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Nummer 302

Donnerstag, den 21. Dezember 101-t.

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Krirgs-VIeUjnachtr«!

SU stehen btaufecn in Schnee und Mnd,

Die deutlchen Grenzen z» ichirmen,

Sie streiten für Alles, für Weib und Kind Und wagen ihr Lebe» in Stürme».

Drum Ehre den Helden'

Es nahet fich Weihnacht, das heilige Fest.

Wo All« und Kinder fich freuen.

Wo aller Berdruß sich vergehe» läßt,

Und alle fich liebevoll verzeihen.

O heilige Weihnacht!

Gs strahlet im Zimmer der Weihnachtsbaum,

Man Ichenkct sich liebliche Gaben,

Es träumen die Kinder den alten Traum,

-Delft Artigei nmr iollen sie haben. / its'

O selig Beglücken!

Die draußen in ftürmifcher, fchneeiger Nacht Gedenken der Heimat, der Lieben,

Gedenken der einstigen heiligen Pracht

O Friede! wo bist du geblieben!?

O einsame Weihnacht!

Es eilen die Gaben hinaus i»s Feld,

Bereitet von liebenden Händen,

Sie waren für alle die Tapsern bestellt,

Daß sorgende Lieb' sie cmpsänden.

O segnende Liebe!

So leiert in Stille mit uns den Tag,

An dem einst die Engel gesungen:

Und Friede aus Erden!" Nach Elend und Klag' Erschallt es, wie's ehdcm erklungen:

Und Friede der Menschheit!"

Albert Mols. - --- - -i --

Weihnachten!

Ehre sei (hott in der Höhe. Friede ans Erden Und de» Menschen ein Wohlgefallen!

Wieder ist sie bei uns cingekehrt, die schönste, die hei­ligste Zeit des ganzen Jahres:

Weihnachten, das Fest der Liebe!

Weihnachten, das Fest der Freude!

..Friede auf Erden"!

Klingt cs nicht wie ein Hohn in diesem Jahre, dem des furchtbarsten Völkerringens, das je die W"lt »"sehen.

Weihnachten das Fest der Liebe! Wo bleibt die Liebe, wenn in Ost und West in Süd und Nord der nlännermordende Krieg, den Haß, den edlen und den nied­rigen aufpeitscht und alle tierischen Instinkte und Leiden­schaften scheinbarer Kulturvölker erregt?

Weihnachten, das Fest der Freude! Wo bleibt die Freude, wenn tausend und abertausend Frauen^

den Gatten betrauern, Kinder nach den: Vater trauern, der längst in Feindesland in kühler Erde den ewigen Schlaf tchläft?

Wenn tausende von Müttern sich die Augen fast blind weinen um den hossnungsvollcn Sohn, den die hrimtiickilche Kugel dahinrafste, und die Väter still donebenslehen mit zu iamincngcbissencn Zahnen und nur den einen Gedanken habe»: Wäre ich doch noch jung und voller Kraft, um mit hinausziehcn zu können und meine Reckte zu kühlen an drnen, die mir das Liebste gemordet haben'

Wo bleibt die Freude, wenn die Angst, die fürchterliche um die Lieben im Felde des Morgens mit »ns aussteht und abends sich mit »as nicdcrlcgt? Wenn die Not an die Türe klopft, weil der Krieg die lohnende Arbeit unterbrach, weil er der Fainilic den Ernährer nahm?

Und doch hat noch kein Wechnachtssest das Wesen der groben heiligen Liebe so wunderbar olsenbart. Und doch wird diese? Wcihnachksfest uns allen, die wir es erleben durften, als das schönste in der Erinnerung haften

Habt Ihr sie gesehen, die vielen fleitzigen Hände, große und kleine, die mit verschiedenem Geschick die Stricknadel handhabten, um warme Wollsarlirn zu fertigen für unsere Krieger draußen? Habt Ihr ihn gespürt, den zarten Dust von allerlei süßem, guten Glück zu keinem anderen Zweck gebacken, als um denen da draußen eine Ehristsreude zu bereiten? Habt Ihr gesehen und gelesen, wie die Sammel­büchsen sich füllten, wie die reichen Gaben der Wohlhabenden von derselben großen Liebe geheiligt waren wie das Scherf- lein der Armen, die Sparpfennige unserer Kinder?

Habt Ihr das Drängen, das Sichstauen der Käufer ge­sehen, die Liebesgabe» cinkausen wollten? Wart Ihr aus der Post oder an den Sammelstcllen der Feldpost und saht die Tausende van Paketche», die tagsüber onfgeliekert und in anstrengender Nachtarbeit von den nimmermüd"» Post­beamten gesondert und weiterbefördert wurden? Saht Ihr Zeichen von Ungeduld bei den Känlern, die oft lange war­ten, bei den Verkäufern, den Beamten, die Uebermenschliches leisten mußten? Ihr zug-leben, wie W"'l"-nch'?väck-

chen, große und kleine, geschnürt wurden? Mit welcher Sorgfalt an alle Bedürfnisse der Kämpfer draußen, der Verwundeten drinnen gedacht war, wie freundlich alles her­gerichtet wurde? Und habt Ihr in den La-are""n d-e Ver­wundeten Weihnachtslicder singen hören? Mit welcher Hingebung sannen sie! Wie leuchteten die Augen, die so nierkwürdig still geworden waren unter den Todesschrccken der vergangene» Wochen. Saht Ihr den Glanz i» den Annen der Schwervcrwundeten, die nicht initsingen konn­ten?

Spüret Ihr da nicht die Liebe? Fühlet Ihr da nicht die Freude?

Und nun geht und seht Euch die Weihnachtstische, die

au! d"n Däusern d-" »ein

Uebersluß, in den Hütten der Armut kein Mangel. Nie- mand ist vergesse». Wer es noch nicht tvußte, daß Geben seliger fei als Nehmen; an diesen: Weiluiachtchesle empiiu- det er cs.

Wer sich früher scheute oder fäiämtc, Guben aus siem- der Hand zu nehmen, an diesem Christjest trübt kein de- inütigendes Gefühl die Freude, de:u: die große, heilige Liebe weiß ans die rechte Art zu geben, Not zu lindern, Traue:: zu trocknen.

Sckraut aus unsere Jungen, aus unsere Gatte». Väter und Brüder. Keiner der nicht das Seine mit den anderen teilt, keiner, der nicht de::: Knitternden beisteht und Leib und Leben für ihn wagt. Und als Kameraden suhlen Sie sich alle da draußen vom General bis zum letzten Soldaten. Einer für Alle, alle für Einen"! Und freudig teilen Sie von dem Weihnachtsübersluß, den die Liebe des Vater- landes der Familie ihnen beschecrt, der notleidenden, hun- gernden Bevölkerung im feindlichen Lande nüt. Ist da« nicht die wahre Christenliebe, die reinste Weihnnchtsireude?

Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

Preis und Ehre sei dem Höchsten, der uns an diesem Weihnachtsfestc die echte, tiefe Nächstenliebe, der uns die wahre Weihnachtsfrende gelehrt hat.

Friedrich Wolfs, Wölfersheim,

Weihnacht!

Nun schönstes Fest, da bist du wieder.

Es freut flch alles, Groß und Klein,

Bald schallen traute WeihnachtsUedik.

Hin in die Winternacht hinein.

Die Glocken ründens von den Türmen,

Daß du erschienen, he.I'ge Nacht,

Und dah ttotz allen Kriegesstürmen,

Der alte Zauber ist erwacht.

Zwar ist die Freude keine reine,

Die uns in dieser Zeit beseelt.

Da unterm Weihnachtskerzenscheine,

So manches liebeUW Herz heu« fehlt.

Und das Gedenken' an die Lieben,

Dort in dem fernen Feindesland,

Ist uns als emz'ger Trost geblieben.

Der sich für diese Trennung fand.

So wollen wir nun Weihnacht feiern Und uns bescheiden, wie es ist Was setz« verborgen, wird entschleiern Bielleicht der nächste heil'ge Christ.

Dann wird der schöne Christbaum prangen,

Zm lieben deutschen Vaterland,

Und mag, wie einst die Engel sangen:

Dann Friede sein im ganzen Land!

H. SIau buch.

L " 1 1 .S

(hur Mihi in Polen nnb (Miiitn.

750 Turbine und Engländer gcfnn en. Ein französisches Unterseeboot vernichtet.

Nu>mredigkeit im französischen Parlament.

Sie {Mnilimu -kg Mfiiriiiiurf!}.

Fn hervorragender Weise würdigen dieZüricher Neuest Nachrichten" die deutschen Ersolgc in Russisch-Polen. Das Schweizer Blatt, das überhaupt in jeder Beziehung eine herz- ersrischendc detschsrcundlrche Haltung einnimmt, schreibt:

Wir stehen hier vor dem bedeutendsten Ereignis, das der surchlbare Krieg bisher geze:t:gt hat. Die Ostensivlrast der russis-ben Armee, der größlen. d:e die Well je sah, ist unwtd.r- dringtich dahin. Statt, um Weihnachten in Berlin einzuzied n wie der Zar zu Kriegsansong vcriünd'I haben sosi. wird sie sieh sein müsien, wenn sie bis dahin nicht völlig auseinander sällt. Denn wenn erst ein solcher Koloß bis ins Marl getroi- sen ist, liegt der gänzlich- Z-rjall nahe . _ r .

Die militärischen Wtrlungcn des Ereignisses lasten flch heute noch nicht übersehen, Nicht, ob du Russen bei Warschau und Zwangorod neuen Widerstand versuchen werden und uber- baupl können, oder ob sie noch weiter zurückweichen, um »nt Neuordnung ihrer Armeen vorzunchmen. Ob sie das -me oder das andere tu» werden, -ln Siegeslorbeer winkt ihnen kaum nech, wenn st- auch in de. Desensive noch manches leisten lcn-

In den weltgeschichllichen Ruhm dieser Tage können sich

die beiden Verbündeten getreulich teilen. Die Deutschen nnd Ocstcrreichcr, Frldmnrschall v. Hinöenburg und General Kon- rad von Hötzcndors haben den gleichen Anspruch aus ihn, bei- dcrseits war es dieselbe überlegene Strategie, bciderorts die nämlich« brillante Führung der Unlcrbcschishaber, beiderorts auch d.-selbe heroische Tap,erteil der Ossizi-r- und Soldalcn. Limanowa und Bsura an die beiden Namen knüpst sich die schönste Besiegelung des veul>ch-östc:r-ichischcn Wassenbundes. Was er in diesen Tagen geleistet, dem -ollen auch wir riickho.t- losc Bewunderung und Ehrung.

Nicht weniger wichtig ist dos Ereignis politisch. Es ist in diesen Tagen in Polen und Galizien Weltgeschichte gemacht worden, Weltgeschichte aus Zahrhun^.Ae.

Die völlige Ausschaltung der Hautpmacht des Dreioer- bondcs in, Landkrieg- aus der Ossensive kann politisch nicht ohne große und größte Wirkungen sein. Zunächst auf er,' Balkan, wo die Kricgsparteicn in Rumänien und Griechen­land nun wohl die Schwerter in die Scheide zu stecken haven. Dann in Italien, wo gewiß- Hitzköpsc es nun -icll-i-dt ein as weniger eilig mit einem militärischen Spaziergang nach Triest nnd Welschtirol haben werden. Ueberall dort, in Bukarest, Athen und Rom, wird dl- Stimme der besonnenen Männer sich nun um so wirksamer Gehör verschossen.

Und in Frankreich?

Es könnte einem Leid tun. Sein« ganze militärische Rech­nung süßte auf der überlegenen Stoßkrast der Milli, nenh-er« Rußlands.Mag uns selber auch nicht der Erfolg über dt, Deutschen bcschiedcn sein jo dachte und sagte man dort die Russenhecre werden dafür in Deutschland einbrechen, div scs überschwemmen und so auch uns zum Siege verhelsr» ' England spielte nur eine mehr nebcnslächliche Rolle im sran- zösischcn Kricgskalkul, die große Rußland. Aus dieses winte alles abgestcllt. Und jetzt erweist die ganze Rechnung sich als null und nichtig. Frankreich hat von Rußland nichts mehr zn Holsen. Wenn nochcin Iaurcs lebte, würde er mächtig sc Stimme erheben und Frankreich zurusen, daß es sich we.' stcn, jetzt vom unseilgen Banne befreie, dem es erleg, > daß es mit Deutschland einen ehrcnhaslen Frieden suche. > wir nehmen an, daß das Deutsche Reich ritterlich werc. eine Binde müßte es dem sranzosischen Bolle von den V fallen, wenn man es h-nie darüber ausllärte, wie cs r mehr mit Rußland steht. Und es mochte dann den Weg e kennen, den es zu wandeln hat, ehe dos volle Bcrhan >n auch über es cinherschrcitet. Leider ist zur Zeit ein zweite: Faurcs nicht zu sehen.