm Netz dahier, beſtehend in Wohnhaus Nebenbau, Brauerei, Scheuer, Stall, Garten und Grund, an Johann Oberländer und der Stadt Fried berg am fauerbacher Thor gelegen, öffentlich meiſt bietend unter den alsdann bekannt gemacht werden den Bedingungen verſteigert werden. Friedberg den 2. Januar 1835. Der Bürgermeiſter D. Fritz. Hofraithe-Verſteigerung.

(8) In Auftrag großherzoglichen Landgerichts ſoll Montag den 26. d. M., Vormittags halb 11 Uhr in hieſigem Rathhauſe die Hofraithe der Jakob Simmrocks Eheleute, beſtehend in Wohnhaus, Scheuer Grund und Garten, an Ludwig Sellin und Philipp Söllner Jun. in der Seegaß gelegen, einer noch maligen öffentlichen Verſteigerung ausgeſetzt, und