Ausgabe 
30.7.1922
 
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noch von den Russen besetzt war,

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z Bataillone hier in Garnison 1 it klingendem Spiel vorbei. Tas etwas ganz anderes! Da spitzten natür⸗ die Augen funkelten und rickelte es von oben bis unten. Wir empfanden es als einen unverzeih⸗ lichen Mißstand, daß wir da nicht jedesmal mitlaufen durften.

(Fortsetzung folgt.)

die Einnahme von Brest⸗Litowsk.

Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 8(Fortsetzung.

Gestern abend brachen wir um 7 Uhr von Lubien auf, marschierten bei großer Hitze und geradezu entsetzlichem Staub über Wyryki⸗Polod nach Zukowo, wo wir um Uhr neben der Marschstraße Halt machten. Da vor uns eine Division noch im Kampf und das Endziel unseres Marsches l hielten wir hier bis ½8 Uhr abends. Den ganzen Nachmittag zogen Kolonnen vorüber und hüllten uns in dichte Staubwolken. Als es gerade Nacht wurde, kam endlich der Befehl, an unserem Halteplatz zu biwakieren. Die Brunnen des Dorfes waren längst aus⸗ geschöpft, und so konnten wir nicht ein⸗ mal den Staub abwaschen, kein warmes Abendessen oder Getränk bereiten, die armen Pferde bekamen nichts zu trinken.

Heute marschierten wir um ¼2 Uhr mor⸗

11 ab, fanden nach längerem Marsch im ald ein sumpfiges Gewässer, wo die Pferde notdürftig getränkt werden konnten. Es ist eine trostlose Gegend hier, der Sand ist wie Mehl, die Marschkolonnen sind immer in eine dicke Staubwolke gehüllt. Da Truppen verschiedener Divisionen hier zusammen⸗ getroffen waren, die Brücken an den Sümpfen aber sehr schmal sind, gab es häufig Stockun⸗ en. So ging es 22 Kilometer weiter über Lack, Dance bis Lipinki, wo wir um 5 Uhr nachmittags in einem hochstämmigenKiefern⸗ wald Biwak bezogen. Während die großen Orte, durch die wir an den beiden letzten gen gekommen waren, völlig unversehrt waren, offenbar weil die Russen schneller, als sie gedacht, zurück mußten, waren die heute von uns berührten Orte nur rau⸗ chende Trümmerstätten, aus denen uns heiße Glut entgegenschlug. Auch hier in Lipinki stehen nur noch 2 bis 3 Häuser In einem Hofraum sah ich die verkohlte Leiche eines Kindes liegen, das wohl nicht mehr schnell genug hatte fliehen können. In den Wäldern stecken die Bewohner mit ihrem Vieh und den Wagen, auf denen der nötige Hausrat mitgeführt wird. Welch ein Elend!

Gestern abend und heute ballte sich über den brennenden Orten der Rauch in ganz eigentümlicher Weise zu mächtigen Wolken zusammen, die wie Riesensträuße aussahen.

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In Lipinki, wo außer unserer Abteilung das ganze Regiment 168 hinkommt, sind 4 Brunnen vorhanden; zwei davon hat die Division alles in allem etwa hundert Menschen und ebensoviel Pferde für sich beschlagnahmt, die beiden anderen bleiben für 3000 Menschen und über 1000 Pferde. Bis die erste Infanterie ankam, waren die beiden Brunnen schon leer. Das Graben nach Wasser war seither ergebnislos, dabei müssen wir damit rechnen, hier mehrere Tage zu liegen, da wir in Armeereserve kommen sollen.

Der Nachschub ist eben so erschwert, daß es täglich für fünf Mann lauch Offiziere) nur einen Laib Brot gibt, der Laib ist wesentlich kleiner(3 Pfund) wie im Frieden zu Hause. Da wir in letzter Zeit nochmals abends, weil es 8 spät war oder kein Wasser gab, keine Kartoffeln kochen konnten, so war das Abendessen recht einfach. Unsere Vorräte sind auch verbraucht.

Aus einem Brief an meine Frau:

Sollten wir etwa von hier nach der serbischen Grenze kommen, so brauchst Du dir wegen der Cholera keine Gedanken zu machen; die kann man hier gerade so gut bekommen. Ein großer Teil der Leute, die an Cholera oder Typhus erkrankten, haben sich das selbst zuzuschreiben. Sie trinken unge⸗ kochtes Wasser, gehen in alle Häuser, kaufen Eßwaren von den Einwohnern u. dgl. m. Nach dem Westen ginge ich nicht gern, aber dort wacht ja derselbe Gott über unser Ge⸗ schick wie hier. Du fragst, ob ich älter aussähe? Durch ein Jahr Krieg mit fast 200 Gefechtstagen wird man nicht jünger; ebenso nicht durch einen Vollbart. Hoffentlich werde ich nicht krank oder verwundet. Nach den Aussagen unserer Aerzte sind die Zu⸗ stände in den Lazaretten. sehr schlimm. Keine Betten und wenig Stroh. Die Verwundeten kommen vielfach mit Verbänden voller Un⸗ geziefer an, liegen lange auf demselben Stroh, das auch bald von Ungeziefer wim⸗ melt. Abtransport ist wegen Mangels an Fuhrwerken erst nach langem Warten, zwei bis drei Wochen, möglich und erfolgt dann auf kleinen ungefederten Panjewägelchen. Wenn die Bahnen, über Warschau und Iwangerod wieder in Betrieb gesetzt sind, wird das besser werden, ebenso der Nach⸗ schub und die Postverbindung. Was wir an Cholerazulagen in natura bekommen die Geldzulagen sind seit einiger Zeit auf⸗ gehoben ist recht bescheiden; es kommt eben zu wenig heran. An Verpflegung und Fürsorge für Kranke und Verwundete sind die Kameraden im Westen doch sehr im Vorteil gegen uns hier drüben.

16. August 15. Wir sind noch in unserem Biwak bei Lipinki. Seit kurzem führen wir auf einem Wagen einen Tis

und kleine zusammenlegbare Stühle mit Rückenlehne mit, die wir uns aus Lem⸗