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Wir hoffen zu siegen. Wer ist des Sieges gewiß? Geriistct wollen wir fein auch für den äußersten Fall nämlich, daß zur Verteidigung des Vaterlandes auch die allerletzten Kräfte ge­hraucht werden sollten. Unsere Jugendlichen vom 16. 20. Lebensjahr wollen wir durch kundige Männer für den Kriegsdienst vorbereiten lassen. Sie sollen, ohne Waffe», jetzt schon bekannt gemacht werden init der Bildung von For­mationen auf Zuruf und Wink, cs sollen Marschübungcn vorgenommen» sie sollen belehrt werden über Schützenlinien, Anlage von Schützengräben, über die Verwendung des Ge­ländes, über Spurwesen, über den Gebrauch des Kompasses und der Morseschrift, über Feld- und Lagerdienst, über Er- stattnng von Meldungen, über Waffen und Wafscnwickung. In anderen Staaten beispielsweise in Frankreich, betreibt man diese militärische Vorbereitung der Jugendlich;» schon lange. Uns scheint sic durch die besonderen Verhältniss;, in denen wir leben geboten. Darum heraus ihr Jugendlich;», die ihr euch bei eurer Bürgermeisterei oder eurem Lehrer noch nicht angemcldct habt! Wollt ihr allein müßig stehn? Es darf wohl als ganz selbstverständlich angesehen werden, daß auch nicht ein einziger junger Mann in dieser ernsten Zeit so wenig vaterländischen Geist zeigen wird, daß er gier beiseite stände. Wenn die Regierung in dieser Angelegen- heit ans den Zwang verzichtet hat, so tat sie dies, weil sie darauf rechnen konnte, daß aris ihren Ruf alle Jungmänner, wie ein Mann begeistert herbeicilen würden, um sich zu er­tüchtigen im Dienst fürs Vaterland. Schande über die Schlafmütze und den Jämnrerling, der dieser hohe» Erwar­tung nicht Ehre machen sollte! Die Friedberger Jugend versan,vielt sich Sonntag, den 11. d. Mts., Nachmittags 1 Uhr in der Turnhalle. Die Beteiligung wird allgemein als Ehrensache angesehen.

Pariser Vcrkehrsleben.

Von Julius Adler, Fricdberg.

(Fortsetzung).

Im Verlauf- des Nachmittags wird das Leben und Trei­ben auf den Straßen noch intensiver. Zu all' dem bereits ge­schilderten Trubel vom Vormittag gesellen sich noch die Da­men, die nun ausgehen, um ihre Kinder spazieren zu führen, um Besuche zu machen, oder aber um Einkäufe zu besorgen. Da Paris in der Damcnmode tonangebend ist, so besuchen, außer den für Mode und Staat schon äußerst eingenommenen Pariserinnen, eine Menge von Damen aus der französischen Provinz und aus aller Herren Länder die Pariser Geschäfte. Sie alle strömen in die großen Mode-Magazinen:Bon

Marche",Louvre",Ealerics Lasayettc",Printcmps".Sa- maritaine" und wie sie alle heißen mögen. Diese überbieten sich dann auch gegenseitig an Auswahl, Luxus, eleganter Aus­lage, lockenden Preisen und Zahlungserleichtcrungcn. Das Annoncieren in den Tageszeitungen ist in Frankreich lange nicht in dem Maße verbreitet, wie hierzulande. Dagegen ver­schicken die große» Modemagazinen illustrierte Prospekte und Kataloge innerhalb Paris, nach dem ganzen übrigen Frank­reich und ins Ausland in Millionen von Exemplaren. Auf Grund dieser Kataloge kann mau sich Sendungen zur Auswahl oder zur Ansicht kommen lassen und das Nicht-Konveniercndc, nach Verlauf von einigen Tagen, anstandslos zurückgeben: von dieser Einrichtung wird weitgehender Gebrauch gemacht und ist bekannt, daß Pariser Damen, selbst aus besten Kreisen, zu­weilen am Vorabend einer Festlichkeit eine elegante Toilette zur Ansicht" kommen lasten, sich einen Abend damit schmücken und sie nachher alsnicht pastend" kaltlächelnd zurückgeben!' Die meisten Damen aber kommen in das Modehaus mit dem Katalog, den sie vorher eingehend studiert haben und kaufen an Hand dieses Kataloges den Stoff, das Kleid, die Blus: oder

die Handschuhe, die sie sich vorher ausgewählt haben,-----

wobei aber, der Wahrheit die Ehre zu geben, bemerkt werben muß, daß sie höchst selten gerade nur mit dem vorgemerkten Gegenstand Weggehen, sondern gewöhnlich beim Herauskommen noch eine Menge anderer unnötiger Dinge gekauft haben, natürlich Alles:nie wiedcrkommcnde Eelcgeuhcitsläuse!'"

Nun ist ja allerdings die ganze Ausmachung aller dieser gro­ßen Magazine derart effektvoll, daß es recht schwer halten muß, der Versuchung zu widerstehen. Da findet vor allem ein gro­ßer Teil des Verkaufs aus der Straße vor dem eigentlichen La­den statt, um schon von weitem die Käuferinnen anzulvcken: ganze Berge von Stossen, Bändern, Kleidungsstücken, wollene und leinene Waren sind angehäuft: die Frauen drängen und drücken sich davor und durchwuhle» die Warcnstöße in fieber- hafler Auslegung, gerade als ob alles verschenkt würde! - Raffiniert dekorierte Erker locken in die Läden hinein, drinnen ist der Zulauf und das Gedränge womöglich noch größer und eine schwüle, von Parfüms durchsüttigte Lust ruh« darüber. Da werden dann Ricsenumsäße gemacht, aber auch viel Dieb­stähle kommen bei dem freien Herumliegcn der Waren und der allgemeinen Nervosität fortwährend vor. Jedes derartige Haus hat einen ganzen Stab eigner Geheimpolizisten, die wach­sames Auge hallen: manche elegante Dame mußte und muß

sich der Visitation unterweisen und gar mancher Ehemann er­hielt eine Benachrichtigung: Madame X habe diesen oder jenen Gegenstand mitgenommenzu bezahlen vergessen": er möge

um Weiterungen zu vermeiden, sofort den Betrag einzahlen.

Etwa von 4 Uhr ab kommen dieoberen Zehntausend" in den Straßen nahe der Oper, dem elegantesten Geschästsaicrtel, angcsahrcn, woselbst sich die allerersten Juweliere, Dameuschnei- der und Modcgeschäste befinden. Da halten dann in dieser Gegend besonders in der Rue de la Paix und Place Ben- »omc Hunderte von herrschaftlichen Automobilen, dicht hin­tereinander in mehreren Reihen, sodaß, trotz der Breite des Fahrdamms kaum der Straßenverkehr aufrecht zu halten ist. Diese Autos und Wagen ergießen sich dann in endloser, Fol ie. durch dieelysäischen Felder", woselbst sich der Präsidenteu- palast befindet, hindurch, nach dem Boulogner Wäldchen zu: dort und in den großen Hotels aus dem Wege dahin, sinden oie Nachmittags-Zusammenkünfte der Haute Volöe beimfivc »'clock tca (5 Uhr-Teej statt.

Von l> Uhr ab beginnt dann wieder das Schließen der

Neue Tageszeitung. Samstag, den 1U. Oktober 1914

Werkstätten, Büros und Läden, der imposante Auszug der Ar­beiter, Angestellten, Ladenmädchen, Näherinnen. Allerdings herrscht im Ladenschluß keinerlei Einheitlichkeit: gibt es doch in Paris noch Geschäfte, deren bedauernswertes Vcrkaufsper- sonal allabendlich bis 10 Uhr ausharren muß: der Ladcnsckiluß ist nämlich nicht gesetzlich geregelt, wie denn auch die Sonn­tagsruhe nur sehr schlecht durchgeführt ist.

Gegen 'Al 7 Uhr geht cs wieder zumAppetit-Gläschen", dann folgt das Abendessen und von 8 oder Z4g Uhr an wälzt sich stets ein riesiger Mcnschcnstrom über den Haupt-StraßenzNg der Stadt: die großen Boulevards hin. Diese großen Bonle pards sind wohl das Interessanteste von ganz Parts, was Ver­kehr und Leben betrifft: sie ziehen sich auf ungesähr S Kilome- ter Länge von einem zum anderen Endo der inneren- Stadt hin, die sic in zwei Teile teilen; sie bilden das beliebteste Ziel der Pariser zum Promenieren und Herumschlendern, den Zu- sanlmenkunftsort für Kaufleute, Industrielle, Künstler, Schau­spieler, Diplomaten, den Tresspunkt der Fremden: aus der

ganzen Welt strömt das Publikum zusammen, wie auch aus der halben! Längs der Trottoirs zu beiden Seiten wechseln Restaurants, Cafes (fast alle mit Musikkapellen), Theater, Va­riete, Kinematographen in endloser Zahl mit Luxusgcschäftcn aller Art ab. In der vorbciflutcnden Menge sind die schönsten Typen aus allen Erdteilen vertreten. Alle mögliche» Stra­ßenhändler beleben das Bild: Zeitungsjungen rufen die neue­sten Extranummern aus, vor den Cafes werden Süßigkeiten, Oliven und Nüsie, Spielzeuge, Schcrzartikel, unnatürlich kleine Hunde, Vögel und Assen verkauft: Schnellmaler, Silhvuetten- Ausschneider, Wahrsagerinnen, Straßensänger, Akrobaten, Feucrfreffer produzieren sich, diese allerdings nur zu bestimm­ten Zeiten, während Chinesenkinder und krüppetfüßige Chi­nesinnen ihre Jongleur-Kunststücke tagtäglich aussühren. Ein foldi' lebhaftes Treiben und wechselndes Bild gibt cs kaum sonstwo.

Ain Abend nach dem usiachtesfen erreicht der Verkehr aus den Boulevards seinen Höhepunkt: es ist in den Cafes uud a> f den Terrassen buchstäblich kein Platz zu sinden und durch die auf- und abwogende Menge nicht hindurchzukommen. Aus dem Fahrdamm rollen Wagen und Autos aller Art unc brin­gen ihre eleganten Insassen nach den großen Theatern, die säst alle aus oder nahe bei de» Boulevards belegen sind. E; gibt in Paris »ngejähr zwei Dutzend große Theater in der Innen­stadt, »och ebenfovicl kleinere in den verschiedenen Stadtteilen zerstreut, abgesehen von den zahllosen Varietes, Cabarcts, Sommerdühnen, Kinematographen.

Der rege Verkehr aus den Boulevards dauert bis 12 Uhr nachts: da sind die Theatervorstellungen beendigt und manche der Besucher haben noch einen letzten Trunk oder Imbiß oe- ncmmen. Dann aber beginnt erst das Leben und Treiben in den Cabarets auf Montmartre und dauert die Nacht hin­durch. Oft beschließen besonders seiisationlüsternc Fremde die Feier damit, daß sie (in sicherer Begleitung) die Verbre­cher-Kneipen und Höhlen, die in der Nähe der Markthallen ge­legen sind, besuchen. Man nennt dasFaire la Tournee des Grands-Ducs"die Tour der Großsürstcn mache», weil die russischen Großfürsten stets ein ganz besonderes Interesse an dieser eigenartigen Belustigung haben sollen. So erlischt der Verkehr der Riesenstadt in der späten Nacht zuletzt da, wo er zuerst am frühen Morgen wieder beginnt, b e i den Markthallen.

Deutsche Krieysbriefe.

Von unserem Kriegsberichterstatter. *)

XI.

Wie es im Großen Hauptquartier aussieht.

Großes Hauptquartier, 4. Olt. 1914

Zu Beginn des Krieges sind vielfach die abenteuerlichsten Geschichten über das Leben und Treibe» im Große» Haupt­quartier und besonders über Wohnung, Unterkunft und Bcr- pslcgung des Kaisers erzählt worden, sodaß cs angezeigt er­scheint, darüber etwas Authentisches zu hören. Zunächst ist be­sonders dem Mythus entgcgcnzutreten, als ob der Kaiser sozu­sagen unter freiem Himmel schlafe oder auch nur gezwungen sei, in einem besonders mitgcjührten Wohnhausc zu übernach­ten. Frankreich ist nicht Rußland und je weiter wir naä) We sie» und Süden Vordringen, um so beruhigter könne» wir we­gen der kaiserlichen Unterkunst und damit auch unserer Trup­pen sein Denn hier haben iiicht wie drüben in Belgien Frank­tireurs gewütet und damit unsere Truppen zu Strafgerickiten über ganze Städte und Dörser gezwungen. Und was der Krieg selbit zerstörte, loiiimt kaum in Betracht, soweit cs sich um die Unterbringung des Großen Hauptquartiers und des größten Teiles unserer Truppen handelt. Die letzteren müssen aller­dings zurzeit, wo cs sich schon wochenlang um einen Kamp! mit lau.n wechselndci» Schauplatz handelt, mit Quartieren in zer- Ichosienen Städten und Dörser», teilweise auch in befestigten Stellungen und aus freiem Felde vorlicb nehmen, aber für das Große Hauptquartier, das immer an die Ü0 Kilometer und mehr hinter der Front zu bleiben gezwungen ist, spielt die Wohnungs- und Vcrpflcguiigssrage vorläufig wenigstens noch keine Rolle. Gegenwärtig befindet cs sich in einer Stadt Frankreichs, die an die 20 000 Einwohner zählt lind sehr wohl­habend ist. Das beweisen die reichen Kaufläden, zahlreiche Juwelier- und elegante Dameiiiiiodengeschüstc und schließlich uiehrerc Filialen großer Pariser Banken. Allerdings ist der größte Teil dieser Eeschäste von ihren Inhabern verlaßen, wie denn auch viele gutsituierte Einwohner törichterweise beim An­marsch unserer Truppen geflohen sind, weil der BUrgern:eister in einer noch an den Straßenecke» klebenden Bekanntmachung die eilige Flucht den Einwohnern »ahegelegt hatte. Aber nachdem sie gehört haben, wie friedlich und ruhig hier alles zu­geht, und was für gute Geschäfte die zurückgebliebenen Kaus- leute mit den zirka 1000 Mitgliedern des Großen Hauptquar­tiers machen, kehren sie mehr und mehr zurück und bald wird die Stadt ihr gewöhnliches Aussehen wieder angenommen ha­ben. Die Anwesenheit des Oberhauptes des Deutschen Rei-

*) Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 3. 10. 1014 Großer Eencralstab des Feldheeres.

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chrs in ihrer Stadt ist natürlich den Einwohnern bekannt nnd so sinden sie sich täglich neugierig in der Umgebung des Quar­tiers ein. das vom Obirhojma'schallamt unter dem Besch! des Oberhofmarschalls Freiherr» von Reischach für den Kaiser hcr- gcrichiet worden ist. Hier steht Sr. Majestät alles zur Ver­fügung. was er für seine persönlichen Bedürfnisse nötig hat. denn cs handelt sich um das luxuriöse Heim eines alten Patri­ziers, der Haus und Garten geradezu jürstlich ausgefiatict hat. Mit allen Dienststellen in der Siadt steht der Kaiser in direkter ielesonischer Verbilidung, da unsere Feidpostverwaltuug es als ihre vornehmste Ausgabe betrachtet hat, zunächst die teilweise zerstörten Telefon und Telegraphenleitungen wieder herz,i/:l- lc». Auch ist Wasser, Gas und sogar elektrisches Licht serhan. den und ein täglicher Autcrelaidienst über Luxemburg-Kol» bringt die Cauricrs innerhalb von drei Tagen nach Berlin and zurück. Aui -rdem besteht selbstverständlich eine direkte Tele- graphen- und Telefonvcrbindung mit der Rcichshauplstaot.

Im Gefolge des Kaisers befinden sich neben dem Eencral- rbcrsten von Plesicn die Generalleutnants von Gentard. von Chclius und Freiherr von Marschall, ferner Oberst v. Melius, Oberstleutnant von Mahnte und die Majore von Coprivi, Graf von Moltke und von Hirschseld. Drei Acrztc und zwar der Ge­neralarzt Dr. v. Jlbcrg, Oberstabsarzt von Niedncr und Sirbs- arzt Dr. Wezel habe» den Kaiser ins Große Hauptquariie,- be­gleitet nnd den Beschluß des persönliche» Gefolges bildeil der Oberst Prinz Schünburg nnb Oberstleutnant Fürst von P,l--ß

In dem schönen Gefchaftshauje desCredit Lyonnaie", wo sonst fleißige Bankbeamle die Einzahlungen der Kunden cnt- gegcnnahmen und ei» reger Bcrlehr in Wechseln uud Effekten vor sich ging, hat das Militürkabinett seinen Sitz aufgcschlagcn. Ihm gehören au neben einem Chef, dem Ecnerat Freiherr» von Lynker, der Oberst Freiherr von Marfchall, der Oberstleut­nant von Langendorss, die Majore von Hake, von Wehr:, f.uff.- niann und der Hofrat Steller. Auch das Marinekabinctt hat hier eine Zweigniederlassung begründet und zwar durch i»u Admiral von Müller und den Geh. Hofrat Maßmann. Das, Zivilkabinett vertritt dessen langjähriger Chef Wirll. Geheim- rar von Balcntini und cs gehören ihm außerdem an der Geh. Rct Abb und der frühere Gesandte von Treutler. Als Feld- prcdiger des Großen Hauptquartiers fungiert der Geh. Kirchen rat Dr. Eocns. Der kaiserliche Marstall hat ein kleines Heer­lager von Reit- und Wagenpferden, sowie Wagen und Auto Ulvbilc» ins Große Hauptquartier entsandt.

An das kaiserliche Hauptquartier schließt sich unmittelbar der Große Gcncralstab des Feldheeres an. Er hat sein Quar­tier in der schönen alten und sehr geräumige» Präfektur aus­geschlagen, die natürlich nur gegen einen besonderen Ausweis zugänglich ist, denn hier werden ununterbrochen die allerwich­tigsten Entscheidungen über die Bewegungen unscrrr Truppen in, Felde gelrosseu uud hier ist deshalb auch Ruhe die erste Bürgerpflicht. Hier waltet seines schwere» Amtes de- Chef Exzellenz von Moltke. In einem größere« Hotel ist das nriegs- Ministerium uutcrgebracht. Reben zahlreichen höheren Ofsizte- reu aller Waffengattungen arbeiten hier auch die Militärbe­vollmächtigten der größeren deutfchcn Bundesstaaten und zwar für das Königreich Bayern Ritter oo» Wcnningcr, für Würt­temberg Geucralleutnaut voii Erävenitz und für das König­reich Sachfe» Freiherr von Lcuckart. Oesterreich Ungarn ist im Großen Hauptquartier durch den Feldmarfchalleuinant Gra­fen Stürgth und den L-bcrstleutuant Freiherr» von Bieuerth vertreten. Als Chef des Fcldfmiitätswefens fungiert der Ge­neralarzt der Armee Profefsor Dr. von Echjerning. Auch die Rcichsuiilitärjusttz. ist vertreten und zwar durch den bekannten Kriegsgerichtsrat Dr. Selle. Die ebenfalls in einem schönen Patcizierhause der inneren Stadt unlergcbrachtc Reick^skanzlei leitet natürlich Ser Reichslanzler Herr von Bcthmann Hollwcg perfünlich in dieser für das Schicksal des Reiche» wichtigsten Zeit. Er wird hier als Generalleutnant gc-fuhrt und in feinem Gefolge befinden sich der Botschaftsrat von Mutius und der Legationsfekretär Graf Zech. Das Auswärtige Amt ist durch Herrn von Jagow vertreten, den der preußische Gesandte von Stumm und der Lcgationsrat von Radowitz hierher be.ql.itel haben. Die Rolle des Feldobcrpostmeiftere, die 1870 der un vergeßliche Stephan spielte, hat hier der Geh. Obc-postrat So- mizlafs übernommen, während das Amt der Chefs der Feld- telegraphie Generalmajor Balk vom Großen Eencralstab ver­siebt. Die Leitung der politischen Polizei liegt in den Hän- de:i des Polizcirats Kuntzc, die der Zentralfeldpolizci in denen des Polizeidirektors Bauer aus Straßburg i. Elf.

Das Kaiserlich Freiwillige Automobilkorps befehligi Prinz Waldemar von Preußen. Sein Stabschcs ist der bekannte Ge­heime Kommerzienrat Büxenslein aus Berlin. Dau:ben weilen im Großen Hauptquariier noch die Chefs des Fcldcisen- batznwefcns. der Fußartillcric, des Fe<dmueiitionswcsens. der Gcneralintendantur und der Stab der Marine, deren höchste Spitze in der Person des Großadmirals von Tirpitz selbstver­ständlich auch im Großen Hauptquartier vertreten ist. Schließ­lich ist auch der Chef des Ingenieur- und Pionierwcfcns, die Leitung der Freiwilligen Krankenpflege im Kriege, das Häuf­lein der ausländische» Militärattachecs und das Fähndlein der Kriegsberichterstatler im Großen Hauptquartier anwesend. Di« letzteren sind diesmal in einem fürstlich eingcriHtcten Schlöffe der Umgegend, demChateau Olympc" untergcbracht. Doch davon ein andermal!

Paul Schweder, Kriegsberichterstatter.

Deiiilihe Ijüiisfraimi dörrt dknllchtg Obst.

Von Obstbaulehrer W i e s n e r , Bad-Nauheim.

Berwerlet alles Obft. Laßt nichts umlommeii. Füllt alle Gläfer, Krüge, Töpfe und Fäffer mit haltbar gemachtem Obst und E-müfe für den Winter zur'Nahrung als Daucrvvrrat in

sorgenschwerer Zukunft.

So laute» letzt in allen Gauen des rundum angefeiudeten deutschen Vaterlandes die Mahnungen an Hausfrauen upd houshaltends Töchter, an alledaheimgelasienen" Landwirte, Eartenbcbaucr und Obstzüchtcr.

Ja, cs tut sicherlich not in dieser unverhofften Weltkeiegs- zeit, für Nahrungsvorräte zu sorgen. Bei der möglichen Knappheit der vorhandenen Nahrungsmittel, der fast ganz aus- qehobenen Einfuhr von außen durch Sperrung der Grenzen/