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Ui,mmer 287

Montag, den 7. Dezember 1i)14.

7. Iai,rgang

eue Tageszeitung

W-rttag. Regclmäßtg- Beilagen ..Der K-ncr -»» Sellen".Di. Spinn-nve". S.,«g«prri.- «ei den P-st-nstalt-n o«zs..l,äyrl,ch Mk. 1.95 n pcn,cn tnonailU) 50 vffl. H'nru tritt Postgebühr oder Trägertohn. Ankeigen . Grund,eile Pfg., lol-I. 15 P,g, An, eigen von auswäris werde» durch Poinachn-Hm- erhoben , enullungsort Friedberg. Achriftleitung und Verlag iZriedberg lHesiens, Hanauerltraße 12. Fcmiprecher 48. Postlcheck-Eonto 1 »lr. 4859, Ami FranIIuet a. 9».

Lod; eingenommen.

Rückzug der Ruffen. Erfolge der Oefterreicher in Galizien. Schwere Kämpfe in Serbien.

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Der deutsche Generalstab ) == _ meldet: -----

WTB. (siroffcs Hauptquartier, 5. Dez., vormittags. Amtlich.

In Flandern und südlich Met; wurden gestern französische Angriffe abgewiesen.

Bei La Basste im Argonncnwald und in der biegend südwestlich Altkirch machten unsere Truppen Fortschritte.

Bei den Kämpfen östlich der masurischen See» ist die Lage günstig.

Kleine Unternehmungen brachten dort 1200 Gefangene.

In Polen verlausen unsere Operationen regelrecht.

Oberste Heeresleitung.

Tie Lage in Polen. Berlin, 5. Dez. (SB. B. Amt- lich.) Din in dem russischen Commrmique vom 29. Novem­ber enthaltene Behauptung, dah bei Czenstochau ein deut­scher Angriff unter schweren Verlusten gescheitert sei, ist falsch. Wahr ist das Gegenteil. Ein Angriff des 17. rus­sische» Armeekorps, der bis auf 60 Meter an uns heran­kam, wurde an dem betreffenden Tage unter außerordent­lich schweren Verlusten für die Russen abgeschlagen. Tie Russen ließe» eine lehr große Zahl Toter und Verwunde­ter zurück und waren gezwungen, ihre Stellungen weiter rückwärts zu verlegen.

Das ist nun schon binnen kurzer Zeit, das zweite Mal, daß eine schwere Lüge der russischen Heeresleitung, die eine ganz bewußte Umkehrung der Wahrheit in3 Gegen­teil darstcllt. bekannt wird. Aus diesem gelungenen LUgcn- nianöver kann inan nur den einen Schluß ziehen, daß die russische Armee sich schon in so schlechter Lage, die Stimmung in Rußland in einer solchen Gärung befindet, daß man zu dl n verzweifeltsten Mitteln greift, um den befiirchtctcn Zusammenbruch aufzuhalten I

W. T. B. Groffes Hauptquartier, den 6. Dezember. vormittags. Amtlich.

Heute «acht wurde der Ort Bermelles, süd­östlich Bethune, dessen weiteres Feststallen in dauerndem französischen Artitteriefcuer unnötige Opfer gefordert hätte, planmäßig von uns ge­räumt. Die noch vorhandenen Baulichkeiten waren vorher in die Lust gesprengt tvordcn. Nnserc Truppen besetzten ausgebautc Stellungen östlich des Ortes. Der Feind konnte bisher nicht folgen.

Westlich und südwestlich Altkirch erneuerten die Franzosen ihre Angriffe mit erheblichen Kräften ohne Erfolg. Sic erlitten starke Ver­luste.

Im übrigen im Westen keine nennenswer­ten Ereigniffc.

Ans den Kriegsschauplätzen östlich der masu­rischen Seenplatte vcrtzält sich der Gegner ruhig. Ter Berlauf der Kämpfe um Lodz entspricht nach wie vor unseren Erwartungen.

In Sädpolen keine Veränderungen.

Oberste Heeresleitung.

Lodz genommen.

Die Muffen auf dem Rückzug.

G r o ff e s Hauptquartier, 6. Dez. nachmittags. (Amtlich.) Lodz heute nach­mittag von unseren Truppen genommen. Muffen nach schweren Verluste» dort im Rückzug. Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser.

Berlin, 6. Dez. (W. T. B. Nichtamtlich.) Ter Chef des Gcncralstabes des Feldheeres erstattete dem Kaiser Bericht über die Kriegslage.

Uttgkbliche Jnad aus dtnllche llntfriffbootr-

Au» Turin wird gemeldet: Ter gestern in Bordeaux ver Sffenilichte amtliche sranzöüsche Marinebericht meldet,

daß am 23. November aus der Suche nach dem deut­schen Unterseeboot, das den DampferMelachitc" vier Meilen nordwestlich von Havre in den Grund geschossen hatte, sosort zwei Flottillen französischer Torcpdojäger und Torpedoboote abgesandt wurden. Diesen gelang cs erst am 25. November, das deutsche Unterseeboot zu entdecken. Sic machten soglrich Jagd auf das Boot, das sofort, als es sich ocrsolgt sah, unur- tauchtc. Nachdem das Untcrsceboot am anderen Tag, den 2V. November, wiederum einen englischen Dampfer, diesmal den .,Primo", in den Grund geschoise» hatte, erschien cs am 28. November neuerdings aus der Höhe des Kaps Antiscr, woraus es in nördlicher Richtung verschwand.

Ein englischer Miiicnleger gesunken. Petersburg, 5. Dez. Aus London wird derRußkija Wjcdomosti" gemeldet- Der englische MinenlegerMary" geriet vor Lowcstosl aas eine deutsche Mine und sank mit Simen an Bord.

Vom Yser-Kanal.

Berlin, 6. Trz. <W. T. B. Amtlich.) Tic im Aus. lande vcrbrcitctc» Meldungen vo» rückwärtigen Beweg, »»ge» der deutschen Truppen am Äser Kanal sind salsch.

Die Lage in Flandern.

Berlin, (i. Dez. Aus Kopenhagen berichtet derBert. Lotalanz." über die Lage auf dein westlichen Kriegsschauplatz: In Westslandern und Nordsrantrcich gleicht die Lage der Stille vor dem Sturm. Die Dculschen treffen umsangreiche Vorbe­reitungen zum entscheiden de II Schlag und nehmen große Truppeiiverschicbungcn vor. Die Hauptstöikc soll bei La Bassöe stehen, der Hauptschlag in der Nichiung aus Arras liati- sinden. Auch die Verteidigung der belgischen Küste wird sorg- jältig vorbereitet. Bei Sccbrügge, Heyst und Knocke sind 42- Zentimcter-EcsckiUtze ausgestellt, um den Kampf mit den engli­schen und französischen Schisssgeschützen ausnehmen zu können. Gleichzeitig sind schwere Geschütze zwischen Brügge und dem Meere zur Beschießung der englischen Torpedojäger aufgestellt.

firrnbyirftimmlf fioffniinarn in Wlnnd.

Wien, 5. Dez. DieKorrespondenz Rundschau" meldet über Kopenhagen: Die amtliche» russischen Communiques der letzten Tage sind aussallcnd hcrabgestimmt und zeigen das Be­streben, die Bevölkerung aus das Eintreten ungünstiger Ereig­nisse vorzubcrcitcn. Die Berichte erllären, daß die russischen Truppen im Kampfe gegen die allgreifenden Deutschen ge­zwungen worden seien, gegen die Bsura zurückzugehcn. Dem Feinde sei cs gelungen, sich im Gebiete Lcntschiza-Orlow sestzu- setzen. Gegnerische Truppciiabteilungen seien nach PijontrI vorgeschoben worden. Großes Aufsehen erregt ein Aussatz Menschikows in derNowoje Wremja", wonach Warschau neuerdings in die Gefahr einer ernsten seindlichen Umschließ­ung geraten sei.

(fiiibnid: fcrr KlUljltttt-t in der SdiitJfij.

DieZüricher Neuesten Nachrichten" geben die Rede des deutschen Reichskanzlers IM Reichstag ausführlich wieder und bemerken dazu:

DicRede des deutsche» Reichskanzlers ist voll Tempera­ment, durchglüht von heißer Leidenschaft sür sein Land, aber auch erfüllt von einem hohen Rechtsbewußtsein. Bei allen scharfen Akzenten ist sie dennoch in ihren politischen Abstufun­gen ungemein sorgsältig abgewogen. Der Kanzler behandelt darin Frankreich aussallcnd schonend und vermeidet nach Möglichkeit Verletzendes, obwohl ihm das neue sranzöüsche Eelbbuch in einzelnen sehr verwundbaren Stellen um uns milde auszudrückcn hiezu reichlich Anlaß geboten Hütte. Ungleich schärfer geht der Kanzler mit Rußland ins Gericht, das er der Schuld am unmittelbaren Kriegsausbruch bezich­tigt. Aber cs fehlt auch nicht an einer abtönenden Weiiduiig, indem der Zar als Opfer einer Kriegsclique bezeichnet wird. Mit vernichtender Wucht wendet er sich dann aber gegen Eng­land, als dev Verführer Belgiens zum Neutralitätsbruch und denvor Gott und der Geschichte" eigentlich Verantwortlichen am surchtbaren Kriege. Jeder Satz wird hier zum Kculen- schlag. Sehr zu beachten sind auch die Aussührungen betreff. Belgien, die eine völlige Abklärung scheinbarer Widersprüche zwischen der Rede des Reichskanzlers vom 4. August und den seitherigen V-rlautungcn des Reiches in Sachen Belgiens be­deute», wobei Belgien selber als vcrsührter und betrogener Teil geschont wird. Man wird auch den Schlußpaffus der Rede des Herrn v. Bcthmaiin-Hollwcg nicht übersehen dürien, der das Kriegsende antönt. Es ist nicht der Ton des uner­sättlichen Eroberers, der hier angeschlagen wird, sondern der­jenige der Staatsweisheit, die auf eine gesicherte, entwicklungs- fcohc Zukunst hinardeitet. Das Todesurteil aber, das der

Kanzler des Deutschen Reiches und sein erster Staaisinaiin gestern über die englische Politik der letzten Jahr- und oor allem der letzten Zeit aussprach, war ein gerechtes. Es wird von der Weltgeschichte nicht kassiert werden.

Treue Waffenbrüderschaft.

Wien, 5. Dez. Der Präsident des dcutschcn Reichstages Dr Kämpf richtete an den Präsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses Dr. Sylvester ein Telegramm, das Eyl vester sofort solgendermaßc» beantwortete: Die monumen­tale Kundgebung des deutsche» Reichstages wird in »»screin Reiche tiefsten Widerhall heroozinsc». Die um die erhabene Person unseres Monarchen, der mit dem deutschen Kaiser IN engster Wassenbrüdcrschast steht, festgescharten Wlkcrschnsicn viiscrcr Monarchie werde» in dem vom bösen Geiste ausgc- zwungencn Kampfe Treue mit Treue vergelten und »nerscha!- tcrlich ausharrcn, dis für beide Reiche ein beglückender Fried« erreicht sein wird.

(fnnliirfjc Antlktiiniing der jungt« dkiililhtii ssrnMii.

M a n ch e st e r, 5. Dez. DerManchester Guardian" schreibt i» einem Leitartikel, nachdenr er die deutsche Krieg­führung iritisierr hat: Bemerlciiswerie Züge der Kämpfe der letzten Zeit waren erstens das Erscheine» von Hindenburgs als eines Generals von wirtlich großer originaler Fähigkeit im Ecgensatz zu bloßer militärischer Bildung, deren Niveau in diesem Kriege sehr hoch war: zweitens die ganz unerwartet hohen Qualitäten der deutschen Reservetruppcn. Diese Män­ner schnitten mit ihrem Mut und ihrer Anpasiungssähigkeilen an die neuen Bedingungen ebenso gut oder besser ab als die Truppen der ersten Linie im Anfang des Krieges. Wir haben nicht mehr allein mit der militärische» Bürokratie zu tun, wir kämpfen gegen den Patriotismus und die Intelligenz der Durchlchnittsdcutschen, die sich gesährlichcr erweisen können »!s die Maschinerie der Militärbürotratie. DerManchester Gii ardian" sagt »och, niemand glaube, daß der Krieg drei Jahre dauern werde oder könne.

Gin Grschöpfungstrieg?

London, 6. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) TerAugen- zcngc" schreibt aus dein englischen Hauptquartier: Die Tentschen sind kein unwiirdigcr Feind. Trotzdcin sie mit Anstrengung den riesenhaften Kampf an zwei Fronten fahren, setzen sie ihre Attacken mit einem Mut fort, der durch Fchischläge kaunr geschwächt wird. Es ist ihnen nicht gelungen, die Meerenge vou Dover zu erreichen! aber die neue Armee, die sie Mitte Oktober ins Feld setzten, crmög- lickrte ihnen, ihre Stellung zu befestigen mrd Belgien mit seiner wichtigen Küstenlinie bis ans einen ganz klein.'» Teil im Besitz zu behalten. Dieser Krieg ist ein Erschöpf­ungskrieg. Wenn die regulären Armeen der Kriegsühren- drn ihre Arbeit vollbracht haben rvcrdcn, wird schließlich der Erfolg von den Maßnahnren abhängen, die getroffen wurden, um die »naiisgebildctcn Mannschaften znr Krieg» sllhrnng vorzubereiten und zu benutzen.

|j Der österreichische Eeneralstab I !» _ meldet: - 1

Der österreichische Tagesbericht. Wien, 6. Dez. (W. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: 5. Dezember mittags: In dcn Kaipathen ereignete sich auch gestern nichts von Be- deutruig. I» Westgalizien entwickeln sich bei Tynrbark kleine, für unsere Waffen erfolgreiche Kämpfe. Die Lage in Sudvolkn ist unverändert. Die Schlacht in Nordpolcn dauert fort.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor.

Wien, 6. Trz. (W. T. B.) Aintlich wird verlaut­bart: 6. Dezember mittag, : Die Schlackst in Polen nimmt einen für die Waffen der V'rbiiirdeten günstigen Fortgang. Tie nach Westgalizien vorgerückten russischen Truppen wurden gestern von unseren und deutschen Truppen von Süden her angegriffen. Tic Verbündeten nahmen 22tXI Russen gefangen und erbeuteten einige feindliche Trains. In den Karpathen fanden Teilkämpse staff. Der in die Deskid-Stellung eingebrochene Gegner wurde zurückgcwor- fcn und verlor 500 Gefangene.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstab»! v. H ü s e r. Eeneralmajar.