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das Gymnasium, die Synagoge und die große städtische Turnhalle, die aber nicht mehr vorhanden ist. Sie bildete dem Gym⸗ nasium gegenüber das Eckhaus der heutigen Bismarckstraße, die,-wie ersteres, damals noch nicht existierte. Die Turnhalle war ein umfangreicher, rechteckiger Bau, dessen Längsseite der Neuen Anlage zugekehrt war. Nach dieser Seite hatte sie einen Vorbau, in welchem sich der Treppenbau, im Erdgeschoß eine Gerätekammer und im ersten Stock ein großes Zimmer, welches wohl als Ankleide⸗ raum gedacht war, aber nie als solcher benutzt wurde, befanden. Die Halle hatte mächtige Fenster. An den vier Ecken der Umfassungsmauern und an den Seiten waren in gewissen Abständen dreiseitige, säulenartige, bis zum Dach reichende Ver- stärkungen eingemauert, die nach oben in pyramidenartigen, etwa 1½ Meter hohen Auffätzen mit einer Sandsteinblume endeten. In den Feldern zwischen den Pfeilern be⸗ fanden sich die Fenster. Im Innern hatte die wohlausgerüstete Halle an den Schmalseiten zwei breite und an der Straßenseite eine schmale Galerie, zu welcher man vermittelst einer Treppe von der Halle, aber auch von dem vorerwähnten Zimmer aus gelangen konnte. Auf der einen der beiden breiten Galerien befand sich der Sprungtisch, auf der anderen das Horizontalstangengerüst. Nach hinten zu ging von der Halle aus eine Tür nach dem geräumigen, bis an die Wieseck reichenden Turnplatz, eine zweite nach der mit der Nordseite des Gebäudes in einer Flucht angebauten Wohnung des Turn⸗ lehrers Christoph Rübsamen, d. h. zunächst in den Ankleideraum. Die Wohnung selbst war durch einen Korridor isoliert. Als die Halle, die im Jahre 1867 erbaut worden war und 1868 der Benutzung übergeben werden sollte, führte uns der Direktor St. im Zeichensaale zu Gemüte, daß die Halle eins der größten und schönsten derartigen Gebäude Deutschlands sei und wir stolz auf dieselbe sein könnten. Wunschgemäß waren wir das dann auch von da ab.
Das Turnen machte uns großes Ver⸗ gnügen. Ich glaube wohl behaupten zu dürfen, daß es damals unter den Gießener Buben nicht einen einzigen gab, der sich nicht auf die Turnstunde freute. Das kam zweifellos in der Hauptsache daher, daß das Turnen damals gerade in Gießen auf der Höhe stand und unsere Turner von den Festen die ersten Preise heimbrachten. Es lag daher die Liebe zur Turnerei gewisser⸗ maßen im Gießener Blut. Dann aber auch war Rübsamen ein Mann, der seine Buben zu behandeln wußte. Bei Lumpenstreichen sah er durch die Finger, nur wenn dabei ein schlechter Zug zu erkennen war, gab es Klopffische. Eine Anzeige beim Direktor mußte schon eine ganz windige Ursache haben.
Sehr lange konnten wir auf die Halle nicht stolz sein, denn sie segnete schon im Jahre 1891, also nach noch nicht einem Vierteljahrhundert, das Zeitliche. Die große, nur ringsum auf den Mauern gelagerte Decke bekam Risse und das Gewissen der Er⸗ bauer auch. Man glaubte, in irgendeiner Weise des Uebelstandes Herr werden zu können, und stützte die Decke durch eine Reihe langer Strebebalken, die dann nach einiger Zeit wieder entfernt wurden. Aber es war anscheinend eine Beseitigung der über den Häuptern schwebenden Gefahr nicht möglich, und so mußte, denn das Gebäude nach einer für ein derartiges Bauwerk lächer⸗ lich kurzen Zeit des Bestehens abgebrochen werden. An sie erinnert nur noch das Garten⸗ haus hinter der Rickerschen Buchhandlung, die auf der Stelle, auf welcher die Turn⸗ halle stand, erbaut worden ist. Das Garten⸗ haus war Rübsamens Wohnung.
Auf die Neue Anlage, an welche, da wo jetzt die Häuser stehen, Kartoffeläcker, Ge⸗ treidefelder und Gärten stießen, waren die Gießener nicht wenig stolz. Wenn der Gießener Philister am Samstagabend, frisch gewaschen und gekämmt, die seidene Mütze auf dem Kopfe, die lange Pfeife im Mund, im Ausgehanzug um die Schooren pilgerte, bevor er sich am Stammtisch einfand, dann blies er noch einmal so lange Wolken in die Dämmerung, wenn er auf die Neue Anlage kam. Das war doch endlich einmal etwas Großstädtisches, von dem sich Gießen bisher so restlos sauber gehalten hatte, d. h. wenn man von dem kurz vor dem Bahnhof da⸗ mals neu angebrachten Schild„Nach dem Bahnhof“ absehen wollte.
Mit der Schaffung der Neuen Anlage war das Todesurteil über die Schoor dieses Ab⸗ schnitts gesprochen. Ihr Lauf ist noch un⸗ schwer zu erkennen. Vom Selterstor zog sie dem noch vorhandenen Stück Schoorgraben entlang bis zur Plockstraße, von da schräg hinüber bis zum Neuenweger Torhaus, an dem sie, dicht vorüberführend, in die Straße einmündete, auf der Stadtseite von bis an den Graben reichenden Gärten, auf der anderen Seite von den neu angelegten Bos⸗ ketts und Beeten flankiert.
(Fortsetzung folgt.)
Die Einnahme von Brest⸗Litowsk.
Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.
Nachmittags. Wir marschieren 6 Kilo⸗ meter und biwakieren jetzt in Blotikow, innerhalb der Fortlinien Brest⸗Litowsks. Wir kamen an einem Fort vorüber, das ich eingehend besichtigte. Ein Teil war von den Russen gesprengt worden. Die Anlagen waren sehr stark, die Hindernisse raffiniert
noch so starke Festung gegenüber unseren
eingebaut. Aber was bedeutet heute eine
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