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und vor allem die Hofbibliothek ermöglich⸗ ten ihm ein höheres geistiges Leben. Der Politik dagegen stand er kühl gegenüber. Bewegten auch ihn die freiheitlichen Ge⸗ danken des Jahres 1848, war ihm auch, namentlich in veligiösen Dingen, eine recht freie Denkungsart eigen, so schloß er sich doch nicht, wie mehrere seiner Bekannten, der äußersten Linken, den Ultraliberalen an, sondern beteiligte sich sogar an einer Gegenaktion gegen diese in Frankfurt. Inzwischen erkrankte sein Vater ernstlich. Es war zu vermuten, daß er, wenigstens auf einige Zeit, seinem Dienste nicht mehr würde vorstehen können.“ Um ihn, der„sich nur ungern von seinen Berufsgeschäften völlig getrennt haben würde“, unterstützen zu können, suchte Wilhelm um seine Ent⸗ lassung von der Stelle eines Gehilfen bei der Steuerkontrolle nach unter der Vor⸗ gabe, seine eigene Gesundheit in Schlitz wiederherstellen zu wollen. Am 5. Sep⸗ tember 1850 wurde seinem Wunsche will⸗
fahrt. Als sich der Zustand seines Vaters f.
aber nicht besserte, bat er bald darauf, daß er seinem Vater aushilfsweise beigeordnet würde. Auch diese Bitte wurde ihm am 26. September gewährt. Schon am 15. De⸗ zember 1850 starb sein Vater.(schluß folgt.)
Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern. (Fortsetzung statt Schluß.)
Die Blätter, die mit einer dicken Haut über⸗ zogen sind, sind herzförmig und haben einen starken Geruch. Die Blüten gleichen einer Apfelblüte, und zur Hauptblütezeit ist der ganze Baum mit einer solchen Menge Blüten versehen, daß man meint, er sei mit Schnee bedeckt. Die Früchte gleichen einem mittel⸗ großen Apfel und haben eine grüne Farbe, werden aber in ganz reifem Zustande gelb. Das ganze Jahr findet man Früchte an diesem Baum, und so lernt man diese Früchte, die sich anders nicht genießen lassen, sehr schätzen. 5 5
Nach dem Essen machen wir noch einmal eine kleine Wanderung in das Dorf, um das Leben auch abends kennen zu lernen. Der Mond scheint ziemlich hell, und so können wir alles genau sehen. Vor den Hütten sitzen die Neger und unterhalten sich. Andere essen noch zu Nacht. Wir begrüßen sie: „Lo jai bwama? Seid ihr wohl?“„E Sango, ja mein Herr“, so tönt es uns ent⸗ gegen. Wir bleiben bei ihnen und unter⸗ halten uns ein wenig mit ihnen. Wieder andere haben schon ihre Matten vor die Hütten gelegt und liegen schon darauf, sie wollen die Nacht unter freiem Himmel zubringen. Es geht ja auch; denn es ist ja ziemlich warm. Da sehen wir noch eine Mutter. Um sie herum sitzen eine ganze Menge Kinder. Sie hängen an der Mutter Mund, und gespannt hören sie zu. Die
Mutter erzählt, und wir hören zu. Sie er⸗ zählt gerade das schöne Märchen von der Spinne und dem Tausendfuß. Beide waren sehr gute Freunde. Eines Tages treffen sie sich wieder einmal, und nachdem sie sich begrüßt haben, sagt der Tausendfuß zur Spinne: Du, ich will dir einmal etwas erzählen. Die Spinne sagt: Beginne! Da sagt der Tausendfuß: Ich glaube, die Menschen sind taub, denn wenn ich nicht den Menschen bis an den Leib steige, so merkt er es gar nicht, daß ich da bin. Gehe ich auf dem Erdboden, so höre ich selbst meine Füße stampfen, denn ihr Stampfen macht ein solches Geräusch, wie das eines fahren⸗ den Dampfers. Und dessen Geräusch muß man doch hören. Aber trotzdem hören es die Menschen nicht. Also sage ich: Die Men⸗ schen sind taub! Nun fing die Spinne an zu erzählen und sagte: Und ich sage, die Menschen sind blind. Wenn ich mir ein Haus gebaut habe, so kommen diese Blinden heran und zerstören es mir. Das Gespinst umgibt ie, und noch nicht einmal sagen sie: Das Gespinst der Spinne umgibt meinen Leib. Sie zerreißen den Bau mit ihren Händen und zerstören ihn ganz. Ich flüchte mich dann in das Gras und baue mir später wieder ein anderes Haus. Aber ich bleibe bei meiner Behauptung: Die Menschen sind blind! Da sagte der Tausendfuß weiter: Und ich behaupte auch noch: Die Menschen sind dumm, denn sie lieben den Leib nicht, den ihnen Gott gegeben hat am Tage ihrer Ge— burt. Zuerst gehen sie nackt, werden aber die Kinder größer, so nehmen sie ein Stück Zeug und binden es um die Hüfte. Ja andere nehmen auch noch ein größeres Tuch, das den Bauch und auch noch den unteren Teil der Brust bedeckt.(Bis zum fünften Jahre laufen ja die Kinder nackend.) Außerdem be⸗ decken sie auch noch den Kopf, und so kann keine Sonne noch Regen darauf kommen. Alles ist aber gut, was Gott gegeben hat. Und regnet es, dann haben sie noch so ein merkwürdiges Ding, das nach oben zeigt, damit sie nicht naß werden(Regenschirm). Also glaube ich recht zu haben, wenn ich sage, die Menschen sind auch noch dumm, wollen sie es doch nicht so haben, wie es Gott bestimmt hat. Wären sie nicht dumm, so würden sie Regen und Sonnenschein auf ihren Körper kommen lassen wie wir und würden ihn nicht verhüllen.(Der Tausend⸗ fuß ist ein wurmähnliches, fingerlanges, schwarzes Tierchen und hat sehr viele Füße. Sicherlich sind es über hundert. Deshalb Tausendfuß genannt.) Und nun erzählt sie auch noch das Märchen vom Habicht und dem Huhn, das ja eines der schönsten Kame⸗ runmärchen ist. Die Tiermärchen sind ja was Schönes, und es ist auch ein Beweis dafür, daß die Schwarzen denken. Hier dieses Märchen beweist, daß die Schwarzen sich ihre Gedanken darüber gemacht haben, warum die Feindschaft zwischen dem Habicht


