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böse Welt behauptete, daß es bei der Ein⸗ weihung gelaufen, sei dadurch bewerkstelligt worden, daß man es oben in die Brunnen⸗ stube hineingeschüttet habe.“ Den handschrift⸗ lich vorliegenden Aufzeichnungen Nebels ist ein Anhang beigefügt, der von einem nicht genannten Verfasser herrührt. Dieser erzählt den Vorgang bei der Brunnenweihe etwas anders:„Bei der Einweihung des Brun⸗ nens am Seltersberg war die Verabredung getroffen worden, daß die Röhre bis das von ihm— gemeint ist Engel— gegebene Kommandowort geschlossen bleiben und dann effektvoll hervorsprudeln sollte. Das Ko⸗ mische war nun, daß, als das gewaltig dröhnende„Sprudele, Quelle“ erscholl, die Quelle versagte und nicht sprudelte, bis erst künstliche Nachhilfe das Wunderwerk zustande brachte. Die Geschichte war stadt- und land⸗ kundig geworden und bis zu den Ohren des Großherzogs Ludwig III. gedrungen, der bekanntlich für Mutterwitz sehr empfänglich war. Als nun einige Zeit darauf Engel seine Dankvisite wegen eines empfangenen Ordens machte, da trat diese Geschichte dem Groß⸗ herzog so plastisch vor Augen, daß er heraus⸗ platzte:„Sprudelt denn nun die Quelle?“ Darauf Engel:„Ja, Königliche Hoheit, wir hawwe'r dazu verholfe.“ Diese Anekdote beweist deutlich, wie so mancherlei, das man Engel in späterer Zeit nachgesagt hat, ein⸗ fach auf Erfindung beruht. Nebel, der Augen⸗ zeuge des Vorgangs war, weiß nichts davon, daß der Sprudel versagt habe, der unbekannte Verfasser erzählt diese heitere Geschichte.) Den 6. September Abends kam mein Bruder aus der Fremde und am 10. ist er wieder fortgereist. Den 8. Oktober das erste Feuer im Ofen. Am 13. November einen tollen Hund. Am 13. November der Anfang zum Ab⸗ bruch der Stadtpforte.(Die Stadtpforte war ein Torturm, der da stand, wo die Markt⸗ straße und die Neustadt zusammenstoßen. In alter Zeit wurden Uebeltäter, die eine kurze Freiheitsstrafe zu verbüßen hatten, auf die Stadtpforte gesetzt, auch Knaben, die Unfug gemacht hatten, kamen auf einige Tage oder Stunden dorthin. Herr Hochstätter schreibt: „Die Grundmauern der alten Stadtpforte an der Neustadt waren nach deren Abbruch noch eine Reihe von Jahren sichtbar. Auf dem kleinen Plätzchen vor dem jetzt Benner⸗ schen Hause sowie auf der anderen Seite der Straße am jetzt Frensdorfschen Hause lehn⸗ ten sich mächtige Basaltblöcke an die Grund⸗ mauern dieser Häuser an. Erst bei einem späteren Umbau derselben und bei einer Neu- pflasterung der Straße wurden sie ganz
beseitigt.“ Am 4.
4. December Morgens 1 Uhr starb Ludwig Hilgardt, Drechsler.
1839.
Am 9. Januar kam die Nachricht von der Gnade, daß die Gefangenen frei kommen
sollten, welche auch am anderen Tag los kamen und auf den 19. ein Abendessen ins Buschengarten gehalten wurde.(Es handelt sich hier um politische„Verbrecher“. Be⸗ kanntlich hatten sich in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Hessen geheime Gesellschaften gebildet, die auf eine Abände⸗ rung der sehr mangelhaften und hinter den Erwartungen der Kämpfer von 1813 bis 1815 zurückgebliebenen Staatsverfassung hinzielten. Diesen Verbindungen gehörten zumeist akademisch gebildete Männer und Bürger städtischer Gemeinwesen an. Unter ihnen steht an erster Stelle der Rektor Weidig aus Butzbach, früher Pfarrer in Obergleen, der im Gefängnis zu Darmstadt 1837 ein sehr tragisches Ende gefunden hat. Der Dich⸗ ter Georg Büchner entzog sich durch eine eilige Flucht der Verhaftung. Andere Män⸗ ner, die an diesen Bestrebungen beteiligt waren, wurden zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Aus Gießen bzw. aus der Nähe von Gießen stammten folgende Angeschul⸗ digten: Kandidat der Kameralwissenschaft Schmitt, stud. pharm. Clemm aus Lich, Küfermeister Schneider, Schlossermeister Hirschfeld, Bäcker Kämmerer, Hofgerichts⸗ advokat Bansa. Dem Gesetze nach mußten diese Männer verurteilt werden, aber es war ein Zeichen von der Einsicht der da⸗ maligen Regierung, daß man die Verurteil⸗ ten begnadigte. Daß man sie in Gießen
in so auffallender Art feierte und ihnen
zu Ehren ein Festessen veranstaltete, beweist, daß sie sich großer Wertschätzung erfreuten. Ihr Bestreben war im Grunde auf nichts anderes gerichtet, als auf ein einiges starkes Deutschland. Im ganzen waren es 26 An⸗ geklagte, die damals begnadigt wurden, nach⸗ dem sie vorher zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden waren. Unter ihnen waren auch Pfarrer Flick von Petterweil und Rektor Heß aus Butzbach, beiden wurde bei ihrer Begnadigung bedeutet, daß sie nicht wieder in ihre Aemter eingesetzt werden sollten. Ob man nicht auch in diesem Punkte später hat
Milde walten lassen, kann ich nicht feststellen.
Wie man sich damals mißliebiger Staats⸗ bürger entledigte, zeigt der Fall des Gürtlers Karl Zeuner aus Butzbach, ihm wurde Be— gnadigung zugestanden für den Fall, daß er nach Amerika auswandere. Unter den politi⸗ schen Opfern dieser schweren Jahre befand sich auch Fritz Reuter, der in„Ut mine Festungstid“ über den Grund seiner sieben⸗ jährigen Festungshaft schreibt:„Dat weit de leiw Gott! Stahlen und nahmen heww 4ik nicks, ok nich lagen und bedragen.“)
In dem Monat Januar 1839 hat Advocat Welker ein Wagen Holz für 42 Gulden erkauft.
Demm 24. Februar war die Lahn so
groß als sie einmal war.
Dem 28. April war im Buschischen Gar⸗ ten das erste Bürgerliche Conzert.


