eit in Wahnſinn verfallen wären; daß ſogar in Irland eine kleine Stadt von 800 Häuſern sey, worin ſich 25 Schenken befanden.
Leider ſind auch bei uns die Fälle nicht ſelten vorgekommen, daß Leute durch den übermäßigen Genuß geiſtiger Getränke ſich nicht nur um Hab und Gut, ſondern auch um ihre Geſundheit und— um ihren Verſtand brachten. Unſere Aerzte können es bezeugen, daß der aus Völlerei entſtehende Wahn⸗ ſinn(ſie nennen es delirium tremens) bei uns ziemlich häufig erſcheint. Was nun gar die Zahl der Schenken betrifft, ſo müſſen wir zu unſerer Schande geſtehen, daß wir noch ganz andere Summen aufzuweiſen haben. Man zähle nur einmal die Gaſthäuſer, Wirthshäuſer und Schenken in Orten, wie Vilbel und Friedberg. Wir ſind überzeugt, daß dieſe beiden Orte, welche zuſammen noch lange keine 800 Häuſer zählen, weit mehr als dreimal funf und zwanzig ſolcher Häuſer in ſich haben.— Zwar geben wir gerne zu, daß ein bedeutender Theil derſelben nur für die Reiſenden und Frem⸗ den beſtimmt iſt; allein es wird doch auf der andern Seite nicht geleugnet werden können, daß ein jedes — ſelbſt von jenen blos für Reiſende errichteten Häuſern täglich auch dieſen oder jeden Einheimiſchen aufnimmt. Und wie viele ſind außerdem, die gar kein Beherbergungs- ſondern nur ein Schenkrecht haben! Dieſe ſind doch wohl größtentheils nur für den Einheimiſchen oder die nächſte Nachbarſchaft.— Es wird aber auch ein großer Theil derſelben im⸗ mer leer ſtehen?
Seyd unbeſorgt; wir haben gar Manche, die nicht nur das ganze Jahr hindurch alle Tage die Schenke beſuchen, ſondern wir haben deren ſogar Mehrere, welche ſie täglich einige Mal zu be⸗ ſuchen pflegen; Leute, die jeden Kreuzer, den ſie verdienen, nicht eilig genug dem Wirthe wieder bringen können; Leute, die im Wirthshauſe wie zu Hauſe, zu Hauſe aber ziemlich fremd ſind; Leute, welche des Wirths Kinder herzen und drücken, die eignen Kinder aber auf der Straße verwildern laſſen und wenig zu ſehen bekommen; Leute—— Doch wir wollen uns nicht weiter darüber aus⸗ ſprechen, denn gewiſſe Leute wiſſen's doch beſſer als wir, und haben ſo viele ſchöne Entſchuldigun⸗ gen für ihr»„im Wirthshaus Liegen“, daß man, wenn man ſie hört, meinen ſollte, ſie thäten daran
recht wohl, ja es geſchähe aus lanter Sorge für die Familie und für den Verdienſt. 72 Auf der andern Seite erkennen wir ſehr gern e, daß wir auch recht viele wackere Männer aufzu⸗ weiſen haben, die für ihr Geſchäft, fur ihr Haus, für ihre Familie leben, und die nur dann und wann einmal(dagegen haben wir nichts einzuwen⸗ den) zu ihrer Erholung und Zerſtreuung das Wirths⸗ haus beſuchen. Wir haben ſogar der Dörfer nicht wenige in der Wetterau, in denen das Wirthshaus-⸗ Gehen noch gar nicht Mode, ſondern eine Ausnahme von der Regel iſt. Man merkt's dieſen Dörfern und deren Bewohnern auch bald an, daß ſie in ganz andern Verhältniſſen ſich befinden. 9
„Mein Haus iſt ein Bethaus.
Einſender kennt einen Ort in der Wetterau, da wird einem allemal übel zu Muth, wenn man die Kirche beſucht, und man kann ſich der unange⸗ nehmen Gefühle daſelbſt gar nicht erwehren. Fragt ihr, Leſer, wie das kommt, und ob's an dem Ge. bäude oder an dem Geiſtlichen liegt, ſo antworte ich Folgendes: An dem Gebäude liegt's nicht, das iſt im Gegentheil groß und ſchön und prächtig, wi es einem Gotteshaus geziemt. Die Geiſtlichkeit gib auch weder durch Lehre noch durch Leben Anſtoß. Die Orgel iſt ſo gut, wie ſie nur ſeyn kaun. Und dennoch kann man ohne Schmerz keinen Wespe daſelbſt beſuchen.
ich euch, Leſer, mittheilen. Denkt 05 jene geräu mige, ſchöne Kirche mit mehreren Thuͤren verſehen Da wird beim Gottesdienſte keine Thüre zugemacht ſondern es geht an allen Thüren wie in dem Tan benſchlag hinein und heraus. Aber ſorgt denn nie mand hier für Ruhe und Ordnung?— Das wei ich nicht, habe aber noch nicht alles erzaͤhlt. Wäh rend der Gottesdienſt innerhalb der Kirche gehalte wird, toben außerhalb die Kinder um die Kirche herum, ſchlagen die Thüren zu, uld auf, werfen mit Steinen— nicht nach der, Mauer, ſondern nach den Fenſterſcheiben, und je mehr es klingelt,
deſto beſſer iſt's. Auf ein Dutzend 1 kommt's
ihnen ja nicht an.— Ei, fragt r, awie iſt das
möglich? Iſt denn die Küche ße eich
Exiſtitt 4 10
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