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produktion, verboten. Daher beteiligte sich auch Fritz Kandry, der Neffe der Eigen⸗ tümerin, nie an diesen Spielereien. Aber er freute sich nicht minder, wie wir, wenn die Ziege zum toß ausholend ein paar Schritte zurück ging und dann diesen in die Luft machte, weil des Seilchens Kürze Halt gebot. Man brauchte daher nur einen Schritt zurückzugehen, um vor dem Stoß sicher zu sein. Da geschah es eines Tages, daß, als der Genannte die Ziege zum Grasen herausgeführt und angebunden hatte, sich diese plötzlich der Neckereien erinnerte und dem nichtsahnenden Fritz mit ihren Hörnern einen derartigen Stoß in den Rücken versetzte, daß er auf den Bauch fiel und in die Wohnung geführt werden mußte. Dort bekam er von seiner Großmutter noch eine Tracht Prügel, deren Wirkung die⸗ jenige des Stoßes noch in einer Weise ergänzte, daß er acht Tage im Bette liegen
mußte. (Fortsetzung folgt.)
Aus dem Leben eines Uebeltäters.
(Schluß.)
Am 20. und 21. November 1803 fand in Mainz ein Zulauf von Menschen aus allen Gegenden Deutschlands, besonders aber der Nachbarschaft, statt. Man schätzte die Menge auf mehr als 40 000 Personen. Am 21. No⸗ vember mittags wurden auf 3 Wagen 20 von rohen Brettern gezimmerte Särge zum Richt⸗ platz am Weisenauer Tor geschafft. 300 Mann Infanterie umstellten den Platz. Bald nahte der Trauerzug dem Schaffot, das erhöht aufgestellt war. Voran ritten zwei Hussiers(Gerichtsdiener), schwarz ge⸗ kleidet, in der Hand einen Stab, ihnen folgten 20 Gendarmen, von einem Bri⸗ gadier geführt, alle in nagelneuer Uniform, dann ein Tambourmajor mit 8 Trommlern und einer starken Abteilung Infanterie. Die zum Tode Verurteilten saßen in fünf Wagen, im ersten Schinderhannes. Sieben davon waren mit roten Hemden und weißen Kappen, den Zeichen der Mörder, bekleidet. Die Hände der Verurteilten waren auf den Rücken gefesselt und die Stricke an den Wagen⸗ leitern befestigt. Auf jedem Wagen saß ein Geistlicher. Neben und hinter den Wagen ging eine starke Abteilung Infanterie. Trommler und ein Kommando Gendarmen bildeten den Schluß des Zuges. Die ver⸗ zweifelten Gesichter der meisten Räuber, die sie vergebens zu verbergen suchten, standen im grellen Gegensatz zu der Unerschrocken⸗ heit des Schinderhannes. Völlig gefaßt sprang er vom Wagen und bestieg das Blutgerüst. Nach der damaligen Sitte war es den Verurteilten erlaubt, eine kurze An⸗ sprache an das Volk zu halten. Der Fran⸗ zose wollte noch auf dem Schaffot geist⸗ reich sein, die Zuschauer sollten auch ihren Sinnenkitzel haben. Schinderhannes, vom
französischen Wesen angekränkelt, wandte sich rechts und links an die Menge und rief: „Böppel(peuple= Volk), ich habe den Tod verdient, aber zehn meiner Kameraden nicht. Böppel——“, damit ergriffen ihn die Henkersknechte und vollbrachten ihr blutiges Werk. Mehrere Räuber standen entsetzt da, andere waren zu Bildsäulen erstarrt und mußten die Treppe hinaufgetragen werden. Die Henkersknechte fingen in Bechern das herausspritzende Blut auf und verkauften es. Nach einem Aberglauben sollte das Blut hingerichteter Personen die Fallsucht heilen.
Das ganze Trauerspiel war in nur 26 Mi⸗ nuten erledigt. Neben der Guillotine war eine Bretterbude errichtet, in der galvanische Versuche an den Körpern der Hingerichteten vorgenommen wurden. Professor Acker⸗ mann, der Präsident der medizinischen Spe⸗ zialschule in Mainz, leitete die Versuche unter Mitwirkung einer Anzahl von Medi⸗ zinern. Zwei hinter dem Schaffot stehende Aerzte hatten den Auftrag übernommen, zu erproben, ob bei den abgetrennten Köpfen noch Bewußtsein oder Empfinden vorhanden sei. Alle diesbezüglichen Bemühungen waren erfolglos. Die Versuche, die 4 Mi⸗ nuten nach der Hinrichtung mit zwei Volta⸗ schen Säulen gemacht wurden, hätten aller⸗ dings den Laien täuschen können, denn beim Schließen und Oeffnen der Kette gerieten alle Muskeln in Zuckungen, und ein rasch vorübergehendes Mienenspiel täuschte Leben vor. Es ergab sich ferner die interessante Tatsache, daß ein Kopf auf einem fremden Körper nicht so gut reagierte, wie bei dem eigenen.
Der im Holzturm in Mainz geborene Knabe des Schinderhannes wurde nach der Hinrichtung herumgetragen und gezeigt. Eine Sammlung für ihn ergab 800 Gulden.
Andern Tages wurden die zu Ketten⸗ strafen verurteilten Verbrecher auf einem Brettergerüst ausgestellt. Der alte Bückler, ein Mann von kaum 50 Jahren, saß siech und krank in einem Lehnstuhl, den, Kopf zur Seite gehängt, das Bild eines Greises. Die meisten Verbrecher zeigten lächelnde Mienen, nur einer, Peter Weber, machte fürchterlichen Lärm und schrie immerfort: „Ich bin kein Spitzbube, die, Richter da⸗ gegen bestehlen die Nation alle Tage.“
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Der Schwarze Peter hatte sich schon vor Bücklers Gefangennahme im Odenwald auf⸗ gehalten. Er trieb dort sein Räuberhandwerk im kleinen Stile weiter. Sprach er von seinen hingerichteten Kameraden, so nannte er sie stets„selig“, z. B. der„selige Schinder⸗ hannes“, der„selige Husavenphilipp“.
Am 4. Mai 1811 wurde der Schwarze Peter bei Hemsbach im Odenwald infolge eines Straßen raubes, den er selbst gar nicht begangen hatte, verhaftet und nach Mainz gebracht. Da seine Verbrechen verjährt


