Unmmer 290
Donnerstag, de« 10* Dezember 1914.
Ueue Tageszeit««
7. Jahrgang
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Fortdauer der Schlacht in Polen.
Erfolge im Westen. — 2800 Rüsten von den Oesterreichern gefangen. — Aegypten englisches
Protektorat.
Der deutsche Generalstab »- meldet: ■ - -
WTB. Wrofjc* Hauptquartier, 9. Tez., vormittags. Slmtlich.
Weltlich Reims mutzte die P.cherie-Fermr, obgleich hier die Genfer Flagge wehte, von unfere» Truppen in Brand geschossen werden, weil durch Flugphotographien einwandfrei feftge, stellt war, datz sich dicht IN der Rahe eine fr.nzöflfche Batterie verbarg.
Französische Angriffe IN der Gegend von Souain und gegen den Ort Barennes und Baugous im östlichen Argonnenwald wurden unter Verlusten für den Gegner zurückgeworfen.
Fm Argonnenwald felbst wurde an verfchiedenen Stellen Boden gewonnen. Dabei machten wir eine Anzahl Gefangene. Bei dein gestern gemeldeten Angriff nördlich Raney hatten die Franzofen ftarle Verluste. Unfere Verluste find verhältnismässig gering.
Aus Oftpreutzen liegen keine neuen Nachrichten vor.
In Nordpolen stehen unfere Truppen in enger Fühlung mit den Ruffen, die in einer ftarl befestigten Stellung westlich der Miazga Halt gemacht haben. Um Lowiez wird weiter getämpft. In Südpolen haben öfterreichifch-ungorifche Truppen Schulter «n Schulter erneut erfolgreich angegriffen.
Oberste Heeresleitung.
Die Erkrankung des Kaisers.
Berlin, 9. Drz. (W. T. B.> S. SW. der Kaiser hat las Bett auch heute »och nicht derlasfen können, aber den Portrag des Chefs des Generalstabs de« Feldheeres über die Kriegslage entgegengenommen.
Generalstabschef v. Falkenhayn.
Berlin, 9. Dez. sW. ft. B.) Generaloberst von Multke hat seine Kur in Homburg beendet und ist hier eingetrolsen. Sein Befinde» hat sich glücklicherweise erheblich gebessert, ist aber doch noch immer so, dass er bis aus weiteres nicht wieder ins Feld »ehe» kann. Seine anderweitige Verwendung ist in Aussicht genommen, so bald sein Gesnndheits- znständ es gestattet. Die Geschäfte des Chess des General- stabs des Feldheeres sind dem Kriegsminister, General- leutnant v. Falkenhahn, der sie seit der Crkrankung des Generalobersten v. Moltke dertretungsweise übernahm, unter Belassung in dem Amt als Kriegsminister, endgültig übertrage» worden.
Der Sieg bei Lodz.
(W. T. B. sliickstamtlich.) In Besprechung der Kriegslage sagt die „Neue Freie Presse": Die durch den deutschen Sieg bei Lodz geschossene Lage bedarf noch der Klärung. Es dürfte sich bald zeigen, ob die russisckw Führung noch die Kraft zu einer die schweren Mißerfolge der lebten Zeit au»- gleichenden Initiative besitzt. Sie, die gestützt auf ihre ungeheure Streiterzahl gewaltige Räume souvrän ü ■' '"ich- te. die selbst nach wochenlangen Kämpfen stets noch bedeutende in Reserve gehaltene Massen zum entsckreidendcn Ein- satz bringen konnte, scheint ihre Kraft überschätzt und überspannt zu haben. Die geistige llcbcrlcgenhcit der oster- reichifch-ungarischen und der deutschen Führung sestt sich all- gemein durch. In Wcstgalizicn drangen die «Ulfen bis in die Gegend südöstlich von Krakau vor. Sie gerieten mehr- fach in den Bereich des Fortgllrtels und erlitten hierbei schwere Verluste. ES war ein Przemysl im kleinen. Cb sich die Russen ernstlich mit dem Gedanken tragen. Krakau zu belagern, wissen wir allerdings nicht. Nack) de" letzten Darstellungen des Gcncralstabs wurden die Russen in Galizien aus zwei Fronten angegriffen. Das Ergebnis stellte sich auch sofort ein. Wie weit ihr Rückzug gcqt, ist noch unbekannt. Manche Anzeichen deuten aus die W"br- fchcinlichkcit weiterer beträchtlicher Verluste der Russen hin. Die Anlage dieser Cpcration scheint mehr zu versprechen, als bisher mitgctcilt werden konnte.
Waffenruhe während des weihnachlsfeffes von lknßland abgelehnt.
Rom, 9. Dez. (SB. T. V. Nichtamtlich.)' „Giornale i'Stalia" schreibt: Was die amtlich nicht besiäüälc Nachricht
betrifft, wonach der Vatikan die Initiative ergriffen habe, um die Regierungen der kriegführenden Staaten zur Bewilligung einer Waffenruhe während des WeihnacküSsestcS z» veranlassen, so hat es den Anschein, als ob der Vatikan sich mit einem einfachen Sondieren der Meinungen begnügt habe. Andererseits steht fest, das; die russische Regierung auf eine offizielle Anfrage hin auf Grund eines Gutachtens des Heiligen Synod eine ablehnende Antwort erteilt hat.
Drr Rkichslay und dit osmail'llhe Kammer.
Berlin, 9. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). Aus die von dem Präsidenten des Reichstags, Dr. Kaempf, a» den Präsidenten der osmanifchen Kammer gesandte Sympathiedepesisie ist folgende Antwort eingegangen: Ich habe mit stolzer Genugtuung die Depesche empfangen, die Ew. Hochwohlgebore» mir gesandt haben, um die Grütze des heldenmütigen deutschen Volkes zu übermitteln, das die Welt durch feine vaterländische Gesinnung und feine bewunderungswürdige Tapferkeit in Erstaunen gesetzt hat. Im vollen Bewutztfein der Gefahr, die ihrer Existenz schon durch die Möglichkeit uneingefchränkler Entfaltung einer tyrannischen Herrschaft der Russen und ihrer Verbündeten drohen würde, hat die Türkei nicht gezögert, ihr Geschick mit dem des glorreichen deutschen Reiches zu verbinden. Ew. Hochwohlgeboren kann ich schon jetzt der ungeteilten Zustimmung der osmanischen Deputiertenkammer zu dem vom Reichstag bekundeten Gelöbnis versichern, in diesem Kriege durchzuhallen, bis ein dauernder Friede für uns und die kommenden Generationen erlangt ist in der Zuversicht, datz unsere Streitkräfte zu Lande und zu üBasier siegreich aus diesem Hel Lenkampse hervorgehen werden. Ew. Hochwohlgeboren danke ich namens der osmanifchen Deputierten, denen ich den Inhalt Ihrer Depefche bei der nächsten Eröffnung unserer Kammer mit Vergnügen übermitteln werde. Der Präsident der Kammer der Deputierten: Habil.
Ostprenster» sicher.
Das „Berl. Tageblatt" meldet aus Königsberg i. Pr.: Der Landeshauptmann gibt bekannt, daß die Rückkehr der ostpreußifchen Flüchtlinge i» die Kreise Allenstein, Osterode und Roussel jetzt unbedenklich ist. Nach den Orten der genannten Kreise können jetzt Freisahrtscheinc erteilt werden.
Anerkennung Hrr jingri Truppen durch England.
Aus London wird indirekt genieldet: Ter „Manchester Guardian" läßt in einem Artikel den deutschen Truppen hohe? Lob zuteil werden, Namcntlich die Reservetruppen haben noch dem Artikel des englischen Blattes eine große Ueberraschung gebracht, da sie den Truppen der Linie nicht nur ebenbürtig sind, sondern sie an militärischen Eigenschaften noch übertrefseu. „Durch ihren Mut, ihren Patriotismus, sowie dnrcki ihre Anpassungsfähigkeit sind sie gesät, -• sichere Gegner als die aktiven Truppen, die nur durch die Maschinerie der Militärbureaukratie getrieben werden", schreibt das englische Blatt.
Englische Flieger hcrabgrschossr«. Amsterdam, 9. Dez. (W. T. B.) Nach einer Blättermcldung aus London ist der Lord Annesle» mit einem cnglisckcen Offizier während eines Fluges über Ostende von den Deutschen herabgeschosscu worden.
Mm und iwiD'fii irijftnt fid?.
Dem Pariser „Journal" wird aus Petersburg telegraphiert: Es ist klar, daß die Deutschen jetzt alles einfetzen, den Russen eine entscheidende Niederlage in Polen bcizu- bringen. Die Deutschen haben so große Heerc-massen aus dem östlichen Kriegsschauplatz zusammengezogen, daß die Russen genötigt sind, den größten Teil ihres Heeres zwi- scheu Weichsel und Warthe zu sammeln. W,s auch passte- irn mag. so muß die Tatsache uns beruhigen, daß cs in diesen, Kriege darauf ankommt, wer am längsten anslMen kann. Der Krieg wird nicht durch einzelne Siege beendet werden.
S chüchtcrncs Eingeständnis.
Genf, 8. Dez. Der heutige Bericht des russischen Eene- ralstabs meldet: Da die Verteidigung von Lodz vom mili- tärifchen und strategischen Standpunkt aus Unbequemlichkeiten bereite, so müsse man mit Ruhe verschiedenen Aenderungen in der'Linie der Gegend von Lodz entgegensehen.
Der österreichische Generalstab [] - meldet: - y
Wien, 9. Tez. (W. T- B.) Amtlich lvird verlant- bart: 9. Dezember mittag»:
I» Westgalizien ist unser. Augrisf im Gange. Ju Polen dauert die Ruhe in dem südlichen Frontabschnitt a:>. Tie ilnausgesetzten Angriffe des Feindes in der Geg. > von Piotrkow scheitern „ach wie vor an der Zähigkeit der Verbündeten. Unsere Truppe» allein nahmen hier in der letzten Woche 2800 Russen gefangen. Weiter nördlich setzen die Deutsche» ihre Operationen erfolgreich fort.
Der Stellvertreter des Chefs de» Generalstob»; v. Höser, Generalmajor.
Ein rnlßicher tlorflolj in Ungarn miftijliid:!.
Budapest, 9. Dez. (Nichtamtlich). Laut Meldungen, die an hiesigen amtlichen Stellen eingelausen sind, ist der abermalige Borslotz der Russen im Komitat Zemplin missglückt. Sie sind aus ihrem Marsche nach dem Süden von unseren Truppen aufgehalten und zurückgeworsen worden. Verfolgt von unseren Kräften, bewerlstelligen sie ihren Rückzug und sind bereits bis hart an die galizlsche Grenze zurückgedrängt. Auch im Komitat Saros ist ihrem Vordringen Einhalt getan. Am Grenzsaum des Komitats Bereg zeigten sich gestern unbedeutende russische Kräfte, denen unsere Truppen sofort mit vollem Erfolg entgegentraten, sodatz sse sich nach dem ersten Tressen unverzüglich über die Grenze zurückzogen. Der amtlich bereits mitgeteilte Einbruchsversuch in das Komitat Maramaros wurde bei Tornya abgewiesen.
Die Kämpfe in Siidpolen.
Der Kriegsberichterstatter des „B. T." meldet aus dem österreichisch ungarischen Kriegsquartier: Der südliche Tel!
des Kampfes in Polen nimmt für uns einen günstigen Ber- Iq»f. Die anfangs ohrensörmig um Krakau formierte russische Front ist in ihren Flanken nach rückwärts abgedrängt worden. In der Stadt ist der Kanonendonner noch immer stark hörbar. Unsere Flugzeuge und Fesselballons sind bei jeder Witterung im Erkundungodienst tätig. Vereinzelt zeigen sich russische Flugzeuge über dem Festungsrayon. Ei» Flieger warf eine Bombe auf die Stadt, die das Dach eines Hauses in der Io- fexhsstratze durchbrach, ohne Menschen zu verletzen. Die Dorfbewohner der Umgegend ahmen das Beispiel der Soldaren noch, indem sie sich familienweise in Erdhöhlen eingraben „„!> dort bas Ende des Bombardements abwarten.
Die Zustände in Belgrad.
Budapest, 9. Dcz. Infolge des überaus taktvolle» Do» gehen» unseres Militärs gewinnt die Bevölkerung von Belgrad Vertrauen. Das geschäftliche Leben wird lebhafter. Seit der Besetzung der Stadt durch unsere Truppen ist c,ne ernstere Ruhestörung nicht vorgekommen. Täglich kehren viele der aus Belgrad Geflüchteten wieder zurück. Die Stadt dürfte heute bereits wieder 18,000 Einwohner zählen. Zwischen Semlin und Belgrad wurde ein halbstündiger Schiffsverkehr cingerichtet.
Die Oesterreichcr in Serbien.
(W . T. B. Nichtamtlich.) Das österreichisch-uugariichc Arineeoberkoiiunando in Serbien erließ zwei Proklomalio- nen, nach deren erster das Waffcntragen streng verboten ist: alle Waffen und Munition sind bei dem nächste» Militärkommando abzuliefer» Tie zweite Proklamation ordnet a», daß mit Rücksicht aus den tlmstand, daß sich serbische Soldaten in Zivilkleidung unter die zurückkchreude Bewohner gemischt und auf österreichisch-nngarische Soldaten geschossen haben, jeder waftcnfähige Serbe von 15 bis 00 Jahren verpflichtet ist, sich bcin, nächsten Militärkommando zu melden, widrigenfalls er mit dem Tode bestraft wird.
Das türkische Hauptquartier
meldet: =====»
Äonftantinopet, 9. Dez. Zu den jüngsten Erfolgen der türkischen Truppen im Kaulasus ist noch eine wichtige Er oberung zu vermerken. Die Türken bemächtigten sich nach hartnäckigem Widerstande der bei Artwin gelegenen mächtigen


