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Bei Schloßborn auf der Hasenmühle lebte er mit Julie 11 Wochen lang.
An den größten Raubzügen, die jetzt ge⸗ macht wurden, war die Niederländische Bande beteiligt. Der Pfarrer zu Hundsangen bei Hadamar, der Sammler von Kunstwerken, Gold⸗ und Silbergeräten war, hatte sein Haus, der Unsicherheit wegen, in eine wahre Festung verwandelt. Die eichene Haustüre war mit zwei Balken verrammelt, das Haus war mit Schießscharten versehen, von jedem Stock gingen Drähte nach der Sturmglocke. Pistolen, Flinten und Munition waren reich⸗ lich vorhanden. Es dauerte nicht lange, da statteten die Räuber dem Pfarrhause einen Besuch ab. Der Pfarrer wurde nachts durch den Lärm heftiger Stöße geweckt, die mittels Rennbaum gegen seine Haustüre geführt wurden. Er zog, sofort an dem Draht, mächtig hallten die Sturmglocken durch die Stille der Nacht. Die Schüsse, die Pfarrer Steingässer den Räubern entgegenschickt, schrecken diese nicht, krachend stürzt die Türe ein, die Räuber stürmen die Treppe hinauf! Mit einem kühnen Sprung flüchtet der Pfarrer in sein Gärtchen, er will über die Mauer steigen, da stellt sich ihm eine Schildwache entgegen. Der mutige Pfarrer streckt sie mit einem Pistolenkolben nieder. Die Bauern werden durch die Schildwachen, die im Dorf aufgestellt sind, im Schach gehalten. Die Räuber befürchten aber, als sie sehen, daß der Pfarrer, nachdem er ent⸗ kommen ist, sich an die Spitze der Bauern stellen könnte, und flüchten. Alles Wertvolle wurde geraubt oder zertrümmert.
Am 10. Januar 1801 begingen die vereinigten Rheinischen und Hunsrücker Banden den weltbekannten Postraub zu Würges, den Schupp in den beliebten W. O. v. Hornschen Volksschriften beschrieben hat. Der Hasenmüller von Schloßborn hatte, wie wir schon gehört haben, dem Schinderhannes und danach auch seinen Genossen, Unter⸗ schlupf gewährt. Picard übernahm bei dem Raubzug das Oberkommando, trotzdem seine Leute in der Minderzahl waren. Der Post⸗ halter Obers in Würges wollte sich gerade zur Ruhe begeben, als er einen hellen Schein auf dem Hof bemerkte. Zwölf bis fünfzehn Räuber mit angeschwärzten Ge⸗ N trugen einen mit Wachslichtern ver⸗ ehenen Rennbaum, den sie wider die neue, mit Eisen beschlagene Haustüre stießen, die endlich mit lautem Krach in mehrere Stücke sprang. Die Frau des Posthalters sprang aus dem Fenster, Obers war bald entdeckt, geknebelt und mißhandelt. Schinderhannes stand mit einigen Spießgesellen Schildwache und suchte durch fortwährendes Schießen die Bauern fernzuhalten. Die reiche Beute wurde im Walde verteilt. Picard versteckte den Löwenanteil für sich hinter einem Baum. Schinderhannes sah dies und stahl das Geld heimlicherweise. Erst viel später erfuhr Pi⸗ card, wer der Uebeltäter war und schwur
fürchterliche Rache. Die Beiden trafen sich aber nicht mehr, Picard ging mit seinen Leuten nach Eckardsrot, Schinderhannes auf den Hunsrück.
Eine recht unsaubere Rolle spielte bei diesem Raub ein Amtmann, der öfters von den Räubern Geld erhielt, sie in Schutz nahm und vor allen Gefahren warnte. Amt⸗ lich ist festgestellt, daß der Amtmann von. der Anwesenheit der Räuber auf der Hasen⸗ mühle Kenntnis hatte und sich sein Schweigen bezahlen ließ.
Kaum auf dem Hunsrück angekommen, beging Bückler einen Raubanfall auf das Haus des Handelsmannes Jakob Bär in Merxheim. Bär schrie zwar mit mächtiger Stimme„Feuer“, aber keiner der Bauern kam ihm zu Hilfe. Sechs silberne Becher, goldene Ringe, Schnallen, Halsbänder, Ohr⸗ ringe, eine ganze Partie Waren, 60 Louis⸗ dor 1200 Mark bares Geld war die Beute.
An diesem Fall kann man deutlich sehen, wie weit das Räuberunwesen gediehen war. Vier Räuber hatten die Tat vollbracht, in einer bevölkerten Gemeinde, von der kein Einwohner den Mut hatte, Widerstand zu leisten.
Der Nationalförster Brixius von Abt⸗ weiler und der Gemeindeförster Baumann von Staudernheim standen im Bündnis mit den Räubern, sie baldowerten sogar Raub⸗ züge aus, z. B. den bei Seckel Loew von Staudernheim. Loew und Sohn wurden mißhandelt und ausgeplündert. Durch den Lärm und das Schießen wurde, Bürger⸗ meister Will wach und alarmierte die Bauern. Der ganze Ort kam in Aufruhr, die Bewohner leisteten tapferen Widerstand, trotzdem die Räuber fortwährend riefen: Bleibt zurück, Schinderhannes ist da! Unter beständigem Feuern, von beiden Seiten, wichen die Räuber zurück, von Will und seinen Bürgern verfolgt. Leider entkamen die Räuber und schleppten Beute im Werte von 700 Gulden mit.
Im Ibener Wald wurden die Waren an den Müller Rupp von Iben und den Michel Isaak von Fürfold verhandelt.
Weitere größere Raubꝛüge waren die in Laufersweiler bei Isaak Moyses un auf dem Breitfester Hof bei Birkenfeld. Mendel Löw von Sötern wurde bald darauf das Opfer eines Raubmordes. Andern Tages ging Schinderhannes nach Fürfeld und tanzte auf der Kirmes im Saale des Wirtes Baum. Gemeinsame Raubzüge mit den Nieder⸗ ländern wurden darauf bei Heidelberg, im Schwarzwald und in der Pfalz bei Kusel ausgeführt. 5 5
Plötzlich tauchten die Räuber wieder in Erbesbüdesheim auf, wo sie bei Salomon Benedikt einbrachen. Vorher wurden ver⸗ schiedene Rekruten angeworben, die alle in der Gegend bekannt waren. Die reiche Beute wurde bei Hamm über den Rhein gebracht.


