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hen und diejenigen der Entgegenkommen grüßen wollten, die von den vordersten beiden gegrüßt worden wären, und zioar

mit einer kleinen, verbindlichen Verbeu⸗

gung, freundlichem Lächeln und einem ele ganten Schwung der Kopfbedeckung. Wer eine solche nicht bei sich habe, und das war bei den meisten der Fall, solle sie holen, was dann auch sofort geschah. Dann wurde von Klein die Begrüßung vorgemacht, und jeder von uns mußte an ihm vorüber⸗ gehen und sie wiederholen. Das war schon zum Totlachen, namentlich bei den Klei⸗ meren, bei denen das freundliche, schmun zelnde Lächeln anfänglich nicht recht ge⸗ lingen wollte. Dann geriet es aber, und die Gesellschaft wanderte zum Neuenweger Tor, an welchem sie sich zu zwei und zwei auf⸗ stellte und dann 10 und nach, immer mit dem festgesetzten Abstand, Arm in Arm abmarschierte. Dachs Klein marschierte an der Spitze und suchte die Leute aus, die gegrüßt werden sollten.

Der erste, dem diese Massenehre zuteil wurde, war ein Gießener Uni⸗ versitätsprofessor, dessen Name mir ent⸗ fallen ist, ein alter, weißhaariger Herr, der unseren Gruß ungefähr sechsmal er⸗ widerte, dem aber, trotzdem er mit seinen eigenen Gedanken mehr beschäftigt schien, wie mit sonst etwas, schließlich doch, wahr⸗ scheinlich auch durch die Regelmäßigkeit der Wiederholung auffiel, daß die Sache kein Ende nahm. Er blieb stehen, zwinkerte die gerade grüßenden Zwei durch die Brille an und sagte:Die jungen Herren leisten sich wohl einen Scherz?Verzeihung, ja: Sie sind aber gleich durch, es kommen nur noch etwa sechs nach uns! war die prompte Antwort. Der Herr Professor zog aber vor, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen. Er verschwand in der Richtung zum Busche Sannche, dem eiinnstmaligen Stammlokal des Korps Hassia. Ein Steg über den Schorgraben verband die neue Anlage mit dem Garten dieser Wirtschaft, in welcher auch die Honoratioren zeitweise ihre Schoppen tranken.

(Fortsetzung folgt.)

die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen.

(Fortsetzung.) Soeben erhalten wir von einer hier liegen⸗ den Funkerstation die Nachricht, daß War⸗ schau und Iwangorod gefallen sind. Die Nachricht drückt mich nieder, daß es den Russen gelungen ist, aus beiden Festungen ihre Artillerie, Vorräte und Haupttruppen zurückzuschaffen, und daß der Rest der Trup⸗ pen, nachdem der Abtransport vollendet war, 1 175 die Plätze räumte oder übergab. (Ist es so, dann ist uns der große Schlag, der geplant war, nicht gelungen, die letzte den

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Russen verbliebene Bahn Warschau Brest⸗ Litowsk zu erreichen, ehe der Abtransport erfolgt war, wodurch uns viel Gefangene und Kriegsgerät in die Hände gefallen wären. In diesem Falle ist hier immer noch kein, Ende abzusehen, solange uns nicht die innere Revolution in Rußland zu Hilfe kommt. Denn die Russen kommen immer wieder in neuen vorbereiteten Stellungen, gegen die sie uns anrennen lassen. Politisch wäre ja auch der geringere Erfolg von Wert; auch bekommen wir mehr Bahnverbindungen in die Hand, so daß der Nachschub erleichtert wird. Unsere Offensive dauert nun schon über drei Monate. Welche ungeheure An⸗ strengung umschließt diese Zeit. Und immer weiter geht es. Darin liegt ein gewaltiger Wille zum Sieg und eine ungeheure Kraft. Aber alles hat doch auch seine Grenzen.

Aug ust 15 Gestern früh brachen, wir um 7 Uhr auf, marschierten über Lud⸗ winow, Cycow, Ostrowek nach Lumin. Zwei meiner Geschütze blieben zur Flieger⸗ abwehr in Ostrowek, während ich mit den beiden anderen in Stellung ging. Hier ist eine ausgedehnte Seenplatte, Seen, Wälder und Sümpfe ringsum. Die Russen sind weit zurück, aber wir folgen wegen der Schwierig keit des Geländes nicht odey nur langsam. Es wird versucht, auf einer Seite herumzu⸗ greifen und dadurch den uns gegenüber⸗ liegenden Feind zum Rückzug zu zwingen. Meine beiden Geschütze stehen an dem großen Suminsee, unmittelbar hinter der Infan⸗ terielinie zur Abwehr eines etwaigen An⸗ griffs. An dem See entwickelte sich heute ein lebhaftes Badeleben. Die ganze Infan⸗ terie, auch soweit sie in Reserve liegt, wurde zum Baden geführt. Der Tag verlief ganz friedlich. Wir wohnen etwas rückwärts in einer Scheuer. Ich lief viel zwischen hier und vorne herum.

10. August 15. Seit dem 14. Juli haben wir außer an zwei Tagen täglich Kämpfe gehabt und teilweise vecht schwere, allerdings auch immer Erfolge, aber sie kosten Opfer. Trotz der körperlichen Anstren⸗ gungen, der dauernden Nervenanspannung, und oft kurzer Nachtruhe fühle ich mich wohl und gesund.

Am Vormittag des 8. August ging ich zu den Geschützen am Suminsee und dann weiter nach vorn, um den Verlauf der neu gebauten deutschen Schützengräben fest⸗ zustellen. Meine Geschütze standen nämlich so, daß ich bei einem Angriff der Russen flankierend wirken konnte; schoß ich dabei aber zu weit rechts, so flankierte ich unsere eigenen Gräben. In den Kämpfen der letzten vierzehn Tage wurde ich zweimal beschuldigt, in die eigene Infanterie, die dabei Verluste hatte, geschossen zu haben; jedesmal konnte ich aber nachweisen, daß dies nicht der Fall war. Bei der Unübersichtlichkeit des Geländes und dem oft sehr schnellen Vor