Nr. 232
Neue Tageszeitung. Dienstag, den 27. Oktober 1914
Sette 4.
Die Mission und der Krieg.
Wir glauben unseren Lesern und der guten Sache einen Dienst zu tun, wenn wir eine» Bries zum Abdruck bringen, den 'j.ri Geh, Kirchcn'nt 35. Schlosser an den „Eichener Anzeiger" lcrichlct hat.
Nachdem er für die Ausnahme eines Artikels über die wahrhast vaterländische Haltung unserer deutschen Missi-nsge-- sellschajtcn, die Unterstützungen LUS England sehr entschieden adgelchnt hatten, gedankt hat, sährt er fort: Es tritt dadurch die sonst nicht immer genügend beachtete Tatsache in ein Helles Licht, daß unsere Missionen sich der hohen Bedeutung der Mission für die Erfüllung der «roßen Wlliaufgaben unseres Volles klar bewußt sind, grell : nicht in dein engherzig selbst
süchtigem Sinne will das r .v.cnics hin. wie es vielfach in England und Amerika der gal! ick, als ob die Mission direkt de: Au-drhtiung der politischen Macht ihres Volkes den Weg zu Lahnen habe. Aber doch so, daß die Erziehung der Naturoöl- Icr z» einer höheren Stuse der Menschlichkeit die Grundbedingungen eines wirklichen Gedeihens unserer Kolonien ist. 35enii über den niedrigen Standpunkt, der die Eiirgcborenen nur als -. il'ritsticre bewertet und daher jeder Aufwärtsentwicklung il-rer geistigen Fähigkeiten mißtrauisch gcgenübersteht, sind wir glücklich hinaus.
Deshalb darf die Mission in unseren Kolonien auch in die- um schweren Zeiten, in dcneii unsere Teilnahme naturgemäß unseren nächsten Nöten und Sorgen, uiiseren Soldaten, unseren Verwundeten, unseren Aibcitslosen und ohne Schuld in Sorge Erratenen, und nicht zuletzt unseren ausgcplündcrten Volksgc- -.offen im Osten und Westen gilt, doch nicht ganz im Stich ge- !essen werden. Wir dürfen unseren Misfionsgescllschasten die -tiittcl nicht verweigern, die sie bedürfen, um ihr Wer! so weit i Gange zu halten, vor allein um ihr Personal, sd weit es . mit im Heere steht, so lange zu erhalten, bis die Zeit- : n;ic den Wiederbeginn des Welkes draußen gestatten. Da- i..it erfüllen wir geradezu eine hohe vaterländische Pslicht. In dieser., Augenblick, in dem die Engländer ihre gierigen Hände - ich Ostafrika, ELdwestasrika, Kamerun, Togo und nach unsere--, Besitz in der Slldfec ausstrccken, um das alles rühmlos als Deuts cinzuheimsen. sollten wir unsere Zuversicht, daß wir das alles schließlich wieder gewinnen und unsere friedliche Arbeit ercinst dort wieder treiben werden, unter anderem auch da- i-urch bezeugen, daß wir unsere dortigen Missionen über Wasser halten. Hunderte von Männern und Frauen der evangelischen und katholischen Misston stehen eien da draußen aus Vorposten in Not und Gefahr. Das Vaterland darf auch sic -llcht im Stich lassen. Neben all dem, was wir für Rotes Kreuz und anderes opfern, wird doch hoffentlich auch noch dafür ein Scherjlcin übrig sein.
Hochachtungsvoll
D. Schlosser.
Die Jungs.
„Die Jungs" nennt nion die Jungen Von vierzehn bis sechzehn Jahr,
Von denen keiner gezwungen Zum Dienst ini Kriege war!
Sic hörten stolz verwundert Ten Ruft „Freiwillige vor!"
Ta traten von drcihuiidert Genau dreihi-nd-rt vorl ....
Die Kinderhände flitzten Zuni Schwur in Sonnenstrahl,
Sechshiindcrt Augen blitzleu Wie Feuer und wie Stahl!
Des Pfarrers Lippen flehten:
Der Herr mag mit euch fein!"
Da stieg wie Kinderbeicn
Hell aus: „Die Wacht am Rhein!" . . .
Manch aller Mann verstohlen Sprach in den S-cmanns-Bart:
„Mich kann der Teumel holen.
Wenn Gott die Jungs bewahrt!" . . .
Mar Bewer, Tresde'i-Laubegast.
Im bk« iinitjdjfii NerluMtll.
Pionier-Bataillon Nr. 2!, Mainz.
Pionier Johs. König, Obe, Mörlen, bisher vcrw, ist tot. FctSartillcric-Regimeut Nr. 81.
I. Abteilung, D a r in st a d t.
Gefechte im Westen 21., 23. u 26. S. 14. Orte nicht angegeben. 1. Batterie. Gefreiter Joh. Eg. Mathcs, Bonames, lvw. 3. Batterie. Kanonier Wilh." Keller, Melbach, lvw.
Infanterie-Regiment Nr. 118, Worms.
Musketier brch. Eänrdt, Lauter, vw. — Untcroffizicr Rich. Jakob, Inheiden, ow. — Musketier Ernst Ambron, Nieder- Wollsladt, vw.
Evangelische Eikineinde.
Gottesdienst i» der Stadtkirchc.
Mittwoch, den 23. Okt., abends iy, llhr: Kriegsbitlandacht. Herr Pfarrer D i e h l.
Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.
Mittwoch, den 28. Okt., abends 'A9 Uhr: Kriegsbittan- dacht. Herr Pfarrer Z a tz n> a n n.
Für das Note Kren;
Sammelstcllc: Rathaus.
H. Blank 3 ,<t: Verschönerungsverein 3üv .8: Theod. Nit- - fort 26 .8; Frau Projclior Unverzagt und Sohn 3.66 M; Johs. i Tchwarz lBcrzicht aus Ouartiergcld) 22.36 .IC, Stadtbaumcister t. P. Zörb (Verzicht aus Ouarticrgcldj 7.36 ,8; Frau Amtsge- richtsdicncr Dreher und Sohn 16 ,l(; Engelbert Kilb (Verzicht auf Quartiergeld! 13 .8; Rcichsbanknorstand Fromme 36 .8: Frau Professor Michel 16 .8; E. N., Sanauerstraße 16 .8; Beamten und Arbeiter der Euter- und Eilgut-Abfertigung 26 .tt: Alexander Lewtz (2. Gabe) 36 .8; F. Sch. (3. Gabe) 5 Jl; katholische Vereinigung (2. Rate) 166 M; Lehrer Kemps (Sßer= licht aus Gehalt als Eesangsdirigent) 23 Bahnbeamtc (gesammelt durch die Stationskassc) 7t .8.
Franltfnrter )ruchii»nrst1 am Maniiz, 26. Okt
Weizen 27.25—27.75, Roggen 24.25—24.75, 5 n f e t 23.40- 23.60, E e > st e 24.25—24.50, Kartoffeln 6.50-7.50. Die Preise verstehen sich per 100 Kilo franko Franlsurt.
Weizen kl eie 16.00—00.00, Weizenschalcn 16.00 -16.50, R o g g e n k l e i e 00.00-00.00, Bi e r- t r e b e r 00.00—00.00. Die Preise für Futtermittel verstehen sich per 100 Kilo einschlieszlich Sack ab Mühle. Weizenmehl 40.75—41.00, Roggenmehl 00 00—00.00 ab Mühle.
Infolge der zu erwartenden Höchstpreise sür Brotgetreide (Gerste und Mehl sollen zunächst nicht, oder nur IN beschränktem Maße damit belastet werden), war das Geschäft nur sehr beschränkt. Gerste ist in Brauwarr sehr gesucht, Hafer zu vorwöchigen Preisen lebhaft gehandelt. Mehl unverändert und gut gefragt. Futterartikel sehr fest. Die Preise sind naniincil und notieren:
Fronksurter Wetterbericht Boraussage: Ziemlich trüb, zeitweise Regcusällc, wenig wärmer, westliche Winde
„Rönierbmnnen
Hervorragendes Tafelwasser.
Verantwortlich für den poljZschen und lokalen Teil: Otto H i r s ch c l. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch m i d t, Friedbcrg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A. G.» Friedborg i, H.
Nachruf.
Nach langer Ungewißheit erhielten wir die Nachricht, daß unser treues Mitglied
Karl Lehmer
10. Komp., Res. Ins. Regt. Nr. 168
den Heldentod fürs Vaterland am 22. August auf Frankreichs Erde gestorben ist. Durch seine edlen, guten Charaktereigenschaften ersreute sich der so jäh Dahingeschiedene allgemeiner Beliebtheit und Achtung. Wir werden sein Andenken stets hoch in Ehren halten.
Kriegervercin Staden.
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Todes-Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine liebe Frau, unsere gute Tochter und Schwester
geb. Len;
nach längerem schwerem Leiden gestern Mittag im 23. Lebensjahre zu sich zu rufen.
Büdesheim (Oberhessen), den 27. Okt. 1014.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Otto Nan; j. Zi. im Lridc u. Angel,ölige Philipp Len; u. Familie.
Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, den 28. Oktober, nachmittags 2 Uhr.
Lehrling gesucht.
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Leib Traaorie»-Reai,»e>il -Iv. 24.


