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Sir 295

daß Hindcnburg und unser Dank! instand gesetzt wurden, den iurchibaren Anprall der russischen Masten auszuhaltcn. Alle Details über diese Reugruppierung kann man natürlich jetzt nicht verraten, aber ich kann sagen, deutsche Ossizicre haben mir versichert, daß Conrad, den man sälschlich immer Hötzen- dorf nennt, geradezu ein E-niestiick ersten Ranges damit gelei- > >t hat. Przemysl wieder in den Händen der Rüsten, diese ebermals in den Karpathen aber ihr Vorstoß gegen Dres- l, h unb Polen ist endgültig zum Stehen gebracht. Das war I : Wichtigste. Przemysl und Czernowitz werden wir uns j.t n wieder holen.

Es wäre töricht, wenn man da reden wollte, wir Oester- r. her hätten mit Rücksicht aus die Bündnistreue unser Land o . pscrt, um das deutsche vor der russischen Invasion zu retten. Das ist nicht richtig. Wir haben nur, dem eisernen Muh ge­horchend, aus die Erreichung des gemeinsamen Ziels Bedacht genommen. Daß wir dabei die bereits errungenen Früchte unserer Siege wieder fahren lasse» und zum zweitenmal obwohl aus der ganzen Linie siegreich! zurllckgeben muhten -- es gehört viel Selbstverleugnung dazu, aber wir muhten es tun. Und wir haben cs getan.

pcntjdjc Frldbriefe.

Eroßherzogs Geburtstag im Feindesland.

Liaucourt, 22. Nov. 1014.

Wie wir den wohl im Feindesland gefeiert haben mögen? Oder hätte man vielleicht in der Heimat geglaubt, dazu kämen wir in diesem ernsten fürchterlichen Kriege gar nicht? Und es ist doch ein Tag, der uns mit Stolz daran denken lägt, daß wir Hessen sind. Wie leuchten immer unsere Augen, wenn w>r unserem verehrten Landessllrsi hier in Feindesland ln's Auge sahen' Und wie freut er sich immer, wenn er uns, seine Hesscnkinder, sieht. Hier lernt man eigentlich erst recht die Liebe zu seinem angestammten Fürstenhaus. Man fühlt sich eins in der Verfolgung des großen Zieles: Deutschland über alles!

Hab eigentlich nie mit so würdigem Ernst Eroßherzogs Geburtstag gefeiert. Ich will ja nicht sagen, daß dieser Tag in früheren Jahren nicht etwa ein hoher Tag für mich ge­wesen wäre! Das schon! Aber noch nie waren die Begleit­umstände so wie jetzt. Heut singt man mit ganz anderen Ge­danken: Liebe des Vaterlands.

Was schadete es, daß wir Eroßherzogs Geburtstag einen Tag später feiern konnten. Am 24. und 2». November lagen e:ir in den Schützengräben. Erst am 25. kamen wir abends ins Quartier nach Liaucourt. Cs war eigentlich doch schade, weil Ce Kgl. Hoheit am 25. in L. war und die dort liegen- de» Truppen begrüßte. Lächelnd und scherzend ging er die Front ab. Auch aus einein dort liegenden Landwehrregiment werden die Hestcn vorgezogen es waren 5. Er fragt jeden, wo er her sei?Aus Mainz!"Das ficht man Ihnen an!" Für jeden hat er ein freundliches Wort. Unser Speisezettel war an diesem Tage reichlicher als sonst. Vielleicht interes­siert er: Morgens: Kafsec mit Kuchen, richtigem Kuchen, ei» ungewohnter Genuß. Mittags: Reissuppe mit Rindsleisch. Abends: Erbsensuppe, Würstchen, Wein, Schokolade, Zigarren. 17 00(5 Würste waren in Ham zu diesem Zwecke gemacht wor­den. Sie schmeckten großartig. Morgens um 10 Uhr war Gottesdienst in der Kirche zu L. Einige Eranatlöcher im Kirchcndach erinnerten daran, daß wir im Kriege find. Sonst hat die Kirche wenig gelitten. Soviel ich beobachtete, nahmen beide Konfessionen daran teil, wie auch bei manchem Feldgot­tesdienst gern die Katholiken Zuhörer waren. Der Krieg ei­nigt so manches. Unser Divisionspfarrer predigte in wunder­barer Weise von der Bedeutung dieses Tages. Manchem har­ten Krieger glänzten Tränen in den Augen. Die Feier ver­schönern hals die Regimentsmusik.Lobe den Herren" und ..Wir treten zum Beten" wurde gesungen. Wie das alles so anders klang wie bei früheren Eelegenhciten! Rach der Kirche spielte die Regimentsmusik vor dem Quartier des Regi­mentskommandeurs. Das klingt auch anders als daheim. Bon Zeit z» Zeit donnern die Kanonen im nahen Stellungskampf. Dann die zerstörten Häuser und die paar armen Einwohner, die noch zurückgeblieben sind! Daß Mittags keinerlei Dienst war, ist selbstverständlich.

Wo in der Kompagnie Platz war, fand man sich mittags zusammen. Es wurde geredet, gesungen, Wein getrunken und an die Heimat, das schöne Hestenland und seinen erlauchten Fürsten gedacht. Wird für alle unvergeßlich sein, der Eroßher­zogs Geburtstag 1014.

Vizefeldw. d. R. Braun, Lehrer in Holzhausen v. d H.

Die Tätigkeit der Eisenbahner.

Aus Masmerivillr erhalten wir folgenden Feldbrief, der Bitte um Veröffentlichung kommen wir gerne nach:

Am dritte» Mobilmachungstag verließ ich mit noch 15 Ka­meraden lReferoisten und Landwehrleute) meinen Hcimatsvrt Hochweisel. Die Abschiedsstimmung wurde durch Singen echter Vaterlandslicdcr verdrängt, und in Reih und Glied langte» wir an der Haltestelle Ofthsim an. Die Bahn brachte uns nach Fricdbcrg, beim dortige» Bezirkskommando meldeten wir »ns. Ein letzter Händedruck, mit den besten Wünschen trenn­ten wir uns. Die erforderliche Einteilung usw. wurde gemacht, die einzelnen Abteilungen rückten vom Burghof ab, ein von Ser Stadt gestiftetes Miltagesten wurde eingenommen. Nach­mittags wurde ich beim 3. Eisenbahn-Regiment In Hanau, der 10. Baukompagnie als Train-Unteroffizier zugeteilt. Nachdem die schöne felograue llnisorm nebst Ausrüstung empfangen war, wurden die bereits angekommenen Bnkaufspferde gesattelt und cingcfahrcn bezw. zugeritten, was mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Am 10. August erfolgte die Abfahrt der Kom­pagnie von Hanau nach Saarbrücken. Während der Fahrt wurden uns auf den Bahnhöfen alle möglichen Erfrischungen >' dergl. verabreicht und Abschicdsgrllße zugewinkt. In Saar­brücken hatte ich Gelegenheit, mir die Spichcncr Höhen, die Ehrengräber und die Cchlachlfelder anzuschen. Von Saarbrllk- len ging es nach Metz und am 20. 8. nach Ulflingen in Luxem­burg. Am 23. August fuhr unser Zug in Arlon (Belgien) in

Sieue Tageszeitung. Mittwoch, den 1i>. Dezember 1914

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erniedrigt und die vor Gott in Demut stehen, erhöhet werden, daß krumme Dinge werden im Gefilde zur ebenen Bahn? Schon kündet er sich gewaltig an unter den Völkern der Erde: Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch. Aber über die Zeit, da Gott achtend durch die Völker schreitet, schauen wir hinein in selige Zeiten, da ist und sein wird: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Aber wann wird das fein? Es wird sein, wenn die Völler ringsum wieder Gott die Ehre geben, seine Wahr!,, t gilt und sein heiliges Recht, wenn Menschen und Böller ni mer vergessen das Erste: Ehre sei Gott in der Höhe. Und ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihrem Sinn sehr ben: und sic sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sei - Auch Ihr sollt helfen, solche Zeiten herbeizuführen, auch Ihr sollt Wegbereiter sein des großen Gottes, jetzt in der furchtb. ren Zeit des Gerichts, so fordert cs die Pflicht, aber auch in der schöneren, des Friedens, so ist es unsere Hoffnung. So steht denn fest und treu wie jener große Herold des Herrn!

Deutsche Soldaten kämpfen nicht um eitle gloire (Franzo­sen), sie kämpfen nicht um Geld (Engländer), sic kämpfen nicht, weil man sie zum Kampf- treibt (Russen), sie kämpfen für Ehr und Sieg, für Wahrheit und Recht. Sie kämpfen, weil sic wissen: Was recht ist, muß als Recht bestehn und solle die Welt in Stücke gehn. Sie kämpfen den furchtbaren Komps, weil sie für Kinder und Enkel Zeiten erhoffen, da Treue und Eidschwur gilt, die Böller in Friede und Eintracht neben ei »ander wohnen, einander dienend und helfend ein jeder mit der Gabe, die Gott ihm gegeben, d. h. Gott die Ehre geben. Einst hat ein deutscher Sänger, der längst die Augen geschlos­sen zum ewigen Schlaf, uns gesungen ein Lied:

Einst geschieht'-, da wird die Schmach Seines Volks der Herr zerbrechen.

Der auf Leipzigs Feldern sprach,

Wird im Donner wieder sprechen.

Dann o Deutschland sei getrost!

Dieses ist das erste Zeichen:

Wenn zuni Bündnis West und Ost Wider Dich die Hand sich reichen.

Wenn verbündet Ost und West Wider Dich zum Schwerte fasten,

Wiste, daß Dich Gott nicht läßt.

So Du Dich nicht selbst verlast«»!

Ja nicht Dich selbst verlasten und Deinen Gott. Denn so c» gemeint, darauf kommt es an! Schon geht ein Zagen und Ahnen durch die Völker der Erde. Schon haben sie etwas von seinem Stern geschaut und kommen von ferne. Die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Deutsch­land unter den Völkern der Erde erhöhet als den schimmernden Hort des Friedens, von dem Recht und Gerechtigkeit ausgeht über die Völker der Erde. Roch ist die Zeit des Advents, die Zeit sehnenden Harrens. Aber Weihnacht wird kommen. Er kommt, er kommt, ein König, dem alle Macht und List der Feinde viel zu wenig zum Widerstande ist. Mög' er, der große Friedefürst, einziehen in aller Herzen, daß wir alle es schauen: Siehe Dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über Dir." Dann wird die Zeit seligen Ersüllen, sich nahen: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl- gefallen. Gott mit Euch Allen!

Euex treuer W.

Feindesland ein. Hier sahen wir die ersten Gefangenen und, leider, deutsche Verwundete. Von Arlon aus begann die Tä­tigkeit der Kompagnie. Die Bahnstrecken hatten die Franzosen zerstört. Geleise, Weichen, Rampen u. dergl. wurden niöglichst schnell wieder hergcstellt. Der Bahnverkehr ist sehr wichtig, ivkunitionr- und Proviant-Nachfuhr, Truppenvcrschiebungen, Verwundeten-Transporte, Postverkchr, Liebesgaben nicht zu vergessen und dergl. mehr erfolgt durch die Bahn. Deshalb muß die Stockung baldmöglichst beseitigt werden. Unsere Kom­pagnie hat schon vieles geleistet und ich werde die größten Ar­beiten kurz ansühren. Einige Tage hat die Kompagnie in ei­nem Cesechtsfeld bei Eth-Belmout, zwischen tausenden von Leichen und toten Pserden gearbeitet, eine große Eisenbahn- brückc bei Sedan über die Maas (110 Meter lang, 12 Meter hoch) gebaut, bei Mouzon eine schwere Kolonnenbrllcke über die Maas, in Charleoille zwei Schiffsbrücken, in Mohou eine Rampe für das große Hauptquartier hergestcllt. Zwischen Sommcrq und der nächsten Station, gemeinsam mit einer an­deren Kompagnie einen gesprengten Tunnel (welcher zirka 400 Meter lang ist) ausgeräumt. Sonst wurdcn noch viele Ar­beiten erledigt. Meistens wurde schichtweise Tag und Nacht durchgearbcitet. Selbstverständlich ist vieles Material erfor­derlich (Holz aller Art, Schienen usw.) wodurch unsere Pserde mitunter sehr in Anspruch genommen wurden. Zur Zeit muß eine neue Vollbahn, zirka 23 Km. lang, bis an die Eefechts- linie gebaut werden. Den Eisenbahnern ist es nicht gegönnt, direkt in der Front mit zu kämpfen, aber sie können durch ihre Tätigkeit den fechtenden Truppen große Erleichterungen ver­schaffen, und werden so ihrer Pflicht für das Vaterland vollauf gerecht. Ich selbst habe durch Herbeischaffung von Proviant und Fourage für die Kompagnie, bei der Ueberwachung der Anfuhr vom Material genügend Gelegenheit die-Folgen eines Krieges zu sehen. Ganze Landstriche sind verwüstet, die Ernte teilweise verkommen, ganze Dörfer sind bei Gefechten in Brand geschaffen worden und fast vollständig niedergebrannt. Viel Elend und Jammer überall. Die Leute, die sicher in guten Verhältniffcn gelebt haben, kehren mit dem wenigen, was ihnen geblieben ist, zurück und wo sie Hinsehen ist nichts mehr. Die deutschen Soldaten geben den hungrigen Kindern und der ärmeren Bevölkerung Brot und Speisereste. Ob solches die Franzosen tun würden, ist wohl nicht anzunchmen. In Bel- mout (Belgien) war es mir vergönnt, den Einwohnern zu zeigen, daß deutsche Soldaten doch nicht solche Barbaren find, wie die Franzosen uns als solche empfohlen hatten: Belmout hatte im Gefecht schwer gelitten, durch die Tätigkeit der Kom­pagnie war ich mit der Kolonne daselbst einquartiert. Einige Mannschaften fanden im Keller eines abgebrannten Geschäfts­hauses noch Vorräte von eingemachten Sachen, Wein usw. vor und brachten diese Gegenstände nach oben. Die Besitzerin hatte in einem verschont gebliebenen Hause nebenan Unterkunft ge­funden und bemerkte den Vorgang. Während der Tätigkeit meiner Leute kam ich hinzu, und eine deutsch sprechende Frau teilte mir mit, daß die betr. Frau im Nachbarhaus«, die Be­sitzerin sei. Sämtliche Gegenstände wurden ihr übergeben. Auch ein Blcchkastcn niit den Geschäftsbüchern wurde gefunden. Ich erfuhr später auch, daß noch ein größerer Geldbetrag im Keller begraben sei. Es gelang mir nach längerer Zeit, die Kassette zu finden und abzuliefern. Angeiotene Belohnung lehnte ich ab. Der Eindruck muß günstig auf die Einwohner gewesen sein, denn als ich später durch die Quartiere ging, erfuhr ich, daß viele Einwohner Kaffee und Getränke, von dem wenigen was ihnen geblieben war, nach den Quartieren hingebracht hätten. Solche Erlebniffc werden viele deutsche Kameraden erzählen können. An Strapatzcn hat es auch nicht gefehlt. Zum erstenmale habe ich in Feindesland ein Zimmer mit ei­nem Bett. Zu der Weihnachtsfeier, welche wir nun doch im Feindesland feiern müssen, werden Vorbereitungen getroffen, damit diese möglichst angenehm wird. Wenn noch die angcmcl- detcn Weihnachtspaketc aus der Heimat eintresfen, so wird ein jeder in Gedanken bei seinen Angehörigen sein. Ich wünsche allen Freunden und Bekannten auf diesem Wege ein wahrer Weihnachtsfcst und ein glückbringendes Neujahr nebst ehren vollem Frieden! Auf Wiedersehen!

I m b e s ch e i d , Unteroffizier d. R.

Wcihnachtsbetrachtung der Soldaten im Felde.

Geschrieben Ende November 1014.

Ihr lieben Soldaten im Feld!

Am nächsten Sonntag feies» wir 1. Advent. Das liebe Wcihnachtsfest steht vor der Tür und wir können cs nicht feiern wie sonst. Wir denken an Euch, die Vielen, Väter und Söhne, die in diesen Tagen des lieblichen Festes, die Vereine der Krieger, Sänger und Turner sind geschäftig, Euch am großen Feste der Liebe zu zeigen, daß man in der Heimat in Lieb: Euer denkt. Die Männer sind nach Friedberg, Einkäufe zu machen, die Frauen und Mädchen stricken und backen und dir Knaben sind in den Wald Tannenzwcige zu holen. Huntcit Kisten sollen in wenig Tagen fertig werden. Mögen sie Euch alle glücklich erreichen und Freude bereiten.

Weihnachten im Feld, die meisten in fremdem Lande fern der Heimat! Mitten im Kamps, dem surchtbarsten der Völker! Wie längst verklungene Sage geht die frohe Himmelskunde' Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" über die blutgetränkte Erde und wie ein lichter Traum ziehen die Lieder der heiligen Nacht durch die Seele. Zu, schön, um wahr zu sein.

Und doch Advent! Mächtig brausen die alten Klänge wie­der durch die Kirchen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit". Gewaltige Worte dringen an's Herz: Bereitet dem Herr» den Weg und machet richtig seine Stege. Er übt Ge walt mit seinem Arm und zerstreuet die hossärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und er­hebt die Niedrigen. Von dem großen Wegbereiter hören wir, der da draußen am Jordan stand im rauhen Kleide, der fo mutig gekämpft für Wahrheit und Recht. Seid nicht auch Ihr etwas davon? Eine Zeit schweren Kampfes ging voraus der Zeit, da die Menschheit ein Ahnen ergriff von dem: Friede auf Erden. Und gilt nicht auch euer Kamps dem, daß wieder Ge­rechtigkeit auf Erden werde, daß Völker, die hoch sich wähnen^

Einsames Hlrtcker».

Ich stricke und stricke und denke zurück An meinen Buben und sein Geschick.

Einst ging es bester, und Bubi klein Lullt' ich dabei in den Schlaf hinein.

Der Bub ward größer) nun ist er nicht mehr, In Frankreich starb er für Deutschlands Ehr'.

Es ist mir noch so, als säh' ich den Kleinen Ein Stückchen als Eäulchcn zwischen den Beinen. Am papicrnen Hut eine slatternde Quast',

Wie er erhitzt durch di« Gasten gerast.

Gar blutiger Ernst ward'e Kinderspiel

Und hoch zu Roß im Kampfe er fiel.

Mein Einziger war's und mein einziges Glück: Der Vater schon tot und ich denke zurück.

Der Gaben Hab' ich ihm viele gestrickt,

Bevor ihm der Tod die Kugel geschickt.

Für'» Feld" jetzt strick' ich tagaus, tagein Und manche Träne strick' ich hinein.

Die Träne gilt meinem herzigen Bub,

Dem ein fernes Grab man in Frankreich grub. Und jede Träne, die niederrann,

Sei den Brüdern im Felde ein Talismair

Es betet für sie tagaus, tagein

Beim Stricken ein einsames Mütterlein.

Nur manchmal bäumt cs sich in mir auf.

Meinem Haste geb' ich dann freien Lauf..

Dich, England, haß ich allein in der Welt,

Du hast mir allein das Leben vergällt.

Der Feind, der den Tod meinem Jungen gesandt, Verteidigte nur sein verblendetes Land.

Du aber häufest Lüge auf Lüg',

Du hetzestdie Andern" in blutigen Krieg.

Und die Kugel, die meinen Buben fand,

Gegosten ward sie von deiner Hand.

Nicht sterben will ich, bevor ich erlebt,

Daß England vor seinen Feinden erbebt.

Und daß es vernichtet vor Deutschland liegt,

Von unseren Blauen und Grauen besiegt.

Dann folge ich gern meinem blonden Bub,

Dem ein fernes Grab man in Frankreich grub.

Hungen, 30. Nov. 1014.

Stb.:

Römerbrunnen '

Hervorragendes Tafelwasser*