Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
?!r. 395 | Mittwoch, den 16 . Dcremker 1914 . I 7 , Zlchrgung
A« England.
Uns» Deutschland wolltest du vernichten — Heuchlervolk auf deinem Inselreich?!
Gott hilft nimmer feigen Bösewichtern,
Nicht gelingen laßt er dir den Streich!
Frieden wollten wir mit alle» haben.
Segneten die lange Friedenszeit —
Froh genießend unsres Fleißes Gaben,
Doch du hetzest auf zu diesem Streit!
Nun ist schon ein Biertelzahr verflossen.
Daß das deutsche Schwert im Kampfe tlano Und von deiner Flotte ist zerschossen,
Manches Schiff im blutgen Waffengang!
In des indischen Ozeans Wellen Treibt manch Wrack, vom „Emden" kühn versenkt,
Und von oben weidet ihr Gesellen Von dem Zeppelin gar schön beschenkt.
Doch von dem gerechten Gott wir hoffe»,
Daß er uns dein Reich betreten lägt;
Daß in s Mark Britannia getroffen,
Recht und Wahrheit jauchzt ihr Siegessest,
Und wie wird es dir, o Eren, ergehen,
Großer Diplomat und Lügenheld,
Sichst du dann die graus'ge Saat aufgehen,
Die gesät du auf das Dölkerfeld,
Deine Lügen wird die Welt noch hören.
Schwindelt deine Presse noch soviel —
Kannst dann nicht Vasallen frech betören,
Deiner Herrschaft naht das blutge Ziel!
Wann wird diese große Stunde schlagen,
Wo gerechtes Urteil wird gefällt?
Laß, o Gott, den Morgen bald uns tagen,
Wo erlöst von Englands Macht die Welt!
Gedichtet auf dem Schlachtfeld« in Nordfrankreich, Unteroffizier h, Sommer aus Friedberg-Fauerbach, r i
ülfls die Oesterreicher im (Dftfn vollbracht!
Ein österreichischer Offizier gibt in den „Züricher Neuest, Nachrichten" eine knappe zusammenfaffende Darstellung der Leistungen der tapferen Armeen Oesterreichs, Da auch bei uns schon Stimmen laut werden, die die Erfolge der Oesterreicher nicht genügend zu würdigen verstehen und da die Schilderung «uch sonst sehr lehrreich ist, so geben wir sie nachstehend wieder: Die Abmachungen der Eeneralstäbe Frankreichs, Rußlands und Englands verpflichteten die Russen, sich sofort mit ihrer ganzen Hauptmacht aus Berlin zu weifen, um den französischen
Angriff zu unterstützen. Der Plan glückte nicht, und das ist das erste große Verdienst der österreichisch-ungarischen Armee. Sie packte die Russen, vor allem durch die beiden kühnen Vorstöße aus Lublin und Zamosc, mit derartiger Kraft, daß sie gar nicht dazu kamen, ihr Wort den Franzosen zu halten. Der russische Ecneralstab hatte damit gerechnet, daß er den Angriff auf Ostpreußen durch eine verhältnismäßig kleine Armee einleiten könnte, bis feine Hauptkraft die österreichisch-ungarische Armee nicdcrgebügelt hatte. Aber da stürmte Dankl in den Siegen bei Trampol, Krasnik und Niedeewice Dusa aus Lublin los, Auffenbcrg zersetzte bei Tomasiow und Komarow die ihm an Zahl weit überlegene Armee des Generals Plehwe, j die aus der Linie Cholm-Kowcl in Anrückung war, und bei ! Lemberg hielt Boroevic, der nach dem Abgang Brudermanns l den Befehl über die in diesem Raume operierend« Armee übernommen hatte, dem furchtbaren Angriff des Generals Iwanow, des Kommandierenden des Kiewer Militärbezirks, S Tage lang stand, Iwanow gilt als der beste Mann der Russen und hatte volle 17 Divisionen mehr als Boroevic! Die zweite Schlacht bei Lemberg wäre den Ruffen trotz ihrer kolossalen Ilebermacht um ein haar zur Katastrophe geworden! Sic zeigt beinahe dieselbe Entwicklung wie die letzten Kämpfe bei Lodz, nur in größerem Verhältnisse,
Bei Erodck hatte sich Boroevic, dessen Namen man drau- j ßcn sicher viel zu wenig kennt, dermaßen an den Russen sest- ! gebissen, daß sie sich nicht rühren konnten. Vom Süden her | schob sich unsere zweite Armee unter Böhm Ermoli heran, und | im Norden schwenkte bereits Auffcnberg mit dem Drehpunkt j Rawaruska' in den Kreis ei», die von ihm geschlagenen Korps ! auf den engen Raum von Lemberg drückend. Aber wie das ! erstemal bei Lodz die Deutschen, so mußten wir bei Lemberg | in elfter Stunde die Falle, in der wir die Russen bereits drinnen hatten, wieder aufmachcn, denn aus Eholm und von Lublin her brache» nicht weniger als fünf Armeekorps in den Rücken Auffenbcrgs vor, so daß dieser, um nicht selber zwilchen zwei Feuer zu geraten, feine Position ausgeben und zurück- gchen mußte. Dadurch war der strategische Rückzug der 'attisch siegreichen Oesterreicher notwendig, 20 008 Gefangene und 80 eroberte Geschütze nahm Boroevic allein mit, 10 008 Böhni- Ermoli!
Drei zu eins stand damals das Verhältnis der beiden Gegner, Auf eine österreichische Division kamen drei russische! Dennoch konnten die Russen es nicht hindern, daß wir uns von ihnen loslösten, wann und wie wir wollten, daß wir alle Gefangenen und Geschütze, die wir ihnen abgenommen, mit un; Mitnahmen und hinter dem San eine Aufstellung bezogen, deren schmale, aber jederzeit ausdehnbare Front die Basis zu einer zweiten Offensive bot. Wenn wir damals auch die kolossale Uebermacht der Russen nicht Niederdrücken konnten, so hatten wir ihnen doch ihre gesamten Armeen dermaßen ge
schlagen, daß sie ihren große» Fcldzugsplan, erst »ns, dann Preußen niederzuwalzen, fallen lassen mußten.
Dadurch, daß wir durch unsere lühnc, sic vollkommen iHui- laschende Offensive die Hauptmacht der Russen auf UNS zogen konnte der geniale hindcnburg inzwischen die in Ostpreußen eingrdrungenen Armeen Samsonows und Rcnncnlampfs teils schlagen, teil- in den masurischen Seen ersäuscn, Don einem Angriff der Russen auf Berlin war keine Redc mehr sie konnten den Franzosen nicht mehr Helsen und mußte» für sich selber sorgen. Jetzt wird man verstehen, was tzindenbucz meint, wenn er sagt, daß er ohne die Oesterreicher nie die Sieze in Ostpreußen hätte erringen können.
Unsere zweite Ossensivp setzte ein, hindenburg. der oben die Feinde weggewischt hatte, kam mit dem größten Teil ie> ner Truppe» herunter und schloß sich bei Oswiecim an die österreichische Front an. Beide Heere bildeten jetzt ein Gaze», einen Körper, der ei» gemeinsames Ziel hat, dem all- anderen Interessen untergeordnet waren. Aus diesem Gei! heraus wird man es erklärlich sinden, wie Hindenburg ar-s einmal dazu kam, den äußerste» linken Flügel der östcrreich-- schen Armee zu bilden, die nun zum zweitenmal zum Angriff vorging, Przemysl wurde entsetzt, die Russen über den Kan gejagt und die Bukowina von ihnen gesäubert. In Russisch Polen legte Dank! bereits seine Hand aus Iwangorod und in Warschau hörte man den Donncr der Kanonen Hindenburg- Nun pumpten die Russen ihr ungeheures Reservoir fast leer. Alle turkestanische», kaukasischen und sibririschen Korps wurden herangebracht und von New Gcorgicwsk in den Rücken Hindenburg- geworfen, so daß dieser sich zurllckzuziche» gezwungen sah. Die Uebermacht, die die Russen dort entgegen stellten, wirkte natürlich auch aus die Armee Dankt, die eben falls die bisher errungenen Vorteile ausgeben und in paralleler Richtung mit Hindenburg zurückgehcn mußte. Und nun stand aus einmal die Gefahr einer neuen russische» Osscnfipe vor den Verbündete», aber diesmal gegen Posen und Schlesien mit Hauptziel Berlin gerichtet und mit einer ungeheuren Uebermacht angesetzt.
In diesem kritischen Augenblick waren die österreichischen Truppen aus der ganzen Linie in siegreichem Vormarsch in Galizien, Die Russen warfen bereits 80 000 Mann nach Lem- berg, um diese Stadt gegen die von Stryi her andringendcn Oesterreicher zu verteidigen. Man kann sich denken, was dafür uns bedeutet hätte: Lemberg befreit! Aber das gemein- same Ziel! Und für uns Oesterreicher wie für die Deutschen bestand das gemeinschaftliche Ziel jetzt darin, den Vormarsch der Russen nach Berlin zu verhindern. Denn für uns wäre die Tatsache „die Russen in Berlin" genau dieselbe Katastrophe wie für die Deutschen,
Um dieses gemeinschaftliche Ziel zu erreichen, gab es für »ns Oesterreicher nur eins: unsere Front derart zu verschieben
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