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und Dauerwaren den Lagern durch das Kriegsministerium, welches im großen und darum viel billiger einkaufte, zur Verfügung gestellt wurden, so war dem Verpflegungs⸗ offizier doch ein weites Arbeitsfeld eröffnet, auf dem er seine Organisationsgabe glän⸗ zend bewähren konnte. Da ich mit der Er⸗ mährung der Gefangenen nichts zu tun hatte, so kann ich natürlich nur allgemein von diesen Dingen sprechen. Schwierig war schon die Anfuhr der Lebensmittel für die Massenernährung. Wie mancher schwerbela⸗ dene Wagen mußte die Kaiser⸗Allee hinauf⸗ fahren! Wie leid taten einem zumal im Winter bei glatter Straße die immer dünner werdenden Pferde! So wurde in letzter Zeit ein Lastauto angeschafft und ein Teil des Gütertransportes durch Anhängewagen der„Elektrischen“ vorgenommen.
Natürlich war auch der Küchenbetrieb dem Verpflegungsoffizier unterstellt. Ein Küchen⸗ Unteroffizier mit deutschem und feindlichem Personal führt hier das Regiment: ein Vertrauensmann der Gefangenen soll stets in der Küche tätig sein und die Wünsche seiner Kameraden vermitteln. Daß diese unendlich verschieden und vielgestaltig wa⸗ ren, braucht kaum erwähnt zu werden. Jede Nationalität hat ihre besonderen Wünsche und kommt mit anderen Ansprüchen, was ja auch aus der Verschiedenheit der früheren Kasernenküchen erklärlich ist. Verhältnis⸗ mäßig am einfachsten gestaltete sich die Ver⸗
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dem in den Kantinen gekauft werden, so daß kein Gefangener in einem deutschen Lager dem Mangel ausgesetzt war.—
Es ist selbstverständlich, daß auch die an⸗ fallenden Reste aus den Küchen, vorausge⸗ etzt, daß keine Russen im Lager waren, ferner die Gemüseabfälle, Kartoffelschalen und ähnliche Dinge nicht zu Grunde gehen durften. ging man dazu über, in den Lagern Vieh aller Art, vor allem auch Schweine zu halten, und es war eine etwas wehmütige Freude, das immer seltener ge⸗ wordene deutsche Borstentier unter der Pflege eines französischen oder russischen„Schwei⸗ zers“ sich heranmästen zu sehen, bis es dann entsprechend dem Kreislauf der Dinge wieder in der Lagerküche endete oder dem „Kommunalverband“ verfiel.
(Eine zweite Artikelserie folgt.)
Kleine Mitteilungen. Die Fortsetzung der Erzählung„Urgroß⸗ tantens Raritätenschrank“ von Helma Essel⸗ born erscheint in der mächsten Nummer.
Schon während des Krieges wurde von den kirchlichen Behörden dringend empfoh⸗ len, dem früher oft übertriebenen Beklei⸗ dungsaufwand der Konfirmanden entgegen⸗ zuwirken. Diese Forderung muß in jetziger schwerster Notzeit noch unterstrichen werden. Anzug oder Kleid brauchen nicht neu zu sein; auch von der sonst gewohnten Farbe kann
pflegung der Russen, da diese immer den Hauptwert auf die Menge der verabreichten Kost legten. Andererseits verzichteten wohl⸗ habende Gefangene vielfach überhaupt auf das Lageressen und lebten von den Sen⸗ dungen, die sie von ihren Angehörigen oder von wohltätigen Vereinigungen zugestellt erhielten.— Natürlich war das Kommando zur Küche bei den Gefangenen sehr beliebt. Die Küchen waren praktisch und zweckent⸗ sprechend eingerichtet und mußten peinlich sauber gehalten werden. Auch mit maschi⸗ nellen Einrichtungen zum Schälen der Kar⸗ toffeln, zum Zerkleinern von Fleisch und Knochen usw. ist nicht gespart worden. Deut⸗ lich sichtbar ist die Küchentafel ausgehängt, aus der die Genüsse des Tages und die jedem Gefangenen zustehende Grammzahl an Rohstoffen zu erkennen ist. So gibt es etwa morgens Kaffee mit Zucker oder eine kräftige Suppe, dazu die zuständige Menge Brot. Die Hauptmahlzeit am Mittag be⸗ steht zumeist aus Kartoffeln und Gemüse. Die ursprünglich nicht unerhebliche Fleisch⸗ menge mußte natürlich in den letzten Kriegs⸗ jahren vermindert und häufig durch Fisch ersetzt werden. Am Abend gibt es wiederum eine Suppe oder Kartoffeln mit Hering oder Brei mit Dörrobst oder Tee mit Brot und Käse u. dergl. Man sieht also, es ist eine einfache aber reichliche Kost, die ge⸗ boten wurde. Mancherlei Lebensmittel konn⸗ ten wenigstens in den ersten Jahren außer⸗
abgesehen werden, so daß der vorhandene Sonntagsanzug(auch mit kurzer Hose) ge⸗ nügen dürfte. Handschuhe sind jetzt Luxus, erst recht die sonst üblichen Schmucksachen.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 4. April, 1. Ostertag. Kollekte für die Kirchenkasse.
In der Stadtkirche. Vormittags 9⅛ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Dr. Bingel.
In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausseld.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte für die Konfirmanden aus der Lukas⸗ gemeinde und deren Angehörige.
Montag den 5. April, 2. Ostertag.
In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Nachmittags 2 Uhr: Prüfung und Vorstellung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.
In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukas⸗ gemeinde. Feier des heiligen Abendmahls: Pfarrer Bechtolsheimer.— Nachmittags 2 Uhr: Prüfung und Vorstellung der Kon⸗ firmanden aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr: Pfarr⸗ assistent Dr. Bingel.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei
R. Lange,
Gießen.
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Nachdruck
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