Dummer L88
Dienstag, den 8. Dezember 19 l 4.
7. Jalsrgang
Ueue Tageszeilrm
®* il «6* n ..5« - °u» Ä ..?» SpinnSub,». K.,»sop«i.- B«. den P-stanstait-n oiettelit> 9 r(id> aJft. 1.»
ttl den .lgenten monailidi 50 +<fe Hinzu tritt Postgebühr -der Trag,„obn. Au,.igeu: Srundj-ile 20 Psg„ iokaie In Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po tn-ynaym- er-iooen t-rsutlungsort Friedberg. Kchr>Nlr,»>az, und »,rl»q Friedberg (Hellen». Hanauerstraß« 1 2. Ferniprecher 48. P»!>sch»ck.Lont« Wr. 48.S, «ml Frontsur! a. SH.
Die siegreiche Schlacht bei Lad;.
Günstiger Stand der Schlacht in Galizien. — Erfolge der Türken im Kaukasus.
Der deutsche Generalstab ¥ =■- .....— meldet: —
WTB. <>Sros;es Ha»»ptquartier, 7. Tez., vormittags. Amtlich.
Vom westlichen Kriegsschauplatz und dem östlich der masurischen -Seenplatte liegen keine besonderen Nachrichten vor.
In Nordpolcn staben wie in langem Ringen bei Lodz durch das Zurückwerfen der nördlich, westlich und südwestlich dieser Stadt stehenden starken russischen Kräfte einen durchgreifenden Erfolg errungen.
Lodz ist in unserem Besitz.
Die Ergebnisse der Schlacht lassen sich bei der Ausdehnung des Kampffeldss noch nicht übersehen. Die russischen Verluste sind zweifellos sehr groh. Versuche der Russen aus Südpolen, ihrer bedrängten Armee in Nordpolen zu Hilfe zu kommen, wurden durch das Eingreifen österreichisch-ungarischer und deutscher Kräfte in der Eegend südlich Pe- trokow vereitelt.
Oberste Heeresleitung.
Der Sieg bei Lodz.
Frohe Botschaft kommt aus dem Osten. Zwar ist die grobe, seit Wochen währende Schlacht noch nicht zu Ende, aber der entscheidende Schlag scheint gelungen zu sein. Die Heere der Russen, die in der Gegend von Lodz vorgingen, stnd entscheidend geschlagen, im Norden, im Westen und im Südwesten mutzten sic unter schweren Verlusten den Rück- zug antreten. Der Versttch, aus dem Süden, von Pelrikau der bedrängten Hauptarmcc Hilsc zu bringen, ist gcsckiettert. Damit ist der abermalige Versuch der Russen, die Ossensive gegen Deutschland zu tragen, mitzlungen. Zum ersten Male mußten unsere Heere, als sie schon bis Warschau vorge- drungcn waren, vor der onrückendcn llcbcrmacht der Rus- sen auSweichcn und ihre Stellungen neu formieren. Als sich dann die Russen bei Wloelawice blutige Köpfe geholt hatten, verhinderten abermals neue russische Krüste, die von Warlelzau hcrgcrückt kamen, den deutschen Vormarsch und es entspannen sich neue Kämpfe, die nun in dem Kamps- gebiet Lodz zu einem vollen Sieg geführt haben.
Lodz selber, die größte Fabrikstadt Polens, mit einer Bevölkerung von fast einer halben Million Menschen, ist wieder in deutschem Besitz gelangt, aber weit wichtiger als ' tc Einnahme dieser S'adt ist der Rückzug der Russen, die nun keine Reserven mehr einzusetzen haben. Es wird bc- reits gemeldet, daß Mongolen, Tschungusen, Kalmüken und andere asiatische Kulturträger die in den Kamps tretenden Reservearmeen gebildet haben, sie dürften vorerst das letzte Aufgebot dcS Zarenreiches bilden. Es ist anzunchmen, daß die Wirkungen des Sieges bei Lodz sich auch auf die anderen Kampivlätze bemerkbar niachen. daß namentlich die Rußen ans Galizien hinausgcworfen werden.
Leider machten sich bei der Kunde dieses schönen, im Osten erstrittenen Sieges, wieder rlebertrcibungcn bemerkbar. So wurde gestern nachniittag allerorten die Nachricht verkündet, es seien 70.000 Russen gefangen war- den. Viclsach löste diese Nachricht einen übertriebenen Sie- gcsjubel aus, cs wurden Glocken geläutet u. m Weiß der siebe Himmel, wie man gerade auf die Zahl 70,000 vcr- fallen ist! Genug sie wurde überall genannt, leider ist kein wahres Wort daran. Der amtliche Bericht sagt in seiner knappen Form nur, daß die russischen Verluste srbr groß sind und daß sich die Ergebnisse noch nicht tiber- sehen ließen. Es läßt sich noch nicht einmal sagen, ob unter diesen Ergebnissen die Kriegsbeute gemeint ist oder viel- mehr die taktische Gewinne, die der Sieg gebracht hat. Al- so alle Nachrichten über Rie' '""n von Gefangenen ent- bchrcn vorerst jeder Begründung. Indessen besteht die Hosfnung, daß wie bei allen Siegen Hindenburg's der tolle Erfolg in bcscheid'uer Weise erst hintcnnach gemeldet wird. Auf alle Fälle wollen wir uns durch Uebertreibungen die Freude an dem schönen Sieg, der die besten Aussichten für den endlichen Sieg im Osten eröffnet, nicht trüben lassen.
Zlimmrn in dtr Schlicht in Polen.
Der „Pestcr Lloyd" bringt von militärischer Seite zensurierte Mitteilungen, die in die Strategie der jüngsteii Kämpie in Polen einigen Einblick gewahren In de» Mitteilungen heißt es:
Die Echlachtfront in Polen verlaust etwa von der Mündung der Bsura über Lowitsch, Lodz gegen Sicradz, und zieht sich dann in einem stumpfen Winkel teilweise aus dem östlichen User der Warthe bis in die Gegend des Warthcknies, nordöst lich von Czenstochau, und von hier gegen den Bereich von Krakau hin. Die Kampflinic im Norden hat das Gesicht gegen Südost, der äußerste linke Flügel reicht bis auf 70 Kilometer an Warschau heran. Schon rechnen die Nutzen mit der neuerlichen Zernierung Warschaus: diese würden jedoch diesmal einen ganz anderen Charakter haben als gelegentlich der ersten Offensive an der mittleren Weichsel. Damals standen riesige rutzische Matzen aus dem östlichen Weichselufer bereit. ;vht durch leistungsfähige Bahnen und den Brückenkopf Marsch.us unterstütztes überraschendes Eingreifen hatte die deutsche Führung zu einem Ausweichen und einer Neugruppierung veranlaßt. Heute hat Rußland seine gesamte Macht bereits eingesetzt. Drei in der Reserve gehaltene Armeen stehen schon seit über einer Woche im Kampfe. Die eine wurde an der Bsura in der Gegend von Lowitsch eingelegt, konnte ober das Zurückweichcn des in der Gegend südöstlich von Plozk stehenden nördlichen russischen Flügels nicht aushallcn. Alle russischen Matzenangrisfe zerschellten in der Folge an den deutschen Linien unter fürchterlichen Bcrlusten. Die in der Bsnra vorgestreckte deutsche Faust bedroht der Rückzug der rus fischen Mitte aus Warschau. Die Ereignitzc nehmen den von den Verbündeten vorgedachtcn Verlaus, wie heule der Eencral- stab festgestellt hat.
Wenn der Verlauf der Erwartungen entspricht, dann dürste es wohl nur den an der Bsura stehenden rutzischen Krick- ten gelingen, nach Warschau zurückzukehren. Die russische Mitte müßte die Richtung aus und beiderseits Iwangorod nehmen, denn die deutsche und österreichische Front zwischen Lodz und Sicradz hat, wie schon erwähnt, ihr Gesicht zwischen Lodz und In dieser Richtung erfolgt der Druck. Geschlagene Truppen gehen in der Regel in der Verlängerung der Kampsftont zurück, die sie zuletzt eingenommen haben.
Weiter heißt es: Der mit größter Wucht im nördlichen Teile der Schlachtfront geführte Augriss wirst das Kartenhaus der russischen Diversionen aus Czenstochau und Krakau, nördlich und südlich der oberen Weichsel, um. Den Ratzen ist es trog des Einsetzens starlcr Reserven nicht gelungen, in der Eegenv von Czenstochau Dortcikc zu erringen. Im Süden hält das vorzüglich bewährte Krakau den Feind in Schoch.
Gilt Urteil aus Rußland. Mailand, 6. Dez. In einem Petersburger Telegramm des „Corricrc della Sera" vom 4. b. Dl. drückt sich im Gegensatz zu früheren ein für die Deutschen optimistisches Urteil über die Kriegslage im Osten aus, was umso bemerkenswerter ist. als der Korrespondent des Blattes, Giuliano Bonacci, ein militärischer Fachmann, in häufiger Le- rübrung mit russischen Ossizieren steht. Der deutsche linke Flügel steht danach in einer stark befestigten Stellung nördlich von Lcdz aus der Linie Etrykow—Zgicrz—Szadek -Zdunskawola, von wo aus die Deutschen häusige Ausfälle nordöstlich gegen Lewicz machen. Weiter westlich haben die Deutschen starke Säulen ans Sicradz und Las! längs der nach Warschau sührcn- dcn Bahnlinie vorgeschoben und Szczcrcow westlich von Pioir- low bcsetzt. Die deutschen Kräfte in Polen werden aus 1b bis .18 Korps, 788 888 bis 888 888 Mann berechnet. Die deutschen Fcldbcscstigungcn nördlich und noroösilich von Lodz, die nur aus der Rordseite hätten umgangen werden können, sind mit cingcmaucrter schwerer Artillerie versehen. In dieser Kriegs zone besitzen die Deutschen nach diesem Petersburger Urteil die unbedingte Uebcrlegenheit über die Nutzen, namentlich be-üg- lich der Artillerie. Hiudcnburg bedroht aus dieser sesten Stellung die Flanke der südwärts aus Krakau marschierenden russischen Kolonnen. Diese Stellung gleicht einem improvisierten verschanzten Lager, das als Stützpunkt für fortwährende An- prtffe dient. Es gereicht Hindenburg nicht zur Unehre, daß ein Mann in Petersburg sein Werk mit dem Osman Paschas, des Löwen von Pl-wna, vergleicht, der ans der Festung Plewna den Nutzen durch sortwährende Vorstöße in die Flanke fiel.
Freudr in Oesterreich. (W. T. B. Nichtamtlich.) Wien, 7. Dez. Die Abendblätter begrüßen die Eroberung von Lodz, die die ruhige Zuversicht in den endgültigen Ausgang des gerechten Kampfes bekräftige. Die „Neue Freie Presse" sagt, dieser glänzende Erfolg der deutschen Truppen werde in Rußland, Frankreich und England einen nachhaltigen Eindruck machen. Der Plan, nach Deutschland durchzu- brechen, sei nach dem Verluste von Lodz an die Deutschen wieder einmal unaussührbar geworden. Das „Neue Wiener Tageblatt" jagt: Mit Lodz ist der wichtigste Zentral-
v»»kt voll Westpolen gefallen und dadurch im Raume der russischen Kampffront ein bedeutender Erfolg errungen. Das „Extrablatt" schreibt: Wir beglückwünschen unseren ti enen Bundesgenosse» zu den Waffe,itatcu und freuen nnS des großen Erfolges. Der „Morgen" schreibt: Lodz ist
wieder in den Händen der Dcntschcn, und die Russen befin- den sich i„ vollen! Rückzüge. Hiermit errang die dcutjäje Gegenoffensive, die durch gewaltige Verstärkungen, welche die Russen hcranzuziehen vermochten, ins Stocken geraten war, wieder einen großen und, wie man wohl hoffen darf, für den weiteren Verlauf des Kampfes cntscktz-idendcn Sieg. Heller >>ubcl tvird ans ganz Tenlschland folvie ans nnfcrcc Monarchie wieder den genialen Führer und die tapferen Soldaten begrüben!
Engländer und fHuffrn werden bescheiden. Amsterdam, 7. Dep Ter „Morning-Post" wird ans Petersburg gemek- det: Ti, Russen wünschen nun nicht mehr die Deutschen über die Grenze zu treiben. Sic wollen sic in Polen fest- halten, um sic dort, falls es möglich ist, zu vernichten oder sie doch zu zwingen, so viel Verstärkungen nach Polen zu bringen, daß der Kampf den Bimdesgenossen im Westen crleich- iert wird. (Fürwahr eine geradezu geniale Erklärung kür die Erfolglosigkeit der russiscknm Aktion in Polen.) Die Tentschten sind jetzt in Polen ebenso stark als zu Beginn ibrcr Operationen, obgleich sic mehr als die Hälfte ihrer Truppen verlöre» haben, so fährt die „Morning Post" fort, die schon vor einer Woche verkündet hatte, daß „in den nächsten Tagen" da? deutsche Heer vollkommen vernichtet sein würde.
Mongolen, Kalmüken und Tjchuugusr» i» der Front!
Berlin, 7. Dez. Das „Wiener Fremdenblatt" weiß zu niel- den: Jene russischen Truppen, die in dem offiziellen Bericht als große feindliche Kolonnen bezeichnet wurden, bestehen größtenteils aus asiatischen Mongolen, Kalmüken, Tschun- (Uifcn und Tartaren. Auch dieses deutet darauf hin, daß Rußland seine letzten Reserven herangezogcn hat. — Bei Przemtssl lockert sich die russische Angriffslinie, da die dortigen Truppen nach dem Kriegsschauplatz in Russisch-Pole,, geleitet werden.
Hrr Mefenmlfr und 0 >raf fkrditnll).
Wien, 6. Dez. (W. B. Nichtamtlich). Der Minister des Auswärtigen, Gras Berchtold, hat an den Reichskanzler ». Bcthmann -Hollweg solgendes Telegramm gerichtet:
„Zu der bedeutenden Rede Ew. Exzellenz in der Sitzung des Reichstages bitte ich Hochdicselbcn meine wärmsten Glück- wünsche entgegennehincn zu wollen. Der Geist der mutigen Ent- schlotzcnheit zu den schweren Opfern und der Gott vertrauenden Zuversicht, der die heldenmütige» und ruhmreichen Scharen unserer verbündeten Artnccn und Flotten zu immer neuen Erfolgen sühr! und den das ganze deutsche Volk in bewunderungswürdigen Einmütigkeit mit seinen tämpsenden Söhnen und Brüdern teilt, sand seinen machtvollen Ausdruck in dem Gelöbnis, bis zum letzten Atemzuge auszuharren, damit dieser opserreiche Kricg nicht vergebens geführt wird. Diese denkwürdige Kundgebung erweckt bei ollen Völkern Oesterreich Ungarns, die von dem gleichen unerschütterlichen Willen zum Siege erfüllt stnd. und auf den Erfolg unserer gerechten Sache zuversichtlich vertrauen, einen starken Widerhall, besonders aber wird unsere tapfere Armee, die mit Stolz an der Seite der deutschen Waffenbrüder känipst, die warme Anerkennung ihrer Leistungen mit freudiger Genugtuung vernehmen. Berchtold."
Die Antwort des Rcichslanzlers lautete:
„Ew Exzellenz danke ich aufrichtigst für den Ausdruck de» warmen Interesses an dem Verlause der von erhebendem Pa» triotismus getragenem vorgestrigen Reichstagssitzung. Die mi» gewidmeten sreundlichen Worte haben mich lebhaft ersreut und mir gleichzeitig erneut den willkommenen Beweis dasür gegeben, daß unser gemeinsames Streben dahin geht, den treu verbündeten Monarchien einen der Größe und der Krastcntsal- tung würdigen Ersolg zu sichern. Der mutigen Entschlotzenheit der Führer, dem Heldentum unsere: vereinten herrlichen Truppen und der Opserwilligkeit und Mitarbeit der Völker wird es bestimmt gelingen, allen Widerstand zu überwinden und unseren Fahnen den endgültigen Sieg zu erringen. Hollwcg"
Das Leben in Belgrad.
Wien, 7. Dez. Die „Südslawische Korrespondenz" mek- det aus Eeinlin über die Vorgänge in Belgrad: Seit dem Einmarsch unserer Truppen IN Belgrad herrscht in der Slaot Ruhe. Zahlreiche Gewerbetreibende und Besitzer von Easihösen erscheinen aus dem in einem Seitenslügel des Kanals untergebrachten k. und k. Kommando, um die Wiedererössnung ihrer Betriebe anzumelden. In de» Straßen Belgrads und namentlich in den Bororten patrouillieren Tag und Nacht Kavallerie-


