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in Bewegung. Vor dem Bergschen Hause auf der Mäusburg empfahl er allen größte Ruhe und Vorsicht an.„Es darf uns niemand im Haus merke, sonst sin mer verratzt, das merkt euch!“ Wir schlichen nun die schmalen, steilen Treppen, eine nach der anderen, wie Diebe empor. Flurbeleuchtung galt als Luxus, so auch im Bergschen Hause, und so war's denn auch richtig so dunkel darin wie in einer Kuh. Dachs Klein zündete ein paarmal Streichhölzer an, damit jeder in diesem Augenblick sehen konnte, wo er eigent⸗ lich war und wo es hinaus ging. Endlich langten wir ganz oben an. Es roch nach Tabaksrauch, und durch die Ritzen einer Tür schimmerte Licht. Hinter derselben hörte man das Durcheinander vieler Stimmen.„Seid ihr alle da?“ zischelte Klein gedämpft.„Ja,“ hieß es leise. Eine ganze Anzahl von uns stand allerdings wegen Platzmangels noch auf der Treppe. Das war eben nicht zu ändern. Dachs Klein klopfte kräftig an. „Herein!“ riefen drinnen mehrere, und nun machte unser Anführer die Türe sperrweit auf. Wir sahen in dem dicken Pfeifen⸗ qualm etwa 8 bis 10 Wingolfiten sitzen, auf deren Gesichtern sich Erstaunen und Ueberraschung zeigte. Eine Batterie Bier⸗ flaschen und gefüllte Gläser zierten den Tisch. Diejenigen der Insassen, die beim Oeffnen der Türe mit ihren Stühlen im Wege waren, schob er einfach mit dieser gewaltsam zurück. Dann sagte er:„Seht emal da! Schönen guten Abend, meine Herren! Darf ich mir vielleicht die Frage erlauben, ob Herr Schröbel hier ist?“ Dieser, der gerade der Türe gegenüber saß, sprang auf und rief:„Jawohl!“„Ach ja,“ höhnte Klein,„da ist er ja, der Herr Schröbel!“ Dann rief er uns mit entsprechender Geste zu:„Seht einmal, da steht er, der garstige Lügenpeter!“ Das war nun auch den Freun⸗ den Schröbels zu viel. Sie sprangen auf, und es jah aus, als ob ein Gewitter im Anzug wäre. Unsererseits übertriebenes Gelächter, dann Zuschlagen der Türe und einer über den anderen die Treppe hinunter, zum Ent⸗ setzen der Hausbewohner, die, offenbar in dem Glauben, das Haus breche zusammen, mit verängstigten Gesichtern, die Petroleum⸗ lampe hoch emporhaltend, in jedem Stockwerk auf den Flur stürzten. Wie beim Roden⸗ steiner, wenn er mit seinem wilden Heer auf dem Kriegszug seinen Weg durch ein Haus nimmt, rumpelte, krachte und donnerte es die Treppen hinunter, an deren unterem Ende der Menschenstrom, in seiner Rutsch⸗ partie aufgehalten, einen zappelnden Knäuel bildete.„Nichts, wie weiter,“ hieß es, „einerlei, wie!“ Ich glaube, es waren welche dabei, die mitgerissen hinuntersausten, ohne die Stufen zu berühren. So langten wir innerhalb fünf Minuten zerschunden, ver⸗ beult und außer Atem, aber sehr vergnügt auf den Steinfliesen des engen Hausgangs unten an, stellten uns auf die Beine und
stürmten nach dem Kreuz. Dort war unsere erste Sorge, beim Schein der Straßen⸗ laterne zu untersuchen, ob die Kleider nicht notgelitten hatten; denn lieber drei Löcher im Knie, wie eins in den Hosen. Mir selbst war nichts passiert, und bei denn Blessierten ging die Sorge im Vergnügen unter, welches auch auf dem Kreuz noch in a geräuschvoller Weise zum Ausdruck kam ö Jeder wollte seinen Absturz in möglichst drastischer Weise schildern, und so entstand f ein lebhaftes, wirres Durcheinander, dem Dachs Klein mit den Worten„Jetz macht, daß'r heimkommt“ ein Ziel setzte. Es folgte dann auch allgemeine Verabschiedung, haupt⸗ sächlich auch von Klein, dem man die inner⸗ liche Zufriedenheit über den gelungenen Streich vom Gesicht ablesen konnte.
Und nun wird man fragen, warum Klein den Schröbel, der eigentlich anders hieß, auf das Korn genommen hatte. Es war für jeden Schüler des Gymnasiums oder der Realschule, welcher ein forscher Kerl sein wollte, etwas Selbstverständliches, daß er sich für eins der drei Gießener Korps er⸗ klärte, auch dann, wenn alles andere mehr vorhanden war, wie die Aussicht, Korps⸗ student zu werden. Dieser Sinn für das Studententum lag in der Universitätsluft, und wer nicht ein Teutonen⸗, Starken⸗ burger⸗ oder Hessen⸗„Bembes“ war, konnte keinen Anspruch auf Vollgültigkeit erheben. Klein schwärmte für die Teutonia, der er ja auch später als einer der besten damaligen Fechter angehörte. Den ortsfremden Schrö⸗ bel, welcher, wenn es geriet, studieren sollte, hatte er für die Teutonen gekeilt, wie man das naunte und noch nennt; dieser war aber auf Abwege, d. h. in die Hände ihm befreundeter Wingolfiten geraten, hatte also nicht Wort gehalten, und das wurde als ein grober Verstoß gegen Treu und Glauben empfunden und mußte in irgendeiner Weise gerächt werden. Wie das geschah, haben
wir gesehen. t 1 (JFortsetzung folgt.)
Die Einnahme von Brest⸗Litowsk.
Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) e
14. September 15. Auf die Eisen⸗ bahnfahrt freuen wir uns wie die Kinder, besonders weil sie 4 Tage und Nächte dauern soll, und daheim wurden einem 4 Stunden im D-Zug fast schon zu lang. 4 Tage liegen wir hier in Ruhe, aber es kommt mir vor, als wären es Wochen. So lang erscheinen uns jetzt die Tage, da wir nichts leisten und nichts erleben. g 5
Zum Nachmittagskaffee war Schmitt bei uns, mit dem ich dann noch einen schönen zweistündigen Spazierritt nach einem nahe⸗ gelegenen großen Gestüt machte, das noch wohlerhalten ist und in dem 500 Hengste


