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Denken, Fühlen und Wollen der Menschen einen falschen Maßstab an(S. 228) oder ihm gegenüber hervorhebt:Wer unser Volk leiten will, muß ein Volkskundiger sein, Volkspsychologie sollte der erste Gegenstand sein, den wir auf der Hochschule treiben müßten(S. 70) so sind das Erfah⸗ rungen, die Gros an sich selbst erlebt hat.

Gros hat die Seele des Bauern fein be⸗ obachtet und viele seiner Beobachtungen in dem Buche niedergelegt:Ungerecht ist die Stadt dem Bauer gegenüber. Da er in ihrer Welt nicht daheim ist, nennt sie ihn dummer Bauer(S. 410).Unsere Volks⸗ schulen sind doch keine andern in der Stadt und auf dem Dorfe. Die Vorbildung ist also hier wie dort dieselbe. Das allerdings ist der Unterschied, daß Städter und Dörfler von Jugend an in verschiedener Anschauung leben, die Städter in der Welt der Kultur, die das Werk der Menschen ist, der Dörfler in der Welt der Natur, die Gott geschaffen hat. Da die Anschauung aber die größte Lehrmeisterin ist, so muß die Bildung die ganze innere Art in Stadt und Land ganz verschieden sein(S. 110).Der rechte Bauer ist ungemein keusch in seinem inneren Leben. Darin ist er der urdeutsche Mensch. Das ist ein Stück seines natürlichen Adels, daß er es nicht fertig bringt, seine Gefühle wie sein Linnen auf dem Gemeindebleich⸗ platz auszubreiten(S. 178 f.).

Um die Reihe von Gros' Schriften voll⸗ ständig zu machen, seien noch genannt das im Stiftungsverlag Potsdam im Jahre 1913 erschienene kleine BüchleinTheodor Kör⸗ ner, der Säuger und Held, sowie der in Verbindung mit Christian Römer, Paul von Wurster u. a. dargebotene Ostergruß ins Feld:Ich weiß, daß mein Er⸗ Ib ser lebt.

Mit der pfarramtlichen und schriftstelle⸗ rischen Tätigkeit ist, oder richtiger, war bisher sein Wirkungskreis noch nicht er⸗ schöpft. Seit dem Jahre 1902 hatte Gros noch ein drittes Feld seiner Betätigung, indem er zehn bis fünfzehn Knaben in seinem Hause unterrichtete und erzog. Es war, wie er sich selbst einmal ausdrückte, eine Fohlenweide für stadtmüde Knaben, die durch vernünftige hygienische und päda⸗ gogische Behandlung wieder kräftig werden sollten. Durch individuelle Behandlung, durch Gewinnung der Liebe und des Ver⸗ trauens seiner Zöglinge versuchte er,dem Knaben das Lernen zur Lust, die Pflicht⸗ erfüllung zu etwas Selbstverständlichem zu machen. Dabei hatte er viele und gute Ersolge aufzuweisen, und eine nicht uner⸗ hebliche Anzahl seiner ehemaligen Schüler blickt in dankbarer Erinnerung an die Zeit in dem alten Escher Pfarrhaus mit seinem b Garten und seinen Bienenstöcken zurüt Im Herbst 1919 endete Gros! Amts⸗ zeit in Esch, in deren letztes Viertel das große Erleben des Weltkrieges fällt. Auch

an persönlichem Erleben, freudigem wie traurigem, war diese Spanne Zeit reich: die Feier seiner silbernen Hochzeit im Kreise seiner sieben Kinder, die Verlobung seiner beiden ältesten Töchter und die Hochzeit der älteren, die Geburt des ersten Enkels und der Tod der drittältesten Tochter. Dann kam nach dem unglücklichen Kriegsausgang die Besetzung der Gemeinde durch die Fran⸗ zosen. Diese war dem für Deutschlands Stärke und Größe begeisterten und durch und durch deutsch fühlenden und jedem schwächlichen Kosmoplitismus und Pazifis⸗ mus abholden Manne so qualvoll, daß sie ihn dazu bestimmte, seine Gemeinde gegen eine andere zu vertauschen, wo dieses lebende Sinnbild des Schmachfriedens fehlte. Auf seinen Wunsch wurde er nach der ehemals hessen⸗homburgischen Gemeinde e bei Homburg versetzt und trat am 1. Ok⸗ tober 1919 seinen dortigen Dienst 15

Die vielseitige Tätigkeit, die Gros als Pfarrer, Erzieher und Schriftsteller in Esch entfaltet hatte, war nur dadurch ermög⸗ licht worden, daß er ein wirklicher Lebens⸗ künstler ist, der es versteht, seine Zeit ein⸗ zuteilen und auszunützen, und sich dabei einekraftvolle Lebensfreudigkeit zu be⸗ wahren, die das Leben bejaht, auch wenn's einmal quer geht. Wie er selbst, so sind auch die Gestalten, die er schildert, kern⸗ gesunde, kraftvolle Naturen. Was er schreibt, ist nicht für den Augenblick ge⸗ schrieben, nicht an eine eng begrenzte Zeit der Mode gebunden. Erwin Gros ist einer der besten jetzt lebenden deutschen Volks⸗ schriftsteller. Es ist zu hoffen und zu wün⸗ schen, daß seine Werke sich in immer wei⸗ teren Kreisen des Volkes einbürgern, und daß gerade in einer Zeit wie der gegen⸗ wärtigen, wo das deutsche Volk von einer schweren Seelenkrankheit ergriffen ist und 1 sein Deutschtum, zu verlieren roht.

Kirchliche Anzeigen. Sonntag nach Weihnachten, 28. Dez.

In der Johanneskirche. Vorm: 9/ Uhr: Pfarrer Ausfeld. Nachm. 5 Uhr: Pfarr⸗

assistent Schäfer.

In der Stadtkirche fällt der Gottesdienst wegen Kohlenersparnis aus.

Silvester, 31. Dez. In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Pfar⸗ rer Mahr.

In der Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Neujahr, 1. Januar 1920. In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarr. Becker. Abds. 5 Uhr: Pfarr. Mahr In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel RN. Lange, Gießen.

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