Nr. 262
Seife 2
Iijibe Panzerkreuzer „SHontmoutI)" vernichtet wurde, der englische Panzerkreuzer „Good Hope" wurde beschädigt und ist jedenfalls auch gesunken, während der englische Kreuzer „Ela- gow" beschädigt entkam. Er wird in einem chilenischen Hasen interniert, also außer Kampf gesetzt.
Bi' zum 1. November waren in den Eesangenenlagern und Lazarette untergebracht: Franzosen: 3138 Ossiziere und 188!>l8 Mannschaften: Russen: 8121 Offiziere und 186 779 Mannschaften: Belgier, 537 Offiziere und 34 907 Mannschaften:, Engländer: 117 Ossiziere und 15 730 Mannschaften, Zusammen 7213 Offiziere und 126,034 Mannschaften, Die Kriegsgefangenen, die sich noch auf dem Transport nach den Lagern beftnde», sind »och nicht mitgezählt.
Die türkische Armee.
Von Major a, D, v, Schreibershofe n,
Illach dem unglücklichen Balkankriege, bei dem die Schwächen und Mängel des türkischen Heeres offen zutage getreten waren, hat eine vollkommene Reorganisation und Neuordnung dca türkischen Heeres stattgefunden, die namentlich in dem schon im Kriege bewährten früheren Militärattache in Berlin, dem jetzigen Kriegsminister Enver ihre größte Stütze fand. Eine deutsche Militarmission, an deren Spitze der betannte preußische General Liman von Sanders stand, wurde nach der Türkei berufen, UNI die beabsichtigte Neuordnung der türkischen Streiikräste durchzusühren. Zwar waren auch früher schon deutsche Instruktoren zahlreich nach der Türkei berufen worden, unter denen sich so manche Namen von gutem Klang rnd großem Ansehen befanden, aber ihrer Tätigkeit waren un- er oer früheren türkischen Herrschaft enge Grenzen gezogen, Sie konnte» wohl Vorschläge inachen, wie den ossenkundigen Mängel» am besten abgeholsen werden konnte, aber es fehlte ihnen die Macht, die Vorschläge wirklich zur Durchsührung zu bringen. Sie blieben in der Regel auf dem Papier stehe». Die Folge war der völlige Zusammenbruch des türkischen Hee- ree- im erste» Teil des Balkankrieges, Diese traurigen Folgen jabeu aber der türkischen Regierung die Augen geöffnet, daß es in der bisherigen Weise nicht weiter ging, und daß eine vvlllommeue Neuordnung durchaus notwendig sei. Diese ist auch unmittelbar »ach dem Krieg ausgesührt worden, so daß die Armee jetzt wieder einen hohen Stand von Tüchtigkeit und Leislungssähigkeit erreichte. Ueber die Einzelheiten werden nur wenig Nachrichten bekannt gegeben. Namentlich lassen sich lerne genauen Angaben über die beabsichtigte Kriegsgliederunq und Höhe der Streitkräste im Kriege machen.
Fm Frieden besieht nach den Angaben, die in Loebells Fnhresberichten und in Veltzes Armee-Aümanach enthalten sind, und die als durchaus zuverlässig gelten können, das Heer im Frieden aus 13 Armeekorps und zwar selbständigen Dioi- sionen: das ganze Heer ist in 4 Armeeinspektionen eingeteilt, und zwar die 1, in Konstantinopel, die 2, in Ersindjan, die 3. in Damaskus, die 4. in Bagdad. Bei der Gliederung des Heeres ist unter Wegfall des Brigadeverbandes die Dreiteilung streng durchgeführt. Es besteht also jedes Armeekorps aus 8 Divisionen, jede Division aus 3 Regimentern, jedes Regiment aus 3 Bataillonen und einer Maschinengewehrtompng- iiie, außerdem wird jeder Division ein SchutzenbataiUon und ein Arrrllerieregiment, jedem Armeekorps ein dis zwei Kavallerieregimenter zugeteilt. Die gesamte Friedensstärke an ak tiven Truppen und Kadres für die Reservetruppen betrügt >7 000 Osfiziere, 250 000 Mann, 45 000 Pferde, 15,00 Geschütze und 130 Maschinengewehre,
Es ist die allgemeine Wehrpflicht eirrgesührt, die eine Dieusrpslicht von 24 Fahren vom 21. bis zum 45, Lebenszahl vorsiehr. Sie zerfällt in die aktive Armee lRizam, drei Fahrt, in die Reserve lFchtiat, sechs Fahre), die Landwehr lRedij, 9 Fahre), und in de» Landsturm (Mustafiz, 7 Fahre), Auch während der Rezeroediensizeit und während der Lanowehrzeit solle» regelmäßige Wasfenübungen vorgenommen werden. Die Fnsanterie ist ausgerüstet mit einem 7,85 Millimeter-Mauser- Ropetiergewehr mit Dolchbajonett und Paketladung für fünf Patronen, die Taschenmunition besteht aus 120 Patronen, die in dir, Patronentaschen oder in zwei Patronengürteln mitge- 'ührt werden. Außerdem befinden sich bei den Munitions- kolonuen noch 180 Patronen für jedes Gewehr, so daß die Ge samtausrüstung unter gewöhnlichen Verhältnissen 300 Patronen für das Gewehr beträgt. Außerdem sind noch ältere Gewehrmodelle in Gebrauch, mit denen hauptsächlich die Reserve- uno Landsturmformationen ausgerüstet werden. Es sind dies ein 9,5 Millimeter Mauser Repeiiergemehr mit Dolchbajonett und Röhren-Magazin sür 9 Patronen, sowie ein 11,43 Henrtz- Martinr Gewehr Die Feldartillerie hat ein 7,5 Zentimeter- Schnellseuergeschütz, Snstem Krupp 1903, mit langem Rohrrücklauf, außerdem ist noch vorhanden ein 6,7 Zentimeter-Krupp Geschutz aus dem Fahre 83 für die reitenden Batterien, ferner >2 Zentimeter Feldhaubitzen, System Krupp, Modell 1892, Das Geschützmateiial der Festungsartillerie ist außerordentlich »er- schieden. Neben ganz alten Geschütze» sind auch die neuesten Modelle vorhanden, solche wurden namentlich während des Äaltankrreges angejchasft. Es waren dies hauptsächlich 15 Zentinreter und 10,5 Zentimeter Schnellseuerhaubitzen,
Die Reorganisation des türkischen Heeres hat sich namentlich au, die Vereinsachung und Verbesserung der Mobilmachung, die Einjührung europäischer Ausbildung und Aussühr- lingsgruudsutze, sowie aus die Verbesserung der Ausrüstung rnid Lrwajsnung und aus die Regelung der Verpjlegung und des Munitionsnachschubes erstreckt. Gerade die beiden letzteren Punkte hatte» während des Balkankrieges schwere Mängel ge zeigt, und ihnen war es hauptsächlich zuzuschreiben gewesen, daß der schlecht verpflegte, hungernde Soldat, dem auch keine genügende Patrone» zugesiihrt werden konnten, versagte, "achdem diese Mängel beseitigt worden sind, ist anzunehmen, daß der türlisckre Soldat, der von Natur aus vorzügliche milt- lärische Eigenschaften besitzt, und sich in früheren Feldzüge», namentlich in der Verteidigung außerordentlich gut bewährt hat, wieder zu der vollen Höhe seiner »iilitärischen Leistungsfähigkeit kommen wird. Es ist jedenfalls nach dem Palkan- kriege i» ollen. Teilen des Heeres angestrengt gearbeitet wor-
Neue Tagesazeitng. Samstag, den 7. November 1814.
den, so daß man sicher annehmen kann, daß die vorhandenen Mängel beseitigt worden sind. Das türkische Heer stellt jetzt einen außerordentlich starken und beachtenswerten Machtfaktor dar, von dessen Austreten große Erfolge zu erwarten sind.
vir (Miikos in linieren tararetlrn.
Die „Köln, Volksztg," schreibt: Fn einigen Kölner Laza- reiten sind auch Vertreter der »ordafrikanischen Hilfsiruppen Frankreichs, die natürlich schon deswegen besondere BeachlUilg finden, weil die deutsch-freundliche islamitische Bewegung in letzter Zeit viel besprochen wird. Mit geringen Ausnahmen sind diese Turkos alle Mohammedaner und hegen für Frankreich keine besonders sreundschaftlickfen Eesiuurmgen, Mit Gewalt wurden sie gegen ihren eigenen Willen in die Regimenter eingereiht und sie können nicht genug erzählen über die rück- sick'tslose Behandlung, die ihnen seit ihrer Abreise zuteil wurde. Sogar letzt noch werden sie in den Lazaretten von den Franzosen verächtlich angesehen und müssen manches verletzende Wort hören
Fn verschiedenen Kreisen werden über diese Leute Meinungen geäußert, die vielfach nicht zutresfen. Man nennt sie „Wilde", macht kaum einen Unterschied zwischen ihnen und den Siegern und dichtet ihnen Gesinnungen an, die mit der Wirklichkeit in scharfem Widerspruch stehen. Wer Gelegenheit hatte, die Araber und Kabylen Nordafrikas näher kennen zu lerne», wer von der traurigen Lage dieser von den Franzosen namenlos unterdrückten und ausgebeuteten Völker ersahren hat, der weiß, daß es gar nicht jene blutdürstigen Ungeheuer sind, wie sie zuweilen geschildert werden. Es sind zum größten Teil einfache Landarbeiter und Handwerker, die in ihrer Hei- niat er» karges Leben fristen und keinen sel>»lichere» Wunsch haben, als in Ruhe gelassen zu werden. Einige dieser Araber- stämine, namentlich die tunesischen, sind von sanfter Eemätsart und neigen eher zur Weichlichkeit als zur Roheit. Den Aussagen, die von Franzosen über sie gemacht werden, muß man das größte Mißtrauen entgegenbringen, da die Franzosen es gewohnt sind, über diese unsreiwillige» Mitkämpfer in den rohesten Ausdrücke» zu rede» und ihnen alle möglichen Untaten anzudichte». Namentlich können sie es nicht sehen, daß den Arabern in unseren Lazaretten die gleiche Behandlung zuteil wird wie ihnen, da sie für den menschlichen Standpunkt Deutschlands darin kein Verständnis haben.
Es muß darum von uns hxvorgehoben werde», daß die Leitungen unserer Lazarette mit der Haltung der Turkos durchaus zusrieden sind und keinerlei Klagen über sie aussprechen. Die Araber selber empfinden eine kindliche Dankbarkeit sür die Pflege, die sie in Deutschland erhalten. Alle sagen einstimmig, daß Deutschland das erste Land der Welt sei. Für unseren Kaiser, der bei allen Arabern Rordasrikus längst zu einem mit zauberhaften Sagen umwobenen Helden gemorde» ist, hegen sie die höchste Bewunderung, Wird ihnen mitgeieilt, das) der deutsche Kaiser dem Sultan in Siambul fKonstanttnapel) alle mohammedanischen Kriegsgefangenen zuseuden und sie »liier seinen Schutz stellen will, so ist der Begeisterung kein Ende mehr. Alle möglichen Pläne werden dann gemacht und eifrig besprochen. Der eine will liberhanpi in Siambul bleiben, andere volle» die Gelegenheit benutzen, »m »ach Mekka zu wandern, andere wieder.freuen sich, in Asrika alles erzähle» zu können, was sie auf ihren Reisen erlebten. Das eine ist sicher, daß alle diese Araber die größte Anhänglichkeit an Deutschland in ihre Heimat tragen werden, und nach dem Kriege wird für lange Zeit in den Kaffeehäusern von Konstantine, Tunis, Tlem- sen und in den Zelten der Beduinen der Gesprächsstoff nicht ausgehen.
Unter den Arabern unserer Lazarette sind einzelne sehr interessante Gestalten, Da ist der gelehrte Schneider, der zwölf Fahre an der Hochschule der Moschee Zeitung in Tunis studierte. Als ick ihn dos erstemal traf, siel mir s-rsort sein gewähltes Arabisch aus. Mir kindlicher Freude erzählte mir der brave Schneider, der in seiner Heimat sür Mutter und Schwestern durch sei» ehrsames Handwerk das Brot verdienen muß von seinen „theologischen Studien". Die neue, zukunftsfrohe Bewegung der intellektuellen Kreise des Islam ist an ihm nicht vorüber gegangen, Reben dem Koran, den er säst ganz auswendig weiß, hat er eine Menge Bücher gelesen. Seine grösste Sehnsucht ist NU», ein brrühmtes mystisches Werk der arabischen i.i- ieraiur zu lese», ei» Wunsch, de» ich ihm leider nicht erfüllen kann, Mansuri, der brave Schneidermeister, ist sür seine Landsleute ein liebreicher Tröster und leistet ihnen die größten Dienste, Er ist nämlich auch der Generalsekretär sür alle schreiblustigen Araber, denen er die zierlichste» Handschreiben an die Angehörige» anfertigt. Schreiben, die in so eleganter Sprache geschrieben sind, daß die Ellern, Frauen und Freunde in der Heimat eines anderen Schristgelehrien bedürfen, »m de» Fijhalt zu begreifen.
Da ist auch ein aiabisierier Reger, dessen dicke Lippen den ganzen Tag zum Lache» bereit sind. Er selber konnte leider nicht schreiben, ober er wagte es ofsenbar nicht, die Dienste des gelehrten Schneiders in Anspruch zu nehmen. Da aber alles um ihn herum schrieb, verlangte er kurzerhand einen Bogen Papier und Iritzelle eifrig daraus herum, bis es von weitem gesehen säst wie Schrift aussah. Das große Kind dachte, daß seine Frau, an die dieser Bries adressiert werden sollte, vielleicht doch etwas aus dem krausen Gekritzel herauslesen könne, jedenfalls soviel, daß er noch am Leben sei, Run hat der Schneider sich seiner nngenamnien und schreibt der schwarzen Ehehälfte am Wästenrand einen klassischen Bries,
Du ist auch der Tunesier aus Suja, der lieblichen Stadt am Meere, Er ist schwer verwundet, und als ich ihn besuchte, schwebte er noch in Lebensgefahr. Wie !roh war er, als er von seiner Frau und seinen Kindern erzählen konnte. Es war das Bild seines lleinen Töchterchens, das besonders in seiner Erinnerung lebte, Fn dem weichen melodischen Dialekte Tunesiens plauderte er von seiner Kleinen, die er so lieb habe und die so reizend sei. „2 könnie ich sie nur einen Tag sehen", seufzte er. Seine Augen schlossen ssch, und der Traum oa» der llerne» Araberin schwebte von de» Usern des Rheines an die Küste der Große» Syrte.
Sogar aus der Sahara sind vereinzelte Berireier erschienen. Ein Araber aus Biskra wußte viel Schönes zu erzählen von seiner herrliche» Oase. Stille Leute aus der alten heiligen Stadt Tlemsen mit ihren Moscheen und herrlichen Palästen be- richieten von den Heiligtümern ihrer Heimat. Die Kabylen sprechen von ihren Dörsern, die wie Adlerneste aus De» Kämmen und Kuppen des Atlas ruhen,
'Alle schließen ihre Unierhaliunge» immer wieder mit iiu-iu heißen Danl an Deutschland und den deutschen Kaiser Fn ihren Briefen erhält ein besonderes Lob der trbib, der Arzt, über dessen Geschicklichkeit und Wissenschaft sie wund.> bare Dinge melden. Alle diese arabische» Ver.o.-i'de!-:,i 'veroeo Deutschland und Köln ihr Lebt» li-iig nicht mehr vergesse".
Unsere wackeren Ureiw^^gok.
Bekanntlich sind seit dem Kriegsbeginn eine ganze Ai'-.HI neuer Regiineuier gebildet wordeu, deren NuuiNicr hoch in vir !00 geht: sie setze» sich zum großen Teil aus Kriogsjr.i l .ü..K» zusammen und haben dieser Tage zum größte» Teil die er, ., taufe erhalte». Du ist es nun merkwürdig, wie soso, , ni.der Gerüchte umhergehe», wie sie sich verbreite» und i.'ij l; ' Da kommt einer und sagf mit bedrnllichem Gesicht, : man i gehört habe, daß sich die Freiwilligen so schlecht g-.slhtagen netten, daß man sie sürinlich in de» Kamps hinein reiben mi.sje und dergleichen Unsinn mehr. So war es hier gewesen, und da derartige nichtsnutzige Gerüchte lange Beine haben, jo war es auch anderweitig jo. Heute lesen wir »:■; „Gothaer Tageblatt" eine Erllürung eines Feldwebels M, M, der 12, ,Ko>n- pagnie des Rogimenio, der die heißen Kämpfe, in denen
r>, a das Reserve-Fnsanierie-Negimeni Nr. Anfang voriger Woche mehrere Tage gestanden hat, persönlich initmuchie. Er beiundet:
Geradezu erstaunt war ich, als ich in Go.ha mit einem kleinen Transport Verwundeter aniam und von verschiedenen Einwohnern höre» mußte, daß hier ein so u » w a. si r e s und e h r a b sch n e i >> e u d e s Gerücht herrscht. Den Eiter» und Angehörigen tan» ich nur rate», ans derartige Redereien nichts zu geben, denn sie täimen nur sioiz sein aus das Verhal- tc.i ihrer Söhne. Allen Strapazen 'sind sie gewachsen, sowohl am Tage wie tu der Nacht. Fa, es wurde sogar inehrjach ge ragt, daß man mit einer aktiven Truppe auch nicht mehr er. .-eichen kann, als mit unser» Kriegsfreiwilligen und Landwehr, bauten erreicht worden ist. Wenn man nun Wachmann,.,;.:-ie» benot.gio, brauchte man nur zu Jagen: Leute, ich brauche 25 Aul'» zur Wache, und sofort traten doppelt so viele Kav.era- d.-n vor und wollren freiwillig Posten siehe». Unsere Borge- setzte» freuten sich immer über diese aiisüpserude Vcreiiwickig- leit und das mutige Verhalten, Als am 19, 10,, vorinittags 1010 bei Kmhllnn die ersten beiden lauten Kanvnwischüise, von deutscher Seite aus, zu hören waren, riefen einige Kameraden aus: Fetzt gehe das Vogelschießen los! und rissen ihre Witze, und so könne mnn Dutzende von Beispielen ansühre», die den Mut, de,, guten Willen und den Humor unserer lieben Kameraden bewiosen. Es ist direkt schmachvoll, so niedrig von unseren Kalneraden zu reden rind zu behaupien, daß uiisere Vorgesetzten die Leute zum Borgehen hätten treiben müssen. Bei , -Niere»! Bataillon war gerade das Gegenteil der Fall und unser H> Kommandant hat vielfach sogar zur ulen müssen, Leute warier die Zeit ab, es loinmen noch Unterstützungen. Der- artige unwahre Behauptungen unseren mutigen Kameraden gegenüber sind direkt ein Verbrechen, Der Herr Kommandeur des hiesigen Ersatz- Vdtaillons wird gegen die Urheber dieser Schwatzerei mit aller Strenge vargehe» und es werde» die Einwohner von Gotha gebeten, noch mehr Leute namhaft zu machen, welche diese entehrenden Gerüchte hervorriesen, damit gerichtlich gegen sie vor- gegangen werden tnmr.
Qnttirijc felfcbricff.
Ein Rieder-Wöllstädter schreibt an seine Familie:
...... den 24. Oktober 1911.
Liebe Eltern und Geschwister!
Euren Brief habe ich erhalten und mich sehr gefeint toriil&er. Bis jetzt bin ich noch gesund und munter, was ja auch bei Erich der Fall ist, Liebe Eltern! Am 22, Oktoö.-r halten wir das erste Gefecht mit den Engländern. Wir waren i» großer Gefahr, Ein Schrapnell ist direkt vor nns geplatzt und wir hatten Gott sei Tank nnr 1 Leichtverwnnde- len. Am Abend sind wir in das eingenommene Forts ge- fahren und haben es die Nacht über gehalten. Am Morgen habe ich mir die Sache einmal angesehen. Es ist eine vollständige unterirdische Kaserne: 9 Geschütze haben sie zuriirk- lassen 'müssen. Ich habe sie gesehen. Nun ging ich einmal ölen drauf. Ich hatte eine schöne Aussicht. Tie Enqlän- der lagen wie gesät auf dein Schlachtfelde. -.99 Gefangene haben wir gemacht und etliche Maschinengewehre erobert. Gegen Mittag snhren wir in das nächste eingenommene Torf. Unsere Artillerie batte es vollständig zusamm.-nge- schossen. Ein schrecklicher Anblick war es. Wir hielten auf der Straße vor einem schönen Hause. Es war aber eben- srlls verschossen. Wir gingen hinein und suchten nach Wein. Aber der Keller war verschlossen. Wir brocken ihn auf und da waren 9 Frauen mit einem Kind darin. Wir ftagten nach Wein, den sie nns gleich gaben. Also an Wern fehlt s uns 8 Tage nicht. Vor einer Stunde habe ich >> Eier gefnnden. Ich habe mir einen großen Teller genom- men, ein paar Lössel Mehl angerührt und dann drei Eier hinein und Salz und gebacken. Ich habe ein Stück Brot dazu gegessen und eine Flasche Wein getrunken. Das iw ein Frühstück sür mich. Liebe Mutter, am Abend ging ich Stroh holen, das Hans war vollständig abgebrannt. Ich ging in den Keller hinein »nd fand einen ganzen gekochte,, Schinken. Ta habe ich mir heute Mittag Speck davon abge- schnitten und meine Eier damit gebacken. Ick suchte weiter und fand 4 paar neue Strümpfe einen schönen Unterwams »nd ein neues Hemd, auch verschiedene Ta!ehentück>er, Ick


