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dauernd zahlreiche Verwundete zu Fuß und bensmittelsendungen, vor allem Kon⸗ in Wagen von der Front zurückkommen, servenbüchsen, Schokolade usw. in sei⸗
während deutsche, österreichische und unga⸗ nem Gewahrsam und unter seinem Ver⸗ rische Truppen und Kolonnen nach vorn schluß; sämtliche Pakete mußten von ihm marschieren. Bei letzteren sieht man häufig im Beisein der Gefangenen nochmals auf wenige Tage alte Füllen neben den Wagen ihren Inhalt geprüft werden. Und das herspringen. Am Nachmittag mußten wir alles in Zeiten, in denen vielleicht die noch bis hierher, nach Homonnarokito, mar- zahlreiche Familie des Landsturmmannes schieren. Die Pferde müssen wieder vor dem unter bitterem Lebensmittelmangel litt. Daß
„Dorf im Freien bleiben. Es bleibt für die unter diesen Umständen nur verhältnismäßig
Nacht eine Wache dort— trotzdem wurden wenige Fälle von Unterschlagung vorkamen, nachts 2 Pferde gestohlen—, alle übrigen die natürlich schwere Strafen nach sich zogen, Mannschaften sind im Orte untergebracht. muß rühmend anerkannt werden; die Ver⸗ Wir wohnen bei einer freundlichen, kinder- suchung war wirklich groß, und es kamen reichen Familie. Das Haus enthält nur in den meisten Fällen, welche gerichtlich einen Raum, die Wohnküche; diese ist sauber geahndet werden mußten, mildernde Gründe und hübsch eingerichtet. Zwei große Betten, in erheblichem Maße in Betracht. Auch in denen allmählich die Kinder verschwinden bei diesem Kapitel kann ein Vergleich mit und unter denen Meerschweinchen und Hüh⸗ den Verhältnissen und der Uebung beim ner hausen. Der Mann legt sich die Nacht Feinde erfreulicherweise nur zu unseren auf die Ofenbank. In einer Ecke steht ein Gunsten ausfallen: Unregelmäßigkeiten wa⸗ großer Tisch, von Bänken umgeben; darüber ren dank dem Pflichtbewußtsein unserer viele Heiligenbilder und bunte Teller. In Landsturmleute nur Ausnahmen.
einer großen Truhe liegen die besseren Kleie Gehen wir über zur Ernährung der Ge⸗ der, die am Tag getragenen werden für die fangenen! Schon früher ist darauf hinge⸗ Nacht auf eine Stange über dem Bett ges wiesen worden, welch gewaltige Aufgabe hängt. Wesser, Gabeln und Löffel stechen hier zu lösen war. Man bedenke, daß zur in einer Leiste unter dem Deckenbalken. An Ernährung der in Deutschland befindlichen
Geschirr ist nur das Notwendigste vorhanden. Jetzt kommt der Tisch aus der Ecke weg, und unser Strohlager wird dort ausgebreitet.
Kriegsgefangenen täglich rund 40 000 Zent⸗ ner Kartoffeln, also 200 Eisenbahnwaggons nötig waren, daß zur Deckung des Fleisch⸗
4. 4. 1915, Ostersonntag. Unsere Haus⸗ bedarfs an einem Tage 600 Rinder ge⸗ leute, mit denen die Verständigung leider hörten! Bestimmungsgemäß sollte jedem schwierig ist, sind schon in aller Frühe auf⸗ Gefangenen eine einfache, aber auskömm⸗ gestanden. Gestern hatten sie in mit bunten, liche Kost gereicht werden, die im Verhält kunstvoll geschnittenem Papier ausgelegten nis zu der von ihm geleisteten Arbeit stand Körben buntgefärbte Ostereier, Kuchen, eine und sich nicht allzuviel von dem entfernt, eigenartige Mehlspeise usw. zurechtgestellt. woran er von Hause aus gewöhnt war. Das brachten sie heute früh zur Kirche. Nachdem man zunächst den Versuch gemacht
Später war in dem ehrwürdigen Dorfkirch⸗ lein Gottesdienst. Nach dessen Beendigung knieten die Frauen mit den Osterspeisen außerhalb der Kirche, dahinter die Kinder und Männer. Der Geistliche, in reichgestick⸗ tem Ornat, ging durch die Reihen der An⸗ dächtigen und weihte die Osterspeisen, die dann zu Hause verzehrt wurden. Auch wir bekamen davon von unseren freundlichen Wirten. Später versammelte sich die Jugend, männliche und weibliche, in ihrer schönen bunten Tracht auf den Wiesen und Hängen
und führte, unter etwas monotonen Ge⸗
sängen, allerhand Tänze auf, die meist in einer wilden Raserei ihr Ende fanden. Ueber allen lacht die Frühlingssonne, während von der nicht fernen Front zeitweise starker Kanonendonner herüberdröhnt.
Bilder aus dem Uriegsgefangenenlager Gießen. Von Professor Dr. Fritz Hauptmann d. Res. (Schluß.)
Schmoll, a. D.
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Auf den Arbeitskommandos aber be⸗ fanden sich auch alle größeren Le⸗
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hatte, die Gefangenen durch Unternehmer verpflegen zu lassen, ging man zum Grund⸗ satz der Eigenwirtschaft über, d. h. die Er⸗ nährung wurde in die Selbstverwaltung der Lagerkommandantur übernommen und einem Verpflegungsoffizier übertragen. Diesem er⸗ wuchs damit eine ebenso schwierige wie verantwortungsvolle Aufgabe. Er hatte die
Verpflegung nach den durch das Kriegs⸗ ministerium festgesetzten Nährstoffnormen an Eiweiß, Fett und Kohlehydraten zu
regeln und die Ausarbeitung der Speise⸗
pläne zu leiten: eine Tätigkeit, die zu dauerndem Nachdenken und Rechnen ver⸗ pflichtete. Es mußte dafür Sorge getragen
werden, daß einerseits die Gefangenen aus⸗ reichend beköstigt wurden, andererseits bei der stetig zunehmenden Knappheit der Le⸗ bensmittel keine Verschwendung vorkam, die
im Interesse der Volksernährung unverant⸗
wortlich gewesen wäre. Vor allem aber mußte der Verpflegungsoffizier sich vor
Augen halten, daß von der Ernährung der Feinde im eigenen Vaterlande vielfach die Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen in feindlichen Lagern abhängig sein würde. Wenn auch die wichtigsten Nahrungsmittel


