DI- „Urne Tage»,eitung" kl chcmt ,eden Werltag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer au» Hesse»", „Die KpiimKube". K«s»gaprei«: Lei den Postanstatteii uioc;el|äl)rtiä) -JJif. 1,9c bei den 'Agenten monailich SO PIg. Hin,u lriit Postgebühr ober Irägerlohn. Ämcigctc Grunbieile 90 Psg„ lolale lö P>g„ An-,eigen von auswärts werde > dur Po nia hnahi»« erhoben Ertüllungsori Frirdbeeg. Sisiriftteitung und Verlag Zriedberq (hesient. -stunauer rratze 12. Fernsprecher 43. Pi ls Heck-Toni, Sir. 43-S, Slml Franljiirt °. M.
Wie Antwerpen erobert wurde. — Liebreiche .Kämpfe im Norden Frankreichs. — Niickzng der
Russen in Galizien. — König Karol von NnmäuLen gestorben.
Wie es kam.
W. T. B. Grasice Hauptquartier, Ist. Lkt., abends. Nach nur zwölstägiger Belagerung ist Antwerpen mit allen Forts in uusrrc Hände gefallen. Am 28. September s>el der >rs,c Schuh gegen die Forts der änheren Linie, am l. Oktober wurde» die erste» Forts erstürmt, am st. und 7. Oktober der starte, angeftautc, meist sstst Meter breite Ncthc. Abschnitt von unserer Jnsnntcrjc und Artillerie überwunden, am 7. Oktober wurde entsprechend dem Haager Abkommen äe Bcschiestung der Stadt angckündigt. Ta der KomnnZii- iant erklärte, die Verantwortung für die Bcschiestung über- ichmcn zu wollen, begann mittckiiachts vom 7. zum 8. Lkt. »ie Beschiestung der Stadt. Zu gleicher Zeit setzte der An- griff gegen die innere Forttzlinic an. Schon am 9. Oktober früh waren zwei» Forts der inneren Linie genommen, und am 9. Oktober nachmittag konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt werden.
Tie vcrmntlich sehr starke Besatzung hatte sich anjäng- lich tapfer verteidigt, da sie sich jedoch dem Anstürme unserer Infanterie und der Marincdivision sowie der Wirkung unserer gewaltigen Artillerie schlicstlich nicht gewachsen sühlte, war sie in voller Auflösung geflohen. Ilntcr der Besatzung befand sich auch eine unlängst cingctrossenc englische Marincbrigadc.
Sic sollte nach englische» Zeitungsberichten das Rückgrat der Verteidigung sein. Ter Grad der Auflösung der englischen und belgischen Truppen wird durch die Tatsache bezeichnet, das, die Ncbrraabcverhandlnngen mit dem Bürgermeister geführt werden mutzten, da keine militärische Behörde aukz». finden war. Tie vollzogene lkebcrgabc wurde am Ist. Lkt. Pom Ehcs des Stabes des bisherigen Gouvernements von Antwerpen bestätigt. Tie letzten noch nicht übergebenen Forts wurden von unseren Truppen besetzt Tic Zahl der Gefangenen kästi sich noch nicht übersehen. Biele belgische und englische Soldaten sind nach Holland entflohen, wo sie interniert werden. Gewaltige Vorräte aller Art sind erbeutet. Tic letzte belgische Festung, das „uneinnehmbare" Antwerpen, ist bezwungen. Tie Angrissstruppcn haben eine austcrordcntliche Leistung vollbracht, die von Seiner Majestät damit belohnt wurde, dast ihrem Führer, dem General der Infanterie von Besclir, der Orden Pour lc mSritc verliehen wurde.
Wie ein Stück Weltgeschichte liest sich dieser Bericht aus dem deutschen Hauptquartier. Wie mächtig klingen die Worte: Am 28. September siel der erste Schutz und am 9. Oktober nachmittags konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt werden. Es hat sich abermals gezeigt, datz keine Festung und sei sic noch so stark den deutsch:» Waffen Widerstand leisten ran». Nicht allein, datz Autwer- pcn mit einem doppelten Ring von Forts umgeben war, die i:qch allen Regeln der neuesten Kriegskunst befestigt waren, seit dem Fall Lüttichs waren die belgischen Heerführer unablässig bemüht, alles, was der Verteidigungskrieg nur ersinnen kann, aus Antwerpen anzuwcndeu. Abgesehen von Wolfsgruben, Verhauen und Stachel,aunhindcrmssen kann- rcn weitere Gebiete der tlnigebung Antwerpens unter Was- srr gesetzt werde:,. Tie Fest»,- - schien also durch Wasser »vd durch Feuer vor dem Feinde g.schützt. Es hals nichts: nach kLtägiger Belagerung war sic von den Deutschen bezwungen.
lim die Stärke der deutschen Wessen zu verstehen, mutz mau die Begleitumstände in Betracht ziehen. Auf zwei Rie- lenfronten kämpfen unsere Heere gegen an Zahl überlegene Gegner. Ohne Aushörcn sind die Franzosen bemüht, uns durch erneute Umsassungsvcrsuch.' in, Norden Frankreichs zu erdrücken. Mit glänzender Tapferkeit wurden alle Anstür,ne zurückgeworsen, ja die Welsche» ,nutzten den Schmerz erfahren, plötzlich im Norden aus ganz neu geh: ->."e deutschen Truppen,,lassen zu stoßen, die die llmzim , seie t zu umzingeln -drohen, lind während oll' dieser i: ei.-.e - e ' - den Ereignisse, hat das deutsche Reich »och die Zeit »ud die Kraft so ganz nebenbei eine der stärksten Festungen der Erde zu bezwingen.
Ein herrlicher Erfolg in der Tat, der ganz besonders nn- angenchm den Engländern in d,e Ohren klingen dürfte. Gibt er doch aller Welt klar und unzweifelhaft Kunde non der Ohnmacht Englands. Allen denen, die es mischt, zeigt der Fall Anrwerpev.s wie sehr im Gegensatz die
Grotzmannssilcht Englands mit seinen Leistungen steht. Tie Engländer inutzte» alles tu», um die bedrängte Stadt ',» retten, räuniliche Schwierigkeiten waren nicht zu überwinden, denn Antwerpen ist von der Südkiiste Englands nicht weiter entfernt wie Frankfurt von Köln. Wenn trotzdem England seine» Verbündeten nicht mit stärkeren Kräften » Hülfe gekommen ist, so geschah es, weil cs nicht k o n „ t e. Ter 'brauchbare Teil seiner Truppen, die stehende Feldarmee ist auf den Schlachtfeldern Frankreichs fcstgchalten und mit dem Buschklcpperheer, das in England zufaniniengetromiiielt wird, sind keine Siege zu erfechten.
Der Fall von Antwerpen ist also abgesehen davon, da-, die Verteidigung der Stadt ganz unter englischer Leitung gestanden hat, auch moralisch in allervorderster Reihe eine Niederlage Englands, unseres gemeinsten und rücksichtslosesten Gegners. Das Erprcsscrhandwcrk, das die Grey, Churchill und Genossen auf die neutralen Staaten auszuübcn ohne Aushörcn bestrebt sind, wird gelegt werden, wenn die bctrcsscndcn Staaten, die Schwäche des englischen Seeräubcrstaates so vor Augen geführt bekommen, wie es dvrch den Fall Antwerpens geschehen ist. Tie Jngo-Presse in England knirscht vor ohnmächtiger Wut. Tas bcriichtiqste Hetzblatt, die „Times", gibt gisterfüllt zu, datz der Fall Ant- werpcn einen durch nichts zu widerlegenden Eindruck auf die öffentliche Meinung machen werde. Aber selbst, wenn Antwerpen eine deutsche Festung werde, so werde cs den, deutsche» Ha n d e l wenig Vorteile bringe», der c i » ■ für allemal z um Untergang geweiht sei. Deutschland werde alles tun, um Antwerpen zu behalte n. Doch sei diese Lage für England unerträglich und somit bestehe keine Aussicht, datz dieser Traum der deutschen verwirklicht werde. Man beachte den unerträglichen Hochmut, der aus diesem Ton der niedergcrungcncn Bestie, herausspricht. Wir hoffen, daß noch weit mehr Ereignisse bevor- stehen, die den Verbrechern, von denen Alt-England regiert wird, unerträglich erscheinen, an die sic sich aber gewöhnen müssen.
Gleichzeitig mit dem Fall Antwerpen sind »och andere crfrcnlickic Ereignisse eingctretcn. Im Norden Frankreichs haben deutsche Rcitcnnasscn zwei französische Kavalleriebri- gaben in blutigem Tressen auf's Haupt geschlagen. Bor Bcl- fc-rt scheint es ernst zu werden. In Galizien schicken sich die Russen znm Rückzug an; die Deutschen stehen bereits an der Wcickscl. Allenthalben geht cs wieder vorwärts!
Antwerpen mit allen Autzen- werken in unserem Besitz.
Als Ergänzung d:r Depesche, die die Einnahme der St. dt Antwerpen verkündet hat, kam »m Samstag Rach mitteg ncch folgendes Telegramm:
Gxostes Hg.uptquartier, ist. Okt., kl Uhr vormittags. kW. T- 85 ) Tic ganze Festung ?lntwcrpc», einschlicstlich sämtlicher Forts, ist in unserem Besitz.
Eros,es Hauptquartier, 11. Oktober, abends. (Anitlichl.
Westlich vc.i Lille wurde von uiijcrer Kavallerie ani 19 C,ein: jeauzösitche Kavallcriedivision völlig, bei Hazcbcouk eine andere scanzösischc Kavallcriedivision unter schweren Verlusten geschlagen. Die Kämpfe an der Front im Westen fühlten bisher ,-u keiner Entscheidung.
Heber die Sicgesbcutc von Antwerpen können noch keine Mitketli ngeu gemacht werden, da die Ilntcrtggen erklärlicher Weise ucch schien. Auch über die Anzahl der Ecsanzoir», über de:: Ucbcrtritt englischer und belgischer Truppen »ach Holland liege» noch keine ,zuverlässigen Nachrichten vor.
A> j deni östlichen Kriegsschauplatz lvurdcu im Strrdeu alle l Slngr'sie der 1. und 19. russische» Armee gegen die oft; :::.siiscko l Ormee reu dieser am 3. and 19. Oktober zuruilaeschlage e. Auch ein Ut-.j.-.ss, ogoversuch der Russen bei Schirwi: dt r.. -.Xi eb-ze- vstesc::, d:-e:i 1399 Rnssc» zu Ecsangencn gemach!. Fa Snd- polcn erreichte die Spitze unserer Armee die OS 1 1 srl. Bei Erojcg westlich Warschau sielen 2999 Mann der 2. sibieii 'eil rlrmrc in ui' :c Hände. Rnsjische avitliche Nachrichten über eine i grogrii Eieg bei Augustowo-Suwnlki sind Ersindnuz. Wie hoch die amtlichen russische» Nachrichten eilizuschiitze» sind, zeigt dir Tatsache, dag über die gewaltige Sticderlage bei Tamie»- bceg iv o Insterburg teilte amtliche russische Nachrichten verös- | lev.ri- umcdr.u.
Przemysls BcfrcmrtiZ.
Wien, 11 . Ott. Amtlich wird vcrlautbar: Unser rasche» Bo-zchen an der San hat Przcmnsl von der scindlichen Uniklammerung bcsrert. Unsere Truppen rückten in die Festung ein. Wo sich die Russe» noch sielltcu. wurden sie ange» grisseu und gcjch lagen. Bei ihrer Flucht gegen die Flugübergänge von Sieniawa und Lcznjst sielen massenhafte Ge- fongcnc in uiisere Hände.
Der stellvertretende Chef des Ee»c>aljtabs: v. H ö s e r Generalmajor
§kk Full AiiiilikkPkli's.
Tie Kämpsc an der Scheidelinie. London, 10. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) In dem Bericht des Korrespondenten der „Daily News" in Gent Über die Kämpfe an der ^chelde- l:nie heißt es: „Ich habe Furchtbares erlebt. Drei lauge Tage und einen großen Teil der Nächte donnerten die Ge- schiitzc von einem Ufer zum andern an dem 15 Meilen langen Kanal. Zwischen Tcrmonde und Wetteren hatten die belgi scheu Truppen große Anstrengungen auszuhalten. In tic scn Laufgräben liegend, waren sie oft stniidenkng den Schrapuellfeiier ausgcsetzt. Tic Ambulanzen hatten täulicö viel Arbeit. Besonders groß ist die Zahl der gefallenen Öfsi- ziere. Tie Nerven der Soldaten wurden bis znm änderst« n angespannt. Weiter südlich kam ich in die Nähe des heftigsten Artillericduells. Tort glückte es dem Feinde kurz »ach Tagesgraucn, eine Pontonbrücke zu schlagen und einige Kompagnien Infanterie herüberzubringen. Als die belgi- schen Feldgeschütze Aufstellung genommen hatten, schlossen sic die Brücke sofort kurz und klein. Tas Geschützscncr war so heftig, datz die über die Brücke Gekommenen sich nur durch Flucht vor der Bernichtung retten konnte». Die Belgier setzten ihr Feuer fort, bis ani Nachmittag plötzlich die deutschen Geschütze zu antworten begannen, und zwar mit so surckst- barcr Heftigkeit, daß derjenige, der es miterlcbte, cs niemals vergessen kann. Tie Genauigkeit des deutschieii Feuers war erschreckend. Die Granaten verwandelten die Stellen, dir uns kurz vorher zur Deckung dienten, in ein Chaos.
ürberlrgenheit der brutschen Geschütze. Amsterdam, II Ott. Der Sonderberichterstatter des „Handelsblad" meldet: Die belgischen Geschütze vermochten nichts gegen die dcurjcher (beschütze. Die Verteidiger bekamen die deutschen (beschütze überhaupt nicht zu sehen, und es war unmöglich, sich nur eiriger- maston ihre Ansttellung festzustcNen. Die Deutschen drgcaen tannlcn ihre Ziele genau. Ihre Ballons stiegen regek-nähiz auf. und das Feuer war so hestig, dag die Verteidiger nickst fliehen konnten, ohne dem gcwisien Tode entgegenzugchen. Vor. vcisihiedcnen Punkten der letzten Verteidigungslinie ourdi Befehl gegeben, das Pulver in die L»it zu sprengen. Mehrfach tonnten aber die Pulverkammern nicht mehr erreicht wer den Das Feuer hörte um tl Uhr 99 auf. Die Besatzung be- nutzic lojort die (belegenheit zur Flucht. Die Stabt war tl diesem 2Iugciiblick bereits übergeben, aber die Bcrteidlge- ivugtcn cs noch nicht. Sofort zogen Polizciagcntcn -nit nei hcn Flaggen au, die Wälle, um die Ilebergabe allzuzeigen. Al» sic ankamen, fanden sie jedoch an den meisten Plätzen die Sie!» tlliiaen bereits leer. Die Soldaten hatten die Wälle in wilder Flucht verlassen. Die deutsche Fnsantcrie begann dann so- fort die Verfolgung. Es wurden viele Gefangene gemacht. Andere ci.itaiiten nur durch schncllos Anlegen bürgerlicher Kleidung.
Ei:: belgischer Offizier über die Belagerung. Der „Tele
praaj ’ gibt solgenbe interessante Schilderung, die ein belgi scher Ofsizicr seinem Korrespondenten gemacht hat. IT-ifer» englischen Bundesgenossen laten alle ihr Bestes, um Alitwer. pcu zu rei.en.Abcr ihre Hilfe lam zu spät. Selbst wenn sie und wir b . i übti Mann stark gewesen wären, so hätten wir doch die Forts gegen das schwere deutsche Geschütz nicht halten können. 5st.c z gen kann wohl überhaupt keine gegenwärtige Festung aniäu.ps.-n. Tie Deutsche» tieften vor allem ihre Artillerie spielen, sie cer:::>:dc» soviel wie möglich Eescchte aus ojsencm Felde, lii-'i sic ertrotzten die Flugübergänge trotz aller Verluste.
D.e Uebrrgab: der Stadt. Amslerdam, l>. Lkt. Dar ..Hondelsblad" melde! aus Roscndaal: Freitag mistti-g
gegen 12 llhr biinen vier deutsche Lssiziere aus das Rathaus von 2intwerpen, die ilcbergabc zu fordern, der »ach kurzer Unterhandlung zugestimmt wurde. Die belgischen Truppen verließen daraus die Wälle und die Stadt Hals über Kops. Ei:, Teil wick, nach Norden aus und liest sich an der halländik-


