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Vater des Gießener Pfarrers. Ludwig Schwabe war von 1833 bis zu seinem im Jahre 1873 erfolgten Tode Stadtkantor und Organist an der Stadtkirche. Manchem alten Gießener steht er als Gesanglehrer noch in der Erinnerung. Er war schon ein Mann in vorgerücktem Lebensalter, als ihm in seiner zweiten Ehe zwei Kinder geboren
urden; um den Bruder trauert auch die Schwester, Frau Dekan Jaudt geb. Schwabe zu Planig in Rheinhessen. Eine eigentüm⸗ liche Fügung war es, daß der Sohn an derselben Kirche wirkte, in der der Vater so lange Zeit seine Tätigkeit ausgeübt hatte. Aus der ersten Ehe des Stadtkantors Schwabe stammte der vor wenigen Jahren in Tübingen verstorbene Professor der klassi⸗ schen Philologie Ludwig(von) Schwabe. Der verdiente Gelehrte war im Besitz eines würt⸗ tembergischen Ordens, mit dem der persön⸗ liche Adel verbunden war. Die Mutter des Pfarrers Schwabe, Bertha geb. Günther aus Butzbach, ist im Juli des vorigen Jah⸗ res, sieben Monate vor ihrem Sohne, im hohen Alter von 84 Jahren entschlafen.
Bertold Schwabe war am 14. Oktober 1864 zu Gießen geboren. Als er im Alter von 9 Jahren den Vater verloren hatte, lag die Sorge für die beiden unerzogenen Kinder ganz auf den Schultern der Mutter. Das war, wie der Sohn bei ihrem Hin⸗ scheiden gesagt hat, nicht immer leicht, aber die tapfere Frau verlor nicht den Mut, und es gelang ihr mit Gottes Hilfe, den beiden Kindern den Vater zu ersetzen. Bertold Schwabe besuchte das Gymnasium unserer Stadt, das damals unter der Leitung Schil⸗ lers stand, er verließ diese Anstalt Ostern 1885 mit dem Zeugnis der Reife. Am 1. April dieses Jahres trat er als Ein⸗ jährig⸗Freiwilliger in das hiesige Infan
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terie-Regiment ein, in dessen Verband er
auch später zwei achtwöchige Uebungen ableistete. Er war, auch wenn er nicht über allzu große Körperkräfte verfügte, ein tüch⸗ tiger Soldat und wurde nach Ableistung der
ersten Uebung zum Vizefeldwebel befördert. Als er in das Amt getreten war, wurde er nach den damaligen Bestimmungen zum
Sanitätspersonal übergeführt. Im Som mersemester 1885 wurde er auch als Stu⸗ dent der Theologie immatrikuliert, er schloß sich dem Akademisch⸗Theologischen Vereine an, dem er bis zum Sommer 1888 ange⸗ hörte. Seine Lehrer waren die Professoren Bernhard Stade,(1906 dahier verstorben), Johannes Gottschick(verstorben in Tübin⸗ gen), Emil Schürer(verstorben in Göttin⸗ gen), Ferdinand Kattenbusch, jetzt in Halle, Karl Müller, jetzt in Tübingen, und Gustav Krüger, damals als junger Privatdozent hier tätig. Auch hatte Schwabe in seinen ersten Semestern Gelegenheit, die Vorle⸗ sungen des Professors Adolf Harnack zu hören, der 1886 nach Marburg berufen wurde und seit 1888 in hohem Ansehen in
Berlin wirkt. Schwabes vertrautester Freund aus der Studentenzeit, Philipp Rit⸗ ter, Pfarrer in Ettingshausen, zuletzt in Siefersheim in Rheinhessen, ruht schon seit 20 Jahren unter der Erde Im März 1889 bestand er hier sein Fakultätsexamen und war hierauf bis zum Frühjahre 1890 Mit⸗ glied des evangelischen Predigerseminars zu Friedberg. Hier waren seine Lehrer die Professoren Gustav Diegel, Wilhelm Weif⸗ fenbach und Heinrich Adolf Köstlin, die alle drei längst nicht mehr unter den Le⸗ benden weilen. Bertold Schwabe hatte das
Glück, sowohl als Student wie als Kandidat
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zu den Füßen von Männern zu sitzen, die als Menschen wie als Gelehrte hervorragten und ihm viele Anregungen für sein späterez Leben gaben. Das hat er in Dankbarkeit stets anerkannt. Im Sommer 1890 bestand er zu Darmstadt das theologische Staats⸗ examen, die sogenannte Definitorialprüfung.
Nach den Jahren des Lernens und der Vorbereitung kam nun für ihn das Leben
des Berufes. Seine erste dienstliche Ver⸗
wendung fand er vom 19. Oktober 1890 an
als Diakonatsverwalter zu Erbach im Oden⸗ wald. Am 1. November 1891 wurde er Pfarrverwalter zu Stumpertenrod im Vo⸗ gelsberg. Er, der Sohn der Universitäts⸗ und Provinzialhauptstadt, sah sich so auf einmal mitten unter die Landbevölkerung
des Vogelsberges, in ein Dorf von aus⸗
schließlich bäuerlichem Charakter gestellt. Indessen fand sich der gewandte und geistig bewegliche Mann in den ihm ungewohnten Verhältnissen rasch zurecht. Am 11. De⸗ zember 1892 wurde ihm die Pfarrstelle Stumpertenrod definitiv übertragen, im ganzen waren ihm dort sieben Jahre des gesegneten Wirkens beschieden; die Liebe seiner Gemeindeglieder aus dem Vogels⸗ berg ist ihm bis zuletzt geblieben, oft noch traf Besuch von dorther in dem Markus⸗ pfarrhaus zu Gießen ein. In Stumperten rod begründete Schwabe auch seinen Haus⸗ stand, indem er sich am 9. März 1893 zu Darmstadt mit Anna Flick, der Tochter des zu Oberseemen verstorbenen Pfarrers Fried⸗ rich Jakob Flick, verheiratete. Aus dieser Ehe sind vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter, hervorgegangen. Die beiden Söhne standen während des Krieges im Felde und im Heeresdienste, der ältere als Feldhilfsarzt, der jüngere zuerst als Kriegs- freiwilliger, zuletzt als Fliegerleutnant. Am 9. März 1918 feierte das Ehepaar untet großer Anteilnahme der Gemeinde seine sil⸗ berne Hochzeit.
Der Gedanke an seine Kinder, die die städtischen Schulen besuchen sollten, bewog Schwabe, sich im Jahre 1898 um die er⸗ ledigte Pfarrstelle zu Rödgen bei Gießen zu bewerben, sie wurde ihm auch übertragen. Hier hatte er allerdings zuerst mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die Ge⸗ meinde einen anderen Pfarrer gewünscht
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