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Kummer 282

Dienstag. den 1. Dezember 1914.

7. Zalsvgang

Ueue Tageszeitrm

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Wieder 5100 Wissen strfanyeu.

Ein ruifischcr Angriff auf ostpreuffcn ;uriickgefchlagen. Große Niederlage der Nüssen in den Karpathen. Die Suvodorhöhen in Serbien von den ^efterreichern gestürmt.

Der prfiöfrbiinti brttflt um iapanrfiidir Hilft.

Wenn es noch notwendig wäre, die üble Lage in der sich der Dreiverband in militärischer Beziehung besindet, zu charakteri­sieren, so geschieht es wohl am besten durch die Tatsache, detz Franlicich, England und Rutzland sich immer noch bemühen, neue Bundesgenossen zu werben und datz sie sich nicht scheuen, rassenfremdc Elemente in de» Dienst ihrer Absichten zu stellen. Die Armee, die in Frankreich gegcii die deutschen Heere kämpsr, ist jetzt schon eine wahre Mustcrkartc aller möglichen Nationa­litäten, Bunt zusammei,gewürfelt kämpfen dort neben den sranzöfischen, belgischen und englischen Truppen exotische Hilss- lorps aller Rassen und Farben, Es ist ein Eingeständnis gro- tzer Schwäche, wenn der Dreiverband trotz der Massen an Mcnschenmatertol, über das er in Europa verfügt, seine Zu- slucht zu den Kontingenten nehmen mutz, di« ihnen sreiwillig oder unfreiwillig von jenen Lölkcrn gestellt werden, deren Län­der bisher zu ihrer Eiiislutzsphäre gehört haben. Es scheint ober, datz die Turkos, die Indier und die Scncgalschützen, die von Frankreich und England herangezogen wurden, ebensowe­nig genüge», um einen entscheidenden militärischen Ersolg her- b.izusührcn, wie die Verwendung der Korps aus dem äutzer- ste» Osten des russischen Ricsenreichcs, denn sonst würde man r'cht immer wieder von neuem ängstlich nach fremder Hilfe ausblicken.

Ncuestens wird wieder ernsthaft die Frage diskutiert, ob es nicht möglich wäre, datz Japan durch Truppensendungen nach Europa dem Dreiverband militärische Unterstützung ange­deihen lasse. Die in Paris erscheinende Ausgabe desHerold" berichtet über eine von der französischen Regierung an Japan gerichtete Bitte um Entsendung von Hilsstruppen und gleich- ze>t-g solle» auch von Rutzland den, einstigen Gegner Japans, i» derselben Richtungen Unterhandlungen eingeleitct worden sein. Es wird von einer halben Million japanischer Truppen gesprochen, die aus de» europäische» Kriegsschauplätzen vereint mit Franzosen, Engländern und Russen kämpsen sollen. Man schämt sich nicht, die gelbe Rasie förmlich darum anzubettcln, datz sic in den Konflikt der europäische» Mächtegruppen ein- grcisc. Von Seile lener, die in diesem Kriege schon so otele Beweise von Schamlosigkeit und Niedertracht gegeben haben, war sreilich auch die Würdelosigkeit zu erwarten, die darin liegt, datz man durch die Anrufung der Unterstützung der schlitz­äugigen Ostasiate» di«gelbe Gefahr" gewisiermatzen freiwillig in das Herz Europas vcrpjlanzt. Man will Japan dadurai dem Plane des Dreiverbandes günstig stimmen, datz man ihm in widerlich ekelhastcr Weise schmeichelt. Man spricht daher vontörichten Vorurteilen" gegen die gelbe Rasie und erklärt weiter,datz man die Söhne Nippons als die edelste Rasie des Orients schätze, die cs wert sei, für die Kultur Europas (!> zu kämpfen," Wenn das, wofür die Mächte des Dreiverbandes das Schwert gezogen haben, , wirlkich dieKultur Europas" wäre, dann wäre sie allerdings nichts anderes wert, als von Frankreich, England, Rutzland und deren fremdrasiigen Helfern aus allen Erdteilen verteidigt zu werden. Im übrigen mögen sich unsere Feind- immerhin der Unterstützung Japans ver­sichern sic mögen, wenn es ihnen gejällt, auch noch die Austral- ncger nach Europa zur Schlachtbank schleppen. An dem end­gültigen Ausgange des Kampfes wird auch das nichts ändern können. Die Geschichte aber wird ihr Vcrdammungsurteil über jenen Teil der europäischen Staaten sällen, der gegen dir die höchste Kultur repräsentierenden Staaten unseres Weltteiles sich mit Tod und Teufel verbündete.

Der deutsche Generalstab meldet: -- -*

W. T. B. Grosses L'attptqnarticr, de» 30. November, vormittag». Amtlich.

Aon der Westfront nichts zu melden.

An der ostprenstifitien Grenze miss glückte ein Ueberfallsvcrfnch starker russi­scher Kräfte auf deutsche Befestigungen östlich Trakestnen unter schweren Verluste» der Angreifer. Einige Offiziere »nd 000 Mann wurden von uns gefangen ge­nommen.

Südlich der Weichsel führten die gestern mitgeteilten Gegenangriffe ,zu nennenswerten

Erfolgen. 18 Geschütze und mehr als 1500 Gefangene waren unsere Beute.

In Südpolen ist nichts wesentliches vor gefallen.

Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser an General von Mackensen. Aus Danzig mel­det dieB. Z. a, M": Der Kaiser hat an den General der Kavallerie von Mackensen soigcndes Telegramm gesandt:

Dkc 9, Armee hat unter Ihrer bewährten sicheren Führung i» den schweren, aber von Erfolg gekrönten Kämp­fen sich von neuem unübertrcsslich geschlagen, Ihre Leist­ungen in den »crjlosiene» Tagen werden als leuchtendes Beispiel für Mut, Ausdauer und Tapferkeit der Geschichte erhalten bleiben. Sprechen Sic das Ihren vortrefflichen Truppen mit Meinem kaiserlichen Dank aus, den Ich da­durch zu betätigen wünsche datz Ich Ihnen den Orden Ponr l- mcrite verleihe, dessen Insignien Ich Ihnen zugehen lasien werde, Eott sei seiner mit Ihnen und unseren Fahnen!"

In einem Armeebefehl vom 27. November teilt General v. Mackensen dieses Telegramm seinen Truppen mit und fügt hin­zu:Ich freue mich, meinen heldenmütigen Truppen eine solche Anerkennung zur Kenntnis bringen zu können. Das Verdienstkreuz gilt der ganze» 9. Armee."

Kaiser Franz Joses an Gcneralscldmarschall von Hinden- burg, Posen, M. Nov. <W, B. Nichtomtlich). Kaiser Franz Joses hat an Gcneralscldmarschall v. Hindcnburg und dessen Ge- neralstabsches v, Lubendorjf aus Anlatz ihrer Beförderung Glückwunschtelegramme gesandt. Das Telegramm an v. Hin- denburg lautet: Lieber Generalfeldmarschall v. Hindcnburg! Jnnigst erfreut, Sie zu Ihrer Beförderung in die höchste mili­tärische Würde, die Sic der huldvollsten Anerkennung Ihrer ruhmvollen Führung des unvergleichlich tapseren Ostheeres sei­tens Seiner Majestät, Ihres erhabenen Kriegsherrn, verdanken, wärmstens beglückwünschen zu könne», ist es mir Bedürfnis, Ihnen zu bekunden, welche oielbegründete Hochschätzung ich »nd mein beer Ihnen zolle». Klar, fest und treu wirkten Sie in schwersten Kämpfen, in steter Uebereinstimmung mit meinem Heere, und dieses wird stolz sein, sich je enger mit Ihnen ver­bunden zu wissen. Ihren glänzenden Feldhcrrnnamcn meiner Wehrmacht zum leuchtenden Sinnbild kriegerischer Höchstleistun­gen zu erhalten, ernenne ich Sic zum Oberstinhaber meines In­fanterieregiments Nr. 99. Möge es der unerschütterlichen Was- senbrlldcrschast meiner und der deutschen Wehrmacht beschicden sein, der gemeinsamen gerechten Sache in beharrlichem Kampfe den Sieg zu erringen, Franz Josef. Das Telegramm an v. Ludcndorfi lautet: Lieber Generalleutnant v. Ludendorfs! Zu Ihrer Beförderung, durch welche die höchste Anerkennung Ihrer glänzende» Leistungen seitens Seiner Majestät, meinem treue» Freunde und Verbündeten, zu weithin sichtbarem Ausdruck kommt, beglückwünsche ich Sic aus das herzlichste. Es sei Ihnen vom Allmächtigen vergönnt, auch weiterhin in der gleichen vor­bildlichen Weise i» bewährtem Einklang mit meinem Eeneral- stab an der Seite Ihres ruhmreichen Fcldhcrrn zu wirken. Franz Joses,

Das masurische Gebiet im Berteidigungszustand. Amster­dam, 29, Nov, Nicht uninteressant ist, was dieDaily Mail" über das masurische Gebiet schreibt:Im Gebiet von Masuren trägt der Kamps einen eigentümlichen Charakter, Jede deutsche Position ist dort durch sehr klug angelegte Drahtsperren ge­schützt: jedem Angrisi mutz erst eine Vernichtung dieser Draht­sperren vorangehen. Unter dem Schutze der Dunkelheit kriechen dann einige sorgfältig ausgewählte Leute nach vorn, die mit starken Zangen versehen sind, um das Hindernis aus dem Wege z» räumen. Bei diesem Wagnis werden sie nun oft durch die deutsche» Scheinwerfer überrascht und sic werden dann eine be­queme Beute der deutschen Scharsschutzcn, Es ist ganz unmög­lich, sich diesem Licht der Scheinwerfer zu entziehen: manchmal glückt es nur, indem der Soldat sich tot stellt und ruhig liegen bleibt Die Durchgänge zwischen den Seen sind oft so schmal, datz man die Verteidiger kaum angreisen kann, und diese An- griffe geschehen dann in der Nacht."

Neue Geschütze aus beiden Fronten? London, 27. Nov. Wie nunmehr auch dieTimes" bestätigt, sollen die Deutschen ein ganz neuartiges Geschütz für kurze Entfernungen verwen­den Es ist nach der Art der römischen Katapulte gebaut und schleudert tonnenweise Dynamit. Das Geschütz ist al­lerdings nur aus geringe Entfernungen zu verwenden, aber um so entsetzlicher in seinen Wirkungen, Zuerst sollen es die Oestrr- reicher bei ihre» Kämpfen mit den Serben ausprobiert haben. Auch die Franzosen sollen ein bisher unbekanntes Ge­schütz bei den Kämpsen im Argonnerwalde verwenden. Nähere» verlautet darüber nicht, jedoch scheint die Erfindung aus einer

'Art Mörser zu bestchcu, der zwei mit einer Kette verbundene Kugeln schleudrt, die die Bäunie des Waldes mit flirchlbar-'e Wucht nicderrcitzen.

j Der österreichische Eeneralftav ii - = meldet: - ü

In Galizien und Polen. W i c n, 30. Nov. (Sk V. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart: 00, Nov,: Im

Norden hat sich gestern an unserer Front nichts Wesent­liches ereignet.

Weitere Ziege in Zrrbicil. Wien, 30. Nov. (Sil P. Nichtamtlich) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amr- lich gemeldet: 30. November: Aus dem südlichen Kriegs- Ichanplatz dauern, die Kämpfe an. (Gestern wurde da6 hart­näckig verteidigte Suvobor, der Sattclpnnkt der Straszc ValjevoCwicnf, nach heftigen Kämpfen erstürmt. Das Bataillon Nr. 70 zeichnete sich hierbei besonders aus: auch das Regiinent 'Nr. 16 und das Landwehr-Reginient Slr. 23 haben sich in den letzten Tagen neuerdings hervorgetan. Gestern wurden insgesaint 1254 Mann gefangen genommen und 14 Maschinengewehre erbeutet. In ltzicc wurden viele Waffe» ntid viel Munition vorgesundcn.

Köln, 30. Nov. DieKölnische Zeitung" ineidet auS Sefia: Tie serbische Regierung soll beabsichtigen, da sc>- bische Heer nach Mazedonien zuriickznziehen. ES soll spä­ter aus gricchifckieü Gebiet übertreten, auf 3alonif zunächst, den bulgarischen Einmarsch erschweren »Nd dann, wenn möglich, gcmcinsani mit den Griechen Vorgehen. Jeden­falls soll eine Entwaffnung des serbischen Heeres vermieden werden. Fürst Trubchkoi soll als Gesandter nach Serbien gehen, ohne Aufenthalt in Sofia zu nehmen. Tie An- nahme, daß er an einer Verständigung Serbiens mit Bul­garien arbeiten solle, entfällt daniit.

Die Russe» in de» Karpaihc». Budapest, 29. Nov. Nach Meldungen aus dem nördlichen Teil des Komitats Zcniplin werden die dvrt eingcdrungcnen Russen von nnse- reu Truppe» verfolgt. Bei ihrer Flucht versuche» die rus­sischen Soldaten, die Häuser in Brand zu setzen und wo­möglich zu plündern. Bei de» in den letzten Tagen in den Karpatben stattgchabtcn Kämpfen wurden sehr viele Rus­sen getötet und verwundet und mehrere tausend Mann ge­fangen. Unter den Gefangenen befinden sich Soldaten von Truppen, die sich aus den Gouvcrnenicnts Odessa und Kiew, iowic aus Bcffarabien ergänzen. Diese Gefangenen erzählen, daß die hinter der Front marschierenden russi­schen Offiziere die Soldaten mit dem Revolver zuni Vor­marsch antreiben. Damit erklärt es sich, daß viele Ge­fangene Verwundungen am Rücken aufweiscn.

Budapest, 30. Nov. Aus dem Unger-Komitat wurde die Hauptmacht der dort cingedrungenen Russen zerschlage» und über die Grenze gejagt. Jetzt gibt es dort an der Grenze n»r »och kleinere Trupps, die von unseren Solda­ten verfolgt werden. Der nördlich von der Ortschaft Ho- monna ini Zemplincr Komitat ansgefochtenc Kampf mit den cingedrungenen Russen, die etwa anderthalb Korps stark waren, endete, wie bereits bekannt, mit einem vollstän­digen Sieg unserer Truppen. Die Russen gerieten, nach, dem unsere Truppen in der Nacht zuni Samstag einen überraschenden Bajoncttsturm auSgcführt hatten, wobei 1500 Russen gefangen wurden, im Laborc-Tal in das Schrapnellseuer unserer Geschütze. Auch der diesmalige Ausflug der Russen in die Karpathen Ijct ihnen also meh­rere Tausend Mann an Toten, Verwundeten und Gefang­enen gekostet.

Grone Verluste der Russen bei Homonnn. Budapest, 30. Nov. (W. T. B. Nichtamtlich.) Nach Bericksten, die hier an anitlichen Stellen eingetroffen sind, war die Nie­derlage der Russen in dem Gefecht bei Homonna nockz viel größer, als anfänglich angenommen wurde. Unsere Trup­pen hatten die russische Stellung an beiden Flügeln umfaßt und einen doppelten Flankenangriff gegen sie gerich'-'k. Das Feuer unserer Artillerie brachte den Russen schreckliche Verluste bei. Der bravouröse Sturmangriff der Fußten»- pcn war so unwiderstehlich, daß der Feind eiligst den Rück­zug antreten mußte. Während des Rückzuges wurden die Russen von unseren Geschützen mit einem Hagel von Schrapncllschüssen verfolgt. Neben 1 nOO Gefangenen ver­loren die Russen in diesem Kample Tausende Tote und