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deutschen, stellt die ganze Unfinnigteit der Anklage und de» Ur­teil» noch in ein schärferes Licht. 15s ist von diesem ftanzösisihen Kriegsgericht nicht Recht gesprochen, sondern ein unerhörter Ge­waltakt begangen worden, der eine Schande für die ganze franzöfilche Rechtsprechung ist. Wir können nur die Erwartung wiederholen, datz von deutscher Seite in schärfster Weise gegen diesen schnöden Rechtsbruch vorgegangen werde.

Die neu« Feldunisorm der Franzose». DieTimes" mel­den aus Calais vom 22. November: Durch Calais niar- schierlen französische Truppen, die mit einer neuen Felduni- forn, ausgerüstet waren. Die »euc Uniform hat eine Helle blaugraue Farbe, die in der grauen Winterlandschaft schwer sichtbar sein soll, sich jedoch so sehr von der deutschen Felduni­sorm unterscheidet, datz Verwechselungen ausgeschlossen seien. Kappe, Rock und Hose besitzen die gleiche Farbe. Um die fran­zösischen Patrioten mit dem Verschwinden der historischen ro­ten Hosen zu versöhnen, sind in das Blau rote Fäden einge­webt. Einige ältere Truppen, die neu ausgerüstet werden mutzten, sind mit dieser Unisorm augscstattct.

Zunahme des Alloholverbrauchs in Frankreich. Der Temps erörtert in seiner Dienstagsnummer die erschreckende Zunahine des Alloholvcrl»auches, besonders des Absynthgenusses. Die Verbote seien, vor allem in der Normandie, in der Bretagne und im Pariser Becken, gänzlich erfolglos geblieben. Der Ver­laus von Absynth in Flaschen blühe nach wie vor. Die Stra- tzcn seien voll Betrunkener, darunter befänden sich beurlaubte und verwundete Soldaten. Auch der Landsturm, der die Brül­len zu bewachen habe, sei den Bestechungen der Wirte zugäng­lich. DerTcmps" sordert Abhilfe, weil sonst die Sicherheit des Landes gcsährdet sei.

Ans Hnßland.

Was der russische Gcnrrnlslnb erklärt. Petersburg, 29. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) Meldung der Peters­burger Telcgraphen-Agentur: Die oerschiedeiicu Gerüchte, die über den Umfang des russischen Sieges zwischen Weich­sel und Warthe umlaufen, erklärt der russische Generalstab dauiit, daß diese Gerüchte zum Teil von Privatkorrcspon- denzen genährt sind, die einigen Zeitungen von dem Kriegs- schauplatz zugingen. Der Grotze Generalstab warnt vor den Gerüchten, die durch die Tatsachen nicht begründet sind lind mit Vorbehalt ausgenommen werden müssen. Wie zu Ansang des Krieges weist der Generalstab auf die Notwen­digkeit hin, alle Nachrichten, die nicht aus amtlicher Quelle stammen, mit Vorbehalt auszunehmen. Zweifellos ist der deutsche Plan, die rnllische Front auf dem linken Weichlel- ufer zu umspannen und einen Teil d, russischen Armee cinzukreiscn, vollständig gescheitert. Es geht aus den Mit­teilungen des Generalstabs und des Generalissimus hervor, datz die Deutschen gezwungen sind, sich von Azgow und Tuszin über Brzcziny auf Strykow unter für sie äuherst ungünstigen Bedingungen zurückzuziehen. Bei dem Rück­züge erlitten die Deutschen ungeheure Verluste, indessen sind die Kämpfe noch nicht vollendet. Die Schlacht entwickelt sich an der ganzen Front sehr günstig für uns, aber der Feind setzt hartnäckig seinen Widerstand fort. Es ist un­möglich. den Kmnpf als beendet zu betrachten. Es ist nötig, das endgültige Ergebnis abzuwarten, mit der festen Zuver­sicht, daß die russischen Truppen von dem Bcwuhtsein der Notwendigkeit durchdriingen sind, ihre heldenhaften An­strengungen zu Ende zu iühren, uni den Widerstand des Feindes endgültig zu brechen.

(Annierkung des Wolsfschen Telegraphen-BurcauS: Der löbliche Versuch des russischen GcneralstabS, die Wahr­heit zu sagen, hält, wie der zweite Teil der amtlichen Aus­lassung beweist, nicht eben lange vor. Aber es ist immer- hin bezeichnend, das; man es sogar in Ruhland für notwen­dig hält, von der englischen Lllgenberichterstattung abzu- rücken und die unausbleibliche Enttäuschung nicht all»> protz werden zu lassen.)

Die neuen russischen Verluste. Berlin, 29. Nov. Der Kriegsberichterstatter derSera" meldet, derPost" zufolge, datz die Verluste der Russen in den letzten, seit Ende voriger Woche andauernden Kämpfe in Polen nahezu 129.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen betragen. Die sinnländischen Regimenter haben fast die Hälfte ihres gesamten Bestandes eingebntzt. Es sei, so er­klärt der Bcrichtcrstaticr, zwecklos, zu leugnen, daß 66,000 Mann Unverwundete dem Feinde in die Hände gefallen seien.

Ans England.

Englisches Mitgesühl für Serbien. London, 28. Hioobr. Der Korrespondent derTimes" berichtet aus Kragujewaijch. Zn der Gegend von Lazarewatsch wurde eine schwere Schlacht zcliesert, in der nach oberflächlicher Schätzung mehr als eine halbe Million Soldaten kämpften. Die Oefterreicher machen den Versuch, den Operationen aus diesem Teil des Kriegsschau Platze» ein Ende zu bereiten: sie haben nicht weniger als iünf Armeclorps dort an der Front stehen. Dotz alle diese Mann­schaften aus anderen Kampsschauplätzen entbehrt werden töv- re», ist nicht allein überaschcnd, sondern es legt zu gleicher Zeit ein bedeutendes Zeugnis für die Dienste ab, die Serbien der gemeinschaftlichen Sache erweist, und gibt einen Begriss von dem Umsange der Anstrengungen, die Oesterreich noch lei­sten lanu. um die österreichisch-deutschen Streitkräste gegenüber den Bundesgenosten zu vermehren, wenn Serbien unglücklicher­weise durch die Uebcrmacht und die Zahl der Kanonen über- wältigt werde» sollte.

Die Furcht in England. Mailand, 28. Noo. Nach hierher gelangten Meldungen werden in zahlreichen Orten der englischen Osttüste Vorbereitungen für einen eventuellen deut­schen Angrisj getrosten und Wachen ausgestellt. Die Bürger­meister machen bekannt, dotz beim Herannahen einer Gesahr die

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Bürger alarmiert und mit Angaben über die Möglichkeit der Flucht versehen werden.

pmiMt Land'iigsabg. Ernst fmitr Mllrn.

Oberförster Ernst Meyer aus Tawelluingke», Hauptm. d. R. im Gardeiäger-Bataillon, Ritter des Eisernen Kreuzes 2. und 1. Klage, ist im Felde gefallen. Der Eefallenc ver­trat seit 1818 den Kreis Tilsit-Niederung im Preutzischen Ab­geordnetenhaus als Mitglied der Konservativen Partei. Sein Andenken wird allezeit in hohen Ehren gehalten werden.

Vrstramg für ichöhrmiche Ruft nnD Zrichrn.

In Zaber» wurde, wie die Stratzburger Post" mitteilt, die 7t Jahre alte ledige Rentnerin Marie Eatzer wegen Aus- kwtzens aufrührerischer Ruse und össentlichcr Ausstellung eines auftüherischen Zeichens zu drei Monaten Eeiängnis, 100 3,ff. Geldstrafe und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Die An­geklagte hatte am IS. August die einrllckenden Franzosen mit dem RuseVivent les ftancais" begrüßt und eine ftanzösische Fahne ausgehängt. Sie gibt an, daß sie den Franzosen habe einen guten Empfang bereiten und dadurch ihr Haus schützen wollen. Im übrige» habe sie ihre Sympathie für Frankreich nie verhehlt, zumal sie auch verschiedene Verwundete als Of­fiziere in der sranzösischcn Armee habe.

Tic ßtnii(frs(|rtii|t der KkldPstbne't km liit jn 10 v. S. übtkschritikil ttirrlifn.

Berli n, 28. Nov. Wie wir hören, soll bei portopflich­tigen Fetdpostbriesen fortan über die Ucberschrcitung der vor­geschriebenen Gewichtsgrenze bis zu 10 Prozent des Höchstge­wichts hinmeggcsehe» werden, so datz kllnstig, solange das Meistgewicht 200 Gramm beträgt, ein Uebergewicht von 28 Gr. und bei Zulassung von 000-Gramm-Fetdpostbricsen ein Ueder- gewicht von 00 Gramm gestattet ist. Briese im Gewicht von 00 Gramm bis zu 270 Gramm kosten während der Zeit, wo auch OOO-Eramm-Briese zugeiassen sind 10 Psg.

Zchickl lluui, Steinl,iim. £opar (auf deutsch: Umbrach u. j. io. in die Front!

So sehr die Bestrebungen anznerkennen sind, die den Genutz des Alkohols im Uebermatz bekämpfen, so angebracht ist es gerade jetzt in Winterszeit unseren bei strenger Kälte bei Wind »nd Wetter im Schützengraben stehenden Trup­pen, eine kleine Gabe Branntweins znkommen zu lassen. Sie sind nicht immer in der Lage, sich Kaffee, Tee oder der­gleichen zu bereiten und da tnt ein Schluck gebrannten Wassers gut. Unsere Soldaten sind dankbar dafür. ES gibt Packungen, die es ermögliche.» kleinere Senonngen ins Feld z» schicken.

Zwei Kameraden.

Ich halt' einen Kameraden,

Einen bessern sindst du nit!

So fltngt's durch Flur und Mahden,

Im Eturmlaus und lm Schritt.

So tlingts von Holm und Hügeln,

Von schroffer Felsenwand,

So klingt'? aus Windesflügeln Zum Firn vom Meeresstiand.

Es singen's die tollen Jungen,

Es summt's der Greise Schar,

Wird wo ein Schwert geschwungen,

Rauscht's bergquellftisch und klar:

Es braust von tausend Lippen An der Weichsel und am Rhein,

Rainauf und querfeldein.

Eine Kugel kommt geflogen:

Gilt sie mir oder gilt sic Dir?

Es stürzen wie Mecreswogen In der Feinde Marschland wir.

Und kommen auch Kugeln wie Flocken Aus uns herab geschneit,

Wir stürmen ohne Stocke»

^Apf den Feind in Gottes Geleit.

Und unsre Banner wehen Schwarzgelb und schwarzwcitzrot,

Wir halten und wir stehen Zusammen in grimmer Not:

Wir stehen oder sterbe»

Blutbrüder im Verein.

Im heißen Siegcswcrbe»

Soll noch gesungen sein.

Ich halt' einen Kameraden Dieshalt" das mag ich nit

Wenn wir im Blute baden,

Klingt's sensenscharf beim Schnitt:

Ich Hab' einen Kameraden,

Ball Kraft und Herrlichkcii,

Gesellt durch Gottes Gnaden Für alle Ewigkeit!

Salzburg Richard v. Strele

(imReuen Wiener Tagblatt").

- jfcüriäaP-xi

Ans der Heimat.

* Friedberg, 30. Nov- (Orisgrwerbeverein) Am

Samstag, den 28. November sprach, wie angekündigi, Herr Reallehrer H. Kahl aus Darmstadt in einer Verjanimlung deS hiesigen Gewerbevereins über:Die Bedeutung deS

großen Weltkrieges für daS dentsche Volk." Wnnl-benswert

wäre es gewesen, wenn dieser zeitgcmWe und sehr lehrreiche Vortrag besser besucht worden wäre. Redner verstand es meisterhaft die Ursachen deS großen Weltkrieges zu erläutern und die Einwirkung desselben auf die allgemeine Weltlage

S» schildern. Für die vortrefflichen Ausführungen wurde dem Redner reicher Beifall gezollt.

' Jricdbcrg Fauerbach, 30. Nov. Der Krieger- und Militär-Verein hielt gestern Abend im Saale derLoreley" bei Kamerad Iah. Bauer einen Vortrags-Abend ab. Als Redner hierzu wurde Herr Seminarlehrer Ko.b- Friedberg gewonnen. Ter Präsident des Vereins, Herr Loos, hieß die Erschienenen herzlich willkommen und pe- dachte in einleitende» Worten unserer tapseren Krieger im Felde, die Gut und Blut für unsere gerechte Sache opferten. Sein Hoch galt deni Vaterlonde, Sr. Majestät dem Kaiser vnd Sr. König!. Hoheit dem Grobherzog. Hierauf stimmte die VersammlungHeil Dir im Sicgcrkranz" an, daS steh, end gesungen wurde. Herr Seminarlehrer Koch ergriff sodann das Wort zu seinem lehrreickzcn Vortrag:lieber den Kampf Deutschlands und seine Wcllmachtstcllnng." Er führte an der Hand zahlreichen Materials den Nachweis, wie unsere größten Feinde England, Frankreich und Nuß- land ihre Einkreisungspolitik gegen Deutschland betrieb:» und aus welchen Gründen sie diesen frivolen Weltkrieg heiausbcschworen. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. Der Vorsitzende stattete den Dank der Versammelten ab, worauf man bei Gesang vaterländischer Lieder noch geniüllich beisammen blieb. Zu begrüßen wäre cs, wenn dieser lehrreiche Vortrag der brei­ten Oeffcntlichkcit übergeben würde, oder in anderen Ver- sammlungen der Krieger- und Militärvereine wiederholt würde.

* Franksurt a. M 28. Rov. Die beiden aus dem Kriegs­gefangenenlager zu Hammclburg entsprungenen sranzösischcn Soldaten, der 28 Jahre alte Porzellanmaler Du Fartrc und der 22jährige Korporal Prieux haben die Schweiz zu Fuß er­reicht und sind in Gens «»gelangt. Beide hatten sich von ei­ner Waschfrau in Hammelburg Zivilkleidung verschalst.

Ans dem Kreise Hana».

* Hanau, 28. Noo. Die Gemeindcjagd im nahen Woher- les ersteigerte um cmen jährlichen Pachtpreis von 1080 Mark Herr Oberländer aus Ofsenbach a. M.

Hessen-Nassau.

* Wiesbaden, 28. Nov. Die hiesige Schlachthasverwal- tung weist daraus hin, datz »ach Paragraph 10 der Aussüh- rungsbestimmungen des Fleischbeschaugesctzcs das Fleisch von unreifen und nicht genügend entwickelten Kälbern als min­derwertig zu erklären ist, in Zukunft bei der Beurteilung sol­cher Kälber mit größerer Strenge als bisher verfahren wer­den wird.

* W. "*">»«». 28. Nov. Die hiesige Fleischerinnung hatte bet dem Magistrat oeunEegt, die Lehrlinge von dem Fortbff- dungsschulunterricht in Anbetracht der gegenwärtigen Lage bis zum 1. Januar 1910 zu befreien. Der Magistrat konnte deni Antrag gerundsätzlich nicht stattgeben.

* Rettert, 28. Noo. Nach langem schweren Leiden ver­starb hier das Mitglied des Kreisausschusice des Unterlahtt- kreifcs Lorenz Gemmcr, eine bekannte Persönlichkeit.

* Aus Nassau, 28. Nov. Die starken Fröste in den Näch­ten vom 20.23. November haben die Ackerschnecke, die in zahlreichen Gemarkungen an de» Wintersaaten vor allem be- Irächtlichen Schaden angerichtet, völlig vernichtet.

* Kästet, 28. Nov. Die städtischen Latcrnenwärter in Kas­sel Kornrumps, Fahlbusch, Hohmeyer und KIcinschmidt haben von ihrem Verdienst in den Kriegsmonaten zu 0 bis 10 Mk. zur Unterstützung von bcdüistigen Angehörigen im Felde ge sallencr Gaswcrksarbeiter gestistct.

Starkenbiirg.

* Darwstadt, 28. Noo Mit dem Eisernen Kreuze erster K laste wurden deloriert die Flügeladjutanten des Grotzherzogs von Hesien Major Freiherr v. Mastenbach und Rittmeister v. Schröder. Dem tommandicrenden General des 1t. Arinee- torps General der Infanterie v. Pluskow ist das Fürstlich Waldeck'jche Verdienstkreuz erster Klast« mit Schwertern ver­liehen worden.

* Pftmgjtadt, 30. Nov. Hier wurde in einer der letzten Nächte ein dreister Einbruch verübt. Der Einbrecher, eine et­wa 10 Jahre alte Persönlichkeit in schäbigem Anzuge, drang aus dem Nebenzimmer des Hotel Strauß in das Wohnzimmer, öffnete mit Gewalt den dort stehenden Schrank, den er durch- wühlte. Er jand dabei etwa 00 Mark in Silbergeld, das er mitnahm. Einen weiteren wesentlich höheren Betrag lietz er liegen, oder hat er ihn nicht entdeckt, anscheinend wurde er gestört, che er zu Ende war und jlüchtcte durch das Fenster in den Rachbarhoj der Brauerei Hildcnbarnd. Dort wurde er durch das Personal entdcckt und sestgenommen und nach einer gehörigen Tracht wohioerdicnter Prügel in das Wachtlokal ge­sperrt. Andern Tages war aber der Vogel ausgeslogen. Er ist durch das Fenster nach Beseitigung des jedensalls nicht sehr starken Gitters entflohen und gelang es bisher nicht, den Bur­schen wieder sestzunehmen.

Aus Rheinhestro.

* Mainz, 28. Nov. El» geriebener Gauner hat in den

letzten Tagen eine Anzahl Geschäftsleute in der Umgegend ge­hörig hereingelegt. Der Schwindler gab sich als Inhaber der bekannten Tabak- und Zigarreniabrik Johann Daniel Haas in Dillenburg aus und zog Rechnungsbeträge ei».

Franksurter Wetterbericht.

Boransjag«: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, südwestliche Winde.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag derNeue» Tageszeitung" «. G., Friedberg i. H.