7. Jahrgang
Unmmer 394
Dienstag, den 15. Vrremdrr 1914.
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Gttnftiger Fortgang des dcntichen Angriffes in Polen.
Karpathen.
— Schwere Verluste -er Russen in den
vik Strarifntuflltr, -ik nicht vorwärts kommt!
Der „Daily Graphic" hat das Bild aujgebracht von der ruinscheu Dampswalze, welche die vor ihr flüchtenden deutschen Mause zerquetschte. Leider (vom Standpunkt der Engländer, Franzosen und Russen aus) arbeitet diese Dampfwalze herzlich schlecht. Le Rouleau qui ne marche pas übcrschreibt der Pariser Berichterstatter des Madrider Abc, Antonio Azpeitua, einen Leitaustatz. dem wir einiges Bezeichnende entnehmen:
Die Niederlage der Russen bei ihrem Vormarsch gegen Preußisch Polen und Schlesien ist den Franzosen und Engländern nur mit einer Verspätung von vielen Tagen bckanatge- geben worden. Als in Peking und sonst in den entlegensten Wcltrrinkcln der Aussall des Riesenkampfc» in Russisch-Polen schon tagelang besprochen wurde, glaubte die öffentliche Meinung in Frankreich und in England noch an ein unwiberst-h- liches Vorrücken des moslowitischcn Heeres. Die Zensur hat in beiden Ländern glotze Geschicklichkeit darin bewiese», die Tatsache zu unterdrücken, datz wieder einmal das berühmte roulca» der russischen Truppen von den Deutschen ausgeha'ten und Gegendampf zu geben gezwungen worden war. Die russische Niederlage fällt aus den HS., und bis zum 20. roch man in Paris nicht einmal das russische Pech. Und auch heute .am 27.) kennen die Franzosen die Einzelheiten der Niederlage nicht, da die Zeitungen sich aus die Wiedergabe der amtlichen Petersburger Depeschen beschränken. Und zur Vergoldung der bitteren Pille der neuen russischen Niederlage giit's nur den einen Satz, daß das rouleau ne marche pas, das berühmte rouleau, mit dem man die Heere des Kaisers schon wie Mchl- sladen plattgewalzt, die Städte Posen, Breslau und alles sonst unterwegs bis Berlin z» Brei zerquetscht sah. Za, die Wrlze ist ungewöhnlich, ist riesengroß: aber sie hat nicht genug .notorische Krast. Kaum setzt man sie in Gang, da genügt eine Krastanstreugung der Gegner, sie nutzer Betrieb zu setzen. Die Erkenntnis davon beginnt langsam auch in Frankreich auszu- dämmcrn, und schon melden sich Zweifel an der Wirksamkeit des vielgepriesenen rouleau. Und doch war die Walze eines von den wenigen Mitteln, die hosfnung auf einen trotz allem günstigen Ausgang des Krieges ausrcchtzuerhalten. So oft die Deutschen in Belgien oder IN Frankreich Fortschritte machten, sprang sofort die russische Dampfwalze in die Breche. Die Leser des Abc erinnern sich der Zeit, wo die Reiter der Kluckschcn heeresabteilung bis in die Nähe von Paris schwärmten. Damals teilte der „Matin" der Welt mit, die furchtbare russische Walze sei schon bis auf fünf Tagcniarshe nach Berlin hcrangcsahren. Bis auf fünf Tagcmärsche in breiter Front, ohne sich um solche Kleinigkeiten wie Festungen a lg Königsberg und Tilsit zu lümmern. Zn Wahrheit war die Walze nach Warschau in Sicherheit gebracht worden, und man hatte zwischen sie und die bösen Deutschen die Weichsel als Sperrkette gelegt. Kaum aber hatten sich die Truppen des Zaren wieder in Bewegung gesetzt, da hietz es in Paris, nichts könne die Walze aushallen. Und als dann die Deutschen Antwerpen nahmen und die Küsten Nordfrankreichs bedrohten, da stieg die Besorgnis hier in Paris auss höchste, und wieder trat die Walze in Tätigkeit. Man tröstete sich damit, bevor die Verbündeten ihren letzten halt in Belgien verlören, hätte die russische Walze die aus dem westlichen Kriegsschauplätze tätige» Truppen des Kaisers längst im Rücken gesatzt. Leider (für die Pariser) hat sich diese Wahrsagung nicht erfüllt. Darum zweifelt man schon an der Wirksamkeit der Walze, und wenn man die unbesriedigendcn amtlichen Berichte aus Petersburg liest, heißt cs achselzuckend: Le rouleau ne marche pas. Daran
knüpft man dann die bange Frage: Wenn die russische Walze nicht kommt, wer soll UNS dann die Deutschen aus Belgien und Frankreich wegfcgcn? Unleugbar hält Frankreich sich auch mir Englands Hilfe hiersür zu schwach. Von einem Punkte bin ich überzeugt: Wenn die Franzosen ihre Departements wiederbe- kämen, nachdem die Feinde daraus vertrieben wären, würden sie den Krieg lieber nicht fortsctzen. Was die Kricgslust in Frankreich noch aufrechterhält, ist die Besetzung eines Teiles von Frankreich durch die Deutschen. Das französische Volk ist lebhaft und tatkräftig, es vollsührt die größten Taten in ein paar Tagen: aber Ausdauer, Geduld, Festigkeit im Unglück .st nicht feine Sache. Darum zweifeln wir daran, ob eine lange Kriegsdauer für die Deutsche» ein so besonderes Unglück wäre. Das deutsche Volk ist an eine strenge Zucht gewöhnt und die Wirkungen dieser bcrllhv.tcn deutschen Disziplin sind seine beharrlich-, von langsan.cn, aber sicheren Erfolgen gekrönten Bemühungen. Di- lange Kricgsdaucr wird die Franzosen ungeduldig machen und ermüden: sic wird ihren Kriegseiser ver
ringern. Einzig und allein di- Engländer könnten den Deutschen eine gleiche Krastanstrcngung entgegensetzen, einmal ">«il si, als stamznvcrwandt dieselben Eigenschaften besitzen, dann
weil der glühende Wunsch sie beseelt, mit dem verheiß!.»: Rebe» buhler endlich einmal aujzuräumcn.
Der deutsche Genernlstad » —.. —= meldet: -= U
Großes Hauptquartier, 14. Dezember, vormittag» (Amtlich).
Schwächere französische Angrijsc gegen Teil« unserer Stellungen zwischen der Maas und de» Vogesen wurden leicht ab- gewiesen. Iw übrigen ist vom westlichen Kriegsschauplatz sowie aus Ostpreußen und Südpolen nichts wesentliches zu melden.
Zn Rordpolen nehmen unsere CpcMtionc» ihre» Fort »na.
Zu den russischen und französischen amtlichen Nachrichten ist folgendes zu bemerken:
Aus Petersburg wurde am 11. Dezember amtlich gemeldet: „Südöstlich Krakau setzten wir unsere Osfensive fort, eroberten mehrere deutsche Geschütze und Maschinengewehre und etwa 2000 Gefangene!"
Tatsächlich ist nicht 1 Mann, nicht 1 Geschütz oder Maschinengewehr «nserer südöstlich Krakau kämpfenden Truppen in russische Hände gesallen.
Die amtliche Pariser Meldung vom 13. Dezember behauptet: „Nordöstlich Vaillq wurde ein« deutsche Batterie völlig vernichtet. Zn Deurnoud westlich Vigneulles-le» Hattonchatel wurden zwei deutsche Batterien zerstört, eine großkalibrige und eine für Flugzeug bestimmte. Zn der Gegend wurde von Franzosen ein Blockhaus gesprengt und mehrere Gräben zerstört.
Alle diese Meldungen sind erfunden.
Oberste Heeresleitung.
Kriegslisten in Belgien.
London, 14. Dez. Nach Meldungen des „Daily Chro- nicle" kommt die deutsche Offensive im Uebcrschwcwmung'ge- biet an -e'nein Tag zur Ruhe, und die englischen Soldaten haben sich andauernd vor neue» Kriegslisten der Deutschen zu schützen. So versuchten die Deutschen aus folgende Weise einen Angriss aus schottische Regimenter: Sic fabrizierten ein» Anzahl kleiner Flöße, die sie dicht mit Laubwerk umgaben Auf jedem der Flöße waren drei Mann verborgen. Diese Flöße gleichen vollkommen entwurzelten Bäumen mit Gesträuch.' wie sic zahllos im Uebceschwemmungsgeb-et eiuhertrei- ben. Kie wurde» mithin von den englischen Posten nicht weiter beachtet. Nach stundenlangem Ausharren gelang es den Deutschen, auf diese Weise, langsam mit der Strömung treibend, an die englischen Stellungen heranzukommen. Zm geeigneten Moment erössneten die im Laubwerk verborgene» Soldaten aus die überraschten Engländer Schnellseuer, das sic mit dröhnenden Hurrarusen begleiteten. Die Verwirrung, die in dem englischen Lager entstand, wurde von den Deutschen benutzt, und drei riesige Motorboote, gepanzert und mit Schnell- srncrgeschützen versehen, fuhren in rasender Fahrt heran und eröffnet«» aus nächster Nähe ei» surchtbarcs Feuer auf die Schotten. Diese mutzten sich „einstweilen" zurückziehen. Die Deutschen arbeiten überhaupt viel mit Flößen und Motorbooten. So gelang es ihnen, mit diesen Hilfsmitteln zum drit.en- mal in der Nacht vom 7. zum b. Dezember bei Perevyse -inen Uebergang über den Nseikanal gegen belgische Truppen zu erzwingen.
In dcn uorturfifn Z.McnMlil vor jürrtinn.
Als Gast des Kronprinzen im Schützengraben. Karl o. Wiegand, der Berliner Korrespondent der „United Preß", hatte Gelegenheit, die allervorderstcn dänischen Laufgräben zu besuchen. Der Kronprinz halte ihn dazu airfgefordlrt, damit er sich persönlich davon überzeuge, daß die Deutschen sich nicht zurückziehen, wie so oft erzählt worden ist. Ter amerikanische Korrespondent wurde in einen Laufgraben geführt, der erst vor kurzem von den Deutschen erobert worden war, und kam so weit, daß er de» Geschützdonner um Derduu deutlich hören konnte. Er fand das deutsche unterirdische Hauptquartier ganz komfortabel eingerichtet, durch und durch mit Balken versteift und mit Lesen und Teppi- chcn zunr Schutz gegen die Kälte versehe». Ten franzön- scheu Laufgraben, der gerade von den Franzosen geräumt worden war. fand er bei seinem Besuche voll von trübem gelbem Wasser. Tic Deutschen rllhniten, daß die Fran^sei außerordentlich hartnäckig gefachten hatten, bevor sie aus dem Laufgraben vertrieben wurden.
Die „Karlsruhe" lebt noch.
Amsktrdäm, 11. Dez. Die „Eentral News" vccöffent- IhW eine Erzählung des Kapitäns des „Ban Dyck", eines Schüfes, bas durch den deutschen Kreuzer „Karlsruhe" am L<>. Lktober zwischen Buenos-Aircs »nd Nenyork ansge» hlarl.: wurde. Tie Bemannung »nd die Lssiziorc wurden auf das Schiff „Asuncire" gebracht. Sic wurden mit der giösttr» Höflichkeit behandelt, und die dculschen Lfsiziere grüßte» die Damen, die sich unter den Passagieren befinden. Ans der Erzählung des Kapitäns des „Ban Dyck" geht hervor, daß die „Karlsruhe" durch einen Schutz der „Glasgow" beschädigt wurde. Das Steuer der „Karlsruhe" Nmr ebenfalls schwer initgcnommen, doch wurde er wieder in Stand gesetzt, indem man Teile eines Steuer« von einem aufgebrachten Schiffe dazu verwandte.
jj Der österreichische Generalstab - ----..... = meldet: —_____
T. B. (Nichiamtlich ) Amtlich wird verlnntbart: 14. Dezember mittags:
Die Verfolgung der Nnffcn in Westgaliiicn wurde fortgesetzt «nd gewannen abermals unter kleineren und größeren (Kcserhtcn aUcntlialben anderwärts Raum. Nu« ist auch Dukla wieder in unserem Besitz.
Unsere über die ttarpattzen vorgerückten Kolonnen machten gestern und vorgestern 1)000 Gefangene und erbeuteten £0 Maschinengewehre.
Die Lage an unserer Front von Najbrot bis östlich tirakan und in Südpolen ist unverändert.
Nördlich Lowie; drangen unsere Verbündeten im Angriff weiter gegen die untere Bzura
vor.
Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: v. Höfer, Ecneralmajor.
Bon dem südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich ve» laiitbart: Tie von der Drina in südöstlicher Richtung vor- getri.bene Lsscnstve stieß südöstlich von Baljcwo auf einen stark überlegenen Gegner und mußte nickst allein ausge- geben werden, sondern vcrnnlaßte auch eine weiter reichende rückgängige Bewegung unserer seit vielen Wochen hartnäckig und glänzend, aber verlustreich fümpscndcn Kräste. Diesem steht die Gewinnung Belgrads gegenüber. Die sich hieraus ergebende Gesamtlagc wird neue operative Ent- ichlüsse und Maßregeln zur Folge haben, welche zu der Verdrängung des Feindes führen müssen.
Sie folßrn des öfirrr. Äeyes bei limnoiva.
Berlin, 14. Dez. Aus dem österreichisch ungarischen Kriegspressequarlier wird i>cr „B. Z. a. M." berichtet: Die
große Schlacht in Russisch-Polen hat nach der Eroberung von Lodz, die ihren Höhepunkt darstellte, wieder den Eharakter des Ringens stehender Fron.cn angenommen. Die Schlacht trat aber insoscr» IN eine neue Phase, als jetzt auch Westgalizien durch die Osfensive der verbündeten Heere dem Schlachlield angeglicdert worden ist. Der Erfolg dieses Vorstotzes hal lich bereits darin gezeigt, datz die Ruße» zu einer engeren Vcr< lammlung ihrer Kräfte und somit zur Zurückberusung ihrer Einbrnchskolonncn aus den Karpathen gezwungen wurden. Wie wiederholt betont, war der Kamps in den Karpathen stets nur eine Nebenhandlung, und die gegenwärtigen Ereignisie zeigen auss deutlichste, datz nicht dort, sondern tn den Weichsel- ebenen der Krieg entschieden wird. Durch den gestern erfolgten Sieg bei Limanowa, dem SUdsliigel in Wcstgalizien und durch unser Verbringen über die Karpathen bis in die Linie Gry- bow-Gorlice >m Süden hat der russische Angriss noch eine weitere, den Russe» sehr empsindliche Einengung ersahren.
<$in Hochverräter.
Wien, 14. Dez. Wie letzt mitgeteilt wird, wurde am 20. November in einem Gasthose in Biolla der altpolnische Reichstags- und Landtagsabgeordnete Prosesior Z a m o r s l i wegen rusiophiler Umtriebe oerhastrt.
Der Krieg im Orient.
Einem Kristianer Blatt wird über London gemeldet: Vor Sebastopol hat der türtische Kreuzer „Midilli" -inen Feuerturm


