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man im Stall ein Pferd holte und in das Wirtszimmer hineinritt. Auch in den Land⸗ städtchen kamen die Lehrer zusammen, wo sie sich über Schulangelegenheiten unterhielten, dabei konnte man auch beobachten, daß die Herren vorher ein Buch gelesen hatten und darüber Aussprache hielten. Am Tage hatten es die Lehrer nicht leicht, denn von 7 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags hatten sie Unterricht in allen Fächern zu erteilen, wobei sie nur eine Stunde Mittagszeit hatten, Mittwoch und Samstag waren eine Ausnahme. Da hatten sie den Nachmittag frei. Die verheirateten Lehrer haben nach Schulschluß noch Privatunterricht gegeben, dabei waren sie sparsam, um die Söhne studieren zu lassen. Einmal sagte ein Lehrer der oberen Klasse einer Mädchenschule zu seiner Frau:„Da unten der Holzhauer hat es besser als ich.“ Auch die Schulkinder hatten nicht viel freie Zeit. Kinder von Landwirten haben während der Erntezeit öfters die Schule versäumt, worüber die Lehrer un⸗ gehalten waren. Die Schüler freuten sich immer auf den freien Nachmittag am Mitt⸗ woch und Samstag sowie auf die Ferien, wo sie Spiele verschiedener Art vornahmen. Es kamen auch verschiedene Bubenstreiche vor. Im Frühjahr, wenn der Saft in die Weiden kam, wurden aus den Rinden Pfeisen und aus den Tannenholzrinden Schalmeien hergestellt, damit zogen die Buben vor das Haus aufgeregter Leute und machten daselbst Katzenmusik. Die darüber erregten Leute kamen mit Wasserkannen oder mit Schimpf⸗ worten heran. Als der Zweck der Kinder erreicht war, zogen sie davon. Andere be⸗ schäftigten sich am Wasser mit Fisch⸗ und Fröschefang. Wenn die Buben mit den Fröschen nach Hause kamen, wurden sie nicht besonders freundlich empfanden. So kam es auch bei einem jetzt in Darmstadt lebenden höheren Beamten, der die Frösche in einem Kachelofen versteckte, damit die Mutter nicht dahinter kommen sollte. Aber welcher Schreck! eines schönen Tages wollte seine Mutter den übriggebliebenen Sonntagsbraten in den Kachelofen stellen, und beim Oe fnen sprangen die Frösche auf sie zu. Aus dem weiteren hat sich ergeben, daß ihm die Lust, weitere Frösche mitzubringen, vergangen ist.
Eine schöne Zeit war der Herbst, wenn die Kartoffeln ausgemacht wurden. Da wurden die Stengel zusammengetragen, ein Feuer angezündet und nach dem Abbrennen Kar⸗ toffeln gebraten, welche vorzüglich schmecklen. Auch zu dieser Zeit kam es bei einem Mäusejahr vor, daß ein Wassergraben auf⸗ gemacht wurde der die Wiese überschwemmte. Wenn die Miuse dann aus i ren Löchern kamen, wurden sie gegriffen und mit einem Beine mit einem Zwirnsfaden an eine Kordel gebunden. Wenn 10 bis 12 Stück daran be⸗ festigt waren, wurden sie auf der Straße bis zu den Häusern vorwärts getrieben. Das war für die Knaben eine Freude
beim nassen Schnee standen sich die Buben gegenüber und warfen sich mit Schneeballen. Dabei gab es manche Beule, was aber keinen hinderte, weiter zu werfen, denn alle waren stolz darauf, wenn ihre Partei siegte. Die Knaben waren abgehärtet, Ueberzieher kannte man nicht, Wenn es fest gefroren war, mußten die Schüler während des Vor⸗ und Nachmittagsgottesdienstes in der ungeheizten Kirche sitzen, dabei sind wenig Krankheiten vorgekommen.
Die Beamten und Fabrikanten kamen gegen Abend zur Unterhaltung im Kasino zusammen, wobei auch die Zeitung gelesen wurde. Es war aber zu dieser Zeit keine Auswahl vorhanden, da nur einzelne er⸗ schienen, wohl hatte man die„Fliegenden Blätter“, die„Gartenlaube“ und den„Klad⸗ deradatsch“. Die Bürger kamen Mittwochs
Unterhaltung zusammen. Im Winter waren die Mädchen öfters in der Woche zum Stricken zusammen, wozu auch die Verehrer Zutritt hatten. Im Sommer wurden mit⸗ unter Leiterwagenpartien nach einem schönen Punkt im Wald unternommen, wo unterwegs Lieder gesungen wurden, so„Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?“ oder„In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad“, oder „Heideröslein“. Im Walde wurde getanzt. Es wurde ein Harmonikaspieler zu diesem Zwecke immer mitgenommen. Auch auf dem Qin⸗ und Herwege hat derselbe gespielt. Für Speise und Trank wurde auch gesorgt. Die Herren lieferten ein Fäßchen Bier und die Damen belegte Brötchen und Kuchen. Eine andere Abwechslung gab es sonst an einem Sonntage nicht. Männer und junge Leute kamen im Sommer auf der Kegelbahn und im Winter in einem Gaslzimmer zum Karten- spiel zusammen. Feste kannte man nicht, mit Ausnahme der Kirchweihe, auf die ältere und jüngere Leute sich längere Zeit vorher gefreut haben. An Lebensmitteln hat es dabei nicht gefehlt. Es wurde für diesen Tag vorher geschlachtet und zahlreiche Kuchen wurden gebacken.
Am Nachmittage wurde vor das Tanzlokal gezogen, woselbst die Jugend sich beim Tanze vergnügte und die älteren mit den ein⸗ geladenen Gästen gemütlich an einem Tische Platz nahmen. Im Landstädtchen wurde die Kirmes nur von den Angestellten gefeiert. Am Nachmittage wurde getanzt und Karuseell gefahren. Gewöhnlich wurde an diesem Tage auch ein Jahrmarkt abgehalten, und die Mäd⸗ chen bekamen von ihren Verehrern ein Herz mit Widmung; dieses Herz war aus Teig hergestellt. In Gießen war die letzte Kirmes gegen 1880, wo auch die jungen Leute aus dem Hessenlande in Trachten auf dem Liter⸗ wagen angefahren kamen und im„Einhorn“ abstiegen. Auch dieser Tag par mit einem Jahrmarkt verbunden, wobei ein lebhafter
Auch im Winter gab es Abwechslung:
und Samstags zum Kartenspiel und zur
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