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onntagsgruß

Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen

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Gießen, Miserik. Domini, den 30. April 1922

IJ. Jahrg.

der Kampf um den Seelenfrieden. 2. Tim. 2, 22. Fliehe die Lüste der Jugend!

Auf der Ebernburg hängt ein alter Holz- schnitt, der das Schloß darstellt, das sich einst auf dem benachbarten Rheingrafenstein er⸗ hob. Hoch ragt es auf dem steilen Felsen auf, unten im Tale kämpft ein Ritter mit einem Drachen. Unter dem Bilde steht der Spruch:

Den Mann zwar hoch und dapffer hält,

Der überwindt die Feind der Welt,

Jedoch der höher jeder Frist,

Der Laster fleucht, zu halten ist.

Es ist eine alte, in der heiligen Schrift oft wiederkehrende Mahnung, die Bild und Spruch uns einprägen. In diesen Früh⸗ lingstagen treten in Stadt und Land Tau⸗ sende junger Menschen hinaus in das Leben, ob sie nun als Neukonfirmierte aus der Schule entlassen sind und eine Lehrstelle annehmen, ob sie als Studenten oder Schüler zu ihrer Ausbildung die Heimat verlassen, ob sie in weiblichen Berufsstellungen ihr Fort⸗ kommen suchen. Seither wurden sie in Ein⸗ fachheit erzogen, die sogenannten Genüsse des Lebens blieben ihnen unbekannt, von den Freuden der großen Welt nahmen sie nichts wahr. Nun reißt die Welt vor ihnen ihre Pforten auf. Das Leben auf den Straßen, der Großstadt braust einher, die Stätten des Vergnügens, die vielfach mit allem erdenk⸗ lichen Luxus ausgeschmückt sind, öffnen sich, das Auge sieht so vieles, das die Phantasie mächtig anreizt. Viele der Jugendlichen leiden in diesem Treiben schweren Schaden. Sie vergessen Pflicht und Arbeit, geraten in Sünde und Schuld, zerrütten ihre Ge⸗ sundheit, verlieren Unbefangenheit und Rein⸗ heit des Herzens. Oft gehört ein starker Ent⸗ schluß dazu, die schädlichen Freuden der Jugend zu fliehen; der Kampf, der hier ausgefochten wird, ist ein Kampf mit einem gefährlichen Drachen. Aber Gebet, Vertie fung in die heilige Schrift, das Vorbild frommer Eltern, vor allem das Bild des leidenden und gekreuzigten Heilandes sind starke Waffen, und der Erfolg dieses Kampfes beruht in der Ruhe des Gewissens und im Frieden der Seele. H. B.

Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern. (Fortsetzung.)

Auch ein anderes, ganz interessantes Spiel haben sie noch, das aber ein wenig das Denken der Schwarzen anregt. Dieses Spiel heißtNecka- Versuchsspiel. Gewöhn⸗ lich stellen sie es aus Lehm her. Sie errichten ein rechteckiges Mäuerchen, 1 Meter lang, ½ Meter breit und ¾ Meter hoch. Auf dem Mäuerchen sind 10 Löcher, auf der ersten Längsseite 5 und auf der linken auch 5., Auf den beiden Breitseiten ist auch je ein größeres Loch als Auf⸗ bewahrungsort der Gewinne. Und nun neh⸗ men 2 Spieler Platz, einer an der linken Längsseite, der andere an der rechten. Jeder bekommt 40 Bohnen, Palmkerne oder auch Steinchen. In jedes Loch kommen 8 Stein⸗ chen. Nun fängt der erste an, nimmt aus einem Loch 7 Bohnen, wirft in die nächsten Löcher je ein Steinchen dazu. Dabei kommt er auch auf die Seite seines Mitspielers, der es gerade so macht. So geht es ab⸗ wechselnd weiter. Nun kommt es vor, daß der letzte Stein, den er ablegt, in ein Loch kommt, in dem schon 3 Steine liegen, daß es 4 zusammen sind; dann hat er gewonnen. Er nimmt diese 4 Bohnen und legt sie in den Behälter des Gewinnes, in das Ge winnloch. So geht es weiter, und mancher kann 34 Löcher auf einmal gewinnen. Durch Berechnung kann mancher große Ge⸗ winne einheimsen. Dieses Spiel wird fort gesetzt, bis in jedem Loch nur noch eine Bohne ist, dann wird der Inhalt in den Gewinnbehältern gezählt, und derjenige, der die größte Zahl im Behälter hat, hat ge⸗ wonnen. Gar manchmal setzte ich mich zu ihnen und machte so ein Spiel mit. Durch Berechnung gewann ich dann jedes Spiel, und voller Bewunderung blickten sie auf mich, mich für einen Geist haltend und mich sehr respektierend. Nun kommen auch die Kinder heraus, um zu spielen. Gewöhnlich, spielen, gerade wie bei uns, die Knaben mit den Knaben und die Mädchen mit den Mäd chen. Viel Weisheit und Geist enthalten diese Spiele nicht. Sie besingen gewöhnlich das Essen, spielt doch dasselbe eine große Rolle bei den Kamerunnegern. So stellen sie sich in zwei Reihen gegenüber. Und nun geht ein Mädchen auf ein gegenüberstehen des zu, dabei in die Hände klatschend, bald das linke, bald das rechte Bein hebend,