Nummer 305_____________ Mittwoch, oen 30« Dezember 1914. 7. Ial,rgaug
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..Per Kauer -a« Hessen". „Pie Kpinnssube". Seiugeprei«: Bel den Poftanstalten vt-lteliayrna, Mt. l.85 „ ... _ . . ■ A»!r>,rn: Grund,eile 20 Psg„ lokal- 15 Ptg, An,eigen von auswärts werden durch Po tnachnahm« ern'de»
Ertullungsott Frtedberg. KchriNIe.tuns und Verla, Fttedberg «desienh Hanauemratze 1L. Fernlprecher 18. Postscheck-Eonto Nr. 1859, Amt Feantsurt a. M.
Kleine Fortschritte in Flandern.
Jurückgewiesene französische 2lngriffe. — Fortschreitender Angriff in Russisch-Polen. — Zuriick-
gchen der Oestcrreichcr in den .^arpatlien.
Worytnlihimiiikr fiitfr btfftttn Zeit.
Wie man in der deutschen Schweiz die deutschen Siege im Osten würdigt, davon gibt nachstehender Aussatz, den wir in den „Neuen Züricher Nachrichtcll" finden, beredte Kunde:
Der Zusammenbruch der russischen Armeen im Osten und damit der Zusammenbruch des Moskowitismus, da er an der Schwelle der Herrschast über dem europäischen und dem nord- und mittelasiatischen Kontinent stand, dürste in der Geschichte als Markstein einer neuen Epoche in der Politik Europas und in der Weltpolitik überhaupt gewertet werden.
Ein großes Unglück ist damit nicht blotz von den beiden Zentralmüchlen, sondern von Europas Böllern abgewendet.
Wäre es umgekehrt gekommen, hätte Rutzland in Oesterreich weiter Vordringen und i» da» Deutsche Reich cindringen können, der dann fast endlose Weltkrieg hätte unrettbar auch Rumänien, Bulgarien und Griechenland, ferner Italien, vahrscheinlich auch Dänemark ln seine blutroten Kreise gezogen rnd unser Land dann wohl ebenfalls.
Und wäre der Ersolg Rußlands zum Siege des Dreiverbandes ausgewachsen, würde das Unglück noch gröber geworben sein. Kurzsichtig ist, wer da wähnt, der Sieg der Triple- entcnte hätte der Welt einen dauernden Frieden bringen können.
Ihr Sieg hätte einen zweiten unaufhaltsamen Weltkrieg in seinem Schob- getragen. Er hätte ein noch mächtigeres England, ein noch mächtigeres Rutzland und ein ebenfalls noch viel mächtigeres Japan gezeitigt. Damit hätten sich die natürlichen und unverwischbaren Rivalität«- und Konsliktpunkte, der natürliche Interessengegensatz zwischen England und Nutz, land »och unendlich mehr zugespitzt als in der Vergangenheit, anderseits aber auch der Interessengegensatz zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. Und so mächtig wäre kein König und Kaiser und kein Staatsmann in diesen Staaten gewesen, datz er neue Mächtekoalitioncn hätte verhindern können.
Rutzland und Japan hätten sich in einer Interesienge- meiuschast zusammcnsinden müssen, aus der andern Seite England und die Vereinigten Staaten, und während der letzteren Koalition Frankreich und Italien gleichsam von selber verfallen wären, so der andern das niedcrgeworfene Deutsche Reich und das zerschlagene Oesterreich sowie die Balkanstaaten. The zehn Jahre verstrichen, würde man einer noch vulkanischeren Mächtegruppierung als der bisherigen gegcnübergcstanden .ein. Dis dahin aber wären cs Jahre neuer noch ärgerer Rüstung:n, neuer noch ärgerer Unsicherheit, eines neuen noch schwer:rcn Wirtschastsdruckes geworden.
Das sind keine Kombinationen der Phantasie, sondern Schlüsie, die sich mit zwingender Gewalt aus der logischen Entwicklung der neuen Tatsachen würden ergeben haben. Staaten wie die Schweiz hätten dabei einfach verarmen müsien.
Dieses Unglück dürscn wir nun zuversichtlich als abgew.-n- det betrachte». Denn ein Sieg der Triplccntente ist von jetzt an ausgcschlosien.
Rur mit dem Siege der Zentralmächte ist der dauernde, sichere Friede zu erwarten und überhaupt möglich, der Friede, den alle Völler so dringend benötigen. Interessenkoalitionen zwischen England, den Vereinigten Staaten und Japan, zwischen Angelsachsen und Lateinern, die zum Kriege führen mutzten. wären ausgcschlosien, weil wertlos. Es käme zu einer Weltachse. zu einer Wcltbrückc des Friedens, deren Hauptpici- ler die beiden Zcnlralmächte bildeten, im Norden die skandinavischen Reiche und Holland, im Südostcn die Balkanftaaten und die Türkei mit Einslutz Annexen bis zu den indischen Meeren, im Süden und Westen verbreitert durch Italien und — Frankreich, das durch die Hand Italiens dieser Neugrnp- picrung nahcgcbracht würde, wenn auch nicht von einem Jahr aus das andere, denn Frankreich mutz wieder den Weg zu Mitteleuropa finden. Es wäre keine Koalition des Krieges, fondcrn des dauernden und -elsensesten Weltfriedens.
Und übersehe die Schweiz nicht, sie würde eine Haupt- stratze zu dieser neuen Weltbriicke, ein erster Mitgcnictzer der politischen und wirtschaftlich!» Vorteile derselben, sofern der heutige Gegensatz zwischen Deutsch und Welsch sie nicht zur Kursohnmacht in einer Zeit verurteilen wird, in der der rechte Kurs alles bedeutet. Hosfentlich nicht.
Darum waren die letzten Tage in Polen und in Galizien der Morgenschimmcr einer besiercn Zeit.
Ein grobes Unglück ist verhütet worden, auch ein kulturelles.
Darüber kann wieder kein Zweifel walten, bah mit dem Siege des Dreiverbandes Rutzland der Herr auf dem europäischen Kontinent und der Oberhcrr über die germanische
Welt geworden wäre. Ohne datz man irgendwelchen Hatz gegen Rutzland oder Abneigung gegen das russische Volk hegt, darf gesagt werden, datz Rutzland zurzeit noch kein Kulturbe- grisf, sondern erst -in noch zu kultivierender ist. Der kulturelle Druck, der mit seinem Siege aus seine neue politische Zone im weiteren Sinne wäre übertragen worden, lätzt sich gar nicht ermesien. Eines möchten wir hier noch ansühren. Bei Ausbruch des Krieges weilte in Zürich ein hoher russischer Funktionär. Beim Abschied glaubte sein Gastgeber — wir sind ja entsetzlich höflich — ihm sagen zu sollen: Rutzland inöge siegreich aus dem Kriege hcroorgche». Der vornehme Rusie antwortete ernst: „Wünschen Cie das nicht. Wünschen Sie es nicht Europa und vor allem nicht Rutzland. Es wäre ein Unglück für beide." — —
Umgekehrt hat man mit dem Sieg- der Zentralmächte eine neue Kulturstachelung, ungehemmt für jegliche Nation, die nicht selber Hemmschuh sein will, gleichviel ob Lateiner, Angelsachsen oder Slaven, gezügelt aber von den starken konservativen Akzenten, welche den Lebensnerv dieser Mächte bilden.
Za, cs war ein Morgenschimmer besierer Zeiten, der von den Schlachtfeldern Polens und Galiziens aufstieg.
In den letzten Tagen hat eine neue Zeitepoche Geburtstag gehabt.
Das ist etwas unendlich Trotzes.---
Der deutsche Ceneralstab 1 =^- ~= meldet: — — »
WTB. lK»ros;cs Hauptquartier, 29. Tez., vormittags. Amtlich.
Bei Nieuport und südöstlich Ppcrn gewannen wir in kleineren Geseihte,I einigen Boden.
Mehrfache starke französische Anqrisse nordwestlich E'e. Mfnehould wurden unter schweren Verlusten sür die Franzosen znrückgeschlagen. Dabei machten wir einige 100 Gefangene
Ein Vorstotz im Bois Veulü westlich Apr, mont führte unter Erbeutung von drei Maschincugcwerhen zur Forlnahme eines französischen Schützengrabens.
Französische Augrisje westlich Senuheim wurden abgcwie-
fen.
In Ostpreutzcn und Polen rechts der Weichsel keine Veränderung.
Am Bzura- und Ramka-Abschuitt schritt unser Angrifs fort. In Gegend südlich Inowlodz wurden starke russische An» grijse zurückgcjchlagcn.
Oberste Heeresleitung.
Die ^f?di!f r ‘nnni ygn Itoüri) durch 1 Zeppelin.
Paris, 29. Tcz. (W. T. A. Nichtamtlich.) Tos „Jonr- n.il" meldet mtö Nancy: Die Beschießung der Stadt durch einen „Z-ppclin" vre »sachte besonder- im Bahnhofsviertel groben Scsiiden. Mehrere Soldaten wurden verletzt. Die Be: öskeenng blich ruhig- Ter „Zeppelin" wurde heftig, aber erlolgleS beicheisen.
T .i», 2!'. Tez. lieber das Bombardement von Nancy du'ch - ine» „Zeppelin" wird von dort telegraphiert;
Samstag früh 5 Uhr 20 Minuten erschien ein Zeppelin über her Stadt in verhältnismäßig niedriger Höhe. Er war anscheinend ans Metz herübergellogen und hielt sich über der Stadt nur 20 Minuten auf. Nachdem das Lnftichi's vorher beim Ilebcrjliegen des Moseltalcs bei Froi- rc zwei Boinben herabgeworfcn hatte, warf cs insgcsanit 14 Bomben auf Nancy, von denen die meisten enormen Gebändcschaden anrichtctcn. Zwei Personen wurden getötet und 6 schwer verlebst. Auster zahlreichen Läden und Wohnungen wurde auch das Hans deS Generals de Lavil- sien vollständig zerstört. Ucbrrall wurde unter der Bevölkerung grobe Panik bcrvoraernscn und grotzer Schaden ene "sichtet. Tie Fenster aller b.'troiicnen Häuser sowie die kostbaren Kirchenfenster der Kirche St. M»,' - wurden zec- ftört. Tie Führer des Zepvelin» haben ihre Photographien nnt der Aufschrift: .Biele Grübe non Kaiser Wilhelm" und „Fröhliche Weibaa," h-rabgeworfen. Tie Karten wurden mit französischen '.-„ein beschwert.
(Triililfliar Ofhßditiinflrn unlerer föfflttrr.
Im Weben: Berlin. 29. Dez. Das gestrig- R-uier- T-legramm. das von heiligen Kämpfen in Flandern berichtet, bringt tmch der „Täglichen Rundschau" -ine Mitteilung, die
mit folgendem bemerkenswerten Geständnis beginnt: Da olle Versuche ergeben hnbcn, Latz der Gegner überraschend stark i,t. so kann von einer Wcilersührnng der seitherigen Osscnsivc ,,-cht gesprochen werden. Die Verbündeien habe» daher beschlossen, ihre Taktik dahin zu ändern, datz sie aus allen Seite» der beut schcn Front einen starke» Druck ausubcit, um die Abgabe oo» Mannschastcn an die Ostfront unmöglich zu mache». Durch die Heftigkeit der Kämpse, so heitzt es weiter, erleidet auch da» Sanirätspersonat erstaunlich hohe Verluste, da die Verwundete» bei dem Rahkanipse mitten aus dem Feuer geholt werden iniii- sen. In den letzten acht Tagen haben die Engländer dreimal -inen Wasscnslillstand zur Bergung ihrer Toten und Vcrwun- bete» nachsuchcn müsien.
Im Osten: Berlin, 29. Dez. Der Rationalzcitung wird ein Bnes eines Amerikaners an seine Berliner Bekam,.e„ zur Verfügung gestellt. Der Amerikaner hat in Moskau mit einem russischen General, der vor etwa vier Wochen seine» Abschied erhielt, gesprochen, der im Lause des Gesprächs sich über die gcgcnwärtige Lag- in Rutzland sehr pcsiimistisch äutzcrtc. Der General sagte: „Wir waren scsi überzeugt, datz dieser Krieg spälcstcns in einem halben Jahre entschieden sei» würde. Wir haben damit gerechnet, datz die ungeheure russische Heeres,nacht unbedingt imstande sein mützte, Oesterreich Ungarn über den Hausen zu rennen und über Ostpreutzcn in das Herz Denlich- lands zu marschieren. Es lötzt sich nicht verhehlen, datz wir uns in diesen Hossnungen getäuscht sehen. Wir kommen nicht vorwärts. Freilich ist cs ein gcwisier Erfolg, wenn wir jetzt einen Teil Galiziens besetzt halten könne». Aber man bars auch dies nicht allzu optimistisch beurteilen. Denn wenn wir auch nur einmal entscheidend geschlagen werden, so müssen wir aus Galizien heraus, und heute muß auch mit dieser Möglich- keit gerechnet werden. Heule hält man es in Rutzland in» Gegensatz zu früher durchaus für möglich, von Deutschland und Oesterreich geschlagen zu werden, und wir sind froh, wen» wir uns behaupten können. Wir sehen auch, datz im Gegensatz zu unserer srüheren Annahme ein Wintcrseldzug in Rußland sür einen Gegner möglich ist. Wir sehen uns zwei Feinden gegenüber, die sich trotz des Winters sehr offensiv betätigen, ja sogar Bode» gewinnen, und wir lönncn im eigenen Lande keinen ausschlaggebenden Erfolg erringen." Sehr bedeutend sind ouch nach den Ausführungen des General» die Ossiziersoerluste. Wer soll die neuen Mannschaften ausdilde», die, wenn sie nicht richtig geleitet werden, einfach eine ungeheure Herde sind, mit dr »,on nichts ansangen kann. Der General sagt: „Ich al» clter Soldat will uizd darf nicht daran glauben, datz wir unterliegen, aber, aufrichtig gesagt, sehe ich auch noch nicht den Weg. cuf dem wir siegen sollen. So wie ich, denken viele bei un», ich möchte beinohc sage» die Mehrzahl.
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Der österreichische Generalstaü -- meldet:
Wien, 29. Dez. Amtlich wird oerlautbärt: 29. Dezember, mittags: Die russische 8. Armee, die vor etwa einer Woche die Ossensive gegen unsere über die Karpathen vorgerückten Kräfte ergriss, hat sich durch Ergänzungen von frischen Divisionen derart verstärkt, datz es geboten schien, unsere Truppen aus die Patzhohen und in den Raum von Gorlicc zurückzuneh- tuen. Tie sonstige Lage im Norden ist hierdurch nicht beriibrt. Auf dem Valtanlriegsschauplatz cntsalten die Montenegriner eine Icbhastcrc, aber ersolglose Tätigkeit. Bei Trebinje wurdt ein schwacher Angrisf aus unsere Vorfeldstellungen mühelos ab- gcwiesen und die feindliche Artillerie zum Schweigen gebracht. Gegen ei» starkes Erenzsort der Kridosije halten die monlcn, Klinischen Geschütze naturgemäß nicht den geringsten Ersolg.
Der Stellvertreter des Ehess des Gcncrolstabs: o. Höfer, Fcldmarschalleulnant.
Die rulsillht (Offfnfiuc in dk» Karpachkii.
Wien, 29. Tcz. Tie russische Offensive in Galizien wird von militärischen Fachleuten der Blätter sehe kühl besprochen. Franz Mach im „Frcmdenblatt" schreibt: Mit
besonderer Nervoiität scheint die Nüssen ihre strategische Situation ans dein Südsliigel z» erfüllen: sie fetzte» hier heftige Angriffe an, augenscheinlich um sich der fühlbaren ftiatcgifdjen Umfassung ihrer linken Hecrcsslanfc zu erwehren. Tic strnicgiichc Tefensive hat die Form einer starken taktischen Offensive angenonimen, konnte aber die operative Lage nicht ändern. Zwischen Biala nnd Tnnajez wurden ihre Angrisf- abgewicscn. Ter taktiill>e Erfolg lst ohne strategischen Vorteil und bleibt ein lokales Ereignis In dieser Erkenntnis sind unsere Truppen südlich Iaslo Strn>


