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emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
Nr. 49
Gießen, I. Advent, den 3. Dezember 1922
Jahrg. II.
Licht in der Finsternis. Evang. Joh. 1, 5. Das Licht scheint in der Finsternis.
Ehe Jesus auftrat, war es finster in der Welt. Wohl gab es unter den Völkern Gottsucher, Menschen, die die Hand des Ewigen zu ergreifen suchten. Sie suchten Gott im murmelnden Bach, im leuchtenden Stern, im Rauschen des Waldes, im Blühen des Frühlings, sie gestalteten sich allerhand Gottheiten, die sie zu Trägern menschlicher Künste machten, aber zur Quelle des Lebens drangen sie nicht vor. Wohl kannten die Juden den Gott, der im Geist und in der Wahrheit angebetet sein will, dieses Volk war damals jedoch politisch schwer gedrückt und so in einen strengen Gesetzesdienst ein⸗ gezwängt, daß das religiöse Leben nahezu erstickt war. So war in der Welt viel Trostlosigkeit, Verzweiflung, Pessimismus, Herzensöde und Sünde, es war finster in ihr. Da kam, als die Zeit erfüllt war, der Heiland und offenbarte den Menschen Gottes Rat und Willen, er brachte sie mit dem lebendigen Gott in Verbindung, er richtete ihre Füße auf den Weg des Friedens. Da schwand die Nacht, das Licht schien in der Finsternis. 5 5
Jetzt ist es wieder finster in der Welt. Die Völker Europas, die seither die übrige Menschheit führten, sind durch Krieg, Seuchen, Armut, Hungersnot und Teuerung 5 0 gedrückt und in allen Arbeiten, die die Kultur fördern, gehemmt. Das Leid, das der Krieg gebracht hat, hat viele aus ihrem seelischen Gleichgewicht gebracht, sie gehen ohne Trost, ohne rechten Halt dahin, und der Kampf um das Dasein, der jetzt mit be⸗ sonderer Schärfe entbrannt ist, führt viele der Sünde in die Arme. Da ist es ein starker Trost, zu wissen, daß Jesus immer noch da ist, daß er von Jahr zu Jahr durch die Menschheit schreitet, daß er in die Herzen einzieht und diese selig macht. Auch in diesen Adventstagen wird uns die frohe Botschaft verkündigt: Das Licht scheinet in der Finsternis. H. B.
Franz Joseph Arens. Aus dem noch unveröffentlichten Teile der Memoiren des Staatsministers Freiherrn du Thil. Mitgeteilt von Prof. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. Herr Arens, aus Arnsberg gebürtig!),
i) Geboren am 7. Juni 1779, gestorben am 1. April 1855 zu Darmstadt.
kam als Professor des kanonischen Rechtes nach Gießen?), wo er die Schwesters) des Herrn von Grolman⸗ heiratete.
Von den akademischen Juristen, d. h. den Fakultäten inner⸗ und außerhalb Gießens, ist Herr Arens niemals vollkommen eben⸗ bürtig anerkannt worden; es ward ihm be⸗ sonders zum Vorwurf gemacht, daß er Pro⸗ fessor ward— man sagte durch seine Heirat—, ohne weder vorher noch nachher irgendwie als Schriftsteller aufgetreten zu sein?). Ohne beurteilen zu wollen, ob der Vorwurf bloß Pedanterie der Fakultäten oder ein wohlbegründeter ist, muß ich doch beifügen, daß er wenigstens ein höchst prak⸗ tischer Mann war, wenn er auch ohne Zweifel nicht gleich seinem Schwager zu 7 Koryphäen der Rechtswissenschaft ge⸗ hörte.
Dadurch, daß der Universitätskanzler von Grolman zur Gesetzgebungskommi sion nach Darmstadt berufen wurdes), ward Arens auf dessen Vorschlag Vizekanzler, dann 1819 bei der definitiven Anstellung von Grolmans!) in Darmstadt wirklicher Kanzlers) der Uni⸗ versität. Als solcher war er de jure Mitglied der Ersten Kammer in den ersten Jahren nach Erteilung der Verfassung, und als er
2 Arens wurde am 20. September 1803,
nachdem er zum Doktor der Rechte promo⸗
viert worden war, in Gießen Privatdozent, am 16. Juni 1804 außerordentlicher und am 10. Dezember 1806 ordentlicher Professor der Rechte.
3) Luise Grolman, geb. 1780.
4) Karl Grolman, Professor des Strafrechts, geb. in Gießen am 23. Juli 1775, gest. als Staatsminister zu Darmstadt am 14. Februar 1829, in den Adelstand erhoben 1812.
5) Seine literarische Tätigkeit beschränkte sich im wesentlichen auf Rezensionen; ein von ihm im Jahre 1804 angekündigtes Lehr⸗ buch des Kirchenrechts erschien nicht.
6) Am 4. November 1816.
) Am 31. Juli 1819 wurde Grolman zum Wirklichen Geheimen Rate und Mitglied des Geheimen Staatsministeriums und am 25. März 1820 zum Staatsminister ernannt.
s) Im September 1820 wurde ihm die Kanzlerstelle provisorisch und am 3. Februar
1821 definitiv übertragen.
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onntagsgruß
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