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niemand. Es war das Andenken an die Zigeunerbaronin, und das sollte ihm, wie er sagte, aus dem Haus.

Fritz lag mehrere Tage in hohem Wund⸗ fieber und genaß erst nach Wochen. Die Pfeife aber blieb bei uns; denn die Alten hielten es für besser, die Wunde erst ver⸗ narben zu lassen. Doch nach Jahr und Tag, als Fritz längst ein wohlbestallter Medikus war, zeigte ihm mein Vater die Pfeife und überreichte sie ihm als sein Eigentum. Er legte sie jedoch lächelnd in Vaters Hände zurück mit den Worten:Be⸗ haltet sie, Gott schütze das arme Halb⸗ zigeunermädel, die kleine Marietta!

9. Das Dukaten männlein.

Es ist ein unanständiges Ding, sage ich euch, und ihr sollt nicht immer davon anfangen. Ja, zu der Geschichte von dem Dukatenmännlein mußte Tante Luise schon ganz besonders gut gelaunt sein, sonst war sie ihr nicht fein genug. Das Dukaten⸗ männlein stand ganz hinten, verdeckt von andern Herrlichkeiten. Es hatte auch Grund, sich zu verstecken; denn es befand sich eben wirklich nicht in der Lage, sich vor den Menschen zu zeigen. Kurzum, das Du⸗ katenmännlein war gerade bei der überaus löblichen Arbeit, seinem Namen Ehre zu machen. Tante Luise aber fand das un⸗ anständig, wir Kinder ja eigentlich auch, aber wir freuten uns trotzdem darüber, und eine Geschichte hatte es auch. Nachdem wir lange genug gequält hatten, brachten wir die heute gut aufgelegte Alte zum Erzählen:

Es war an einem schönen Sommerabend, da saß unser Großvater mit andern Herren am Stammtisch imBären und trank seinen Abendschoppen. Das heißt, heute trank er deren zwei; denn es war sehr heiß, und überdies war ein fremder Gast am Tisch, ein zugereister Künstler, der so fein zu erzählen wußte, daß selbst die best⸗ gezogenen Hausväter heute länger blieben und das häusliche Donnerwetter riskierten. Sie sind doch ein nettes Völkchen, diese Künstler, so dachte heute manch trockne Philisterseele.Windbeutel, ja natürlich, das sind sie alle; denn sie denben in so vielem anders, als es doch vorschriftsmäßig und allgemein üblich ist aber nette Wind⸗ beutel, und der, der heute am Stammtisch weilte, war einer der allernettesten. Die Stimmung wurde immer besser. Ein Witz⸗ chen jagte das aͤndre, man spricht von Dukaten⸗ und Goldregen und wünscht sich schließlich ein Dukaten männlein, das stets bei der Arbeit bliebe. Uebermütig verspricht der junge Mann, eines zu besorgen, läßt sich ein Stückchen Brot geben, und, ehe man es sich versieht, hat er ein Männ⸗ lein geknetet, das das tut, was sonst nur ganz kleine Kinder öffentlich tun dürfen. Der bomische Gesichtsausdruck des Männleins brachte alles zum Lachen, der

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Jubel wurde so groß, daß selbst von den Nachbartischen die Leute herbeikamen. Und alle lachten, am meisten der Steffens Ja⸗ kob, der beste Holzschnitzer im Dorf.

Es wurde noch gelacht, als die Gesell⸗

schaft heimwärts zog, ja mancher soll noch.

gelacht haben, als er seiner Gebieterin zur Besänftigung die Geschichte erzählt hatte. Doch soll es einigen dann schnell vergangen sein, das Lachen nämlich; denn es war sehr spät geworden.

Einer lachte nicht mehr, der sinnierte bloß und fühlte nach der Tasche. Er hatte das achtlos liegen gebliebene kleine Kunst⸗ werk eingesteckt. Das war der Steffens Jakob.

Einige Monate später, da kam die Kir⸗ meßzeit, und Kirmeßmarkt ist allemal be⸗ sucht gewesen. Da schlugen sie die Buden auf, die Kinder halfen und standen erwar⸗ tungsvoll davor, der Dinge harrend, die da kommen sollten.

Steffens Bude wird diesmal doppelt so groß als sonst, bemerkte mein Vater, der damals dreizehnjährig war.Aber sie ist noch ganz leer, setzte er hinzu.

Ja, der Jakob tut ganz geheimnisvoll, bestätigte sein Schwesterlein,ich glaube, er hat eine Ueberraschung. 5

Am andern Morgen, Kirmeßsonntag, kom⸗ men die Kinder jubeln vom Marktplatz hergestürzt, atemlos vor Lachen. Sie kön⸗ nen sich kaum helfen, eines überstürzt das andre. Es ist erst nicht klug zu werden aus der verworrenen Erzählung. Endlich kommts heraus: der Steffens Jakob hat seine ganze Bude voll Männlein.Männ⸗ lein, Mutter, mit roten Hosen und blauen Röckchen, aus Holz geschnitzt, aber, Mutter, denke dir nur nein, man kann's nicht laut sagen, komm, Mutter, ins Ohr! Und lachend prustend bekommt es die Mutter erzählt, wie verfänglich die Stellung der Männlein ist.

Dukatenmännlein nennt er sie, Mutter, und jeder, der solch Männlein kauft, soll stets Dukaten bekommen. Glaubst du das, Mutter?(Fortsetzung folgt.)

Uirchliche Anzeigen. Sonntag den 2. Mai. Cantate.

In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ tin aus der Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Dr. Bingel. Vormittags Uhr: Pfarrer Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfar⸗ rer Becker.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Vormittags 9 Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Ausse d. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.

Verantwortlich: Pfarrer Bechto lsheim er. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei

R. Lange, Gießen.

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Nr. I

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