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arbeiten. (Schluß folgt.)
Johann Henrich Schaffstädts Gießener Chronik 1770 1825.
(Fortsetzung.)
Im Anschluß an die Wiedergabe dieser Liste der militärisch organisierten Gießener Bürgerschaft vom Jahre 1781 seien einige Erläuterungen gegeben. Zunächst eine Er⸗ läuterung allgemeiner Art, die von Herrn Kommerzienrat Schaffstädt herrührt, dem wir überhaupt wertvolle Angaben, die die Mitteilungen seines Urgroßvaters in das rechte Licht setzen, verdanken. Er schreibt: „Unsere Vaterstadt war um die 70er Jahre des 18. Jahrhunderts ein kleines Land
städtchen, das sich vor vielen ähnlicher Art durch den Besitz einer Hochschule und einer
weil die Kriegsereignisse mitunter starke Zu⸗ züge vom Lande veranlaßten. Die Bevöl⸗ kerung bestand außer den Angehörigen der Universität und Garnison zumeist aus Krä⸗ bürgerlichen Militärs wurden von ihr be⸗
ansehnlichen Garnison auszeichnete. Um die Zeit, da das Hausbuch meines Urgroßvaters beginnt, zählte man ungefähr 3600 Ein⸗ wohner; bestimmte Zahlen liegen nicht vor. Die Einwohnerzahl schwankt fortwährend,
mern, kleinen Handwerkern und Ackerbür gern. Sie wohnten in erbärmlichen Quar⸗
tieren innerhalb der Festungswälle; es sollen
etwa 700 Häuser bestanden haben, die meisten nur von einer Familie bewohnt. Die Wälle schlossen noch große freie Plätze und
Gärten ein, die erst später nach Schleifung
der Festung bebaut wurden. Die Straßen
Neustadt, Neuenweg, Neuenbäue entstammen
jener Zeit. Durch vier Tore, wo jetzt die Wachthäuser stehen, vollzog sich der Verkehr
nach außen. Das westliche Tor war mehr nach der inneren Stadt gelegen, da, wo
der Tiefenweg von der Neustadt abzweigt, und wurde erst später abgebrochen.“
Ueber die Gießener Bürgerwehr, von der Johann Henrich Schaffstäl zugleich über die Gießener Schützengesell schaft, die er einige Seiten weiter erwähnt,
finden wir in der trefflichen„Geschichte der
Stadt Gießen“, die Professor und Ober⸗ bibliothekar Dr. Karl Ebel in dem Sammel⸗ bande„Wegweiser durch die Universitäts⸗ stadt Gießen und ihre Umgebung“(Verlag von Emil Roth) veröffentlicht hat, folgende schätzenswerte Angaben:„Spätestens schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
bildeten alljährlich Schützenfeste das Haupt⸗ ereignis des Jahres. Schon unter Ludwig den IV. von Hessen⸗Marburg, der Gießen
nach dem Tode Philipps 1567 erhalten
hatte, bestand hier eine Schützengesellschaft,
tädt berichtet, und
die jedes Jahr vom Landesherrn einen kleinen Geldzuschuß zur Beschaffung von Preisen für ihr Schießen erhielt. Am 31. August 1717 gab ihr der Landgraf Ernst Ludwig eine neue Ordnung. Sie sollte nicht
mehr als 40 Mitglieder zählen und von
einem Kapitän, je einem Leutnant, Fähn⸗
drich, Sergeanten und zwei Korporalen be⸗
fehligt werden. Ihre Schießzeit begann nach Ostern und dauerte 17 Wochen. Während dieser Zeit sammelte sich die Kompagnie regelmäßig einmal oder zweimal in der Woche des Mittags auf dem Markt und marschierte von dort im geschlossenen Zuge nach dem Schießplatz, wo bis zum Abend nach der Scheibe geschossen wurde. Dann
ging es in gleicher Ordnung nach dem Markte zurück. Zu Beginn und am Schluß
der Schießzeit fand ein dreitägiges Preis⸗ schießen statt, das sog. An- und Abschießen. Mit ihm war zugleich das Schießen der militärisch organisierten Bürgerschaft ver⸗ bunden. Der alte und der junge„Auszug“, in den die Bürgerschaft nach der alt⸗hessi⸗ schen Kriegsverfassung eingeteilt war, stand unter dem Befehl eines Berufssoldaten. Seine Offiziere und Unteroffiziere wählte er selbst. Die Schützenkompagnie bean⸗ spruchte und erhielt bei gemeinsamem Auf⸗ treten eine besondere Ehrenstelle im Zug. Das Preisschießen wurde von der landes⸗ herrlichen Behörde gefordert und überwacht, da ihm ja eine militärische Bedeutung zu⸗ kam. Die Offiziere der Schützen wie des stätigt.“
Ueber die von unserem Chronisten er⸗ wähnten Unterbürgermeister geben uns un⸗ sere Kirchenbücher einige Auskunft. Mum⸗ mert war ein Schneidermeister, der Name kommt heute hier nicht mehr vor. Die Fa⸗ milie Wörmser, oder richtiger Wormser, war einst hier sehr verbreitet und stand in hohem Ansehen, sie ist jetzt ausgestorben. Jakob Wormser starb 1809 als Ratsschöffe, Kir⸗ chenältester und Waldinspektor im Alter von 62 Jahren. Bäcker Biessel starb 1806, 64 Jahre alt. Balthasar Loos war Wagner und starb 1836, 82 Jahre alt. Von dem Metzger Konrad Frech meldet das Kirchen⸗ buch, daß er 1797 im Alter von 51 Jahren an Auszehrung gestorben sei. Knopfmacher Johannes Kattrein wurde 81 Jahre alt und verschied 1833. Balthasar Flett scheint Eisenhändler gewesen zu sein. Daniel Fel⸗ sing war Schuhmacher und heiratete 1780 die Tochter des Oberbürgermeisters Reiber. Johann Peter Stohr, der Wollentuchmacher war, heiratete 1789 die Tochter des Rats⸗ schöffen Reiber, der vermutlich mit dem Oberbürgermeister gleichen Namens iden⸗ tisch war. Leutnant Schwalb war natürlich kein Berufsoffizier im heutigen Sinne, son⸗ dern Leutnant bei der Bürgerwehr. Das gleiche gilt von dem Leutnant Becker. Der Name Estreich muß wohl Oesterreich ge⸗


