Einzelbild herunterladen

200

keine rechte Freude am Lernen aufkommen. Die wenigen Mustorschüler, welche wir hatten, stachen mit ihrer Alleswisserei vom Gros der Klasseninsassen ab und galten als Quer⸗ treiber. Sie wurden daher mit einer gewi sen Zurückhaltung behandelt und nie zur Tei⸗ nahme an einem vom Mutwillen eingegebe⸗ nen Streich aufgefordert. Erst in den höheren Klassen, in welchen man einsehen gelernt hatte, daß man sich auf die Hosen setzen mußte, um voran zu kommen, verwischte sich der Unterschied, und es trat, wie wir später sehen werden, eine Solidarität ein, an der nichts auszusetzen war. Aber gerade in der 5. Klasse lag, wenigstens zur Zeit, als ich ihr angehörte, der Mehltau auf den Ge⸗ mütern; die Lehrgegenstände zogen nicht. Die Zoologie, welche uns Prof. Dr. Buchner, der Führer der 4. Klasse, beibringen sollte, hielt nicht, was wir uns von ihr versprochen hatten. Es war zwar schön und unterhaltsam, mit den Säugetieren in schönen, farbigen Bildern, tellweise auch in ausgestopften Exemplaren bekanntgemacht zu wer en, als man aber mit Haarspaltereien kam und von uns zu behalten verlangte, in welche Klassen die Tiere eingeteilt würden, wieviel und was für Zehen und Zähne sie hätten, mi wieviel Jungen und wie oft im Jahr sie sich gegen das Aussterben ihrer Sippe schützten, da flaute das Interesse merklich ab, obgleich unser Lehrer nicht zu denjenigen gehörte, dem man eine sch eppende und lang stielige Vortragsweise zum Vorwurf machen konnte. Da wurde dann mit den üblichen Lehrmitteln nachgeholfen, und das Ende vom Liede war für viele eine ausgesprochene Antipathie gegen olles, was Zoologie hieß, und mancher von uns pilgerte damals mit schweren Sorgen und mit dem heißen Wunsche zur Schule, vomDrankommen heute verschont zu werden.

Und das Französische? Ach, wie oft hat Dr. G., nachdem er einen herausgegrifsen und diesem etwas beizubringen sich in den Kopf gesetzt hatte, am Schlusse seiner Ein⸗ trichterungsversuche gefragt:Hastes dann nu verstande? Auswendig? Auch in⸗ wendig? Das wie ein Geständnis nach der Folter herausgepreßteJa war meist auch nicht mehr wert, wie ein solches, denn bei uns Anfängern blieben derartige Ein⸗ paukereien auf der Schulbank in der Regel auswendig, d. h. außerhalb des Kopfes, und gelangten erst mit der Zeit und auf Umwegen in denselben.

Heute scheint es, wenigstens was die Zoo⸗ logie anbelangt, auch nicht viel besser ge⸗ worden zu sein, denn als ich kürzlich einen kleinen Quartaner fragte, was sie eben in der Tierkunde durchnähmen, sagte er mit ver⸗ ächtlicher Miene und wegwerfender Arm⸗ bewegung:Nix Gescheids; m'r sin an de Fleddermäus!

(Schluß folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Sonntag, den 10. Dezember, abends 8 Uhr veranstaltet der Evangelische Bund in der Johanneskirche einen Familienabend, bei dem Professor D. Niebergall aus Marburg einen Vortrag überDie gegenwärtige Lage des Protestantismus halten wird. Es ist sehr dankenswert, daß der Vorstand des Evandeli⸗ schen Bundes diesen Redner, der vor kurzem von Heidelberg nach Marburg berufen wor⸗ den ist, um einen Vortrag gebeten hat. Pro⸗ fessor Niebergall ist nicht nur Fachgelehrter, sondern ein Mann, der die ganze deutsche Kultur und das moderne Geistesleben in sich vereinigt und zu beurteilen verste)t. Eine große Reihe von trefflichen und weitverbrei⸗ teten Schriften bestätigt das, voran steht hier die SchriftWie predigen wir dem mo⸗ dernen Menschen? Jedem Evangelischen, der das Leben seinen Kirche verfolgt, ist be⸗ kannt, daß der Protestantismus in der Gegen⸗ wart von tiefen Bewegungen durchzogen wird, man denke nur an die Veränderungen der kirchlichen Verfassung, die in der neuesten Zeit erfolgt sind. Viele in unserer Gemeinde werden deshalb den Darlegungen des hervor⸗ ragenden Theologen mit großem Interesse entgegensehen. Der Vortrag wird von gesang⸗ lichen Darbietungen umrahmt sein.

Anmerkung. In Nr. 48 ist S. 191 anstatt studia studio zu lesen, wie im Manusfkript richtig stand.

Uirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 10. Dezember, 2. Advent. Kollekte für die Kirchenkasse. Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Becker. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Markusgemeinde. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Mahr. Abendmahl für die Mat⸗ thäusgemeinde. Montag, den 11. De⸗ zember, abends 8 Uhr: Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde(männl. Abt'g.) und Jugendvereinigung der Markusgemeinde (weibl. Abtlg.). Dienstag, den 12. De⸗ zember, nachmittags 4 Uhr: Frauen⸗ missionsverein. Donner tag, den 14. De⸗ zember, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des

Frauenvereins der Markusgemeinde.

Johanneskirche. Vorm. Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abendmahl für die Mit itär⸗ gemeinde. Vormittags 11¼ Uhr: Kinder⸗ kirche der Johannes jemeinde. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abendmahl für die Lukasgemeinde. Abends 8 Uhr: Familienabend des Ev. Bundes. Abends Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. Montag, den 11. Dezember, abends Uhr: Konfirmandenvereinigung der Lukas⸗ gemeinde(weibl. Abtlg.). Donnerstag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr: Familien⸗ abend des VereinsHaus und Schule.

Nerantwortsich: Pfarrer Bechtols hesmer Druck und erlag der U t- Duch⸗ und Stein

R. Lange, Gsezen.

e

a