t Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
Samstag, den 12. Dezember 1914.
7. Jahrgang
Äriegsandacht.
Jesus lebt!
v . meine Zuversicht, und mein Heiland ist im Leben! - - ' icciis i<$; sollt' ich nicht, darum mich zufrieden geben? — ' i.iüf! um die Mitte des 17, Jahrhunderts die fromme Kur- r.,n Louise Henriette von Brandenburg, die Gemahlin des i . vn Kurfürsten.
- l " "' r tvutzte sie, dag Jesus lebt, daß er überhaupt gelebt i.i r ' : wisienschastliche Forschungen gaben ihr diese Eicher- Sei Glaube allein war's, der feite unerschütterliche Glaube, der das Dasein des Heilandes ihr zur Gewißheit gemacht hatte.
Die Menschheit unserer Zeit oerliert mehr und mehr die Fähigkeit, bedingungslos zu glauben, was sie nicht versteh». Das bat tiefliegende Gründe
Jede, früheren Generationen noch so rätselbafie und wun- l bore Erscheinung der Natur wird heute wisienschaftlich er- lliirt. Tie verborgensten Kräfte des Weltalls hat der Mensch sich dienstbar gemacht. Da ist es denn lein Wunder, daß gerade viele der Gebildeten unter uns das Dasein eines Gottes überhaupt anzweifeln und das Leben und Wirken des Gottessohnes als das Leben und Wirken eines klugen Rcligionsftis- :ers ansehen wollen. Alle Wundertaten des Heilandes werden auf natürlichem, physikalischem Wege zu erklären versucht, wenn man sie nicht gar als berechnete, grobe Täuschungen des un-visicnden Volkes hinstellt. Und man geht noch weiter. Man bestreitet sogar, daß Christus überhaupt gelebt habe. Man be- rust sich darauf, daß die Evangelien, die übereinstimmend Zeugnis von ihn, oblegen, erst lange Zeit nach Christi Tode und zum größten Teil von Männern geschrieben sind, die gar nicht Zeitgenoffen des Heilandes waren. Viel Tinte und viel Gelehrsamkeit ist schon verspritzt worden, um den Beweis zu erbringen. daß Christus überhaupt nicht vorhanden gewesen und nur die Ausgeburt der Fantasie einiger Fanatiker sei.
Es ist nicht meine Ausgabe und es würde auch zu weit füh
ren,wollte ich alle die Argumente, die gegen da» Dasein Jesu Christi vorgebracht worden sind, hier anführen und aus ihre Quellen und ihre Wahrscheinlichkeit hin untersuchen. Ich möchte mich nur einmal an das Herz und an das innere Fühlen meiner Leser wenden.
Ihr klugen, klügelnden Menschen! Wollt ihr nicht einmal wieder versuchen, einfältig zu werden wie jene fromme Kurfürstin und zu glauben?
Wohl, der Glaube ist eine Gnade Gottes und kann nicht willkürlich angenommen oder abgelegt werden. Aber macht euch doch einmal klar, was für eine Unsumme von Spitzsindig» keitin dazu gehört, das Dasein des Heilandes abzuleugnen, von deffen Leben und Wirken doch die ganze heutige Weltordnung spricht, die nicht einmal der groß« Krieg gänzlich niederzureißen vermag, wiewohl er die niedrigsten Instinkte und Leidenschaften der Menschen entfeffelt.
Wie einfach ist es dagegen, den übereinstimmenden Zeug niffen der Evangelisten zu glauben, die unabhängig von einander ihre Aufzeichnungen geschrieben haben.
Weist nicht auch die Bibel von Anfang an aus das Komme» de» Heilandes hin? Das beste Zeugnis aber für das Vorhandensein des Heilandes und feiner göttlichen Mission ist sei» Werk.
„Ist das Werk von Menschenhand, so wird e» an sich selbst zu Grunde gehen; ist e» aber aus Gott, so könnet ihr es nicht dämpfen!" Wie wunderbar haben sich diese Worte, die ein vorsichtiger Warner den fanatischen Juden zurief, erfüllt. Hat Verfolgung und Unterdrückung je die Ausbreitung des Christentums dämpsen könne»? Nein. — Gerade in den Zeiten der. Not haben die Christen am treuesten zu ihrem Heiland gehalten, der ihnen Halt und Stütze war. Ihr Beispiel aber hat Anhänger geworben unter den Heiden ringsum, daß sie Reichtum und irdische Ehren verließen und Schmach und Verachtung wählten, nur um Nachfolger Christi zu sein.
Und immer wieder, wenn Leid und Trübsal über die Menschen kam, haben sie sich zurückgesunden zu ihrem Heiland, und
er hat ihnen da» Kreuz tragen helfen, und alles Leid und all- a.riibsal hat die. die da glaubten, nicht zerbrechen können.
Und wie wunderbar, daß die Lehren Christi — ich spreche hier nicht von den wandelbare» Dogmen der verschiedenen christlichen Vekenntniffe — für alle Zeiten, für alle Völker, iür jedes Alter und Geschlecht, für hoch und gering, weise und einfältig, gleichermaßen paffend geprägt sind, und daß ihnen Nachleben heute wie vor fast 2000 Jahren de» höchsten Krad sittlicher Vollkommenheit darstellt. Und dieser Christus, dieser lebendige Geist, der seit nahezu zwei Jahrtausenden die' Mensch heit durchdringt, auf dessen Lehren alle Fortschritte aus sittlichem Gebiete zurllckzusühren sind, — dieser Christus sollte nur ein Phantom sein, ein Hirngespinst unklarer Köpfe? — ..
Ein innere» Gefühl, aber auch unser Verstand muß uns sageni . - ^ 7 ,
Christus hat gelebt! Christus lebt! Christus wird leben in alle Ewigkeit! - ...
Friedrich W 0 l f f, Wülfersheim.
(Tljfomltrt der Kriegsgeschichte.
4. Dezember.
Französische Angriffe in Flandern und bei Altkirch i. Eli. wurden zurückgewiesen, wobei die Angreifer schwere Verluste erlitten. •.?* ... -• >« -
Aus dem östliche» Kriegsschauplatz nimmt unsere Offensive einen normalen Verlauf. Russische Angriffe östlich der masurischen Seenplatte wurden abgewiesen.
Der Kaiser ist in Berlin eingetrofsen.
Beim Rückzug aus den Karpathen erlitten die Ruffen bei Talsony eine neue Niederlage.
Die Türken errangen im Flußgebiet des Tschorok wesentliche Erfolge gegen die Ruffen.
Der Burengeneral de Wet wurde von den Engländern gefangen.
WrksMkiÄ Jintljiliwitiit'
Friedvcrg.
Die Barauszahlung der Einlagezinsen für 1614 erfolgt vom
in. Dezember 1914 bis 31. Januar 1915.
Die bis dahin noch nicht erhobenen Zinsen werden dem Kapital zugeschrieben und vom 1. Januar ab weiterverzinst.
Am 28. 29. und 31. Dezember bleibt die Kasse g c s ch l o ss e n.
Friedberg, den 12. Dez. 1914.
Der Direktor:
Georg Hieronimus.
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Mii-Mrsiibrik Mm».
Die Herren Rübenlieferanten ersuchen wir Inuit ihre Lieferung so einzurichten, das; das • ihrem Besitz befindliche Rübenguantum gleich- '.äsiig verteilt, bis zuur 19. d. Mts. zum Berndl kommt.
■ -U: oelDuereinißunflsmeliöratioiieri Bad-3tauheim.
Arbeite Vergebung.
Tonniisl-g, deu 17. Dezember 1914 nachmittags Z'l, Uhr l i n /.aihauie zu Bad-Nauheim die Herstellung des Höhenweges j . b: .Nöllen von
,-uiril 0—b70, veranschlagt zu 2317.— Mk.
- r ge bin weiden.
Die Beidingungsunterlagen liegen bei uns und bei dem ■ :>i. ..oitnetiiec .u Bad-Nauheim zur Einsichr offen. Angebote
.■„•.eil des Voranschlags sind bis zum omgen Termin ver- '. i 0 mir der Aufschrift Angebol Feldoereinigunz Bad- -ni'c nt ve c eil, dein Herrn Bürgermeister zu Bad-Rauheim ein-
Frieli-erz, den 10. Deiember 1014.
Großh. Kulturinspeilion
I. B. H a u ck. __
Danksagung.
Für die liebevollen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heldentode unserer aus Frankreichs Fluren gesallenen innigstgeliebten treuen Söhne
C*e©r$£ Ifluscli
29 Jahre
Rcs. Infanterie-Regt. Nr. 118, 5. Komp.
gefallen bei Reims am 10. September,
Hiirfolf Samos
23 Jahre
Jnfanierie-Regi. Nr. 188, 2. Komp.
gefallen bei Seroon am 1ö. September, sagen allen Verwandten und Bekannten, insbesondere der Gemeinde Offenheim und Herrn Piarrer Zatzmann sül die trostreichen Worte in der Kirche zu Ossenheim unseren tiesgesühlten Dank.
Ossenheim, den 12. Dez. 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.
.. . » &WW. OS** v
Jean Sellin, Friedberg
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