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Auch dieSusmänner waren Juden, es waren zwei Brüder, kleine, alte Männer, die miteinander Geschäfte trieben. Der eine hieß kurzweg dasSusmännchen, der an⸗ dere wurde mit seinem Vornamen das Bärche genannt, sie sammelten Lumpen und Knochen. In meinem Elternhause, so erzählt die Gießenerin, die an diesen Aus⸗ führungen beteiligt ist, war es Sitte, daß wir Kinder Abfälle sammelten und dann denSusmännern verkauften, der Erlös kam in unsere Sparbüchse. DasSus⸗ mäunche hatte eine rauhe und tiefe Stimme und stotterte mächtig. Wenn er Lumpen und Knochen aufkaufen wollte, so rief er in die Haustür hinein:Nix zu has⸗handele? Eines Tages, so erzählt unser männlicher Mitarbeiter, war ich Zeuge davon, wie er an dem ehemals Habenicht'schen Hause an der Stadtkirche stand und nach dem ersten Stockwerke hinauf rief:Is mei' Brau-, mei Brau⸗, Brau⸗, Braurer drohowe? (Ist mein Bruder droben?) Je mehr wir Buben lachten, desto schwerer fiel ihm die Aussprache, schließlich verschwand er in der Haustür, um nach seinem Bruder zu suchen. Ob er dort glimpflicher behandelt wurde, bezweifle ich; denn Habenicht hatte eine Lampenfabrik, und bei den Arbeitern wird er vom Regen in die Traufe ge⸗ kommen sein. Konnte dasSusmännche mit der Sprache nicht weiter, so half das Bärche mit seiner raschen Zunge nach, und das Geschäft entwickelte sich zur beider⸗ seitigen Zufriedenheit.

In dieser Reihe ist auch dieMale zu nennen, eine derbe Frauenfigur ohne den ausgesprochenen jüdischen Typus, auch sie sammelte Lumpen und Knochen, war also Konkurrentin der Susmänner. Von morgens früh bis abends spät ging sie diesem Ge⸗ schäfte nach, und oft sah man sie mit dem Lumpensack auf dem Rücken, in vorgebeugter Haltung und mit langen Schritten durch die Straße nach ihrem kleinen Wagen gehen, den ein kräftiger Hund zog. Hatte sie ein Stück der Straße abgesucht, so fuhr sie eine Strecke weiter und nahm wieder andere

Häuser vor, alles in hastigem und eifrigem

Tempo. Ihrem Hunde war sie immer einen Schritt voraus und zog ihn an einem kleinen Stricke nach. Sie war eine ordentliche und fleißige Person. Auch sie war bekannt als Kartenlegerin, ihr Aeußeres war jedoch so, daß auch vor ihr die Kinder sich fürchteten. Eines Tages, so erzählt uns die mehrfach erwähnte Gießenerin, wurde ich in das Haus geschickt, in dem dieMale wohnte, um bei unserem gleichfalls dort wohnenden Schuhmacher eine Bestellung zu machen. Ich machte diesen Gang nicht gern, und richtig, es passierte mir auch etwas. Ich verfehlte die rechte Tür, klopfte an und dieMale streckte ihren Kopf heraus, um nach meinem Begehr zu fragen. Ich war so erschrocken,

daß mir die Sprache verging. Eilends lief

N

ich davon, verfehlte auf der Treppe den 11 1 8 und purzelte die ganze Treppe hin⸗ unter.

Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walther-Beuern. (Fortsetzung.)

Wir wandern weiter Schon ist es ziem⸗ lich heiß geworden. Die Sonne meint es recht gut, auch läuft schon der Schweiß den Rücken hinunter, trotzdem wir uns ziemlich leicht angezogen haben. Um 7 Uhr ertönt die Glocke und ruft die Schüler in die Schule, Man sieht dann die Knaben mit der Tafel und den Büchern unter dem Arm. Es fällt auch der Unterschied der Schüler auf. Die einen sind ziemlich groß, wir schätzen sie auf 1517 Jahre, dazwischen kleine, die 8 bis 10 Jahre alt sind. Ihre Schulen setzen sich aus verschiedenen Altersklassen zusammen. Auch fällt die Kleidung auf. Manche haben ein Lendentuch um, es ist das einzige Klei⸗ dungsstück; andere wieder haben außer dem Lendentuch auch noch den Oberkörper mit einem weißen Hemdchen bedeckt, das sich sehr nett von der schwarzen Haut abhebt. Wieder andere haben Hosen an und haben über den Oberkörper eine Weste gezogen, die so weit ist, daß man vier bis fünf solcher Kerlchen darunter unterbringen könnte. Doch der kleine, junge Mann ist stolz auf seinen Schmuck und bildet sich etwas darauf ein. Ja, gar manchmal sah ich Kerlchen, die Kleidungsstücke, die sonst nur Frauen tragen, angezogen hatten. Stolz und hochmütig wan⸗ dern sie dahin, haben sie doch was ganz Besonderes angezogen.

Wer schreit denn da auf der Straße? Wir werden es gleich sehen. Da ist ein Vater hinter seinem Sohne drein, mit der Peitsche ihn in die Schule treibend. Wohl ist ja kein Schulzwang in Kamerun, aber die Väter wollen haben, daß ihre Söhne in die Schule gehen, daß sie was Tüchtiges werden, und so treibt man sie mit der Rute in die Schule. 5

Nun sieht man auch Frauen ausgehen. Auf dem Kopfe tragen sie einen Korb oder eine Kalabasse. In demselben haben sie Knollen oder Ableger von irgendeiner Frucht, und auch die primitive Hacke schaut heraus, mit der hohe, ameisenhügelähnliche Haufen aufgeworfen werden, in die die Früchte eingepflanzt werden. Auf dem Rücken trägt eine Frau ein kleines Kind, das mit einem Tuch fest über den Rücken gebunden ist. Wir fragen sie:Nango, o mala oe? Frau, wo gehst du hin?Na mala o eyidi Ich gehe in den Wald, ant⸗ wortete sie uns.O mapula bola oten? Was willst du dort tun?Na mapula de da. Ich will Essen pflanzen. Sie ist sehr freundlich und trotz der vielen Arbeit find diese Frauen immer zuvorkommend und