0 9 N
die jungen Stämme über und unter der Erde be— nagen, und dadurch ihr ſpäteres Abſterben veran⸗ laſſen.
Verheerend ſind indeſſen ihre Beſchädigungen nur dann, wenn ihre Anzahl, durch trockne warme Jahre und durch Schutz gegen ihre natürlichen Feinde begünſtigt, vermöge der ihrer Gattung eignen außerordentlichen Fruchtbarkeit ſchnell heranwächst, und ſie ſich bis zu einer kaum glaublichen Anzahl in einer Gemarkung oder Gegend vermehrt haben. Es iſt ein ſehr irriger Wahn, wenn jetzt noch manche ununterrichtete Landleute glauben, daß die Feldmäuſe von Auswärts her auf einmal einwan⸗ derten, wie denſelben aus folgenden Betrachtungen und der weiter unten ſtehenden Berechnung ihrer wahrſcheinlichen Vermehrung im Verlauf Eines Frühlings und Sommers klar werden wird. Auch hat man hier zu Land noch niemals ganze Züge von wandernden Feldmäuſen wahrgenommen, wie ſolches in nördlicheren Klimaten rückſichtlich einer andern Gattung wirklich ſtatt hat.
Jede weibliche Feldmaus gebäͤret nemlich, oder ſetzet bei jedem Wurf wenigſtens 6, oftmals aber auch 10 Junge, wie der Verfaſſer dieſes ſowohl beim Auffinden von Neſtern mit ganz nackten Mäu⸗ ſen, als bei der Section trächtiger Weibchen oft— mals gefunden hat.
Viele behaupten, ſie ſetzten jeden Monat; allein wenn Manchen, wie dem Unterzeichneten, dieſe Periode zu kurz dünken ſollte; ſo kann man doch ſicher annehmen, daß ſie, wie die Kaninchen, wenigſtens alle 8 Wochen Junge werfen.
Ihre Setzzeit dauert, wie Verfaſſer dieſes bei Eröffnung von Kartoffelgruben zu Anfang des Monats März wahrzunehmen Gelegenheit hatte, vom Erwachen des Frühlings bis in ſpͤten Herbſt.
Die in der ſechsten Woche ſchon völlig ausge⸗ bildete Feldmaus zeuget wenigſtens in der achten Woche ihres Lebensalters ſchon wieder Junge, ſo daß alſo die erſte Mäuſe-Mutter im Verlauf eines nicht ganz vollen Jahres Ur-Urgroßmutter wird.
Angenommen nun, daß nach dieſen Wahrneh— mungen und Vorausſetzungen 1 Paar Mäuſe jedes⸗ mal nur 6 Junge erzeugen— daß dies von dem nemlichen Paar vom Frühling bis in Spätherbſt nur ömal geſchehe— und daß eine Vermehrung der Nachkommenſchaft nur durch 4 Generationen
während dieſes Zeitraums ſtatt finde; ſo ergiebt ſich folgende Berechnung: Es erzeugen Stück 1 Paar Stammeltern in 5 Sätzen: Junge 30
15 i 55 Enkel 360 180„ Enkel„3„ Urenkel 3240 1620„ö Urenkel„2„Ur⸗-⸗Urenkel 19440
Ganze Nachkommenſchaft 23070
(Eine ähnliche, obgleich die vorgemerkte noch un— vergleichbar an Schnelligkeit und Menge übertref— fende Vermehrung finden wir in der Natur noch bei andern Geſchöpfen, z. B. bei den Blattläuſen, welches die Landleute zu dem Glauben veranlaßt hat, daß ſolche aus der Atmoſphäre herabregneten.)
Nehmen wir nun ſogar noch an, daß von vor— ſtehendermaßen berechneter Zahl durch Raubthiere noch mehr als die Hälfte im Verlauf des Sommers vertilgt würden, und nur 10,000 Stück am Leben blieben— und nehmen wir weiters an, daß zu Anfang eines Frühlings in einer Dorfgemarkung nur 100 Paar Mäuſe vorhanden ſeien; ſo wird dennoch im Herbſt ihre Zahl eine Million betra— gen. Welch ungeheure Summe!!! und doch ſcheint dieſe Zahl in dem berüchtigten Mäuſejahr 1822 in manchen dem Verfaſſer bekannten Gemarkungen nicht nur wahrſcheinlicherweiſe, ſondern wirklich vorhanden geweſen zu ſeyn, da ungeachtet des
eifrigſten Einfangens und der Wlieferung von
Hunderttauſenden kaum eine Minderung im Felde wahrgenommen wurde.
Aus vorſtehender Berechnung ergeben ſich nun drei unbeſtreitbare Wahrheiten, nemlich
Erſtens, daß, wenn es einmal bis zur 4ten Generation mit den Feldmäuſen gekommen iſt, dem Uebel durch alle menſchliche Anſtrengung wenig Widerſtand mehr geleiſtet werden kann, ſondern von der ſchaffenden wie auch zerſtörenden Natur lediglich Hülfe zu erwarten iſt;
Zweitens: daß es aber im Anfang oder bald nach der erſten Wahrnehmung des Vorhandenſeyns von Feldmäuſen nicht ſehr ſchwer fallen dürfte, dem drohenden Uebel durch gleichzeitige Anwendung aller bekannten Zerſtörungsmittel zu begegnen, wenn ein— müthiger Wille aller Gutsbeſitzer in einer Gemar⸗ kung mit energiſcher Kraft der Gemeindevorſteher verbunden iſt. Denn ſollte es wohl ſo ſchwer hal—


