2. Beilage zur „Neuen Taaeszcitnna"
y.t. 298I
Samstag, den 19. Dezember 1914.
7 . ü>a!zr,v,na
KelM ans Gott.
Behüt «ns Sott in Sturm «nd Krauen - Behüt uns Sott in Nol unl, Tod —
Loh betend un, dein Antlitz schauen Wenn UNS der tücksche Feind bedroht.
Behüt uns Sott in Sturm und Streih
Lenk in uns deines Geistes Kraft. _
Mit deiner Macht auf unsrer Seite Wird auch ein voller Sieg geschasst.
Und ruhn wir aus in dunklen Nächten Bon heitzer Arbeit, dlut ger Schlacht:
Beschirme uns mit deiner Rechten —
Wir wissen, datz dein Auge wacht.
Und in der stillen Nächte Stunden Schickt Sott die lieben Engelein —
Die freundlich trösten alle Wunden Und wiegen uns in Träume ein!
Weicht dann die Nacht dem jungen Tage Stehn frisch wir da in voller Wehr —
Hol' aus, du listger Feind, zum Schlage!
Vor deutschen Massen slieht dein Heer.
Behüt uns Sott in bluteten Schlachten,
Führ uns durch Nacht und Sturm zum Sieg!
Was wir voll Mut bis jetzt vollbrachten Eeschah mit Sott. — Er hilft im Krieg!
Gedichtet >m Schützengraben von Gardist Waas aus Leidheckcn (Wetterau).
Ans meiner Dorfüirche.
Leben und Sott.
Luk. K. 21, Vers 29—31. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen und merket, datz jetzt ker Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angchen, so wisset, datz das Reich Gottes nahe ist.
Liebe Gemeinde! Advent! Was der Klang dieses Wer- tes doch für Erinnerungen weckt in unseren Herzen! Erinne- ruugen aus sröhlichcn Jugendlagen. Es ist uns in diesen Tagen wie ein Klingen von seinen Glocken und singenden Kln- dcrsiimmcn, wie ein Flirren und Schimmern von Lichtern und Sicrnen — wie ein Raunen und Rauschen in der Stille, e- >st »ns als mutzten wir etwas spüren von jener Erzählung aus
dem Leben de, Propheten Elias, zu dem Gott kam, nichr in Sturm und Wetter, nicht in Erdbeben und Naturgewalt. sondern in einem stillen, sanften Sausen — so ist es uns, als mutzten wir in dem stillen Raunen und Sausen der Advcnts-
lage di« Nähe Gottes spüre»---so war e, un, — och
wir lang ist'- her! Und nun ist Krieg! Und der Donner der Kanonen stört die «dventsstille! Und wie Peitschenschlöge fahren die Gewehrschüsse, und zerreitzcn da drauhen so manches Menschenleben, und zerreitzcn daheim uns das Herz wie mit spitzen Eisenhaken. O Adventsstille, wann wirst du wiederkeh- rcn? Liebe Gemeind«! Wir wollen über unserem Klagen nicht vergesse», datz die Adventsftille, auch in den Friedensjahren oft rech« gestört worden ist! Man hat die 4 Adventssonntage: Den kupfernen, nickeinen, silbernen und goldenen genannt. nach dem Geld, das die Kaufleute da einnahmen, und zu tausenden find in diesen Tagen die Landlcute in die Stadt geströmt und über dem Christkindchcn, das da gelaust wu de, ist das Christkind, das Gott uns schenkt, gar manchmal vergci scn werden. Das stört uns in diesem Jahre nicht, ja ich meine, auch der Kriegslärm soll UNS nicht stören in der Ad vcntsseicr. Gerade IN diesem Jahre hat ja der Advent so gen; besondere Ausgaben in der Welt, finde« sovicle trauervollc Häuser und Herzen, in die er Gottes Frieden bringe» soll, jin- det so viel Finsternis aus unseren Lebenswegen, die er »er treiben soll mit seinem Licht! Und ist die Stille nicht, die sonst so oft Gottes Nähe zeigt, Io sind dann andere Zeichen, die Je sus uns angibt in seinem Gleichnis vom grünenden Gesträuch im Frühling! Zwei Merkmale sind's, die uns ins Auge fallen. Einmal: Kein Mensch kann machen, datz das Gesträuch grün wird — das ist Gottes Arbeit: So können nie aus Mcnsckicn- werk die Zeichen kommen, die Gottes Nähe künden, sie müsicn von Gott geschassen werden: Seht, wir wisien es sa nicht bestimmt, aber wir glauben e» doch ganz gewitz: Datz man in England in diesem Krieg Gottes Näh« nicht so spürt wie bei »ns: Das kommt daher, datz die Engländer diesen Krieg gemacht haben, als Menschcnwerk, um ihren Geldbeutel zu süllen, um ihren Vorteil zu sind«»! Aus Menschenwerk aber kann man nicht in Gottes Nähe spüren! Wir haben den Krieg Nicht gemacht, er ist über uns gekommen wie ein Gewitter in der Nacht ohne unser Können und Wollen: aber darum hob?» wir es bei seinem Ausbruch alle so deutlich gespürt: das kommt von Gott! O latzt uns nun in diesen Adventstagen aus dem: „von Gott" erkennen: in diesem Krieg kommt Gott selber zu UNS, will Advent bei UNS halten, will anklopfen und einkehren in unser Herz, will uns ziehen zu seinem Gehorsam, seinem Frieden und seiner Freude! Gerade dann werden wir das
zweite Merkmal unseres Adventsgleichnisies an nZcrem her zcn spüren: Denn diese Herrlichkeiten, die Gott da in unser Herz pslanzc» will, das find nicht tote Dinge, wie Menschen sic machen, sondern wie das Grünen des Baumes auch, so sind sie lebendige» Leben vom Gott de» Leben»! Daran zeigt sie ja gerade dieser Krieg -lr Advcntszcit i» unserem Volk, , n dem Leben, da» er ausgewcck, hat. an der nimmermüden L> de an dem jellcnscstcn Vertrank»: Gott Hilst, die so plötz,--,
>tn ersten Tagen der Mobilmachung in unser Herz eii/ge (inb. O pflegt dieses Leben von Gott gerade in diesen Ad vcntstagcn! Geb« eurer Liebe Raum zum Wachsen, c. ii: ja [ccifl Raum da für sie. Liebe gegen die drautze'n in den Schützengräben und in den Lazaretten, Liebe daheim >: ,d wenn in unserem Dors »och nicht einer von der Kugelgetreid n wäre — schon allein, datz sovielc hinausgezogc» sind, wies--! durchweinte und durchsorgte Nächte, wieviel Bedarf nach scndcr Liebe liegt darin! O latz, eure Liebe wachten sic Gotteswerk! Und gerade dann lieber Mitchrijt, wenn c:> d»: am schwersten gcttojsen hat, gerade dann vergib die L>>!. nicht! Wenn du meinst, datz du zuammenbrcchcn mutzten n. ; der Last, die Gott aus dein Herz gelegt hat, gerade dann »«V und hilf anderen tragen o» ihrer Last durch deine Liebe! Uno bann wirst du erfahren, wie die Last, die Gott D i r ausgeleg, Ipt, von Tag zu Tag sichch leichter trägt: Darum weil da.. EottespslSnzlein der Liebe in deinem Herzen tragende Keäsi: aufweckt, wie du vorher nicht geahnt hast. Und das wirst du dann am deutlichsten ersahrcn, wenn du auch das andere »ichi vcrgitzt: Das Gottocrtrauen: in den ersten Tagen des Kriegs ist es dir vielleicht in allem Jammer einmal wie ei» Licht ans gegangen: Gott Hilst! Daran halte dich! Gerade bann, wenn cs aussteht, als hätte Gott das helfen vergcsic»! Saga ihm immer wieder im einsamen Kämmerlein: Du hast's verspra
chen: Du mutz« w halten, du mutzt mir ttagen Helsen in me! ner Not: Und dann wirft du «rsahren, wie der »dvcntssiiedi! durch Tränen hindurch einzieht in dein Gemüt, und kein Kri.i, und Streit wird dir diesen Frieden raube» können. Amen
Ans dem hefl. tandlna.
Der Finanzausschutz der Zweiten Kammer tagte am 18. Dezember, um die Regierungsvorlage betr. die Bereitstellung von Mitteln zur Beschasjung von Arbeitsgelegenheit zu beraten. Bon Seiten der Regierung wohnten die drei Minister, Staatsrat Dr. Becker, sowie die Ministerialräte hölzingcr, Dr. Weber, Schliephacke und Dr. Kratz, sowie Geh. Obcrbanral Klingelhöscr de» Verhandlungen bei. Nach Art. 1 des Eni<
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