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— 102 meinderat Herbert auf der Mäusburg, bei! deter Geschmack dazu, herauszufinden, daß
Herrn Schuhmacher Becker in der Sonne, bei Herrn Wirt König am Walltor, bei Herrn Wirt Bramm in der Neustadt und im Gast⸗ haus zum„Prinz Carl“.
Wie hat sich während des letzten Halb⸗ jahrhunderts Gießen verändert. Durch den Bau der Eisenbahnen verschwand nach und nach der Fahrverkehr nach auswärts, nur noch nach der nächsten Nachbarschaft erhielten sich bis in die letzten Jahre die Frachtfuhr⸗ werke und die Boten. Neue Stadtteile er⸗
Quellwasser doch reiner war, wie das der Pumpen der Stadt. Für Kranke holte man daher das Trinkwasser am Jughardsbrunnen am Seltersberg und sogar am Fürstenbrünn⸗ schen in den Wiesen vor dem Walltor.„Die Stadtbach“ hatte unter diesen Verhältnissen am meisten zu leiden; denn ihr war es letzten Endes vorbehalten, all den Unrat in sich auf⸗ zunehmen. Sie war die am miserabelsten behandelte Einrichtung unserer Stadt. Alle Abfallwässer liefen hinein. Und nicht nur
standen(Neuen Bäue, Neustadt, Neuenweg), das zerbrochene Töpfe, durchgerostetes Blech⸗
allerdings gehören die mit dem Prädikat „Neu“ bezeichneten Straßen der Altstadt heute zu den alten und am wenigsten schö⸗ nen. Vor 50 Jahren standen außerhalb der vier Schooren nur ganz wenig Häuser. Das
geschirr, Lumpen, Körbe, Bauschutt, alte Hüte, Schuhwerk, ja sogar die Ueberreste von Kinderwagen warf man hinein. Vor Scham kroch sie daher nur durch düstere Ecken und Winkel, und da, wo sie in die Lahn mündete,
Bahnhofsviertel, der Seltersberg, die Ste⸗ machte diese einen Bogen um sie herum vor
phansmark, die Schwarzlach, das Schiffen⸗
Abscheu. Daß die Anwohner in lauen Som⸗
berger Tal und„Sachsenhausen“ jenseits mernächten nicht mit der Gitarre im Arm der Lahn waren fast unbebaut. Und die auf den Altanen und Balkonen(die es ja
Stadt selbst? Holperiges Pflaster, für dessen Reinigung zweimal in der Woche der Bürger zu sorgen hatte und das durch den landwirt⸗ schaftlichen Fuhrbetrieb vermittels Kühen und Ochsen, namentlich auch während der Einbringung der Ernte, durch die Schaf⸗ herden und die vielen bäuerlichen Gespanne, die mit Gemüse, Holz,„Wissiger Sand“, Braunkohlen vom Hessenbrücker Hammer her⸗ einkamen, nicht zu seinem Vorteil verändert wurde, besonders, wenn Jupiter pluvius kleine Lachen und Seen schuf. Nur die Straßenrinnen schienen wie neugeboren nach der Waschung, denn was da alles hineinlief! „Gießener des zwanzigsten Jahrhunderts, du ahnst es nicht! Die Metzger schlachteten in ihren Behausungen und Höfen, jeder richtige Gießener Landwirt hatte seinen Mist, auf den er sich um so mehr einbildete, je höher er war und dann die unzähligen Winkel zwi⸗ schen den Häusern, die mit verblüffender Offenheit den Vorübergehenden Einblick in die inneren Verhältnisse Gießen gewährten, die man anderwärts vor den Augen seiner Mitmenschen ängstlich verbarg. All diese Stätten von Ansammlungen gesundheits⸗ widriger Stoffe standen mit den Gossen, denen es zu allem Ueberfluß auch noch viel⸗ fach an dem nötigen Gefälle fehlte, mehr oder weniger in Verbindung. Was ihnen micht zufloß, sickerte in den Boden, der meh⸗ rere Meter tief eine schwarze Morastfarbe hatte, wie man bei Ausführung der Kanali⸗ sation feststellte. Auf dem Kreuzplatz stieß man sogar auf Holzbohlen und Tausende von Kühhörnern, die man, um des Sumpfes Herr zu werden, in ihn hineingeworfen hatte.—
auch außerdem nicht gab) saßen und das Lob des Schönen sangen, vielmehr die Fenster hermetisch geschlossen hielten, Räucherkerzchen anzündeten und die Bettdecke über den Kopf zogen, braucht bei allem Respekt vor den hygienischen Motiven des Erbauers„der Stadtbach“ nicht versichert zu werden. Nur die unzähligen Ratten fühlten sich wohl und hielten Kasinobälle ab, zu welchen sie die Musik selbst machten.
Sollte man es hiernach für möglich hal⸗ ten, daß das Wasser des Baches zu indu⸗ striellen Zwecken verwendet wurde? Und dennoch war es so. Allerdings wartete man, bis„die Bach draus' gewesen war“, wie der
Gießener sagte, d. h. bis man sie gereinigt und mit frischem Wasser versorgt hatte. Es hätten sich unhaltbare Zustände ergeben, wenn man nicht ziemlich häufig eine Ent⸗ fernung des Unrats vorgenommen hätte. Zu diesem Zweck wurde die Einlaufschleuse an der Lahn geschlossen und nicht eher ge⸗ öffnet, bis die Aufräumung erfolgt war, welches einige Tage in Anspruch nahm. Es konnten dann die Färber in, ihren teilweise unterirdischen Einrichtungen(auf der Mäus⸗ burg) die Auswaschung ihrer Waren und die Gerber die Wässerung ihrer Häute vorneh⸗ men und damit gleich wieder mit der Ver⸗ unreinigung des Wassers den Anfang machen.
Aus Vorstehendem ersieht man, daß der Gießener vor 50 und mehr Jahren in nicht besonders günstigen, gesundheitlichen Ver⸗ hältnissen lebte. Es forderten daher auch Schwindsucht und typhöse Krankheiten stän⸗ dig ihre Opfer. Heute ist das anders gewor⸗
Darf man sich da wundern, wenn die zahl⸗ den. Man hat das Uebel bei der Wurzel ge⸗
reichen Brunnen in den Häusern, Höfen und Straßen verseucht waren? So schmeckte z. B.
packt, die Kanalisation, die Quellwasserver⸗ sorgung, das Schlachthaus und das Volks⸗
das Wasser im Realschulbrunnen nach bad erstehen und den Stadtbach mit allem „Gas“, wie die Jungen sagten. In Wirk⸗ was drum und dran hing, verschwin⸗ lichkeit war es, wie sich später herausstellte, den lassen. Die Straßen sind fast durchweg neu gepflastert oder asphaltiert, zwei Linien
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