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Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab.“
Eine Seite weiter steht in diesem Buche
geschrieben:
„Dich übereile keine That,
Die du einst must bereuen,
Drum wer ein gut Gewissen hat,
Braucht nie den Tag zu scheuen. Dies schreibt zum Andenken
Deine treue Mutter Johannetta Carolina Pistorin.
Gießen, d. 12. April 1800.“
Am gleichen Tage widmete die elfjährige
Schwester dem Bruder das Wort:„Immer lieblicher rausche die Quelle deines Lebens dahin.“ Dergleichen Verse schreiben heute noch Kinder einander in das Album.
3. Aus dem Leben des Kauf⸗ manns Jakob Pistor.
Jakob Pistor, den wir im vorstehenden schon mehrfach erwähnt haben, hat sich in seiner Jugend eine gute Bildung angeeignet. Er schrieb im späteren Leben eine klare, gewandte Handschrift und besaß die Fähig⸗
keit, sich schriftlich in anziehender Form
auszudrücken. Wie es scheint, so hat er das hiesige Pädagogium besucht und sich dann dem Kaufmannsstande gewidmet. Von seiner Jugend und seinen Jugendfreunden berichtet uns sein Stammbuch, das heute seine Ur⸗ enkelin Fräulein Paula Georgi besitzt. Dieses Buch ist für die damalige weise bemerkenswert. Pathetische, sentimen⸗ tale und moralisch uche te Verse wechseln
da miteinander ab. Der Datierung nach zu
urteilen, 1 n es zunächst Mit chüler Jakob Pistors, d ie sich bier verewigten, die meisten Einträge stammen aus den Jahren 1800 und 1801. Friedrich Cellarius aus Erda läßt sich da vernehmen: „Wenn die Lahn einst rückwärts fließet, Sich nicht mehr ins Meer ergießet, Dann hör' unsres Glückes Lauf, Mein und deine Freundschast auf.“ Karl Goedke, augenscheinlich aus Gießen, schreibt: „Wenn Himmel sammenstürzen, Berge in Thäler sich walzen, das allgemeine Band der Natur zerreißt, so werden doch jene Fesseln nicht springen, die mein Herz an das deinige ketten.“ Von Bernhard Frech rührt der Eintrag: „Fröhlicher macht zwar das Glück, Aber weiser macht der Schmerz.“
G. C. Colonius aus Hohensolms erinnert an den Vers Gellerts: „Je minder sich der Kluge selbst gefällt, Um desto mehr schätzt ihn die Welt.“ Aus dem Jahre 1810 stammt der Eintrag:
Anschauungs⸗
vergehn, Welten zu⸗
„Gestern verging und heute verstreicht, Rosen heut blühend, sind morgen verbleicht. Freuden, was seid ihr? Ein glänzender
Schaum. Leben— was bist du?— Ein flüchtiger
Traum. Seinem Freunde Pistor widmet dieses zur freundschaftlichen Erinnerung F. L. Höster⸗ reich.“ In seltsamem Kontrast zu diesen elegischen Worten steht ein kurzes, aber tatenfrohes und lebensmutiges Wort, das Hösterreich, der offenbar„Hand! mggesläse⸗ ner“ war, anfügt, dieses Wort lautet näm⸗
„Es blühe die Handlung!“
Wer gerne wissen will, wie Jakob Pistor aussah, der nehme den„We gweiser durch die Universitätsstadt Gi ßen und ihre Umgehung zur Hand, den die Verlagsbuchhandlung Emil Roth im Jahre 1907 zum Unive kätsjubiläum herausgegeben hat. Daselbst ist S. 319 ein Bild wiedergegeben, das den Gießener Bieler zum Urheber hat und das die drei Freunde Jakob Pistor, Johann Wil⸗ helm Stein und Johann Gerhard Taschs, alle drei Kaufleute aus Gießen, darstellt, wie sie sich im Januar 1823 auf der Badenburg zusammengefunden haben. Die Badenburg scheint vor hundert Jahren ein beliebter Ausenthaltsort gewesen zu sein. Unter den Papieren Jakob Pistors befindet sich ein Ge⸗ dicht, in dem ein gewisser Fr. Schmidt dieses Anwesen besingt. Da lesen wir die Verse:
„Romantisch und einsam gelegen, Geschaffen zum heitern Genuß,
Schauts freundlich auf Dörfer und Wegen Vom Hügel herab in den Fluß.
Doch alles weicht N Zeiten,
So auch dieses nicht feste Schloß;
Statt Rittern und webrbafte Leuten
Birgts Freude nur noch in dem Schoß.“ (Fortsetzung folgt.)
Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.)
So fanden ihn, das Messer des Marko im Rücken, halbtot am andern Tag die Waldhüter, als sie früh morgens zur Ar⸗ beit gingen. Es war höchste Zeit, daß ihm
Hilfe wurde.
Die Zigeunerbande war inzwischen über alle Berge. Die Spuren ihrer Wagenräder wiesen nach Norden. Marietta war ver⸗ schwunden, die wilde Mutter hatte ihr zar⸗ tes Kind in die Ferne entführt, wähnend, daß nur in der freien Ungebundenheit ein Glück blühen könne, und nicht überlegend, daß auch des Vaters Blut sich bei dem unglücklichen Mädchen geltend machte. Die Bande der Zigeunerbaronin wurde von nun an in der Gegend nie mehr gesehen.
Spät abends brachte der alte Kantor meinem Vater 192 eine schöne Ta⸗ bakspfeife, die er auf Fritzens Tisch ge⸗ funden hatte. Wer sie hingelegt hatte, wußte


