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Ein fruchtbares Stück deutschen Landes ist auch der Bezirk, in dessen Mitte die Neu⸗Bamberger Ruine liegt. Man sieht vom Berge aus, namentlich in der Rich⸗ tung nach Kreuznach, gesegnete Ackerfelder, auf den benachbarten steilen Höhen gedeiht

ein guter Wein, im Tale grünen die

Wiesen, hier und da dehnt sich ein Streifen Waldes aus, aus dem die Be⸗ wohner dieses Bezirkes ihr Brennholz

gewinnen. In der Zeit jedoch, von der ich hier erzaͤhlen will, herrschten dort, wie allerwärts in Deutschland, Hunger, Jam⸗ mer und Not. Das war im Jahre 1847. Es ist merkwürdig, wie nach gewissen Zeiträumen dieselben Witterungserscheinun⸗ gen und Ernteergebnisse genau wieder⸗ kehren. Im Jahre 1846 war es genau wie im Jahre 1921, also gerade 75 Jahre später. Ter Sommer 1846 war ungemein trocken gewesen, im Juni, als Gras und Getreide wachsen sollten, war kein Tropfen Regen gefallen. Mit großen Erwartungen hatte man der Kornernte entgegengesehen. Als sie vorüber war und man mit, dem Ausdreschen begonnen hatte, stellte sich her⸗ aus, daß die Aehren nur sehr wenig Körner enthielten und daß die Ernte weniger als mittelmäßig war. Die Kar⸗ toffeln waren ganz mißraten. Als man die wenigen Kartoffeln, die das Land getragen hatte, im Keller hatte, zeigte sich, daß sie von einer Krankheit befallen waren. Sie wurden schwarz und faulten; es blieb den verzweifelten Menschen nichts übrig, als sie möglichst schnell aus dem Keller herauszuschaffen. Man warf sie im Felde in Löcher und Gruben oder lagerte sie in den Wagengeleisen ab, damit sie hier von den Rädern zermalmt würden. Mancher Hausvater hat bekümmerten Her⸗ zens Weihnachten 1846 oder Neujahr 1847 die letzten brauchbaren Kartoffeln aus seinem Keller herausgeholt. Rapid stiegen die Brot⸗ preise, und hohläugig ging in jenem Winter der Hunger durch das Land. Die älteren Leute sagten: Es ist wie im sechzehner Jahr, da alles durch den Regen verdorben ist. Deshalb waren die Menschen hauptsäch⸗ lich in so großer Not, weil sie nirgendswo Arbeit fanden. Gelehrte Männer dachten darüber nach, wie man Ersatz für die feh⸗ lenden Nahrungsmittel schaffen könne. Einer schlug vor, man solle die in allen deutschen Gebirgen vorkommende Isländische Flechte sammeln, trocknen und zermahlen, das gäbe einen guten Zusatz zum Brotmehl. Man hat nichts davon erfahren, daß Versuche dieser Art den Erfolg hatten, die hungrigen Leute satt zu machen. Wie ein Unglück selten allein kommt, so hatten sich damals zum Hunger auch noch ein schwerer Winter und eine verderbliche Seuche gesellt. In den hochgele⸗ genen Gebieten des südwestdeutschen Gebietes war es so kalt, daß man nicht einmal im Walde Bäume fällen konnte, viele Brunnen

froren zu, Schneeverwehungen hinderten den Verkehr. Schon vor Weihnachten war das Nervenfieber, wie man damals den Typhus nannte es wird wohl der Hungertyphus gewesen sein aufgetreten, und die Sterb⸗ lichkeit war groß.(Fortsetzung folgt.)

Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 10. Septbr., 13. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Festgottesdienst zum Jahresfest des Wart⸗ burgvereins, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags 9 Uhr:

Feier zur Eröffnung des Konfirmanden⸗

unterrichts in der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde:

Pfarrer Mahr. Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Diens⸗ tag, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung(fällt für diese Woche aus). Dienstag, den 12. September, abends 8 Uhr: Helferver⸗ sammlung der Männer⸗ und Frauenver⸗ einigung der Matthäusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 9/ Uhr: Feier zur 55 des Konfirmandenunterrichts in der Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Vor⸗ mittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Jo⸗ hannessaal: Pfarrer Mahr. Freitag, den 15. Septbr., abends 1/26/88 Uhr: Konfir⸗ mandenvereinigung für die Mädchen aus der Johannesgemeinde

Evang. Arbeiterverein.

Samstag, g. und Sonntag, 10. Sept.: Ausflug nach der Edertalsperre. Im übrigen s. Wartburgverein. Der für den 17. vor⸗ gesehene Waldgottesdienst wird auf den 24. Sepkember verlegt.

Wartburg verein. Samstag, 9. Sept., 8/ Uhr, im Markus⸗ saal: Feier des 35. Jahresfestes. Sonntag, 10. Sept., 8 Uhr: Gottesdienst in der Stadt⸗ kirche. Nachm. Uhr: Familienfeier in der Turnhalle an Oswaldsgarten. Samstag, den 9. Sept., abends 8) Uhr, im Markussaal, Kirchstr. 9: Vorfeier des Stiftungsfestes für die männliche Abteilung. Sonntag, den 10. Sept.: Feier des 35⸗ jährigen Stiftungsfestes. Morgens 8 Uhr: Festgottesdienst in der Stadtkirche Nachm. 4 Uhr in der Turnhalle: Familienfeier. Konzert, Aufführung eines Märchenspiels, Ernennung von Ehrenmitgliedern. An⸗ sprachen. Eintrittskarten bei Frl. Weller, Rathaus und im Heim, Diezstr. 15. An der. Abendkasse erhöhte Preise.

Perantwortlsch: Pfarrer Bechlolshesmer. Druck und Berlag der Brühl'schen Untderstidts-Buch⸗ und Stein druckerel

R. Lange, Gießen.