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Beilage zurNeuen Tageszeitung".

*!t. 262 Samstag, den 7. Dovcmber 7. Jahrgang

Ans meiner Dorfkirche.

Abendmahl »er Eheleute. -

ftap. 22, 35. 17. Wen düeslet. »ei Ion»»«: Oad wer La will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Liebe Gemeinde'

SSus fehlen doch diesmal so viele am Abendmahlstisch! So viele, die hinausgezogen find, in den Krieg, heute, an dem Toj. da sich die ganze Gemeinde hier sammelt zum Feiermahl der Bruderliebe, da fehlen sie, müssen fie fehlen aus bitterem .tivang Und es ist uns fehl allen, als fass« e» unser Herz an mit tausend Händen und suche un» hinzuziehen zu ihnen, »b mir ihnen wielleicht helfen könnten und können und dürfen doch inchi zu ihnen Aber können wir auch nicht leiblich zu it)i;eu. im Herzen und in den Gedanken können wir hin, und die wollen drum beute auch wandern, und die Brüder grüßen io der Ferne. Es liegt auch in solchen Gedanken, Grüße» und Beten für die da draußen eine starke Kraft, und ich denke, wir gotlcns nicht vergessen, wer von uns in diesen Tagen eine harte oder einen Brief hinausschreibt: darin wollen wir ihnen eiY) ichreiben, daß wir hier an, Adendmahlstisch ihrer der ieblcr.den Brüder gedacht haben, und wie fie hier gestanden i 'bex. ehe sic hinauszogen, so wolle» wir im gleichen Essen und Trinken ihnen uns verbunden fühlen als ein Leib: wollen i.'.liren, wie des Heilands unsichtbare Lichtgestalt leibhaftig unkrr UNS weilt, wie er unser Beten und Grüße» selber aus sich ""nun, um es hinanszulragen in die Quartiere und auf die vndstraßen und in die Schützengräben in Feindesland. !l»d .'ic es dem Arbeiter in glühender Sonnenhitze ein Labsal ist. iri - einem Trunk di« brennende Zunge kühlen zu könne» und l i ureb der ganze Mensch zu frischer Kraft kommt, so mag cs ans gar »ranchcs gequälte Herz unter uns wie ein stärkendes 'Hai wirken, wenn es daran denkt, daß unser stärlster und r oestcr Helfer und Freund bereit steht, alle Sorgen !»>d Bil­le I auizunehmeu und zu ihrem Ziel zu tragen. Und wer diir- licl, der lomme! So kommt den», ihr Traurigen und lasset Euch lrösicn. Za, wir meine», wer einmal angesangcn hat, ?.ej" Gestalt schreiten zu sehen durch diese Kriegstage, dem wird das Herz bald wieder leichter ja, es kann geschehen, baß es ihm hell wird vor Freude! Es gibt eine Geschichte, 5 t Herr Jesus fei einmal im Winter über eine Wiese gegan­gen und wo sein Fuß hintrat, da seien Blumen gesprießt ans dem ringsum hartgefrorenen Boden: So ist es uns heute, als l.! ,r wir Jesu Gestalt durch die kriegsdurchtobte Welt 'chrei tcn. ii'id wo sein Fuß hintritt, da sprießen Blumen aus dem ns'l'k»herzen: Blumen des Gottvertrauens und hellleuch ! ! der Liebe. Und es ist nicht nur an einzelnen Stellen, wo wir ,c!d e Blumen sprießen sehe» im Gegenteil, wenn wir eben h ueinsehcn in dar Leben unseres Volkes und unserer Soldaten, '.UN ist es uns, als sei es Frühling geworden im Spätjahr - 'uitiKiin der Herzen und Gcwifien: da sitzen sie draußen zu

u!n , :i, hinter einer Heike oder Mauer geschützt vor dem Feind, in ;;if)ell von der blutigen Arbeit, und wie sie da sitzen, de­nen sic zu singen und andere kommen herbei und fingen : wehr und Nicht, daß bald die ganze Kompagnie zusammen i Bas singen sie? Jesu geh voran oder ein anderes < " ieslied, oder wir sehe» daheim, wie die Liebe sich nicht ge- nng tun lann, in Dorf,und Stadt, wo cs vorher fast schien, sei alle Liebe ausgcstorben! Und da spüren wir es auf eii iiial. cs ist Frühling geworden in unserem Volk, es geht eia Strom von Lebenswasser eben über und durch uns hin, es - t ei re neue Zeit angebrochen. Und nun kommt die große Frage: Wie steht es mit Dir? Ist das Lebenswasser auch in 7 i. ii Herz gedrungen? Willst Du mitmachen in der neuen .eil eines neuen Lebens, oder willst Du weitersahren !>» al­len Schlendrian? Wir meinen, für uns, die wir unsere treuen rüder vor den Adendmahlstisch habe» treten sehen, ehe sie ' inauezogen zum Krieg, für uns hat damit das Abendmahl .i!.c ganz neue Bedeutung und Kraft bekommen, jetzt -st es aus a is einmal klar, was das heißen will: sterben für die

2'UiK",: wir haben es selber erlebt, was es heißt: Aber ge n>e darum erkennen wir auch, wenn wir des Heilandes und . ;l seiner Nachfolger, die für die Brüder gestorben sind, geden-

: was für eine Dankeslast als Pflicht und Aufgabe sich uus

r Leben legt, durch solches Sterbe» sllr uns! Und daß wir i : ere Dankesschuld a» denen, die für uns gestorben sind, selber zur nicht mehr «btragen können, das macht sie ganz gewiß leichter: Unser ganzes Leben ändert sich, von dieser e I I ieaschuld aus gesehen, wir erkennen, daß wir nur daun des- 7.1 !. iirdig sind, was die totgeweihten Brüder für uns tun und c:c:i haben, wenn wir bereit sind, auch unser ganzes Lebe», 7 ' Arbeit, unsere Krast bis zuletzt einzusetzen, sllr das

tV.rr, für das (i e gestorben sind. Der Apostel Paulus hat

isä't wenn er sagt: Christus ist darum gestorben, damil wir

S: i: fort Nicht mehr für UNS selbst leben,--auch UNS legt

l fit durch das Sterbe» der Brüder auss Herz: daß wir hin- ,'rt nicht für uns selbst, sür unseren Vorteil, für unser Ber­lin gen leben sollen: Das ist das Morgendämmcrn der neuen ', oaß wir erkennen, daß wir für größere Dinge zu leben

jnixsgx szo qun jlhnrjijgl-Z ustpsiq rifun rnl siv »oqvh dieses neuen Morgens steht das Abendmahl jetzt vor uns, das Mahl alle» derer, die ihr Lebe» lassen wollen fiir die Brüder! Auch wir, Mann sür Mann, und gerade so Frau sllr Frau, wal­le» das Leben lassen für die Brüder! Das muß nicht iinmer im Krieg fern, es kann auch in ernster treuer Friedensarbeit geschehen! Für die Brüdern und die Schwestern, nicht für uns selber das ist'» worauf's ankommt, heute noch! Amen.

Der deutsche Wann!

Wer ist ein Mann?

Wer beten kann

lind Gott dein Herrn vertrautl Wann alles bricht.

Er zaget nicht,

Dem Fronnnen nimmer graut.

Wer ist ein Mann?

Wer glauben kann Inbrünstig wahr und frei;

Denn diese Wehr Trügt nimmermehr.

Die bricht fei« Mensch entzwei.

Wer ist ein Mann?

Wer lieben karrn

Von Herzen froimn und lumm;

Die hcil'ge Glut Gibt hohen Mut Und stärkt mit Stahl den Arm.

Dies ist der Mann.

Der streiten kann

Für Weib und liebes Kind:

Der kalten Brust Fehlt Krast und Lust,

Und ihre Tat wird Wind.

Dies ist der Mann,

Der sterben kann.

Für Freiheit, Pflicht und Recht;

Dem frommen Mut Taucht alles gut.

Es geht ihm nimmer schlecht.

Dies ist der Mann,

Ter sterben kann,

Für Gott und Vaterland;

Er läßt nicht ab

Bis an das Grab

Mit Herz und Mund und Hand.

So, deutscher Mann,

So, freier Man»,

Mit Gott dem Herrn zum Krieg;

Denn Gott allein mag Hilfe sein.

Von Gott kommt Glück und Sieg!

Ernst Moritz Arndt (1813).

Chronik« der Kriegsgeschichte.

31. Oktober.

Im Angrift auf Nicupoit wurden Ramskapelle unb Bir- schote genommen. Der Angriff auf Supern schreitet vorwärts; Zandvordc, Schloß Hollcbeke und Wanbekc wurden gestürmt. Oestlich Sorssons wurde der Feins über die Aisne zurüclgcwor- sen und Baiily dabei gestürmt. Dabei wurden 1000 Gefangene gemacht und zwei Maschinengewehre erbeutet. Im Argvnnen- wald, lowic westlich von Derdu» und nördlich von Tout bra­chen wiederholt seiudUche Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen zusammen.

Ein deutsches Unierseeboot brachte im Kanal den englischen KreuzerHermes" zum Sinlen.

Ter allgemeine Angriff aus Tsiugtau hat begonnen, den Japanesen ist cs nicht gelungen, die Festung zu nehmen.

Die Serbe» erlitte» eine schwere Niederlage in der sogen. Macswa. Ucbcr 1000 Eesangcnc und viel Kriegsbeute wurden gemacht. 31» der galizisch bukowinijchcn Grenze wurde eine ruisische Kolonne aller Wassengatlungeu geschlagen. Mehrere russische Eingriffe im Raume von Risiko wurden von den Oestcr- reicher» abgcwiescu.

Den Bolschastern von Rußland. England und Frankreich in .Konstanliiropel wurden die Pässe zugcstellt. - Der türkische KreuzerSultan Sclim" hat Sebajtopol in Brand geschossen. Türkische Torpedoboote beschossen Oae-sa und oersenklcn das russische KanonenbootDonetz".

1. November.

Bei Nieuport wurde der deuischc Angriff durch Ueber- schwenimungcn erschwert. Bei Ppern bejindr» sich unsere Trap­

pen im Vordringen, dabei wurden 000 Engländer gefangen unb einige ihr.»« Geschütze erobert. Auch die westlich Lille läm'pse» den- Truppen kommen vorwärts. Die Zahl der dkl Baiün ge? mnchken Gesangcnen erhöht sich aus 1500.

Die mehrtägige erbitterte Schlacht nordöstlich Duria und südlich Stary Sambor endete mit dem vollständigen Siege der Ocftcrrcichcr. Der Sieg über die Serben in der Macswa wurde verfolgt und die Serben weiter geschlagen.

Die Gesamtzahl der in Oesterreich internierten rxasiicheu Kriegsgefangenen beträgt rund 731)00. Dabei sind zahlreiche noch auf den Kriegsschauplätzen befindliche Gesangea« nicht mstgercchnet.

2. November.

Im Angriff auf Ppern wurde Messines genommen. Bei den Kämpfen in den Argonnen wurden Fortschritte gemacht. Ei» russischer Durchbruchsversuch bei Szittkchnic» wurde abge wiesen.

In den Gcsechten an der San brachten die Oesterreicher den Russen schwere Verluste bei, sic machten u. a. 100 Gefangene und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Südlich Stary-Sauibor wurden cbensalls 400 Russen gefangen

An der russisch türkischen Grenze in Kleinasien baden be teils Kämpfe zwischen den Türke» und den Rusic» begönne». Die türkischen Botschafter verlassen die Hauptstädte der Drei- verbandsstaatcn.

Der Aufstand der Buren breitet sich aus; cs haben bereits cruste Kämpse stattgefunden, Uber deren Ausgang nicht» siche­res zu erfahren ist.

3. November.

Ire Ueberschwemmungen bei Siieuport schließen meliere« Vordringen aus. Die Ländereien sind dadurch auf lange Zeit vernichtet. Bei unserem fortschreitenden Angriff aus Vpern wurden 2300 Mann, meistens Engländer, gefangen und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Unser Angriff a» der Aisnc schrei­tet voran. Es wurden dabei 1000 Franzose» gefangen, 3 Ge­schütze und 4 Maschinengewehre genommen. Zwischen Verdun und Toul, sowie in der Gegend von Markirch wurden französische Angriffe abgcwiesen.

In den Kämpfen südlich von Stary Sambor brachten die Oesterrcichcr 2000 gefangene Russen ein.

Die Ocsterreicher erstürmten die serbische Stadt Schobatz und befiegtcn sranzosisch-montencgrinische Truppen.

Die Verluste der Russen in der Seeschlacht am Schwarzen '.Olm betragen, wie jetzt bekannt wird, 0 Kriegsschiffe und ll> Transportschiffe, die in den Grund gebohrt würbe».

1. November.

llnsere Angriffe aus Ppcr», nördlich Arras und östlich Sois sons schreiten ersolgreich vorwärts.

Unsere großen und kleinen Kreuzer machten eine«. Bngrisj aus die englische Küste bei Parmouth, sie beschossen mehrere Kii siendörser. Das den deutsche» Schiffen folgende cnglischr u» tcrseebootD 0" geriet aus eine Mine und sank.

Die Oesterreicher stoßen bei Saboc neuerdings aus die Ser­ben und brachten ihnen große Verluste bei; die Serben verloren 705 Gefangene und 5 Geschütze.

Unsere wackeren Verteidiger von Tsingtau vcrnichtelcn alle vorgeschobenen japanischen Vcrschanzungen.

Bei Kylrn im Kaulasus wurden dre Russen von den Tür­ken in llcincrcn Gcsechten geschlagen. Die lussische Hasenstadt Batum wurde von den Türken beschossen. Die Engländer ver­suchten bei Alaba (Syrien) zu landen, erzielten jedoch keinen Erfolg.

Die Engländer ernannten den Prinzen Hussein Kiamil Pascha zum Khediven und haben damit Aegypten annektiert.

Man zählt die Zahl der aussländischen Burcii aus 10 000. Die Engländer erblicken i» De Met den gesährlichsien Feind.

5. Stoveuiber.

Ein Aussatt der Belgier aus Rreuport auf dein Gebiet zwischen dein DJim und der Ueberschwemmung wurde mühelos abgewiesc». Bei 3)pern und südwestlich von Lilie sowie südlich Berry au Bac, in den Argonnen und in den Vogesen schreiten unsere Angriffe vorwärts.

Südlich der Wieloka Mundung warfen die Oesicrreicher die Russen aus allen Stellungen, machten über 1000 Gesangene und erbcutclen etliche Maschinengewehre, Im Stryj-Ta! wur­den cbensalls 500 Russen gefangen.

Die Russen wurden von den Türken aus den Gebieten von .Karailisia und Jtham (Kaukasus) vollständig zurückgewvrsc». Englische und französische Kriegsschiffe haben erfolglos versucht, die Dardanellen zu beschießen.

8. November.

Unser Angriff nordöstlich und südöstlich von Vpern macht gute Fortschritte. Auch bei La Basse« und in den 3Irgonne» wurde Boden gewonuc».. Unter schwere» Berluslen sür di - Frnnzoscn eroberten die Deutschen den wichtige» Stütz?»»!/ Bois Brule bei St. Mihiel

An der chilenischen Küste fand um, 1. November eine 2-7 7 schlachi zwischen de» deuffchen Kreuzer»Gneisenau" und Scharnhorst", den kleinen KreuzernRüruberg",Leipzig' und Dresden" und englischen Kriegsschiffen statt, wobei der cng-

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