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5 34 Im Sterbebuche wird er als Kunstdreher

und Mitglied des Sechzehner⸗Rates bezeich⸗ net. Der Sechzehner⸗Rat war das, was heute die Stadtverordnetenversammlung ist,

dieser Mann war also ein in Gießen sehr

angesehener Bürger. Sein Sohn Johann Henrich, getauft am 12. Juni 1711(die alten Kirchenbücher vermerken nur den Tauf⸗, nicht den Geburtstag), war Drechsler, er heiratete am 27. April 1738 Anna

Eleonore Junck aus Darmstadt und wurde

am 1. Februar 1782 im Alter von 70 Jah⸗ ren zu Grabe getragen. Sein Sohn Johann

Henrich Schaffstädt ist der Schreiber unserer

Ebronik. Er wurde getauft am 27. Juli

1751 und wurde Ostern 1766 konfirmiert. Am 8. Juni 1777 verheiratete er sich mit Maria Magdalena Hoppertin(Hubert) aus Frankenberg, Tochter des verstorbenen Wagnermeisters Jost Henrich Hubert. Die Ehefrau starb schon im Jahre 1795; nach Ablauf des Trauerjahres verheiratete sich der Witwer mit Elisabethe Panzer, Tochter des verstorbenen Konstablers Friedrich Pan⸗ zer von hier. Er starb am 15. Februar 1823. Als junger, 25 jähriger Mann hat er seine Aufzeichnungen begonnen und sie durch einen Zeitraum von 47 Jahren fortge⸗ führt, die letzten Notizen hat er kurz vor seinem Tode gemacht. Zwei Einträge aus den 40 er Jahren, die noch hinzugefügt sind, rühren wohl von seinem Sohne Georg Philipp her.

Wenn Johann Henrich Schaffstädt auch sein Büchlein schon Weihnachten 1776 be⸗ gonnen hat, so hat er regelmäßige Einträge

Original gehalten, damit die Veröffent⸗

doch erst von 1779 an gemacht. Da er die

Seiten nicht ganz beschrieben hat, so konnte

er seine Einträge noch durch spätere Zusätze

ergänzen. In den Kreis dessen, das er der Nachwelt überliefern wollte, bezog er nicht nur lokale Ereignisse, sondern auch Tat⸗ sachen aus dem großen Weltgeschehen ein. Er schrieb über den amerikanischen Unab⸗

und da, wo die Schriftzüge etwas alt⸗ modisch und schnörkelhaft sind, machen sie Schwierigkeiten. Am Meisten Schwierig⸗ keiten macht die altmodische und nicht im⸗ mer einheitliche Orthographie. Ortsnamen, namentlich solche, die sich auf außerdeutsche Gebiete beziehen, waren manchmal schwer zu entziffern, das gleiche gilt von fremd⸗ ländischen Personennamen. Mit Hilfe ge⸗ schichtlicher Werke und Atlanten gelang in vielen, aber nicht in allen Fällen, das Rich⸗ tige zu ermitteln; dem Scharfsinn des Leserz ist also noch Betätigungsmöglichkeit gelassen. Der Herausgeber hat sich, was Orthographie und Interpunktion betrifft, streng an das

lichung auch dem dienen kann, der sich wissenschaftlich mit ihr beschäftjgt. Wenn der Chronist fremdländische Orts⸗ und Per⸗ sonennamen wie überhaupt Fremdwörter so schreibt, wie sie sich seinem Gehör eingeprägt haben, so wird der einsichtige Leser daraus nicht den Schluß ziehen, daß er es mit einem Manne von unzureichender Schul⸗ bildung zu tun hat. Auch muß man, was Schaffstädts Rechtschreibung im allgemeinen betrifft, beachten, daß es um 1800 in Deutschland noch keine einheitliche, behörd⸗ lich festgelegte Rechtschreibung gab. Goethe schrieb übrigens auch ganz anders als wir, und die Rechtschreibung hat seit dieser Zeit in Deutschland große Wandlungen durch⸗ gemacht.

Noch ist zu bemerken, daß im folgenden Schaffstädts Aufzeichnungen immer in An⸗ führungszeichen gesetzt sind. Was dazwischen steht, auch die im Text stehenden einge⸗

klammerten Worte, rühren von dem Heraus⸗

geber her. Hinter den Worten, die nicht

recht zu entziffern waren, steht allemal ein

hängigkeitskrieg, die Franzosen⸗ und Be⸗

freiungskriege und ging auch auf elementare. Ereignisse(Brände, Erdbeben, Ueberschwem⸗ mungen) ein, die sich außerhalb der Stadt Gießen zugetragen haben. Mitunter gibt er auch Gedichte wieder. Natürlich ist uns das am interessantesten, was er aus Gießen selbst berichtet, da das andere uns meist schon bekannt ist. Wir finden in seinen Aufzeichnungen vielerlei, was den heute Lebenden seither unbekannt war, mancher

Gießener wird durch Johann Henrich Schaff⸗

städt allerlei über f.

eine Vorfahren hören.

Aber auch seine Angaben über längst be⸗

kannte Tatsachen politischer Art bringen wir hier zum Abdruck, um den Charakter seiner Chronik zu wahren: zu Kürzungen konnten wir uns nicht entschließen, die Art dieses geistig bedeutenden Gießener Bürgers soll ganz zu ihrem Rechte kommen

Johann Henrich Schaffstädt schrieb im

Fragezeichen. Wenn die beigegebenen Er⸗ läuterungen nicht ganz vollständig sind, so wolle man das darauf zurückführen, daß dem Herausgeber, der gerade in diesem Winter eine überaus große Arbeitslast zu tragen hat, für diese seine Arbeit verhält⸗ nismäßig nur wenig Zeit zur Verfügung stand und daß er dabei zu Werk gehen. mußte wie ein Journalist, der nicht viel

Zeit zum Besinnen hat. Gießen, den 20. Februar 1919. H. B.

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Aufsatz der hiessigen und auswärtigen Be⸗ gebenheiten von dem Jahr 1776 bis daher von Johann Henrich Schaffstädt aufgezeichnet d. 26ten Decem Anno 1776.

Anno 1776 d. öten Juny(4. Juli haben die Ammeriganer Sich mit ihrem Kön⸗ nig Von Engelland empert. Der Krieg

wurde von beiden Theillen angefangen. Von den Franzoßen wurden die Ammericaaner

allgemeinen eine lesbare Handschrift. Hier unterstüz. Anno 1782 d. 30. Novem. sind

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