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seitige Ufer nebst der Brücke, die damals oberhalb der jetzigen an der unteren Spitze der der Möserschen Mühle gegenüberliegen⸗ den Insel den Fluß überspannte.

Als Veranlassung der Beschießung Gie⸗ ßens am 11. September nennt Schau⸗ mann die Mißhandlung einiger französischer Soldaten durch Gießener Bürger. Die Mei⸗ nungen darüber waren jedenfalls geteilt, und verschiedene Gerüchte schwirrten in der Stadt. Chastel erzählt, mit den Kaiserlichen sei eine Menge Bauersleute, Männer und Weiber, welche ihnen Viktualien nachtrugen, in die Stadt gekommen. mancher Fehler von seiten der Bürgerschaft vorgefallen und manches dem General Ney unter einem falschen Lichte vorgebracht wor⸗ den sein, worüber er erboste und die Stadt in Brand zu stecken sich vornahm. Viele Leute liefen aus Neugierde heerdenweise, besonders Frauenspersonen, auf den Wall. Es wurde dem General Ney durch die Vorposten referirt, die Bürger hätten die Franzosen wieder hereingelockt, selbst zu Ge⸗ fangenen gemacht und getödtet, endlich vivat die Kaiserlichen laut gerufen, wie diese sich an das Thor begaben. DieKriegs⸗ geschichte weiß von der Aussage französi⸗ scher Gefangenen zu berichten, wonach man bei ihnen befürchtete,die in Gießen ab⸗ geschnittene Compagnie würde ohne Barm⸗ herzigkeit zusammen gehauen worden seyn, und deswegen hätte General Ney sich rächen wollen. Sie fügt aber hinzu, daß die Ver⸗ anlassung der Beschießung sich nicht zu⸗ verlässig bestimmen lasse, und be treitet die Absicht Neys, die Stadt zu vernichten.

Richtig dürfte sein, was Erzherzog Karl sagt, daß sich die Kaiserlichen der Stadt mit Hilfe der Einwohner bemeistert hätten. War auch das Verhältnis der Bürgerschaft zu den Franzosen im allgemeinen nicht schlecht, so mußte man doch die Verjagung des Feindes aufs innigste wünschen. Und daß die Stimmung der Einwohner für eine tätige Teilnahme an den Kämpfen war, geht deutlich aus dem Bericht Chastels her⸗ vor, besonders aus dem Umstande, daß die Kriegskommission am 12. September die Bewaffnung der Bürgerschaft verhinderte.

(Fortsetzung folgt.)

Beim deutschen Beskidenkorps.

Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen.

3. Die Kämpfe bei Lemberg.

(Fortsetzung.)

Heute nacht wird es wohl wieder früh losgehen, damit wir die Fühlung mit dem 12 nicht verlieren. Die Russen sind Meister des Rückzugs. Mit verhältnismäßig schwachen Kräften, die sich aber in stark ausgebauten Stellungen befinden, halten sie uns immer so lange auf, daß die Haupt⸗

Es soll dabei 1

armee geordnet zurückgehen kann, und lösen sich dann meist ohne schwere Verluste von uns los, um sich wieder in der nächsten vorbereiteten Stellung festzusetzen. Oft müssen sie allerdings, wenn wir zu scharf nachdrängen, eine oder zwei Stellungen übergehen und, ohne einen Schuß daraus abgegeben zu haben, preisgeben. Wie nieder⸗ drückend muß das doch für eine Truppe sein, immer zurück zu müssen, soviel Arbeit umsonst gemacht zu haben, und es ist nur zu bewundern, daß die Russen dann doch immer wieder zähen Widerstand leisten. Zu meinem Leidwesen mußte ich heute abend feststellen, daß ich Kleiderläuse auf dem Körper habe. Obwohl diese Plage schon an der Bzura in der Batterie stark ver⸗ breitet war, blieb ich seither davon verschont. Nach Ansicht meines Freundes Schmitt bin ich aber jetzt erst ein richtiger Feldsoldat.

21. Juni 15. Ich hätte in der Nacht vorzüglich geschlafen, wenn ich nicht vier⸗ mal durch Befehle geweckt worden wäre. Um 3 Uhr aufgestanden, um 4 Uhr Ab⸗ marsch; wieder durch Wald, der aber viel besser bewirtschaftet ist, wie in den Gegen⸗ den durch die wir seither kamen. Auch an einem schön gepflegten Pflanzgarten kamen wir vorüber, der mich an die Pflanzgärten meines Schwiegervaters im Gießener Stadt⸗ wald erinnerte. Um 7 Uhr gingen wir bei Zarudee in Stellung, da sich der Feind hier wieder festgesetzt hat. Am Waldes rand um mich her haben sich wieder unangenehm viele Beobachtungsstellen eingenistet. Es ist trüb regnerisch und kühl. Im Unterstand lese ich die interessante Rede des Abgeord⸗ neten Fuhrmann, in der er auch die Frage der Kriegsziele berührt. Mit dem Plan, ganz Belgien zu annektieren, kann ich mich immer noch nicht befreunden. Aber es ist ja auch zum Glück nicht meines Amtes, darüber zu entscheiden.

22. Juni 15. Wir stießen gestern, als wir aus dem großen Wald herauskamen, auf eine starke feindliche Stellung, in der sich auch ein steiler kahler Berg befand, mit drei Schützengräben nebst Drahtverhauen übereinander, gerade unserer Beobachtungs⸗

stelle gegenüber. Am Nachmittag ent⸗ wickelte sich ein sehr heftiger Artillerie⸗ kampf. Unsere Infanterie ging vor, und

es mußten alle Reserven eingesetzt werden, Gegen Abend ging 1h von uns mit meinem Scherenfernrohr konnte ich, alles genau beobachten die 35. Reservedivision im Sturm vor. Die Russen flohen, und nun schoß die gesamte Artillerie in die asse hinein. Auch die russische Artillerie schoß offenbar auf ihre zurückgehenden Leute, die nun in Scharen überliefen und zu Ge⸗ fangenen gemacht wurden. Darauf wurde der Berg von schwerer Artillerie und Feld⸗ artillerie unter Feuer genommen. Für die russische Grabenbesatzung die wahre Hölle.